Ein Verkäufer der Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" hält die letzte Ausgabe der Zeitung in der Hand (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Abendschau | 20.06.2018 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Christian Soeder

Neue Hoffnung für Berliner Obdachlosenzeitung - Sozialgenossenschaft will "Strassenfeger" retten

Die Berliner Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" könnte doch eine Zukunft haben. Hilfe kommt von der gemeinnützigen "Karuna Sozialgenossenschaft". Sie will mit dem bisherigen Träger kooperieren.

Für die von Schließung bedrohte Berliner Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" gibt es neue Hoffnung. Die gemeinnützige "Karuna Sozialgenossenschaft" für Kinder und Jugendliche in Not will dem traditionsreichen Projekt "möglichst rasch" eine neue Perspektive eröffnen, teilte der Verein am Dienstagabend mit.

"Wir stehen bereit, den uns am Herzen liegenden 'Straßenfeger' zu erhalten", erklärte Karuna-Geschäftsführer Jörg Richert. Der "Strassenfeger" sei nicht nur eine bitter nötige Einnahmequelle für obdachlose Menschen sondern auch ein Sinnstifter, ein Stück Hoffnung und eine Brücke zwischen Menschen im Abseits und der Mehrheitsgesellschaft.

Fortführung als Kooperation

Ein entsprechendes Angebot, kooperativ an der Fortführung der Zeitung zu arbeiten, sei unterbreitet worden, hieß es bei Karuna weiter. Auch stehe Karuna in Kontakt mit der Berliner Sozialverwaltung, die bei einer Lösung behilflich sein wolle. Der in Berlin und Brandenburg tätige Verein kümmert sich nach eigenen Angaben seit 1990 mit über 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter anderem um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben.

Der "Strassenfeger" wird den Angaben zufolge seit mehr als 24 Jahren von Obdachlosen und armen Menschen verkauft. Jedes Heft kostet 1,50 Euro, davon sind 90 Cent für den Verkäufer bestimmt. Die seit Jahren offenbar stark schwankende Auflage liegt nach eigenen Angaben aktuell bei rund 12.000 Exemplaren. Für den Verkauf sorgten bislang zwischen 250 und 500 Verkäufer. Die letzte Ausgabe erschien am 25. Mai und ist noch im Verkauf. In Berlin gibt es außerdem das Obdachlosenmagazin "motz".

Schließung aus finanziellen Gründen

Die Mitglieder des bisherigen Trägervereins des "Strassenfegers" mob e.V. hatten am Montag aus wirtschaftlichen Gründen das vorläufige Ende der Zeitung beschlossen. Als Gründe wurden fehlende personelle und finanzielle Ressourcen, sinkender Absatz der Zeitung und Probleme beim Vertrieb sowie zunehmende Beschwerden über Verkäufer genannt.

Betroffen sind davon unter anderem mehrere Hundert Verkäufer der Obdachlosenzeitung, die sich damit etwas für ihren Lebensunterhalt verdient haben. Der Verein betreibt unter anderem noch ein Selbsthilfewohnhaus und eine Notübernachtung und die Tageseinrichtung "Kaffee Bankrott", die ebenfalls geschlossen werden soll.

Sendung: Inforadio, 20.06.2018, 10 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    Informationen zum Lösungsbeitrag der Berliner Sozialverwaltung sind erwünscht.

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