Zwei Laster sind bei einem Unfall aneinandergestoßen (Quelle: imago/7aktuell.de/Christina Zambit)
Audio: Antenne Brandenburg Nachrichten, 17.05.2018 | Bild: imago/7aktuell.de/Christina Zambit

Lkw für viele Unfälle verantwortlich - Brandenburger Polizei nimmt Laster unter die Lupe

Die Polizei in Brandenburg kontrolliert am Donnerstag verstärkt Lastwagen und Busse. "Drei Viertel aller Lkw-Unfälle sind durch die Fahrer selbst verursacht worden. Mit dieser Aktion wollen wir den Ursachen wirksam etwas entgegenstellen", sagte der Leiter des Sachbereiches Verkehrsangelegenheiten des Polizeipräsidiums, Polizeioberrat Jan Strotzer.

In Brandenburg wird jeder sechste Verkehrsunfall durch einen Lastkraftwagen verursacht. Dabei starben im vergangenen Jahr 39 Menschen, wie das Polizeipräsidium mitteilte.

Eine Lkw-Kontrolle dauert ohne Beanstandung ungefähr 15 bis 20 Minuten. Dabei werden unter anderem Fahrzeugschein, Bremsen, Lenkung, und Fahrtenschreiber überprüft, teilte die Polizei aufTwitter mit.

In den Landkreisen Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz hat die Polizeidirektion Nord keine stationären Kontrollen. Die Polizisten ziehen die Fahrer dort aus dem fließenden Verkehr. Die Aktion ist Bestandteil der europaweiten Tispol-Kontrollen, einem Zusammenschluss von Verkehrspolizeien der Mitgliedsländer der Europäischen Union.

Mehr Unfälle mit Lkw - weniger Kontrollen

Kürzlich war bekannt geworden, dass die Lastwagen-Kontrollen der brandenburgischen Polizei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen sind. 2017 gab es 28.133 Kontrollen und damit rund 3.700 weniger als im Jahr davor, wie die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus zeigte. 2014 seien es noch gut 37.000 gewesen. Auch behördliche Kontrollen in Firmen des Güter- oder Personenverkehrs nahmen der Antwort zufolge ab. 173 Firmen waren es 2017 und damit 16 weniger als 2016.

Unfälle mit Lastwagen stiegen dagegen 2017 im Jahresvergleich um rund elf Prozent auf rund 14.100. Fast drei Viertel der Unfälle seien durch Güterfahrzeuge verursacht worden.

Jungclaus, der verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, sagte über die rückläufigen Kontrollen: "Angesichts des ständig steigenden Güterverkehrsaufkommens ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, warum die Lkw-Kontrollen dermaßen heruntergefahren wurden."

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.05.2018, 07.00 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.


    Tolle Meldung! Da ist sie wieder, die Beruhigungspille für die Bevölkerung, denn mehr ist das wohl nicht.
    Warum sind die Kontrollen denn zurück gegangen? Wurde nicht die Polizei mit diversen "Reformen" kaputt gespart? Die Beamten, die wirklich tiefgründig einen LKW umfassend überwachen können, sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und sollten es auch bleiben. Spezialisten auszubilden kostet Zeit, Geld und Kapazitäten und genau da wurde jahrelang gespart. Undsie werden immer älter, jüngere rücken selten nach. Es werden also weniger Kontrollen in den nächsten Jahren sein, anstatt mehr. Das ist halt so in Brandenburg, da helfen auch keine Aktionen wie die von heute. Die Beamten, die heute zusätzlich auf der Straße sind, fehlen die nächsten Tage. Aber die Verantwortlichen können sich stolz an die Brust schlagen, dass sie ja was gemacht haben! Super und weiter so!!

  2. 3.

    Zum Glück nur eine Aktion für einen Tag!
    On the road again, can't wait to get on the road again, Dieselschwaden in der vormals guten Luft...

  3. 2.

    Der ehem. Bundspräsidentenkandidat Jens Reich hat es nach der Wende einmal etwas sarkastisch zusammengefasst: Freiheit in allen Lebenslagen haben wir gewollt und ein paar Gramm Erdbeerchemie und Hunderte Kilometer Autobahnen haben wir bekommen.

    Gemeint war die bloße Fortführung der Praxis, wie aus einer hervorragenden EG-/EU-Idee der politischen Verständigung tendenziell ein bloßer Wirtschaftsmechanismus geworden ist, überall das Gleiche zu produzieren und woanders kalkulierend billiger.

    Die Autobahnen sind Teil einer gigantischen Warenverschiebungs-Logistik geworden und die LKWs sind die bewegl. Teile in ihr. Die Zusammenstöße sind "Preis" dieser Billigkeit, im übertr. Sinne. - Ich selber schätze Bäckereien, die vor Ort backen, bei denen ich in die Backstufe schauen kann und wo ich den Mehl-Transporter anrücken sehe. Nicht jene Aufbackketten mit "ofenfrischen Brötchen", wobei die Rohlinge per LKW von sonstwoher kommen.
    30 Ct. pro Brötchen ist der gute Preis dafür.

  4. 1.

    Zitat:"Mit dieser Aktion wollen wir den Ursachen wirksam etwas entgegenstellen", sagte der Leiter des Sachbereiches"
    Mit einer Aktion kann nichts wirksam entgegengestellt werden - es geht darum, ständig zu kontrollieren um einen gewissen Druck aufzubauen und die LKW-Fahrer zu sensibilisieren. So sich einige überhaupt darauf einließen. Jedoch sehe ich auch die Disponenten, die Speditionswirtschaft und das produzierende Gewerbe in der Pflicht. Der LKW als rollendes Materiallager ist die fatalste Entwicklung durch "Just In Time"-Produktion und deren Lagerhaltung. Wenn die Politik auch nicht langsam anfängt, auf die Verbände einzuwirken, wird sich diese Entwicklung mit ihren Opfern fortsetzen, denn die LKW-Fahrer sind die, die ganz unten in der "Nahrungskette" stehen und dem Druck nicht ewig standhalten können.

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