Hells Angels auf dem Kurfürstendamm in Berlin (Quelle: imago / Olaf Wagner)
Bild: imago/Olaf Wagner

Prozess nach Mord in Wettbüro - Hells Angels in U-Haft sind mit Handys versorgt worden

Seit mehr als vier Jahren sitzen zehn Berliner Hells Angels-Rocker wegen Mordverdachts im Gefängnis. Durch eine Anfrage der SPD ist nun herausgekommen, dass sie in der Haft immer wieder mit Handys versorgt wurden. Auch Drogen wurden gefunden.

Die Hells Angels-Mitglieder sitzen wegen eines Mordes in einem Wettbüro in Untersuchungshaft. Das Verfahren gegen sie ist der bislang größte Rocker-Prozess der Stadt. Von der Außenwelt abgeschnitten sind die zehn Rocker im Gefängnis allerdings nicht: Irgendjemand versorgt sie offensichtlich von außen mit Handys.  In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 14 Mobiltelefone in ihren Zellen gefunden. Das teilte die Senatsjustizverwaltung in einer Antwort auf eine Anfrage des SPD-Innenpolitikers Tom Schreiber mit.

Auch geringe Mengen Marihuana sichergestellt

Die Justizvollzugsbeamten stießen demnach seit 2014 alle paar Monate bei den Rockern auf Handys. Außerdem wurde bei einigen der Rocker in drei Fällen Marihuana gefunden, insgesamt allerdings nur 2,5 Gramm. Außerdem griffen einzelne Beschuldigte zweimal andere Häftlinge an, in einem Fall auch einen Bediensteten.

Die entdeckten Handys wurden nach Angaben des Senats untersucht. Die Auswertung der Daten habe aber bisher "keine prozessrelevanten Erkenntnisse ergeben", die in der Gerichtsverhandlung eine Rolle gespielt hätten, so der Senat.

SPD-Politiker Schreiber bezeichnete es als erschütternd, wie die organisierte Kriminalität auch innerhalb der Haft auf vielen Ebenen ihre Fäden ziehe. "Das kann kein Normalzustand sein, dass Handys und Drogen bei einem laufenden Mordprozess in den Hafträumen zu finden sind", betonte er.

Überwachungskamaras filmten Rocker in Wettbüro

Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die Rocker am 10. Januar 2014 vermummt in ein Wettspiel-Café im Stadtteil Reinickendorf gestürmt sein. Der Mann an der Spitze erschoss im Hinterzimmer einen 26-Jährigen. Überwachungskameras filmten das Geschehen. Die Verdächtigen wurden wenige Wochen später gefasst und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Bisher wurden in dem Prozess 223 Zeugen gehört. Jeder Verhandlungstag wird von mehr als 20 Polizisten begleitet und bewacht. Die Arbeitsstunden der Polizei summieren sich inzwischen auf rund 25.500 Stunden - das entspricht etwa der Arbeitszeit eines Beschäftigten in 15 Jahren. Derzeit sind bis zum 6. Dezember 2018 noch 51 weitere Verhandlungstage geplant.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ich bin kein Fan der Angeklagten.
    Warum dauert es Jahre und Jahre den Prozess zu führen? Die Beschuldigungen hier jetzt von wegen Handys und "Marihuana" sind ja wohl eher ein Witz, oder?
    Kein "normaler" Angeklagter muss Jahre warten, oder?

  2. 3.

    Wenn es nicht benannt werden würde (was ständig in Medienberichten getan wird) würden Sie doch überhaupt nichts davon wissen. Oder arbeiten Sie im Gefängnis?

  3. 2.

    Hier mal so nebenbei vermerkt: hätte in der Überschrift gestanden: bei jedem zweiten Migrant wurden Handys entdeckt, wären die Kommentarspalten vollgeschrieben. Aber es sind ja deutsche Rocker. Noch Fragen?

  4. 1.

    Waffen und Drogen finden einen einfachen Weg in Gefängnisse, die sind bekannt, darf man aber nicht benennen, weil sonst die Zensur droht, denn es darf nicht sein, was nicht sein darf. Somit steht wohl fest, der Weihnachtsmann war es...

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