Auto in Berlin wird abgeschleppt (Quelle: imago/Dieter Matthes)
Audio: radioBerlin 88.8 | 14.06.2014 | Anke Michel | Bild: imago

Bußgelder in Millionenhöhe - Diese Berliner Bezirke schleppen am häufigsten ab

Sie sind überall: Falschparker. Während längst nicht alle für ihr Vergehen bestraft werden, schleppt die Polizei doch häufiger ab - vor allem in drei Bezirken. Meistens wird dabei das Haltverbot missachtet, aber auch Busspuren und Radwege müssen oft befreit werden. Von Mark Allhoff

Auf Falschparker in Berlin haben es zur Zeit viele abgesehen: Die Polizei hat kürzlich eine Kontrollaktion gegen Zweite-Reihe-Parker beendet. Radfahrer verpassen ihnen buchstäblich Denkzettel. Der Senat beschließt, dass künftig auch die BVG selbst abschleppen darf. Und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will auch einen eigenen Abschleppdienst.

Dass sich Verkehrsteilnehmer in Berlin zunehmend nicht an Parkverbote halten, bestätigen auch aktuelle Zahlen der Berliner Polizei, die rbb|24 vorliegen: Im vergangenen Jahr haben Polizei, Ordnungsamt und BVG in Berlin insgesamt 64.574 Mal abgeschleppt oder Abschleppdienste gerufen, im Schnitt also 177 Mal am Tag. Das sind insgesamt 10.000 Fälle mehr als noch vor drei Jahren.

Allein für das Abschleppen ihres Fahrzeuges haben die Berliner rund 8,5 Millionen Euro Bußgeld zahlen müssen.

Haltverbotsschilder werden missachtet, Busspuren besetzt

Die meisten Fahrzeuge sind deshalb umgesetzt worden, weil sie an Orten mit ausgewiesenen Haltverbotsschilder geparkt hatten. Doch bereits am zweithäufigsten werden Fahrzeuge von sogenannnten "Sonderfahrstreifen" abgeschleppt. Das betrifft Bus- und Taxispuren sowie Radwege, die mit einem entsprechenden Schild gekennzeichnet sind.

Auch die Straßenbahnen der BVG werden bis zu 300 Mal im Jahr von Falschparkern behindert. Eine Sprecherin sagte dem rbb dazu, dass in den meisten Fällen direkt die Polizei informiert und "knallhart abgeschleppt" werde, denn nicht nur die Straßenbahn müsse warten, sondern auch alle dahinter.

Dementsprechend konzentrierte sich die jüngste Kontrollaktion der Berliner Polizei neben den Zweite-Reihe-Parkern genau auf diese Abschnitte, also Bereiche, an denen falsches Parken direkten Einfluss auf den Straßenverkehr und die Sicherheit hat. Über 4.000 Halt- und Parkverstöße wurden in einer Woche festgestellt, davon fiel die Hälfte auf Radwege und Busspuren.

"Ich fahre meistens selber Auto", sagt Polizeisprecherin Kerstin Ismer im Gespräch mit rbb|24. "Aber bei der Aktion haben wir sehr viele uneinsichtige und rücksichtslose Autofahrer erlebt. Die sind sich der Gefahr durch das falsche Parken gar nicht bewusst gewesen." Dadurch würden bewusst Unfälle in Kauf genommen.

Beteiligt an der Aktion waren auch die Ordnungsämter von Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Wohl kein Zufall: Das sind die Bezirke, in denen im vergangenen Jahr auch am häufigsten abgeschleppt wurde.

Polizei appelliert an Falschparker

Die Zahl der Falschparker in Berlin dürfte tatsächlich noch um ein Vielfaches höher liegen, zumal auch die Gesamtzahl der Anzeigen gegen Autofahrer, die in zweiter Reihe, auf Busspuren oder Radwegen parkten, in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen ist. Während im Jahr 2016 insgesamt rund 110.000 Strafzettel verteilt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 130.000.

Nach den verstärkten Kontrollen der vergangenen Woche bittet die Polizei in ihrer Abschlusserklärung alle Verkehrsteilnehmer darum, ihr Verhalten im Straßenverkehr am Allgemeinwohl auszurichten, "und nicht am Grad der Wahrscheinlichkeit einer Anzeige". Und wohl auch nicht an der erhöhten Wahrscheinlichkeit, abgeschleppt zu werden.

Sendung: Abendschau, 11.06.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Mark Allhoff

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Das waren noch glücklichere und entspanntere Zeiten, als die Postzustellung noch überschaubar war in der Hand eines einzigen Zustellbetriebes, nicht aber ein Dutzend Unternehmen mit Inhabern, die gerade mal bis 3 zählen können, um die Post- und Paketzustellung konkurrieren ...

    ... und dementsprechend die Fahrbahn alle naslang zugestellt ist.

  2. 16.

    Das macht Sinn hinsichtlich der Umwelt und des Stadtverkehrs die Postwagen stundenlang einen freien Parkplatz suchen zu lassen. Und die Post und Pakete dann meterweit zu schleppen ist auch clever vorgedacht für diejenigen, die sich jetzt bestimmt schon in solchem Job langweilen. Mal ernst: Solch Postwagen ist nach wenigen Minuten wieder weg, wie lange würde dieser mit Kralle dran blockieren. Man man, wäre (bitte noch ohne h) besser, auch mal das Denkvermögen zu gebrauchen.

  3. 15.

    Die Rigoros Variante währe: 2. Reihe-parker kralle drann abschleppen egal ob Transporter von Dhl und co oder Privatfahrzeug. Auch im beisein der Halter, die dürfen dann ihre Fahrzeuge vom Abstellgelände abholen.
    Einzig sinnvolle Ausnahme sind Rettungsdienste.

  4. 14.

    Ich denke auch, dass da klar unterschieden werden muss. Also nicht ins Bockhorn jagen lassen.
    ;-

    Ein Anruf bei einem Amt, um einen Umstand abzustellen, der einem persönlich betrifft. Das würde ich sogar als Zivilcourage bezeichnen, soweit der Verursacher nicht greifbar ist.

    Sich um Dinge zu scheren und sie zum Amt zu bringen, die einem gar nicht betreffen, ggf. nur um einer abstrakten Ordnung willen oder um sich wichtig zu machen, das ist der Blockwart, der ABV, der Denunziant.

  5. 13.

    @Jörg: "Meine Nachbarn parken schonmal tagelang quer zum Fahrdamm auf dem Bürgersteig in der Einfahrt."
    Wenn so etwas tatsächlich stört, kann man doch jederzeit das Ordnungsamt (gibt sogar eine App) oder die Polizei rufen. Wenn meine Einfahrt zugestellt ist und ich den Halter nicht selbst ansprechen/ermitteln kann, waren Mitarbeiter innerhalb von 30 Minuten vor Ort und haben das geklärt. Dank Bussgeld habe ich die Autos dann auch nie wieder in der Einfahrt gesehen.
    Das unethische Verhalten ist doch Wildparken, nicht der Anruf bei den Behörden. Hier habe ich auch keinerlei Verständnis für "Blockwart"-Vorwürfe oder ähnliche Bedenken.

  6. 12.

    Ergänzung : Heutzutage wird auch der Bürgersteig zugeparkt und zwar von den Leihfahrradfirmen.

    Ich dachte lange, das die Nutzer zu blöd sind die Fahrräder da zu parken wo sie nicht stören. Aber langsam habe ich es geschnallt. Direkt vor Bushaltestellen , an Kreuzungen Übergängen im Weg ist MARKETING. Aufallen um Kohle zu machen. Wundersammerweise stehen daneben auch immer Konkurenzfahrräder. Grün L... Bike Orange sind da am aggressivsten.

    PS: zu Autofahrern zurück. Meine Nachbarn parken schonmal tagelang quer zum Fahrdamm auf dem Bürgersteig in der Einfahrt.

    Alles direkt hinterm Rathaus Neukölln beobachtet.

  7. 11.

    Ich weiß ja nicht, wie alt Sie sind, doch schon vor 40 Jahren gab es Parkverbotsvergehen übelsten Ausmaßes, zumindest in westdeutschen Städten. Da wurden einfach Gehwege offiziellerseits zu Kfz-Abstellflächen erklärt, weiße Linien gezogen und die wurden dann sogar noch übertreten dergestalt, dass bis zur Hauswand hin geparkt wurde. Unter voller Inanspruchnahme eines Bürgersteiges.

    Von Auto-Teilen, das die Zahl der Autos prinzipiell verringert, war da noch nicht die Rede, allenfalls gab es ganz kleine Initiativen.

    Wenn also jetzt Trittbrettfahrer aufspringen und deren Kunden ein ebensolches Trittbrettfahrerverhalten an den Tag legen, ist das nur eine Nuance, doch keinesfalls etwas Wesentliches.

  8. 10.

    In Mitte-Mitte könnten die Abschleppwagen tagsüber Runden drehen um allein die Falschparker aus dem 5-Meter-Bereich zu räumen.... sobald mal einer dieser "geht gar nicht Parkplätze" frei wird steht auch schon der nächste drin. Man kann ja schon froh sein, wenn es nur normale Autos und keine Transporter sind, dann kann man wenigstens als Radfahrer und Fußgänger den Kreuzungs- bzw. Mündungsbereich noch einigermaßen einsehen ohne schon mitten auf der kreuzenden Fahrspur zu stehen. Ganz toll für Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen ist auch, das dabei sehr häufig sogar die abgesenkten Bordsteine zugestellt werden.

  9. 9.

    Bei wiederholtem Verhalten kann man die Fahrzeuge auch einfach mal zur Gefahrenabwehr und zur Sicherheits des Verkehrs einfach mal beschlagnahmen. Dann werden es sich die Leute zweimal überlegen im Haltverbot, auf Radwegen, im 5-Meter-Bereich etc zu parken. Die Regeln gibt es um andere zu schützen.

  10. 8.

    Beispiel:
    rund um die Gropiuspassagen werden Ecken zugeparkt--Verbotsschilder missachtet
    endlos Parkplatzsuche gefahren--obwohl die Parkhäuser in den Passagen
    ganztägig NUR 2,50 € kosten-------

    Normalticket
    Bis 60 Minuten = 1,00 Euro
    Bis 120 Minuten = 2,00 Euro
    Jede weitere angefangene Stunde 2,00 Euro
    Kunden von MediaMarkt, Kaufland und der Elch Apotheke parken bis zu 60 Minuten kostenlos.
    Tagesticket
    Parken & Shoppen den ganzen Tag für 2,50 Euro

  11. 7.

    Beispiel:
    rund um die Gropiuspassagen werden Ecken zugeparkt--Verbotsschilder missachtet
    endlos Parkplatzsuche gefahren--obwohl die Parkhäuser in den Passagen
    ganztägig NUR 2,50 € kosten-------

  12. 6.

    Wir wollen doch mal ehrlich sein: die Mehrzahl von Parkvergehen werden doch von diesen Carsharing-Nutzern begangen, die ihre Fahrzeuge überall abstellen, um Minuten zu sparen. Also auch im absoluten Halteverbot oder vor Feuerwehreinfahrten. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Carsharing-Firma denn Verursacher angeschrieben hat, geschweige, das anfallende Geld eingefordert hat. Es herrscht so eine Wild-West-Mentalität, wie man es auch beobachten kann, wenn man erlebt, die diese Fahrzeuge durch die Stadt jagen.

  13. 5.

    @TGF: Ein krudes Weltbild, das Sie da haben: Ursache der mangelnden Disziplin der Verkehrsteilnehmer sind die Ausländer und der Bürgermeister darf nicht mehr verreisen, bevor er alle Probleme der Stadt persönlich geklärt hat. Geht's noch?

  14. 4.

    Learning from Los Angeles: Dort kostet Falschparken, noch ohne Abschleppen, mindestens 70 Dollar, und geht dann steil aufwärts. Die Ecken an Kreuzungen zuparken, was in Berlin Normalität ist, kosten mindestens 500 Dollar. Geschwindigkeitsübertretungen werden in LA übrigens genauso rigoros geahndet. Die Polizei hat diesbezüglich eine klare Null-Toleranz-Linie. Resultat: In Berlins Partnerstadt Los Angeles LA gibt es faktisch keine Falschparker, auch nicht auf den Fahrradstreifen an den Hauptverkehrsstraßen, und alle Autofahrer fahren, auch auf den Freeways, exakt nach vorgeschriebener Geschwindigkeit. Und das Leben ist deutlich entspannter.

  15. 3.

    Einfach Mal die Bußgelder erheben, sodass es richtig wehtut wenn man einen anderen Verkehrsteilnehmer behindert.

  16. 2.

    Die Rücksichtslosigkeit der Verkehrssitten wird jährlich schlimmer. Logisch, wenn in der Stadt immer mehr unterwegs sind, die hier nie eine Verkehrserziehung oder eine Führerscheinprüfung gemacht haben und nicht wissen, was hier üblich ist. Und die Deutschen machen es nach. Ehe ein Tourist hier ein Rad oder Auto fahren darf, sollte er erst einmal eine Eignungsprüfung ablegen. Ganz schlimm: die neuen Leihräder, die nur noch auf den Fußwegen stehen und auch so gut wie nur noch da gefahren werden. Und was tut der Regierende? Reist durch die Welt. Tolles Vorbild.

  17. 1.

    Dann gibt es noch eine weitaus höhere Dunkelziffer. Das ist die Behinderung derjenigen, die in der Verkehrshierarchie offenbar zuallerletzt stehen - gleich welcher Regierung in welcher Zusammensetzung: die zu Fuß Gehenden. Sie laufen nicht in markanten "Walking-KIamotten", die sie als Fußgänger klar erkennbar und stylisch machen, mithin werde ihre Wege völlig selbstverständlich an Kreuzungen zugeparkt.

    Überall und das fast ohne Konsequenzen.

    § 12(3)1 besagt, dass die Kreuzungsbereiche bis 5 Meter von den Schnitkanten entfernt frei zu bleiben haben - damit zu Fuß Gehende von einem Bürgersteig zum gegenüberliegenden kommen, damit Kinder bis 12 Jahren diese Fußwegverbindung mit dem Rad benutzen können und damit auch die Autofahrenden eine Einsichtsfähigkeit in die Kreuzung bekommen.

    Was das Blockieren der Straßenbahn angeht, würde ich die Zustellenden wegen Eingriffs in den Schienenverkehr rannehmen und wegen Nötigung allemal.

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