Unterhaltung im Bürgerbus (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.05.2018 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Reportage | Mobilität auf dem Land - Bürgerbus in Gransee sucht dringend neue Fahrer

Vor allem die Menschen in den Dörfern rund um Gransee wären ohne den Bürgerbus aufgeschmissen. Viermal täglich verbindet das ehrenamtliche Busangebot die Dörfer mit der Stadt. Doch der Verein braucht neue Fahrer, damit der Bürgerbus eine Zukunft hat. Von Björn Haase-Wendt

Es ist 9.40 Uhr am Bahnhof in Gransee (Oberhavel). Michael Fielitz schnallt sich an, dreht die Zündung und startet zu seiner heutigen Tour. Er ist einer von 15 Fahrern des Granseer Bürgerbusses. Vom Bahnhof geht es noch leer los, an der nächsten Station – dem Kirchplatz – füllt sich der Kleinbus. Sechs ältere Frauen steigen ein, vollbepackt mit dem heutigen Einkauf. Nach der freudigen Begrüßung finden die Frauen – allesamt Stammfahrgäste – schnell ihren Sitzplatz. Nun geht es weiter in die Dörfer, knapp 40 Kilometer ist die Tour lang. "Wir fahren nach Sonnenberg, Schulzendorf, Keller in Ostprignitz-Ruppin, Meseberg und dann zurück nach Gransee", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Rüdiger Ungewiß. Insgesamt 23 Stationen stehen auf dem Fahrplan, an denen aber nicht immer gestoppt werden muss.

Bürgerbus Gransee, Foto Antenne Brandenburg, Björn Haase-Wendt
Der reguläre Bus kommt nur zu den Schulzeiten, sagt Gertrud Lange aus Meseburg. | Bild: Antenne Brandenburg

Bürgerbus schließt Lücke im Busverkehr

Der Bürgerbus wurde 2005 ins Leben gerufen, um die Mobilität auf dem Land zu verbessern und eine Lücke im Nahverkehrssystem zu schließen, die für den regulären Busverkehr nicht wirtschaftlich ist. Für die meist älteren Fahrgäste ist das ein Segen. Denn der reguläre Bus kommt meist nur vor oder nach der Schule vorbei, sagt Gertrud Lange aus Meseberg: "Morgens um halb sieben rein und um dreiviertel zwölf der erste raus, wer soll denn da mitfahren?" Auch Sabine Pilger aus Buberow kennt das Problem. Sie nutzt den Bürgerbus, wenn sie Arztbesuche in Gransee hat. "Ich lege mir meine Termine immer so, dass ich dann genau mit dem Bürgerbus fahren kann", sagt sie. Sabine Pilger freut sich, dass sie vorne neben dem Fahrer sitzen kann: "Ich habe mit die längste Tour und kann so hier die Landschaft genießen."  

Sabine Pilger aus Buberow im Bürgerbus (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Sabine Pilger sitzt gerne neben dem Fahrer | Bild: (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)

Auf ein Gespräch

Auf den hinteren Sitzen halten die anderen Fahrgäste unterdessen einen Plausch: über Bekannte, die Nachrichten, oder andere Dinge, die sie gerade beschäftigen. Denn der Bürgerbus ist nicht nur ein Mittel um von A nach B zu kommen: Für viele ist es auch die einzige Möglichkeit, mal unter Leuten zu sein. "Die meisten Fahrgäste sind hauptsächlich Frauen, die alleine leben. Die Männer sind verstorben, die Familien weggezogen. Sie haben manchmal tagelang niemanden, mit denen sie sich unterhalten können", erklärt Rüdiger Ungewiß und glaubt, dass es sogar Fahrgäste gibt, die nur wegen der Gespräche mitfahren.

Wertschätzung für die Fahrer

Der weiße Kleinbus mit insgesamt acht Plätzen für Fahrgäste biegt unterdessen in eine Grundstückszufahrt ein. Fahrgäste werden, wenn es passt, auch manchmal bis vor die Tür gefahren. "Das machen wir als Service mit", sagt Fahrer Michael Fielitz und legt den Rückwärtsgang ein. Er ist einer von insgesamt 15 aktiven Fahrern im Bürgerbusverein Gransee. Seit einem Jahr fährt er einmal in der Woche den Kleinbus: "Weil ich schon etliche Jahre arbeitslos bin und im Job kaum noch eine Chance habe, fahre ich jetzt den Bürgerbus." Für ihn ist das Ehrenamt auch eine Wertschätzung, dass er trotz seiner Arbeitslosigkeit angenommen wird.

Neue Fahrer gesucht

Doch den Trägerverein plagen auch Sorgen, man sucht neue Fahrer. "Es wird mal jemand krank, es scheiden welche aus Altersgründen aus", sagt Vereinsvize Rüdiger Ungewiß. Deshalb sei es wichtig, ein paar Fahrer in Reserve zu haben, damit das Angebot auch in den nächsten Jahren zuverlässig angeboten werden kann. Doch die Resonanz auf Aufrufe war bisher eher gering. "Wir hatten schon mal über 20 Fahrer, aber auch Zeiten, wo wir nur drei hatten. Da hatten wir sogar überlegt aufzuhören, aber das ist schon ein paar Jahre her", erinnert sich der Vereinsvize.

Fahrer Michael Fielitz und Rüdiger Ungewiß vor dem Bürgerbus (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)Fahrer Michael Fielitz und Vereinsvize Rüdiger Ungewiß

Gebraucht wird nicht viel

Wer sich als ehrenamtlicher Fahrer engagieren möchte, muss nicht viel mitbringen. Motivation, etwas Zeit und einen Autoführerschein – um den Rest kümmert sich der Verein. Zum Beispiel um den Personenbeförderungsschein und die medizinischen Untersuchungen, um zu klären, ob der Ehrenamtler auch fit genug ist. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 130 Euro, die der Verein schrittweise erstattet. "Wir haben das so geregelt, dass der Fahrer das erstmal auslegt und dann monatlich pro Fahrstunde fünf Euro zurückbekommt." Denn einige Fahrer hatten sich in der Vergangenheit nur zum Schein beim Bürgerbusverein gemeldet: Nachdem der Personenbeförderungsschein und die Untersuchungen bezahlt waren, verabschiedeten sie sich zügig vom Ehrenamt.

Der Bus fährt unterdessen zurück in Richtung Gransee – vorbei an gelben Rapsfeldern und Wäldern – im Juni wird er seinen 50.000 Fahrgast befördern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.05.2018, 14 Uhr

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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