Seyran Ates beim ersten Freitagsgebet in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee (Quelle: Archivbild imago vom 16.06.2017/Jens Jeske)
imago/Jens Jeske
Video: rbb24 | 15.06.2018 | | Bild: imago/Jens Jeske

Liberale Berliner Moschee - Ibn-Rushd-Goethe-Moschee feiert ihren ersten Geburtstag

Vor einem Jahr wurde die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin eröffnet. Dort dürfen Frauen und Männer gemeinsam beten, Frauen dürfen auch als Imame tätig sein. Gründerin Seyran Ates steht deshalb unter Polizeischutz - nach wie vor.

Vor einem Jahr wurde in Berlin-Moabit die erste Moschee Deutschlands eröffnet, in der Männer und Frauen gemeinsam beten dürfen. Am Freitag wird dies vor Ort gefeiert. In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten auch Sunniten, Schiiten und Aleviten zusammen. Frauen müssen kein Kopftuch tragen und dürfen sogar als Imamim tätig werden.

Doch so viel Liberalität hat ihren Preis: Die Gründerin der Moschee, die Anwältin und Publizistin Seyran Ates, steht seitdem unter Polizeischutz.

Moschee-Gründerin Ates erhält weiter Hass-Mails

Auch ein Jahr nach der Gründung kann Ates ihres Lebens nicht sicher sein. "Der Druck ist nicht weniger geworden, ich bekomme sogar noch mehr Drohungen", sagte die 55-Jährige am Freitag vor Journalisten. Seitdem sie die Gemeinde in einem Nebengebäude der evangelischen St.-Johannis-Kirche im Stadtteil Moabit gegründet hat, erhält sie Hass-Mails und wird auf der Straße angepöbelt.

Immer wieder erreichten sie "Hilferufe" von Muslimen und Musliminnen, die dem engen Glaubensverständnis der Traditionalisten entkommen wollten. Viele Frauen sagten ihr, dass sie nun endlich in die Moschee gehen könnten, ohne ein Kopftuch tragen zu müssen.

Etwa 700 Besucher jeden Monat

Doch für viele Besucher ist es nach wie vor nicht leicht, das Gotteshaus aufzusuchen: "Natürlich regiert auch die Angst als Hindernis, weil die Bedrohungen weiterhin massiv sind, und das ist sehr traurig zu sehen", sagte die Sprecherin der Moschee, Marlene Löhr, am Freitag dem rbb.

Dennoch würde Ates ihr Projekt wieder so umsetzen: "Ich bin so traurig, dass wir das nicht schon viel früher gemacht haben", sagte Ates in der vergangenen Woche dem ZDF. "Es wäre so gut gewesen für die gesamte Debatte um Integration, Migration und Flüchtlinge und Islam, wenn wir das sogar schon in den achtziger Jahren angegangen wären."

Rund 35 Aktive hat Ates für ihr Projekt gewonnen, etwa 700 Besucher kommen den Angaben zufolge jeden Monat in die Moschee. "Wir können uns vor Anfragen kaum retten", sagt die 55-Jährige. Schulen gehörten auch dazu, es seien schon Klassen mit muslimischen und jüdischen Jugendlichen da gewesen.

Sendung: Inforadio, 15.06.2018, 12.50 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

18 Kommentare

  1. 18.

    Eben drum, Sie verstehen den Leitsatz von Frau Ates anscheinend nicht. Gleichberechtigung für alle Islamgläubige. Außerdem bezweifle ich sehr, dass das Tragen eines Kopftuchs bei ihr in der Moschee ein Verstoß gleichkommt. Nur tun das eben die Frauen dort nicht, denn auch darum geht es in dem Anliegen dieser sehr mutigen Frau. Weg von althergebrachten, hin zu einer aufrechten, ehrlichen und nicht unterdrückenden Patriarchalen Religion.

  2. 17.

    was frau ates hier tut ist einzig und allein ihre interpretation eines islams- der sich allerdings mit dem Islam nicht deckt, weil Sie Fakten ignoriert, z.B. das Kopftuch, das im Islam eben nun mal ein Teil der Religion der Frau ist. Ob es eine Frau allerdings trägt ist natürlich die persönliche Sache der Trägerin, so sieht das allerdings das Schiitentum und Sunnitentum, bei der Auffassung des Islam von Frau Ates gibt es garkein Kopftuch- was wiederum einen Zwang bedeutet nämlich den ohne Kopftuch zu sein...kann ich persönlich nicht verstehen,m uss ich auch nicht. Liebe Grüße

  3. 16.

    Naiv ist diese Frau ganz sicherlich nicht. Der Anfang ist gemacht und meiner Meinung nach auch richtig so. Soetwas kann eben nur in einem europäischem Land angeregt werden.

  4. 15.

    Ich habe nichts gegen diese Einrichtung. Bewusst sage ich dazu nicht Moschee, da sie genau das für 99% der Muslime dieser Stadt nicht ist, noch dazu, wo sie von einer Frau gleitet wird. Das ist wieder eine Portion wünsch dir was, nur leider dass das im Islam nie Realität werden wird. Es wird nie eine Sogwirkung haben und immer schutzbedürftig sein. Die Idee ist nicht schlecht aber fern jeder Realität.

  5. 14.

    @ rrb24
    >Dass alle anderen Religionen schon so weit wären, stimmt leider nicht. In der katholischen Kirche z.B. gibt's auch keine Priesterinnen.<

    Dafür hatte die katholische Kirche aller Wahrscheinlichkeit eine Päpstin. Päpstin Johanna im 9. Jahrhundert.
    Wobei Ihr anscheinend die (verheimlichte?) Schwangerschaft zum Verhängnis geworden ist ("Papa, pater patrum, pererit papissa papellum.").

    .
    @ rbb-24-nutzer
    ... >z.B. sexistische Einstellungen zu überwinden, seien besonders bei "dem" Islam existent< ...

    Wurde etwa die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee nicht etwa eben gerade aus diesen Gründen binnen kürzester Zeit von der obersten Fatwen Institution in Ägypten mit einer Fatwa belegt?
    JUNI 28, 2017 VON IBNRUSHDGOETHEMOSCHEE
    Stellungnahme der Ibn Rushd Goethe Moschee zur Fatwa der ägyptischen Fatwa-Behörde Dar Al-Iftaa
    https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/stellungnahme-der-ibn-rushd-goethe-moschee-zur-fatwa-der-aegyptischen-fatwa-behoerde/

  6. 13.

    Ich habe nichts dagegen, wenn Fau Ates sich in einem Nebengebäude der evangelischen St.-Johannis-Kirche im Stadtteil Moabit Räumlichkeiten mietet, um ihre Sicht auf den Islam zu fördern.

    Nur glaube ich nicht an die Nachhaltigkeit ihrer Bemühungen. Auch wenn sie jetzt ein Jahr Existenz ihres Islam vermelden kann.

    Frau Ates hat in meinen Augen eine etwas naivee Sicht der Dinge; bei der Einschätzung des Islam orientiere ich mich eher an dem, was der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad sagt.

  7. 12.

    Können Sie sich mal so ausdrücken, das man Sie auch ohne Abitur versteht? Ich jedenfalls kann Ihnen nicht folgen.Bin einfacher Arbeiter und katholisch erzogen. Nun gehöre ich wegen meiner homosexuellen Veranlagung keiner Religionsgemeinschaft mehr an. Was mich aber nicht daran hindert andere Menschen,auch wegen ihrer Religion zuerst einmal zu respektieren. Andererseits erwarte ich umgekehrt das gleiche. Im meinem Alltag erlebe ich es immer wieder das insbesonders Islamgläubige Personen mich abwertend behandeln. Zu Frau Ates auftreten und ihr Engagement die Moscheen zu liberalisieren ist für Menschen wie mich geradezu eine Offenbarung u.wünschenswert. Außerdem habe ich auch das orthodoxe Juden und Christentum mit in meinem Kommentar einbezogen. Wie schon ein anderer Forist schrieb, werde auch ich sicherlich nicht mehr erleben, wie sich die Religionen wandeln tun. Besonders dem Islam wünsche ich dies.

  8. 11.

    Sorry, ich bezog mich auf eine Überschrift der Süddeutschen "Berlin finanziert Ditib wieder" . Gemeint ist dort die Bundesregierung.

    Aber auch der Berliner Senat ist letzten Endes bei Ditib spendabel. In das u.A. von Ditib bestückte "Islaminstitut" fließen Millionen Steuergelder über den Senat.
    Bis 2022 stellt das Land Berlin für das Institut insgesamt 13 Millionen Euro zur Verfügung.

    Die "Religionsstifterin" Ates hatte sich in einem Offenen Brief über die einseitige Ausrichtuing dieser von radikal-reaktionären Islam-Verbänden dominierten Einrichtung beschwert:

    "Gleichzeitig ist dieser Schritt für mich ein politisches Zeichen, dass Sie die wachsende Bewegung liberaler Muslime in Deutschland weder unterstützen noch in politische Prozesse einbeziehen wollen. Im Gegenteil, Sie lassen sich von den Verbänden erpressen."

    https://www.ibn-rushd-goethe-moschee.de/offener-brief-zum-hu-beirat/

  9. 10.

    Aufklärung und Religion in einem Satz. Die Kirchen haben die Thesen der Aufklärung bekämpft.
    Und wenn Sie ausländische Religionsführee ablehnen, wie halten Sie es mit der Katholischen Kirche?

  10. 9.

    Was Sie hier betreiben, nennt man Othering. Der Islam sei eine Religion wie jede andere, aber irgendwie doch nicht. Herausforderungen, z.B. sexistische Einstellungen zu überwinden, seien besonders bei "dem" Islam existent - identitär u. rassistisch.

    Jede Form von Sozialliebralismus ist wichtig, aber Frau Ates hat neben diesem Versuch gelebter Vielfalt seitens Ibn-Rushd-Goethe-Moschee dennoch eine Agenda gegen das Kopftuch. Es sollte doch in einer liberalen Einstellung gerade darum gehen, alle Menschen als gleichwertig zu betrachten und nicht darum, ihnen ein- sowie ausgrenzende, kategorische Vorschreibungen zu machen. Ates beteiligt sich selbst z.T. an strukturellem Rassismus. Es lässt sich also sagen, dass Teile des Engagements Ates' sich ähnlich verhalten wie critical Whiteness zu Antirassismus: fragwürdige Methoden, die im Kern genau das widerspiegeln, was man zu bekämpfen vorgibt - das bloße Ersetzen tradierter Konventionen statt deren Überwindung.

  11. 8.

    Eigentlich sollten Sie und wir alle froh sein, das Frau Ates den Islam zu liberalisieren als ihre Aufgabe sieht. Was spricht eigentlich dagegen? Außerdem zolle ich Ihr meinen Respekt. In anderen Religionen wie dem Judentum, Christentum gibt es ähnliche Versuche und das sogar erfolgreich. Was bei den Strenggläubigen dieser Religionen nicht so ohne weiteres hingenommen wird. War ja auch insbesonders des Islam nicht anders zu erwarten.

  12. 7.

    Stimmt schon, aber die Tendenzen gehen doch in die Richtung, auch der wenn der Muff unter den Talaren so langsam schwindet, oder gehe ich da falsch in der Annahme?
    Dass die Obersten dieser Kirche davor große Angst haben ist unbenommen, jedoch wird auch dort ein Generationswechsel stattfinden und die Eucharistie wird sich einem Wandel unterziehen. Ich würde mir dies wünschen, obwohl ich nie dem Katholizismus beitreten würde. Ebenso betrifft dies den Islam, aber ich respektiere die Religionen halt, hat man mir so mitgegeben. Und das so ganz unreligiös

  13. 6.

    Ihre Aussage zur Förderung von Ditib über Steuergelder des Berliner Senats stimmt so nicht. Sie beziehen sich mit Ihrer Aussage sicherlich auf diese Meldung:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/muslime-in-deutschland-berlin-finanziert-ditib-wieder-1.3485940
    Darin geht es aber um Fördergelder von Bundesministerien.
    Außerdem hat sich die Fördersumme (die wie gemerkt von Bundesebene kommt) im vergangenen Jahr deutlich reduziert - auf weniger als 300.000 Euro:
    https://www.ksta.de/politik/foerdermittel-fuer-erdogan-nahen-verband-bund-dreht-ditib-teilweise-den-geldhahn-zu-28532688

  14. 5.

    Es scheint sich eher um eine private Aktion der Anwältin Seyran Ates zu handeln.

    "Liberalismus" gibt es im Koran im Sinne von westlicher Aufgeklärtheit nicht. Die Fatwa-Behörde Dar al-Iftam in Ägypten verurteilt scharf die diesbezüglichen Aktivitäten von Ates.

    Auch die türkische Religionsbehörde Diyanet, Ditib *) in Deutschland, meint, Ates missachte „die Grundsätze unserer erhabenen Religion“. Ziel von Ates sei, die islamische Religion „zu untergraben und zu zerstören“.

    *)Ditib bekommt jährlich eine Million € Steuergelder vom Berliner Senat.

  15. 4.

    Dass alle anderen Religionen schon so weit wären, stimmt leider nicht. In der katholischen Kirche z.B. gibt's auch keine Priesterinnen.

  16. 3.

    Das nennt man dann auch gemeinhin liberal. Was andere Religionen über Jahrhunderte lernen mussten, das muss der Islam, bzw müssen seine Anhänger nun auch lernen auszuhalten und zu respektieren. Das dauert aber sehr lange und wir werden es wohl nicht mehr erleben dürfen, denn das Patriarchat im Islam braucht noch zig Generationen von Menschen zu verstehen, dass der Islam so zur Zeit falsch ausgeübt und gelebt wird.

  17. 2.

    Eine berechtigte Frage. Wir haben in der Redaktion über die Formulierung diskutiert und uns entschieden, dass Wort "erste" zu streichen.

    Folgendes war aber in dieser Moschee zum ersten Mal möglich:
    Frauen und Männer beten hier gemeinsam in einem Raum, auch das Vorbeten wird von Männern wie Frauen übernommen, ebenso die Predigten. Das war zuvor so in keinem muslimischen Gotteshaus in Deutschland möglich.

  18. 1.

    Heißt das im Umkehrschluss, dass die anderen, fasst 3000 ?Moscheen nicht liberal sind!?

Das könnte Sie auch interessieren

Prinzessinengärten. (Quelle: rbb/Annika Klügel)
rbb/Annika Klügel

Prinzessinnengarten Kollektiv zieht um - Säen, um zu bleiben

Die Prinzessinnengärten am Moritzplatz in Kreuzberg sind das bekannteste Urban-Gardening-Projekt Berlins. Jetzt zieht ein Teil der Truppe auf einen Friedhof in Neukölln um. Wie lange es am Moritzplatz noch weitergeht, bleibt ungewiss. Von Annika Klügel