In Berlin gibt es nach starken Unwettern Anfang des Jahres 2018 zu wenig Straßenbäume. (Bild: rbb)
Audio: Inforadio | 20.06.2018 | Jan Menzel | Bild: rbb

Bestand verringert sich drastisch - Abgesägt: Berlin fehlen Tausende Straßenbäume

Straßenbäume gehören zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Doch sie haben einen schweren Stand: Seit Jahren wird mehr gefällt als neu gepflanzt. Allein 2017 hat die Stadt um die 6.000 Bäume verloren. Was wollen Senat und Bezirke unternehmen? Von Jan Menzel

In der Mitte fährt die Straßenbahn, am Rand parken Autos, beschattet von 40, 50 Jahre alten Bäumen. Die Stahlheimer Straße in Prenzlauer Berg ist eine typische Berliner Straße. Doch dann entdeckt Christian Hönig, Referent für Baumschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz, etwas, was ihm so gar nicht gefällt: den Stumpf eines abgesägten Baums.

Mehr als 52.000 Straßenbäume wurden gefällt

24 solcher Baumstümpfe sind übrig geblieben von der großen Fäll-Aktion im vergangenen Winter. Die Straße soll erneuert werden, Parkplätze und Radstreifen werden neu gebaut. Die abgesägten Bäume in der Stahlheimer Straße sind kein Einzelfall, sagt Hönig: "Es werden Jahr für Jahr konstant weniger. Nicht nur ein paar, sondern richtig viele."

Mehr als 52.000 Straßenbäume sind in den vergangenen zehn Jahren der Axt zum Opfer gefallen. Im gleichen Zeitraum wurden aber nur halb so viele Neue gepflanzt. Das zeigt die Statistik der Umweltverwaltung. Als Umweltstadträtin in Steglitz-Zehlendorf kennt Maren Schellenberg diese Zahlen genau. Die Grünen-Politikerin sagt, dass ihr einerseits für mehr Bäume Geld und Mitarbeiter fehlen. Anderseits räumt sie ein, dass ihr Bezirk einen anderen Schwerpunkt setzt: "Wir haben zum Glück hier sehr viele Bäume. Ihre Pflege und Erhalt ist für eine Priorität, die eigentlich höher ist als zu fällen und nachzupflanzen. "

Deutliche Alarmsignale gesehen

Deutlich kritisch wird die Entwicklung von Umweltpolitikern im Abgeordnetenhaus gesehen, zumal, die heftigen Stürme des vergangenen Jahres neue Lücken geschlagen haben. Etwa 7.800 Bäumen wurden damals stadtweit gefällt, aber nur knapp 1.800 gepflanzt. Für die umweltpolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus Marion Platta ist das ein Alarmsignal: "Wenn wir eine grüne Stadt bleiben wollen, darf es nicht so weiter gehen", sagt sie.

Grüne wollen "grüne Null" erreichen

Für dieses und für kommendes Jahr hat die Koalition den Bezirken zunächst zusätzlich jeweils drei Millionen Euro genehmigt. Für den naturschutzpolitischen Sprecher der Grünen, Turgut Altug, ist das bestenfalls ein Anfang: "Vision muss sein, dass wir eine sogenannte grüne Null erreichen - dass also die Zahl der gefällten und eingepflanzten Bäume gleich ist", sagt er. Für diese grüne Null will Altug nun in der Koalition werben. Wenn nötig, sagt der Grüne, müsse das Land mehr Aufgaben von den Bezirken übernehmen. Eine weitere Idee sei auch, dass Berlin eine eigene Baumschule gründe.

Sendung: Inforadio, 20.06.2018, 9 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 32.

    Mach doch mit Beim BBIWS
    https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/blog-was-passiert-in-unseren-w%C3%A4ldern/

  2. 31.

    Wir brauchen MEHR Bäume, nicht weniger. Der Baum ist DAS perfekte "Werkzeug" gegen CO2.
    Da muss nichts erfunden werden - es ist alles schon vorhanden.
    Wann begreifen die Menschen das endlich?
    Und damit meine ich nicht nur die Politiker, sondern auch die lieben Menschen um mich herum, die gerne einen großen alten Baum opfern, um mehr Sonne zu haben ... davon bekommen wir bald viel mehr als uns lieb ist.
    Davon hat uns der letzte Sommer schon mal kosten lassen - ich kann gern darauf verzichten.
    Der Baum speichert CO2 und produziert Sauerstoff (O2) - genau DAS ist es, was wir brauchen !!!
    Es gibt natürlich noch viele weitere Gründe FÜR Bäume, von ihrer Schönheit mal ganz abgesehen.
    Bodenerosion, halten von Feuchtigkeit im Boden, etc..
    Aber ok, ich gebe zu - bin nicht besonders objektiv, weil ich Bäume einfach liebe ...

  3. 30.

    Es ist absolut unverständlich weshalb bei uns in der Ribbecker Str die ganzen unter Naturschutz stehenden Japanischen Zierkirschen gefällt wurden. Und es geht immer weiter. Sie nehmen uns weder das Licht weg, noch hatten sie einen Pilzbefall, sie waren absolut gesund und auch nicht in irgendeiner Weise eine Gefahr. Wir als Anwohner sind sauer und können es nicht verstehen oder akzeptieren. Was soll der Mist? Brauch die Stadt jetzt Geld durch Kirschbaum Holz und warum werden kaum neue Bäume neu gesetzt? Lichtenberg wird also bald nicht mehr der grünste Bezirk sein, das ist Fakt, zumal auch bei uns im Hof sehr kapitale Buchen gefällt wurden unter dem Vorwand, sie hätten Pilzbefall, was eindeutig nicht so war. Aber der Baum bringt Geld und sein Erhalt eben nicht. Dank von den Anwohnern und an das ehemals gute Klima durch die Bäume. Dank auch an diesen unfähigen Senat und an Nabu die sich nur um ihre Spenden kümmern.

  4. 29.

    Bäume werden u.a. gefällt, um Parkplätze zu erhalten. Mit weniger rollendem und ruhendem KFZ-Verkehr (Gruenes Projekt) wäre es also gar nicht nötig, Radler und Fußgänger an den Rand zu drängen - und dafür dann leider auch mal einige Bäume zu fällen. Von Massen aber kann hier im Vergleich etwa zu den Baum-Opfern der A100 (kein Gruenes Projekt) m.E. keine Rede sein. 8000 Bäume sind 2017 zudem in Stürmen abgebrochen. Wurde das Wetter auch von den Grünen bestellt? Jedenfalls hat RRG lt Bericht 3 Mio EUR zusätzlich bereitgestellt; offenbar für Pflegen und Pflanzen. Ja, und zudem werden, wie aus den engagierten hiesigen Kommentaren abzulesen ist, BUND und NABU neuen Zulauf bekommen - so dass es den Berliner Bäumen hoffentlich bald wieder besser geht.

  5. 28.

    Ja wo war den der Referent als die Bäume gefällt würden . Stand doch alles in der Zeitung BZ . Natürlich nicht da, gegen seinen Parteikollegen der das Baumfällen veranlasst hat kann man ja nicht vorgehen oder seine Handlungen in Frage stellen.
    Es ist wie immer gibt's du einen Macht zu bestimmen setzt er diese Macht auch ohne Rücksicht ein.
    Im übrigen hat sich seit der Fällung nichts getan die Bäume hätten auch noch stehen bleiben können.
    So jetzt 200 m weiter da lassen die Grünen in der Erich Weinert Str. Für 1,2Mio das Kopfsteinpflaster in der Mitte asphaltieren damit die Fahrradfahrer nicht so durchgeschülltelt werden.
    Na ist nicht ihr Geld.

  6. 26.

    Die Grünen haben die Vision einer "Grünen Null"?!
    Diese Vision ist nicht nur für die Bäume der Stadt, sondern vor allem für die Berliner bereits traurige Wirklichkeit geworden: schaut Euch einfach mal im Berliner Senat um!
    Für den Traum der mobilen Stadt auf dem Zweirad werden massenweise gesunde Bäume für neue Radwege gerodet, ohne dass auch nur ansatzweise über alternative Verkehrsführungen nachgedacht wird!
    Ihre Ideale führen die Grünen so lange im Munde bis sie in politischen Ämtern sitzen. Pecunia non olet.


  7. 25.

    Stimmt, daran kann ich mich auch noch gut erinnern. Für jeden Baum der gefällt, pflanzen wir einen neuen. So die Politiker damals. Auf einmal ist auch hier kein Geld mehr für da. Gerade in den kl. Nebenstraßen finde ich solch einen Anblick mit Bäumen immer wieder zauberhaft schön.

  8. 24.

    Sie schon wieder mit solch einer unsinnigen Ansicht. Alleine die Eiche kann mehr als 200 Jahre alt werden. Überhaupt braucht ein Baum um ersteinmal erwachsen zu sein mehrere Jahrzehnte. Viele der schönen Bäume in den Straßen Berlins leiden unter dem zunehmenden Straßenverkehr und den zugepflasterten Gehwegen u.u.u. Das ist das schlimme daran und nicht weil sie nach Jahrzehnten bestand nun abgesägt gehören, so wie Sie es darstellen.

  9. 23.

    Ein Eingeständnis politischen Versagens: Bäumefällen zum Nachverdichten ist an sich schon eine blöde Idee und erinnert an den überhasteten Hinterhof-Mietskasernenbau der Gründerzeit. Würde man in Berlin endlich mal leerstehenden oder als Ferienwohnung zweckentfremdeten Wohnraum beschlagnahmen und zwangsbewirtschaften, dann müsste nicht soviel zusätzliche Fläche versiegelt werden.

  10. 22.

    Grün ist halt nur die Farbe der Partei, nicht das Anliegen.
    Zur Zeit werden für die Neupflanzug über 1000 € pro Baum ausgegeben. Welcher Eigentümer würde sich so über den Tisch ziehen lassen? Ist es Steuergeld, dann ist es egal. Kein Geld kann auch nicht stimmen, es ist genug da wird halt nur für andere Sachen ausgegeben. Ein Staatsekretär weniger gleich 100 Bäume mehr? Was ist wohl wichtiger?
    Den Effekt eines einzigen großen (nicht neugepflanzten kleinen) Straßenbaums kann jeder spüren an jedem heissen Tag in Berlin.

  11. 21.

    Und das bei einem Senat der durch Grüne geprägt ist .Auf Baumbestand wird ja auch nicht mehr so viel Wert gelegt.

  12. 20.

    Mahlzeit rbb
    WO sind die Kommentare geblieben ??

  13. 19.

    Versuch mal einer privat einen Laubbaum ab bestimmtem stammumfang zu fällen. Holla.. Gebühr ab 400 Euro aufwärts, falls genehmigungsfähig und natürlich(!) Ersatzpflanzung mit Mindestalter bzw. Stammumfang dann nochmal je nach Quelle und ob mit oder ohne Firma ab 250 - eher 750 Euro.. und das waren meine Zahlen 2008

    Gibts da nich auch Vorschriften für? Auch für das Land? Denn die Bäume gehören den Behörden ja wohl nicht..

  14. 18.

    Naja - nicht umsonst rennen den Grünen die Wähler weg. Denn die haben´s kapiert - nur die Grünen selbst wohl noch nicht.

  15. 17.

    Wann kapiert der Letzte, dass die Grünen mit Natur- und Tierschutz wenig am Hut haben, aber immer schön darauf achten, dass das der Wähler nicht so direkt mitkriegt.

  16. 16.

    Wenn Grün in der Stadt zufällig mit dem eigenen Interesse (z.B. KGA) zusammenpasst, geben sich viele als radikale Baumfreunde und fordern explizit von den Gruenen, jahrelange Fehlentwicklungen sofort umzudrehen. Außerhalb des eigenen (Klein-)Gartens aber scheint eine menschen- und naturfreundlichere Stadt für manche eher ein Reizthema zu sein: ++ Weniger motorisierter Individualverkehr? "Nö, müsst ich mich ja umstellen". ++ Weniger Biomüll in der Restmülltonne? "Die Biotonne ist schlecht für meine Haut." ++ Weniger Energieverbrauch für weniger Wetterextreme, also für indirekten Baumschutz? "Alles nicht erwiesen." ++ Wohnraum für Menschen? "Mir egal, ich hab n Haus."

  17. 15.

    Vielleicht war das mal so. Aber dem Artikel entnehme ich, dass dies schon über 10 Jahre her ist. Und dem Artikel entnehme ich auch, dass fehlendes Personal und Geld der Grund dafür ist, dass man mit dem 1:1 Ersetzen nicht mehr hinterher kommt.

  18. 14.

    Grundsätzlich finde ich die Idee, gefällte Bäume wieder durch Neupflanzung zu ersetzten, gut. Jedoch nicht auf diese rigide Art und Weise wie von den Grünen vorgeschlagen. Außerdem ist zu bedenken, dass auch die Pflege der vorhandenen Straßenbäume wichtig ist; d.h. auch Äste abgeschnitten werden, dort wo erforderlich. Die Pflege der Straßenbäume durch die Grünflächenämter der Bezirke sollte auch hier intensiviert werden. Möglicherweise fehlt eine entsprechende Personalausstattung, um dies zu gewährleisten.

  19. 13.

    Die GRÜNEN sind Deutscher Meister in plakativen vollmundigen Ankündigungen.
    Sie sind gegen Kinderarmut.
    Sie sind gegen Altersarmut.
    Sie sind für gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung.
    Sie sind gegen mehr Aufrüstung und Militarisierung.
    Bei den Koalitionsverhandlungen und Gesetzgebungen in Bund und Ländern sind sie in der Praxis neoliberal und Verbündete der Großindustrie. Ihre Dienstwagen haben 245 - 313 PS.
    Alles fundiert nachzuvollziehen z. B in Abgeordnetenwatch.

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