Eine Frau geht an dem Geschäft "Zauberkönig" im Stadtteil Neukölln vorbei. (Bild:dpa/Wolfgang Krumm)
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Video: rbb|24 | 11.05.2018 | Vanessa Klüber | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Ältester Zauberladen Berlins zieht um - Kein Trick: Der "Zauberkönig" verschwindet

Der "Zauberkönig" macht sich unsichtbar: Der älteste Zauberladen Berlins verlässt seine alte Bleibe. Davor gibt es noch eine Abschiedsparty - die vielleicht etwas zu groß werden könnte. Von Vanessa Klüber

Kirsi Hinze plaudert mit jedem, der den "Zauberkönig" betritt. Es wirkt, als kenne sie alle Kunden persönlich. Hinze steht im Mittelpunkt - obwohl sie das nach eigener Aussage eigentlich gar nicht so mag. Und derzeit kommen viele Kunden. Denn es sind die letzten Wochen, bevor der älteste Zauberladen der Stadt in der Neuköllner Hermannstraße erst einmal schließt.

"Soweit wir wissen, ist unser Geschäft der einzige Scherzartikelladen der Welt, der sich auf einem Friedhof befindet", sagt Hinze. Ihr Geschäft liegt direkt am St. Jacobi Friedhof. "Auch deshalb ziehen wir auf den anderen Friedhof, damit wir das weiter so sagen können."

Der Zauberladen Zauberkönig an der Hermannstraße (Foto: Vanessa Klüber/rbb|24)
Das Schaufenster des "Zauberkönigs" in der Herrmannstraße | Bild: Vanessa Klüber/rbb|24

Zauberhafte Auswahl auf zwölf Quadratmetern

Den Mietvertrag gekündigt hat ihr der Evangelische Friedhofsverband, die baufällige Nachkriegsbaracke soll abgerissen, das Grundstück verkauft werden. Doch der Verband baut ein neues Gebäude für seine Verwaltung. Im Neubau, am St. Thomas Friedhof auf der anderen Straßenseite, soll der "Zauberkönig" eine neue Heimat finden. Ende 2019 soll es soweit sein.

Der alte, kleine Laden platzt aus allen Nähten: Spielkarten, Masken, unechter Kot, selbstgeschnitzte Holzpferde und alles, was irgendwie mysteriös oder doppelbödig ist, stapelt sich, hängt, liegt und quetscht sich in jede Nische auf vielleicht zwölf Quadratmetern Ladenfläche. Das Lager ist noch vollgestopfter, sagt Hinze.

Und was kann man mit all dem Kram anfangen? Kirsi Hinze steckt sich eine Nadel durch ihre vermeintliche Zunge, zaubert ein Loch in einen Geldschein, zaubert es wieder weg, legt eine Münze auf einen Teller und lässt sie verschwinden. "Ich zaubere nicht auf einer Bühne, sondern um zu verkaufen", sagt sie. 

Der Zauberwürfel - eine Familiensaga

Der Laden blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1884 gibt es ihn schon. Zuvor war er in der Friedrichstraße, dann, seit 65 Jahren, in Neukölln.

"Meine Freundin Karin und ich, wir haben rumgesponnen, dass wir den Laden irgendwann übernehmen wollen, aber das war nur eine Schnapsidee", sagt Hinze. Sie und Karin German kennen sich, seit sie zwölf sind. Zuerst gehörte der Laden ihrem Opa, einem professionellen Zauberer, dann der Tante.

Als die Tante mit dem Gedanken spielte aufzuhören, machte die Freundin ernst, rief Hinze an und schlug vor, wirklich ins Geschäft einzusteigen. Hinze sagte ja. "Es hat zeitlich gepasst, wir hatten beide nichts zu verlieren – und dann haben wir uns entschieden, wir machen das jetzt. Es wäre ja schade, wenn es den Laden nicht mehr gäbe."

Online geht´s ununterbrochen weiter

Die nächsten Jahrzehnte, am besten insgesamt 200 Jahre, soll es den Zauberkönig noch geben, findet Hinze. Schauspieler, Filmemacher, Künstler, Zauberer, und ganz normale Leute kämen hierher, um nach einem Geschenk zu suchen, "weil es hier immer irgendwelche verrückten Sachen gibt, die man sonst nirgendwo findet. Was Außergewöhnliches, was man eigentlich nicht braucht, aber was den Tag schöner macht."

Am 16. Juni ist der letzte Verkaufstag – danach gibt es erst einmal nur den Onlineshop, den die Inhaberinnen ausbauen wollen. Und keine Abschieds- nein, eine Wiedersehensparty am Samstag vor dem Laden. Ein bisschen Bammel haben Hinze und German davor. Denn über 4.000 Leute haben sich auf Facebook interessiert gezeigt, zu kommen. Diese Besucherzahl würde den Laden und auch den Bürgersteig davor komplett überlasten. "Das gäbe Ärger mit dem Ordnungsamt", fürchtet Hinze.

Tausende von Leuten kann auch sie nicht wegzaubern. Will sie aber eigentlich auch gar nicht. Denn die Show soll ja weitergehen.

Hinweis: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass der "Zauberkönig" am Südstern in Kreuzberg wiedereröffnet. Das stimmt nicht, er bleibt in Neukölln. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen. 

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Zauberkönig befindet sich bis morgen auf dem Jerusalemer Friedhof.

  2. 4.

    Der herzliche, schnoddrige ( Proll)“Charme“ in der Hermannstraße ist längst vorbei. Gerade deshalb war und ist der Zauberkönig etwas besonderes gewesen. Nochmals, allet Jute zum Neustart.

  3. 3.

    Ich bin gar nicht so weit von diesem Laden aufgewachsen und war als Kind dort auch Kunde.
    Doch ich weine diesem Geschäft nicht sonderlich nach. Es nimmt ziemlich viel Platz weg, ist wenig ansehnlich und im Grunde ebenso überflüssig wie ein nicht weit entfernter Plattenladen, der auch vor noch gar nicht so langer Zeit dicht gemacht hat.
    Vielleicht hübscht ein wenig moderne Sachlichkeit die Hermannstraße geringfügig auf. Das Verschwinden eines düster-schmuddeligen Reliktes (in dessen Schaufenstern man mitunter künstliche Kacke finden kann) wird dem Look dieser Straße aber eher nicht schaden.

  4. 2.

    Da kommen Kindheitserinnerungen aus den frühen 70ern hoch. Immer wenn ich meine Oma in der Herrmannstr. besuchte, war der Blick in die Schaufenster Pflicht. Toll das sie weitermachen, und dieses Stück westberliner Geschichte erhalten bleibt.

  5. 1.

    Der coolste, ja älteste(?)Laden in der Hermannstraße macht dicht. Aber es geht ja weiter. Weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen beim Neustart. Wenn’s Ordnungsamt zur Abschiedsparty kommt, zaubert sie einfach weg;-)

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