Teilnehmer beim Ride of Silence in Berlin am 16.05.2018 (Quelle: rbb/Winkler)
Video: Abendschau / rbb|24 | 15.05.2018 | Dagmar Bednarek | Bild: rbb/Winkler

"Ride of Silence" - Tausende radeln in stiller Trauer durch Berlin

Ganz still und vielfach in Weiß gekleidet, sind sie am Mittwochabend durch Berlin geradelt: Die Teilnehmer der Fahrrad-Demo "Ride of Silence" trauern um die vielen Radfahrer, die auf den Straßen verletzt werden oder sogar sterben. Start war am Brandenburger Tor.

Rund 1.000 Radfahrer sind am Mittwochabend am Brandenburger Tor zu einer Gedenk-Aktion gestartet und in aller Stille durch Berlin geradelt. Damit wollten sie der vielen Verletzten und Toten durch Fahrradunfälle gedenken - genau wie zehntausende anderer Radler, die bei der internationalen Fahrradaktion "Ride of Silence" in fast 400 Städten weltweit dabei waren. Die Aktion findet jedes Jahr immer am dritten Mittwoch in Mai statt.

Start der Tour war nach Angaben der Veranstalter 19 Uhr. Die Teilnehmer wollten in Weiß gekleidet rund 26 Kilometer durch Berlin fahren. Die Strecke führte entlang der Orte, an denen sogenannte Ghost-Bikes aufgestellt sind. Der ADFC stellt die weißen Geisterfahrräder zur Mahnung und Erinnerung an all jenen Orten auf, an denen ein Fahrradfahrer durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam.

Idee des "Ride of Silence" entstand vor 15 Jahren

Die Trauerfahrt wurde von der Polizei begleitet. Während der langsamen Fahrt durch die Stadt wurde im Gedenken an die Toten geschwiegen. Am Kaiser-Wilhelm-Platz sollte eine kurze Ansprache und Schweigeminute stattfinden. Gegen 22 Uhr erreichten die Radler das Rote Rathaus in Berlin-Mitte.

Der "Ride of Silence" fand zum ersten Mal 2003 in Dallas in den USA statt. Damals starb in der texanischen Stadt ein bekannter Rennradfahrer, nachdem ein Schulbus ihn zu dicht überholt und mit dem Außenspiegel vom Rad geschleudert hatte. Danach wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda und einige E-Mails der erste "Ride of Silence" als ursprünglich einmalige Gedenkfahrt organisiert. Die Idee verbreitete sich jedoch schnell.

Streckenverlauf Ride of SilenceStreckenverlauf

Bereits drei tödliche Radunfälle in Berlin dieses Jahr

In Berlin kamen im vergangenen Jahr neun Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben, 627 wurden schwer verletzt. Auch 2018 starben bereits drei Radfahrer. Nach Angaben des ADFC ist die häufigste Unfallart zwischen Kfz und Fahrrad der Abbiegeunfall. Im Schnitt verursachen diese Unfälle jeden dritten tödlichen Radunfall.

Dem Berliner Senat wirft der ADFC vor, bislang kaum eine wirkungsvolle Maßnahme zur Reduzierung der Unfallopfer angestoßen zu haben. Unter anderem fordert der Verband den Umbau von Unfallschwerpunkten, eine Verringerung der zulässigen Geschwindigkeit und eine Vergrößerung der Fahrradstaffel der Polizei.

2017 beteiligten sich in Berlin rund 1.250 Menschen am "Ride of Silence". Die Veranstalter bitten darum, aus Respekt vor den Toten auf Soundsysteme und Alkohol zu verzichten. Die Schweigedemonstration auf dem Rad findet dieses Jahr in Berlin zum vierten Mal statt.

Sendung: Abendschau, 16.05.2018, 19:.30 Uhr

Kommentar

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35 Kommentare

  1. 34.

    Sehr schön. Aber was soll uns das genau sagen? Dass die meisten Unfälle zwischen PKW passieren? Ist nichts neues.
    Im Übrigen habe ich nur eine getroffene Aussage analytisch aufgenommen. Es gibt bei allen Zweiradfahrern eine hohe Anzahl an Eigenunfällen und bei Radfahrern einen nicht unerheblichen Anteil an Unfällen Fahrrad<>Geisterradler.

    Die verlinkten Diagramme sagen für mich vielmehr aus, dass der allgemein wiederholte Vorwurf, Kraftfahrer würden Radfahrer massiv bedrängen, verletzen oder töten nicht haltbar ist. Kraftfahrer sind Radfahrern gegenüber offensichtlich sogar vorsichtiger. Wenn aber was passiert, sind die Folgen gravierender, insbesondere bei Abbiegeunfällen. Auch das ist nichts neues.

  2. 33.

    Der alltägliche umsichtige Blick auf alle Verkehrsteilnehmer zeigt: Regeln und Vorschriften in Berlin werden zehntausendfach missachtet. Riskantes Fahren und falsches, behinderndes Parken; Rad fahren auf Fußwegen und Missachtung roter Ampeln sind eine Selbstverständlichkeit geworden. Ohne massive Kontrollen geht die Gesetzlosigkeit bzw. Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer weiter.

  3. 32.

    Na dann mal für sie feine Törtchendiagramme:

    https://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/information-und-analyse/121-fahrradunfaelle-in-berlin-unfallstatistik/154-die-wichtigsten-fakten-aus-der-polizeilichen-unfallstatistik.html

    Und Lügen aufdecken:

    https://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/information-und-analyse/121-fahrradunfaelle-in-berlin-unfallstatistik/152-mythen-und-missverstaendnisse.html

  4. 31.

    "Die Aufmerksamkeit von motorisierten Verkehrsteilnehmern muss erheblich erhöht werden." >>> FALSCH!!!

    ich korrigiere mal:

    "Die Aufmerksamkeit von ALLEN* Verkehrsteilnehmern muss erheblich erhöht werden."


    * Fußgänger, Radfahrer, motorisierte Fahrer

  5. 30.

    "Verursacher von Verkehrsunfällen mit Radfahrerbeteiligung mit Personenschäden, 33,5% (leichtverletzt) sowie 30,8% (schwerverletzt) Radfahrer , Rest PKW, LKW und Andere..."
    Heißt nichts anderes, als dass bei den meisten Verletzten (rund zwei Drittel) ein Radfahrer der Verursacher ist. Hier dürfte sich auch ein Großteil der Unfälle verbergen, die zwischen Radfahrern untereinander oder zwischen Radfahrern und Fußgängern geschehen. Kommt es zu tödlichen Kollisionen ist meist ein KfW/LKW beteiligt, was nun mal aufgrund des Masseunterschiedes für Radfahrer suboptimal ist. Ein ähnliches Verhältnis werden Sie auch bei Statistiken von Unfällen PKW vs. PKW zu PKW vs. LKW wiederfinden.
    Letztlich müssen alle Verkehrsteilnehmer wieder realisieren, dass § 1 der StVO oberstes Gebot ist - gegenseitige Rücksichtnahme. Dazu gehört, immer mit Fehlern Anderer zu rechnen und nicht auf dem eigenen Recht zu bestehen. Da muss man eben auch mal warten, bremsen, sich zurücknehmen.

  6. 28.

    DAS diskutieren Sie mal mit den Besatzungen der schicken blau/silbernen Fahrzeuge aus. ;-)

    Und im Ernst: Weg mit der Radwegebenutzungspflicht in ganz Berlin. Die meisten Radfahrer wissen am besten wo sie gefahrlos fahren können. Es gibt wenige Radwege die ich dem fahren auf der "Straße" bevorzuge, zu 99% ist das fahren auf der Straße sicherer, unabhängig von der Geschwindigkeit.

    Aber das erklären sie mal der Autolobby und den Autofanatikern.

  7. 27.

    @Sandra, ich gebe Ihnen völlig Recht, daß hier auch die Polizei gefordert ist, auf die Regeln zu achten. Gerade in der vergangenen Woche ist mir das aufgefallen. Ein Polizeiwagen vor mir an einer Ampel in Köpenick - viele Autofahrer warten geduldig auf grün. Aber es gibt auch leider einige, die meinen, ich muß mich über alles hinwegsetzen, es wird über Sperrlinien direkt am Polizeiwagen vorbeigefahren aber die Polizisten im Wagen ... keine Regung. Es wäre ein Leichtes gewesen, hier auszusteigen und zumindest auf die Fehler hinzuweisen. Es müssen doch nicht immer gleich die Strafen sein, aber wenn ich als Verkehrsteilnehmer sehe, ich kann mich über alles hinwegsetzen, sogar vor den Augen der Polizei ...die Polizei wundert sich, daß kein Respekt da ist ... ich nicht. Liebe Kollegen im Einsatzwagen .... bitte nicht immer einfach weiterfahren ....

  8. 26.

    Ich träume mal:
    Alle Verkehrsteilnehme, d.h. Fahrzeugführer, Radfahrer und auch Fußgänger sind sich des Inhaltes von § 1 StVO bewusst und setzten ihn in der Praxis um.
    "Grundregeln
    (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
    (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

  9. 25.

    Ich weiss nicht was Ride of Silence bringen soll. Erinnert mich an Spinnerbrücke zum Gedenken der Motoradfahrer. Und hat sich das irgendein Verhalten beider Seiten geändert? Nö.

    "Nach Angaben des ADFC ist die häufigste Unfallart zwischen Kfz und Fahrrad der Abbiegeunfall. Im Schnitt verursachen diese Unfälle jeden dritten tödlichen Radunfall."
    Ergo im letzten Jahr bei 9 Toten waren es also haargenau drei Abbiegefehler mit Todesfolge in einer Millionenstadt.
    Also ich finde für die Verhältnisse in einer Metropole ist das sehr sehr wenig. Ich glaube das kann man gar nicht unterbieten. Nicht böse gemeint.

  10. 24.

    Wenn eine Benutzung nicht möglich ist oder mir sehr großem Risiko, selbst bei langsamem Tempo, verbunden ist (wie bspw. bei nicht geräumtem Radweg bei Schnee), dann kann man auch nicht zur Benutzung gezwungen werden.

  11. 23.

    Immer wenn es um das Thema von Toten und Verletzten im Straßenverkehr geht werden die Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilnehmer miteinander aufgerechnet.
    Das ist gegenüber Unfallopfern sehr pietätlos.
    Auch wenn es viel zu viele Gesetzesüberschreitungen von Zweiradfahrern gibt geht es doch hier um die toten Radfahrer. Die Aufmerksamkeit von motorisierten Verkehrsteilnehmern muss erheblich erhöht werden. Dazu kann diese Gedenkfahrt sicher beitragen.
    Vor allem muss die Verkehrspolizei deutlich präsenter auf den Straßen werden. Verkehrsverstöße müssen viel mehr geahndet werden.

  12. 21.

    "Nehmen wir mal die Situation am Rathaus Spandau. Den Radweg an den Bushaltestellen (!) können nur Verkehrsplaner am Rande der geistigen Umnachtung geplant haben, "

    Nee, nee, das haben die mit vollem Bewusstsein getan. ;-

    Schließlich war es ja noch fast die selbe Zeit, in der das ICC und deren Umgebung gänzlich ohne Radwegquerung vom Messedamm über die Kreuzung Neue Kantstraße und Otto-Suhr-Allee auskommen musste. Da blieb einem Radfahrenden nichts anderes übrig, als das Rad seinerzeit zu schultern und durch den Verteilertunnel zu bringen.

  13. 20.

    @rbb Danke für die Erinnerung ;) Das Wetter sieht heiter aus und wenn die Kinder Lust haben sind wir wieder dabei. Damit Radfahren (und zu Fuß gehen!) für Kinder in Kreuzberg sicherer wird kann noch viel getan werden. Leider haben hier - trotz aller anderslautender Versprechen - der umweltfreundliche ÖPNV und Fußgänger*innen noch lange keinen Vorrang. Schon etwas mehr Platz für die abgasfreien Verkehrsteilnehmenden würde helfen. Auch barrierefrei nutzbare Radwege und Fußgängerfurten wären toll - sprich weniger verkehrsgefährdend geparkte Autos und zugestellte Wege :)

  14. 19.

    Daran sind aber Verkehrsplaner schuld, die den motorisierten Verkehr bevorzugen und Radfahrer und Fußgänger aufeinander loslassen.

    Letztendlich ist aber jeder (!) Verkehrsteilnehmer für sein Verhalten verantwortlich.

    Nehmen wir mal die Situation am Rathaus Spandau. Den Radweg an den Bushaltestellen (!) können nur Verkehrsplaner am Rande der geistigen Umnachtung geplant haben, die Konflikte sind dort vorprogrammiert.

    Müßten sich dort Radfahrer so verhalten wie von Ihnen beschrieben empfehle ich die Mitnahme von Proviant und eines Zeltes. Nacht um 3 kommen sie dann irgenwann mal durch. ;-)

    Umfahren geht nicht. Die Altstadt ist tagsüber gesperrt. Das dort noch keine Radspuren auf der Fahrbahn angelegt wurden ist ein Skandal. Manche Radfahrer "rasen" (aus Fußgängersicht) mit 10 km/h durch, ich benutze (illegal, da Radwegebenutzungspflicht) die Fahrbahn. Passiert mir da was habe ich die A...karte.

  15. 18.

    Nun kommen Sie doch den Radfahrerhassern und Automobilanbetern* nicht mit nackten, nüchternen Zahlen, die sich nicht widerlegen lassen. Das stört die doch nur im Umdenken.

    Am "lustigsten" sind dabei die sog. "Vielfahrer", zumindest behaupten die das von sich weil sie jeden Tag mit dem Rad 1500 Meter von zu Hause zum Konsum und/oder Kneipe gefahren sind und nun meinen über Radrowdys faseln zu können.

    ...

    Ich bin Klaeintransporter, 7,5t, Motorrad und Auto gefahren. Ich bin früher mit Rädern (!) auf wirklich hohe Kilometerleistungen gekommen und habe entsprechend Erfahrungen im Straßenverkehr sammeln können. Ja es gibt Rowdys auf Rädern, die fallen unter allen Behinderungen aber sogar subjektiv gesehen unter die ‰ Grenze.

    Witzigerweise meinen die ihren Fahrstil ihrem miserablen Untersatz (oft fabrikneuer Sperrmüll) anpassen zu müssen. :-D

    * Sind nicht Radfahrer die eigentlichen "automobilen"? ;-)

  16. 17.

    Ihnen und auch den weiteren Kommentaren hierzu stimme ich zu. Radfahren auf den Gehwegen gehöhrt sich einfach nicht. Schon gar nicht rücksichtsloses Schnellradeln an Hauseingängen vorbei. Dieser schlimme Unfall, den Sie treffend darstellen, hätte überhaupt nicht sein müssen. An Bushaltestellen erlebe ich solch ein Fehlverhalten von Radfahrenden immer wieder. Anstatt kurz mal anzuhalten, die Leute Einsteigen zu lassen, wird ausgeschert auf den Bürgersteig und munter weitergefahren.

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