Mario Krause, Hausmeister der Matthäus-Kirche in Berlin-Steglitz (Quelle: rbb/Judith Jenner)
Video: zibb | 02.05.2018 | Boris Römer | Bild: rbb/Judith Jenner

Serie | Mario Krause, Hausmeister in Berlin - "Zum Glück hat mir noch keiner einen Dackel angedreht"

Mario Krause ist ein Mann für alle Fälle. Der Haus- und Kirchenwart kümmert sich um Wasserschäden, die Turmuhr und die Arbeit der Handwerker. Und er muss den Vergleich mit seinem oberspießigen Namensvetter und Dackelbesitzer aus dem Fernsehen aushalten. Von Judith Jenner

Als die Kirchturmuhr neunmal schlägt, schaut Mario Krause auf sein Handy. "Die Uhrzeit stimmt, das ist schon mal gut", sagt er zufrieden. Vor einigen Tagen gab es einen Stromausfall, da stand auch die Uhr der Evangelischen Matthäuskirche am Rathaus in Berlin-Steglitz still. Doch jetzt läuft alles wieder nach Plan.

Dafür, dass alles rund läuft, ist in der Kirchengemeinde Mario Krause zuständig. Als Haus- und Kirchwart ist er der "Mann im Hintergrund" und fast immer da. Seine Wohnung liegt im Erdgeschoss des Gemeindehauses, einem Backsteingebäude, das bis zum Zweiten Weltkrieg als Lazarett diente. Einige Grabsteine gefallener Soldaten stehen noch auf dem bewachsenen Vorplatz zur Schlossstraße.

Hausmeister mit Dienstwohnung sind heute selten

Hausmeister mit Dienstwohnung wie Mario Krause gibt es immer weniger. Viele Kirchengemeinden, Schulen oder Hausverwaltungen haben den Job an Dienstleister ausgelagert, oder ihre Hausmeister wohnen nicht vor Ort. "Ich finde das schade", sagt der 46-Jährige, der in der Matthäus-Gemeinde bereits getauft und konfirmiert wurde. "Gerade ältere Damen freuen sich, wenn sie wissen, an wen sie sich wenden können."

Aber auch Mitarbeiter, Gruppen oder Handwerker profitieren davon, dass es einen gibt wie ihn: Handwerker gehen in der Kirche seit Mario Krauses Dienstbeginn im August 2017 viele ein und aus. Da war die Sanierung der Kirche bereits in vollem Gange. Für 1,3 Millionen Euro bekam der Bau aus dem Jahr 1880 eine neue Elektroanlage, eine neue Heizung, die alten Fenster wurden isoliert, ein barrierefreier Zugang wurde geschaffen, der Turmsockel erneuert. Zu Pfingsten sollten alle Arbeiten beendet sein.

Mario Krause, Hausmeister der Matthäus-Kirche in Berlin-Steglitz (Quelle: rbb/Judith Jenner)
Immer auf den Beinen und deshalb jetzt zehn Kilo leichter: Hausmeister Mario Krause | Bild: rbb/Judith Jenner

Schlosser - U-Bahnfahrer - Hausmeister

Nach zwei Wochen Einarbeitungszeit durch seinen Vorgänger stand Mario Krause bereits zwischen dem Architekten und dem Bauingenieur und schaute den Handwerkern auf die Finger. Ein Sprung ins kalte Wasser: Zwar hat Mario Krause Schlosser gelernt, doch in den letzten Jahren arbeitete er als U-Bahnfahrer. Unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen bewarb er sich bei der Kirche. Dass er in der Gemeinde wohnen sollte, war von Anfang Bedingung. Das schreckte ihn nicht ab, im Gegenteil: Die Dienstwohnung ist größer als seine frühere, sie liegt zentral und ist vergleichsweise günstig.

Auch seine drei Kinder, die alle zwei Wochen bei ihm sind, sind zufrieden. "Der Große hat endlich sein eigenes Zimmer und kann abends noch im Gemeindesaal Klavier spielen", sagt der Hausmeister. "Das finden die Kinder natürlich toll."

Das Handy klingelt den ganzen Tag

Mario Krauses Tag beginnt meist damit, dass er die Küsterei aufschließt und die Jalousien hochlässt. Den Rest der Woche stehen kleinere Reparaturen an, Termine mit Handwerkern und immer wieder Unvorhergesehenes. Ein Wasserschaden im Gemeindesaal, ein verstopftes Waschbecken in der Kita. Das Diensthandy klingelt eigentlich den ganzen Tag.

Kleine Reparaturen erledigt Mario Krause selbst. Wenn der Umbau komplett über die Bühne ist, will er sich im ehemaligen Heizungskeller eine Werkstatt einrichten, um auch mal etwas schweißen oder löten zu können. Freitags bereitet er die Kirche für den Gottesdienst vor, steckt die Lieder, schmückt den Altar oder stellt alles fürs Abendmahl bereit. Drei Sonntage im Monat hat er Kirchendienst und samstags frei. Seit er als Hausmeister arbeitet, hat Mario Krause bereits zehn Kilo abgenommen, denn im Gegensatz zu seinem Job in der U-Bahn ist er ständig auf den Beinen.

Streng nur mit kiffenden Jugendlichen

Oft genug muss sich Mario Krause selbst disziplinieren, dass er auch mal Feierabend macht. Dabei hilft ihm seine Freundin. Sie ermutigt ihn, auch mal Nein zu sagen, wenn jemand an seiner Wohnungstür oder seinem Fenster klopft. Oder hält ihn zurück, wenn er beim Abendspaziergang über den Kirchhof etwas sieht, worum er sich am liebsten sofort kümmern würde.

Streng sein, wie es dem Klischee des Hausmeisters entspricht, muss er eigentlich selten. Nur wenn Jugendliche vor der Kirche laut Musik hören oder kiffen, spricht er auch mal ein Machtwort.

Mit der Zeit werden auch die Sprüche über seinen Nachnamen weniger. Mit Hausmeister Krause, dem Oberspießer aus der Fernsehserie und seinem Dackel Bodo, hat der gutmütige Kirchwart wenig gemein. "Zum Glück hat mir noch keiner einen Dackel angedreht", grinst er.

Beitrag von Judith Jenner

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