Symbolbild: Ein Kurier des Postdienstleisters DHL liefert eine Sendung aus. (Quelle: imago/Gottschalk)
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Wieder Paketbote verurteilt - Ein "krasses Problem" bei DHL

Innerhalb einer Woche wurden vom Amtsgericht Tiergarten zwei Paketboten verurteilt, die für DHL in Berlin ausliefern sollten. Insgesamt sollen sie Lieferungen im Wert von 74.000 Euro unterschlagen haben - laut Prozessbeobachtern keine Einzelfälle. Von Ulf Morling

Ein DHL-Paketzusteller ist vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hat er 78 Pakete unterschlagen.

Im Urteil zeigte sich Richterin Barbara Lüders am Mittwoch überzeugt davon, dass Benzino K. (59) nur ein "Handlanger für Dritte im Ausland" gewesen sei. Die meisten der teuren Smartphones in den Paketen, meist iPhones, waren in Kamerun bestellt worden mit einer Lieferadresse in Berlin-Neukölln. E-Plus hatte an die Bestelladressen die Handys verschickt und K. hatte sie angeblich ausgeliefert. Doch weder Empfänger noch deren Anschriften existierten: K. unterschlug die Pakete, quittierte aber "mit der Vortäuschung der Empfängerunterschrift", dass das Paket beim Adressaten angekommen war, so die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts.

So konnte betrogen werden

Die Tatvorwürfe gegen Benzino K. liegen mehr als vier Jahre zurück: Allein im Januar 2014 soll er die 78 Pakete der DHL unterschlagen haben. Da war der Angeklagte bereits seit drei Jahren bei dem Subunternehmer beschäftigt, der für DHL Pakete ausfuhr. 2013 hatte der 59-jährige dann den Zustellbezirk 0903 übernommen, zu dem unter anderem die Neuköllner Karl-Marx-Straße gehört. Die Smartphone-Lieferungen, die dorthin adressiert waren, kamen allesamt von E-Plus und hatten jeweils einen Wert von bis zu 555 Euro. Doch sie konnten nie ankommen: Der angebliche Empfänger existierte nicht an der angegebenen Adresse - und selbst die Hausnummer des auf der Anschrift angegeben Mietshauses war nicht vorhanden.

Trotzdem galten die Pakete laut der Eintragungen des Handscannerns von Benzino. K. als zugestellt. Wie üblich beim so genannten Ident-Check waren in das Scangerät des Angeklagten Geburtsdatum, Name und Unterschrift des angeblichen Empfängers eingetragen worden, auch wenn der gar nicht existierte.

Security-Spezialistin von DHL sagt aus

"Auch  damals gab es schon eine allgemeine Häufung von Betrugs-Scheinbestellungen", sagte eine 54-jährige Angestellte der Deutschen Post als Zeugin im Prozess aus. Ihr sei aufgefallen, dass die Anzahl der Paketlieferungen nach Neukölln mit Ident-Check im Tatzeitraum sprunghaft angestiegen sei. Die Scanner der Paketboten seien daraufhin ausgewertet worden. Der Handscanner Benzino K.s habe registriert, dass der Paketbote innerhalb weniger Minuten ein Dutzend Pakete an unterschiedliche Kunden ausgeliefert hatte, so die Sicherheitsspezialistin der Post. "Da hätten Dutzende Kunden vor seinem Paketauto Schlange stehen müssen. Da stimmte etwas nicht." Außerdem fiel auf, dass viele Pakete als unzustellbar zurückkamen, wenn K. keine Schicht hatte.

Schon wenige Wochen nach dem Beginn der Unregelmäßigkeiten wurde K. im Februar 2014 von der DHL-Sicherheitsabteilung befragt. Er habe Unregelmäßigkeiten bestritten. E-Plus sei schließlich gebeten worden, DHL vom Postgeheimnis zu befreien und im April 2014 sei Strafanzeige gegen Benzino K. gestellt worden.

Langes Verfahren, Angeklagter inzwischen schwer krank

Durch den Tod des Sachbearbeiters bei der Kriminalpolizei hatten sich die Ermittlungen im Falle des Paketzustellers in die Länge gezogen. Vier Jahre nach den angeklagten Taten sah das Schöffengericht trotzdem die Qualität der Zeugenaussagen und das übrige Beweismaterial als ausreichend für eine Verurteilung an. Der Angeklagte hatte im Prozess zu den Vorwürfen geschwiegen.

Erst in der vergangenen Woche war ein bei DHL angestellter Paketbote wegen des Diebstahls von 35 Sendungen innerhalb eines Jahres verurteilt worden. Er habe Geld gebraucht für die Familie, gab er im Prozess als Grund dafür an. Der 33-jährige DHL-Paketbote hatte ein Jahr lang Pakete mit Hugo-Boss-Designerkleidung und 17 iPhones für insgesamt 30.000 Euro im Grunewald gestohlen. Er bestritt vehement, für Komplizen im Hintergrund gearbeitet zu haben. Die 17 Smartphones habe er allesamt selbst benutzt.

Auch in diesem Fall waren falsche Bestelldaten und Lieferadressen benutzt worden. Während der 33-Jährige zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde und inzwischen als Busfahrer bei der BVG arbeitet, ist der jetzt verurteilte Mitarbeiter eines Subunternehmers von DHL Frührentner wegen eines Schlaganfalls. Seine Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten scheint niedrig, doch er muss den angerichteten Schaden ersetzen: 41.892 Euro muss er E-Plus zurückzahlen.

"Krasses Problem"

Ein DHL-Mitarbeiter, der als Zuschauer am Prozess teilnahm und anonym bleiben möchte, berichtete gegenüber dem rbb, dass Unterschlagung, Diebstahl und Betrug "ein krasses Problem" beim Zustellen hochwertiger Artikeln geworden sei. Mehrfach seien Sicherheitsbestimmungen in den letzten Jahren verschärft worden, um der Lage Herr zu werden. Die so genannten "VIP-Pakete" würden inzwischen besonders gesichert, separat aufbewahrt und zur Auslieferung gebracht, um organisierten Kriminellen das Werben von Helfern und Komplizen zu erschweren.

Sendung: Inforadio, 30.05.2018, 15.30 Uhr

Beitrag von Ulf Morling

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Ich kenne mehrere Mitmenschen, die absolut ehrlich sind, sich bei mehreren Unternehmen beworben haben, auch bei der DHL, aber nicht genommen wurden.

    Ich habe nichts gegen Ausländer, verstehe aber nicht warum diese eingestellt werden, wenn die hinterher das Unternehmen beklauen. Mir ist dabei klar, das natürlich nicht alle Ausländer sich so verhalten. Da sind auch viele ehrliche Leute bei. Oder liegt es wieder mal nur am Alter?

    Kann es sein, das der Staat (Arbeitsamt) sich massiv an der Finanzierung beteiligt, und nur deswegen überhaupt eine Einstellung erfolgt? Das Unternehmen bekommt so ja kostenlos Leute. Gab es überhaupt eine herkömmliche Bewerbung, oder wurden die Leute direkt vom Amt in das Unternehmen eingeschleust?

    Und ehrliche (auch ältere) Leute bleiben so auf der Strecke und können nicht mal am normalen Leben teilnehmen, einfach weil die kein Geld verdienen.

    Meine Güte. Sowas sollten Sie mal im Artikel durchleuchten.

    Mfg Jürgen B

  2. 8.

    Hallo,

    ja leider, das sehe ich auch so. So ist das (heute) in einer Marktwirtschaft, da muss alles billig sein (auch die Arbeitskraft). Im Idealfall sollten die Leute so um die 20 Jahre alt sein, alles können, alles wissen, immer freundlich und pünktlich sein, und dann am besten noch unter dem Mindestlohn arbeiten. Meine Güte :-(

    Keine Ahnung, wo das noch hinführen soll.

    Grüße

  3. 7.

    Wieso stellt die BVG überhaupt vorbestrafte Menschen als Busfahrer an?

    Die Qualität der DHL Zustellung in Neukölln ist unter aller Sau. Da muss schon lange mit eisernen Besen gekehrt werden.

  4. 6.

    Postarbeiter erhielten bis zur Unternehmensumbildung der Post eine Ausbildung und Einarbeitung. Und tarifgebundene Arbeitsverträge. Heute sind das Hilfsarbeiter bzw. Aushilfen, die wenig von Postgeheimnis und Postunterdrückung wissen, wenn sie es sich nicht selbst aneignen. Die meisten sind ehrlich und freundlich, trotz der Arbeitsbedingungen. Man erhält das, was man einkauft und bezahlt.

  5. 5.

    Das Video zeigt keinen Beitrag zum Artikel, sondern handelt von dem geplanten neuen Paketauslieferungssystem mit Cargo-Rädern.
    Hierzu wäre mal interessant, wo denn diese Räder fahren sollen? Auf der Straße? Dann müssten sie auch dort halten/parken, denn mit dem schweren und großen Anhänger dürften sie kaum zwischen parkenden Autos hindurch und auf den Bordstein hinauf kommen. Wenn sie auf dem Gehweg fahren, blockieren sie diesen dank ihrer großen Anhänger für Fußgänger, vor allem für Kinderwagen und Rollifahrer! Also auch keine ideale Lösung!

  6. 3.

    Da lachen ja die Hühner. Einer klaut 17 Smartphones, die er alle selbst benutzt (?!). Die Designerkleidung hat er bestimmt auch selbst getragen.
    Hoffentlich versucht sich der frischgebackene Busfahrer nicht mit seinen neuen Arbeitsgeräten als Ampel-Rennfahrer.
    Wie wohl der jetzige Frührentner den Schaden ausgleichen soll, auf den am Ende des Beitrages so ausdrücklich hingewiesen wurde? Privatinsolvenz?

  7. 2.

    Als krimineller verurteilt und jetzt Busfahrer bei der BVG als Belohnung?Wir lebt denn da seine Sozialneurose aus und werdet die ganzen integeren BVG Busfahrer ab?

  8. 1.

    Bewährungsstrafe für 78.000€ ist doch unterm Strich ein ganz guter Stundenlohn. Falls DHL auf Schadenersatz klagt, schon mal Privatinsolvenz anmelden.
    Früher waren die Postler mal Beamte da man darin eine hoheitliche Aufgabe sah. Hatte den Vorteil, daß man sich ziemlich auf die verlassen konnte, da kaum jemand wg. Unterschlagung seinen Status riskieren wollte.
    Heute sind das Leute aus dem Billiglohnsektor, die oft noch nicht mal eine Abstellgenehmigung lesen können.

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