Straßenbahn der BVG am Alexanderplatz in Berlin (Quelle: dpa/chromorange/Karl-Heinz Sprembe)
Bild: dpa/chromorange/Karl-Heinz Sprembe

Medienbericht zur Nahverkehrsplanung - Entwürfe zeigen völlig neue Tram-Linien für Berlin

Straßenbahnen zuckeln vor allem durch den Osten Berlins - doch die Tram erobert Schritt für Schritt auch den Westen: Bis zum Potsdamer Platz oder bis zur Turmstraße können sie bald fahren. Doch es gibt auch Pläne, sie nach Spandau oder Steglitz zu bringen.

Das Straßenbahnnetz in Berlin soll erweitert werden – sowohl im Westen, als auch im Osten der Stadt. Das berichtet die "Berliner Zeitung" (Dienstag).

Sie beruft sich dabei auf den Entwurf des Bedarfsplans für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der gemeinsam von Senatsverkehrsverwaltung und dem Center Nahverkehr Berlin (CNB) erstellt worden sei. "Ein derart massiver Ausbau des Netzes wurde bislang in keinem offiziellen Konzept vorgeschlagen", schreibt die Zeitung.

Die Karten, die auch den S-Bahn und Regionalverkehr berücksichtigen, seien im April Experten vorgestellt worden, die an der Fortschreibung des Nahverkehrsplans für 2019 bis 2023 arbeiten.

Straßenbahnverkehr in Berlin mit Erweiterungen bis 2035 (Quelle: Center Nahverkehr Berlin)
Bedarfsplan-Entwurf für das StraßenbahnnetzBild: Center Nahverkehr Berlin

 

Für eine größere Kartenversion bitte hier klicken.

Zudem seien sie Grundlage für den künftigen Berliner Stadtentwicklungsplan Verkehr. Die Entwürfe können auf der Webseite des CNB eingesehen werden. Die Karte zum Straßenbahnausbau zeigen neben bekannten Projekten - wie etwa der Trasse vom Alexanderplatz über den Potsdamer Platz zum Kulturforum oder vom U-Bahn Turmstraße bis zum Virchow-Klinikum - viele neue Straßenbahnstrecken.

Die nun veröffentlichten Pläne gehen weit über bisher bekannte Erweiterungen des Tram-Netzes hinaus; etwa vom Alexanderplatz über den Potsdamer Platz zum Rathaus Steglitz.

Kommen alte Verbindungen wieder?

Nach Angaben der "Berliner Zeitung" sind das etwa Strecken

    - zum Bahnhof Zoo und
    - zum Halleschen Tor.

Diese stehen bereits in der rot-rot-grünen Koalitionsvereinbarung. Darüber hinaus könnten laut der Zeitung auch etwa

    - das Rathaus Spandau,
    - der Bahnhof Wittenau oder
    - Lankwitz 

Tram-Anschluss erhalten. Auch vor Jahrzehnten aufgegebene Verbindungen sollen reaktiviert werden – beispielsweise

    - von Alt-Mariendorf nach Lichtenrade oder
    - von Moabit nach Wedding. 

Die Karte zeige auch Routen, die es bislang nicht gab, etwa

    - zwischen Steglitz, Marienfelde, Buckow und Johannisthal.

Neue Stadtviertel sollen demnach ebenfalls Straßenbahnanschluss erhalten:

    - etwa der auf dem Gelände des heutigen Flughafens Tegel geplante Forschungs- und     Industriepark oder
    - der Blankenburger Süden.

Finanzierung ungeklärt

Für einige Trassen sieht das Konzept die Realisierung allerdings erst in vielen Jahren vor. So würden etwa die Trassen nach Lichtenrade und ins Märkische Viertel erst nach 2035 entstehen.

Ob das Konzept realisiert wird, ist laut "Berliner Zeitung" allerdings nicht absehbar. So sei etwa die Finanzierung ungeklärt. Der Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) äußert sich in der Zeitung mit einem ähnlichen Tenor: "Bei diesem Plan handelt es sich um einen Arbeitsstand, der noch nicht politisch entschieden ist."

FDP fordert Ausbau von U-Bahnnetz

Die Berliner FDP bezeichnete den nun öffentlich gewordenen Entwurf als "unvernünftig, den Verkehrsbedürfnissen nich angemessen und nicht zukunftsgerichtet". Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer der Liberalen im Berliner Abgeordnetenhaus, kritisierte, dass in einer wachsenden Stadt wie Berlin der Verkehr nicht vorwiegend über Straßenbahnen abgewickelt werden könne. "Wenn in neue Schienenstrecken investiert wird, ist deshalb der Bau weiterer U-Bahn-Verbindungen in der Innenstadt vordringlich und unabdingbar. Auch in eher gering besiedelten Gebieten in den Außenbezirken liefern neue Straßenbahnstrecken keine attraktiven Lösungen." Dort würden zukünftig innovative Ridesharing-Angebote gebraucht, so Schmidt.

Sendung: Abendschau, 23.05.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

48 Kommentare

  1. 48.

    Schon nach dem Krieg gab es den 200Km Plan für die U-Bahn. Ein damals schon bescheidenes Projekt, wenn man Vergleiche mit anderen Weltmetropolen zieht wie Madrid Z.b das rund 350 km U-Bahn hat. Wenn man schon das Strassenbahn'etz ausbauen will, dann sollte man wenigstens das System der Stadtbahn anwenden, wo die Strassenbahn in dichtbesiedelten Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen unterirdisch verläuft.
    Berlin ist aber trotzdem eine Weltmetropole zumal der ÖPNV am Wochenende rund um die Uhr funktioniert.

  2. 47.

    Das sehe ich genauso schon alleine um die Straßenanwohner an den Ausfallstraßen zu entlasten. Da wird debattiert bis die Karten neu gemischt werden müssen, weil es nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Eine Regierung soll dem Volk dienen und Nägel mit Köpfen machen und nicht ihre Grabenkämpfe ausführen.

  3. 46.

    Purer Populismus vom R2G-Senat, an dessen Umsetzung sie scheitert werden.
    Natürlich sieht es gut aus, mit durchgezogen und gestrichelten Linien uns ein neues Verkehskonzept zu verkaufen, über dem auch noch das Sinken von CO2 vorgegaukelt wird.
    Allein, mir fehlt der Glaube und Berlin das Geld.

  4. 44.

    Ich will mal von einer recht pauschalen U-Bahn- und Straßenbahn-Position wegkommen. Es geht ja immer um einzelne Gebiete und um einzelne Strecke mit ihrem jeweiligen Fahrgastaufkommen. Das kann für einen Busverkehr weitaus zu hoch sein, aber für eine U-Bahn wiederum zu niedrig. Ich finde, es käme darauf an, diese Diskussion vorbehaltlos zu führen.

    In der Vergangenheit gab es einen Wechsel in der Grundauffassung: In den 1960ern u. 70ern wurde alles eingetunnelt, was irgendwie möglich war, komme an Bau- und Folgekosten, was da wolle. Die Trendwende hin zum Oberflächenverkehr, hin zum öff.Verkehr bei Sonnenlicht sehe ich Anfang der 1980er, auch im Verein mit techn. Errungenschaften wie der Ampelvorrangschaltung.

    M. E. wäre es sehr wohl überlegenswert, die U 1 von der Uhlandstr. bis zum Adenauerpl. zu verlängern, um den Bhf. Bismarckstr. als Umsteigepunkt zu entlasten. Ggf. aufgegeben bzw. nur für den Wochenendverkehr geöffnet werden könnte die U 4.

  5. 43.

    Also ick finde die Vorschläge dieser Karte sehr gut (http://www.cnb-online.de/wp-content/uploads/2018/05/AG-1-Bedarfsplan.pdf). Sollten alle nach und nach umgesetzt werden. Vor allem Strassenbahnen und S-Bahnen.

    Die U-Bahn dagegen dauert nur ewig zu bauen und verschlingt sehr viel Geld. Ich will ja auch, dass U-Bahnen mehr gebaut werden, aber es soll doch zuerst das gebaut werden, was schneller zu bauen geht (auch um den Platz zu sichern) also Strassenbahnen und S-Bahnen. Dann auch gerne mehr U-Bahnen. Unbedingt.

  6. 42.

    Eine sinnvolle Anbindung von Lichtenrade an die U6 ist schon lange überfällig. Spätestens wenn die Bauarbeiten wieder losgehen, wird es die Hölle im super langsamen M-Bus von S Lichtenrade. Die Mietpreise treiben immer mehr Leute an den Stadtrand, und die Stadtplaner haben mal wieder versagt. Stau gegen überfüllte, langsame Busse, gegen 20km Fahrradfahren zur Arbeit wenn die S Bahn mal wieder nicht fährt sind einfach alles keine Optionen. Baut die Tram! Jetzt!

  7. 41.

    Übernommen hat man sich da ja nicht gerade. In der Legende zur Karte steht die dicke durchgezogene Linie für den Umsetzungszeitraum bis 2025. Nur auf der Karte gibt es diese Linie gar nicht!

  8. 40.

    Leute, macht doch erstmal den BER fertig, bevor man sich wieder übernimmt...

  9. 39.

    Ich denke mal, dass die Trennung zwischen U-Bahn und Straßenbahn auch in Berlin nicht auf alle Zeiten so bestehen bleiben muss. Auch Frankfurt am Main hat mit der U 4 ja zunächst NAHEZU eine U-Bahn gebaut, um sie dann in östliche Richtung hin als Straßenbahn zu verlängern. Hannover hat sich vom U-Bahn-Vorläuferbetrieb verabschiedet und setzt auf die Stadtbahn, die 90 % oberirdisch im Straßenraum verkehrt, 10 % unterirdisch.

    Mit etwas Phantasie könnte die U 8 auch als "Dualbahn" verkehren, mit seitlicher Stromschiene und mit Oberleitung, wie in Amsterdam bei der Linie (53). Ggf. ginge das aufgrund der niedrigen Dekenhöhen mit einem Zwischenwägelchen, auf dem ein Stromabnehmer draufgesetzt ist?? Dann könnten - erst einmal theoretisch - oberirdische Stadtbahnstrecken nach Süden als Ersatz für die Buslinie M 44 und nach Norden ins Märkische Viertel verlaufen.

  10. 38.

    "... mit der U-Bahn jeden Winkel der Stadt erschlossen haben."

    Bis zur letzten Tanne im Grunewald offenbar auch nach Ihrer Ansicht nicht. - Oder doch?

    Wo also wollen S I E die Grenze einer U-Bahn-Fähigkeit im Vergleich zu einer Straßenbahnfähigkeit ziehen im Vergleich zu einer Busbedienung in Bezug auf ein bestimmtes Gebiet?

  11. 37.

    Ein reichlich hoher Preis dafür, um in PR-Broschüren als Weltstadt da zu stehen.
    Nebenbei betont: Sogar London, Paris und Barcelona haben inzwischen Straßenbahnstrecken eingeführt.

  12. 36.

    Gerade Hannover bietet ein sehr anschauliches Beispiel, war doch die Eintunnelung unterhalb des Hauptbahnhofs erst einmal eine sehr sinnvolle Maßnahme, um die Welt "vor" und "hinter" dem Hauptbahnhof auf diese Art zu vereinigen. Allerdings ging es bei der Eintunnelung der Straßenbahn und der Aufwertung zur Stadtbahn in den 1970er-Planungen um Größeres: Da sollte ein richtiges, vom Straßenverkehr getrenntes U-Bahn-Netz geschaffen werden. Schon vor zwei Jahrzehnten hat sich Hannover endgültig von diesen Plänen verabschiedet und die entsprechenden baulichen Vorleistungen für die Weiterführung als U-Bahn zurückgebaut. Kurzum: Es bleibt beim gegenwärtigen Stand der Tunnelstrecken, die ich persönlich zur Hälfte für sinnvoll, zur Hälfte für überdimensioniert halte.

    Der Ausbau der Hannoverschen Stadtbahn betraf in den letzten beiden Jahrzehnten ausschließlich die Verlängerung der oberirdischen Strecken.

  13. 35.

    Also wenn Menschen aus Umland kommen, dann soll sich das Umland nach öffentlichen angebot sorgen - z.B. Regiobahn-Zubringerbusse. Senatsverkehrsverwaltung und Center Nahverkehr Berlin sorgen für Mobilität in Land Berlin. Die ist mit Trams als Zubringer und Verteiler größtenteils gut zu schaffen.

    Re: andere Kommentare, Berlin/Brandenburg fehlt etwa 10 millionen Menschen, eine Weltstadt zu sein.

  14. 34.

    Der Vorschlag der FDP reiht sich an all die anderen schlechten. Ein Ausbau der U-Bahn ist sehr teuer und erreicht in den Innenstädten nurmehr die eigene Klientel. Wer soll das bezahlen? Der flächige Ausbau des ÖPNVs ist dem vorzuziehen, vor allem weil hier die Pendler*innen an den Rändern abgeholt werden. Insbesondere der geplante Ast nach Spandau bindet ein Stadtentwicklungsgebiet mit einigen Tausend Wohneinheiten schnell an die Ringbahn an. Ridesharing sind meiner Meinung nach als gute Ergänzung zu betrachten. Ganz FDP-like: Hier wird wieder eine private Branche gefördert.

  15. 33.

    Trams nur auf weitgehend eigener Trasse, sonst bringt es für alle nur Frust. Die Straßen im Westen sind aber meistens nicht breit genug, sonst bleibt nur eine Autospur pro Richtung übrig sowie der Wegfall vieler Parkspuren. Der Lieferdienst bringt dann nichts mehr nach Hause.

  16. 32.

    Die Umsetzung dieser Pläne hieße ja, dass in Berlin eine zeitgemäße Verkehrspolitik gemacht würde: Erprobte Elektromobilität, leistungsfähig und komfortabel, deutlich preiswerter und schneller auch für den einstigen Westteil der Stadt verfügbar als Tunnel.

    Aber die Ewiggestrigen, die Verkehrspolitik ausschließlich aus der Autofahrerperspektive betreiben wollen, werden dies auch in den nächsten dreißig Jahren zu verhindern wissen. Man braucht ja nur zu sehen, wie tapfer in den Kommentaren ignoriert wird, wieviel Zeit und Geld in Berlin allein die Verlängerung der U 5 und der Bau der S 21 kosten.

    Neuestes "Argument": Die ach so langen Bremswege von Straßenbahnen. Klar: Verglichen mit der Zahl der Pkw- und Lkw-Opfer sind Trams gemeingefährlich. Und natürlich verschweigt man auch, dass Menschen IN einer Tram nur selten zu Schaden kommen. Anders als jene, die nicht begreifen, dass doch recht gut zu erkennen ist, wo ein Zug entlangfahren könnte und wo nicht.

  17. 30.

    A) Berlin ist keine Weltstadt und wird auch nie eine sein.

    B) U-Bahnen brauchen leistungsfähige Zubringer, sonst sind die U-Bahnen nur halbvoll oder gar leer. Zahlreiche Weltstädte oder Metropolen bauen seit den letzten Jahrzehnten Steaßenbahnen im großen Stil aus. Nur reiche Städte können sich U-Bahnen als "Angebotssystem" leisten. In Berlin versagen hingegen so einige Zubringerbusse seit Jahren durch ihre geringe Zuverlässigkeit und das gegenseitige Verstopfen der Straßen. Gute Beispiele wurden bereits zahlreich genannt.

  18. 29.

    Straßenbahnen unterliegen sofern sie nicht in getrennter Trasse gebaut werden, der Straßenverkehrsordnung und müssen die selben Verzögerungen und Bremswegeeinhalten wie alle anderen Fahrzeuge auf der Straße. Straßenbahnen die das nicht einhalten werden nicht zugelassen.
    Dafür hat die Straßenbahn u.a. eine tiefgehängte Magnetschienenbremse, die anders als bei Vollbahnfahrzeugen auch regelmäßig und nicht nur bei Gefahrenbremsungen eingesetzt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Adventskalendergrafik zum 14. Dezember mit einem Ziehbrunnen aus dem 14. Jahrhundert (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 14. Tür: Hoch das Wasser

Nur der Experte erkennt, wenn ein Brunnen richtig alt ist. Alle anderen sehen nur: Hier gabs wohl mal Wasser. In Spandau steht Berlins ältester Ziehbrunnen. Berechtigt ist hier allerdings die Frage: aha, und nun?