Der Angeklagte im Prozessaal (Quelle: rbb/Brandenburg aktuell)
Video: Brandenburg aktuell | 22.05.2018 | Andreas B. Hewel | Bild: rbb/Brandenburg aktuell

Somalier greift Wachmann an - Prozess nach Messerangriff im Flüchtlingsheim

Ein Messerangriff in einem Flüchtlingsheim in Blankenfelde-Mahlow beschäftigt seit Dienstag das Landgericht Potsdam. Ein 26-jähriger Asylbewerber soll im September versucht haben, einen Wachmann zu töten - weil er ihn wegen lauter Musik ermahnte. Von Lisa Steger

Ein 26 Jahre alter Mann aus Somalia muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Potsdam wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Tat soll er im September vergangenen Jahres begangen haben.

Es war um die Mittagszeit, als ein Wachmann in dem Heim in der Jühnsdorfer Straße den Somalier in seinem Zimmer aufsuchte und ihn aufforderte, seine Musik leiser zu stellen. Daraufhin soll der Mann den Angestellten erst geschlagen haben; kurz darauf zog er laut Staatsanwaltschaft ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge. Mit den Worten "Ich umbringen dir" soll er sich auf den Wachmann gestürzt und mehrfach direkt auf den Hals gezielt haben.

Der Wachmann wehrte sich, wurde aber an Brust, Unterarm und Hand verletzt. "Er trug nur deshalb keine schwereren Verletzungen davon, weil er seit zwanzig Jahren Kampfsport betreibt, er ist im Karate und macht auch Taekwondo", so Gerichtssprecher Sascha Beck. Der Verletzte, ein Zuwanderer aus Osteuropa, war unbewaffnet. Er wird Ende Mai als Zeuge gehört.

Verminderte Schuldfähigkeit wird geprüft

Ein Blutalkoholtest nach der Tat im September ergab bei dem Angreifer 1,83 Promille. "Ob sich das auf die Strafe auswirkt, hängt davon ab, ob er voll schuldfähig, vermindert schuldfähig oder schuldunfähig war", so Beck. "Dazu wird ein Gutachter Ausführungen machen. Nach meinem Kenntnisstand ist aber die Grenze da noch nicht überschritten."

Im Prozess hat der Angeklagte am ersten Tag geschwiegen. Im Ermittlungsverfahren erklärte der 26-Jährige, der Wachmann habe ihn bedroht – und nicht umgekehrt. Im Prozess sollen unter anderem Beschäftigte aus Heimen in Jüterbog und Luckenwalde als Zeugen aussagen. Dort war der Asylbewerber herausgeflogen, weil er aggressiv gewesen war, so der Gerichtssprecher.

Erste Zeugen waren am Dienstag eine Sachbearbeiterin aus der Ausländerbehörde des Kreises Teltow-Fläming und der Heimleiter aus Blankenfelde.

Ihnen zufolge hatte der Somalier immer wieder unter Alkoholeinfluss randaliert, war tätlich geworden; auch einen Messerangriff hatte er bereits begangen. Mehrfach hatte ihn die Polizei schon festgenommen, doch stets wieder freigelassen. Keiner wollte mit ihm das Zimmer teilen – die Mitbewohner hatten Angst.

Ausgewiesen und dennoch geblieben

Als der nun Angeklagte im September des Jahres 2017 die Tat beging, hielt er sich schon mehr als drei Jahre illegal in Deutschland auf. Ende 2013 war er eingereist. Im Mai 2014 war sein Asylantrag rechtskräftig abgelehnt worden, so Sascha Beck. Denn der Somalier war über Italien eingereist und hätte dort sein Asylverfahren betreiben müssen. Deutschland forderte ihn also zur Ausreise auf. Er blieb jedoch.

Eine Abschiebung scheiterte an fehlenden Personaldokumenten und daran, dass der Somalier zwischendurch untergetaucht war. Italien habe die Anfragen aus Deutschland nicht beantwortet, sagte die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde als Zeugin aus.

Auch nach einer Verurteilung im aktuellen Prozess und einer eventuell verhängten Gefängnisstrafe wird es dennoch nicht möglich sein, den Somalier in seine Heimat abzuschieben, so der Gerichtssprecher. Denn das Abschiebehindernis "fehlende Papiere" bestehe fort.

Infrage käme allenfalls eine Rückschiebung nach Italien. So schreibt es die Dublin-III-Verordnung vor. Ob sich Italien seit der Festnahme des Mannes noch einmal gemeldet hat, ist zur Stunde unklar.

Mit einem Urteil in dem Strafprozess ist Ende Juni zu rechnen.

Sendung: Inforadio, 22.05.2018, 15.40 Uhr

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