Berlin bei Nacht. (Quelle: dpa/Rolf Kremming)
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Interview | Islamwissenschaftler Ralf Ghadban - Die großen Deals der Clans sind Drogen und Schutzgeld

Eine Messerstecherei hat die Aktivitäten arabischer Clans in Berlin wieder in den Fokus gerückt: Sie verlagern ihre Aktivitäten von Neukölln in die City West. Der Experte Ralph Ghadban beschäftigt sich seit 40 Jahren mit dem Thema - er wirft dem Senat Untätigkeit vor.  

Arabische Clans in Berlin verlagern ihre Aktivitäten immer mehr vom Bezirk Neukölln in die City West. Die Polizei hat entsprechende rbb-Recherchen bestätigt. Erst vor wenigen Tagen kam es zu einer Messerstecherei vor einem Restaurant nahe dem Kurfürstendamm. Die Polizei geht von einem Streit zwischen zwei arabischstämmigen Familienclans aus.

Ralph Ghadban ist Islamwissenschaftler und beschäftigt sich bereits seit den 70er Jahren mit Clanstrukturen in Berlin. Er arbeitet gerade an einem Buch über arabische Clans.

rbb: Was sind das für Clans?

Ghadban: Das sind bereits bekannte arabische Großfamlien, die seit Jahrzehnten ihre kriminellen Taten in Berlin begehen. Und das hat seitdem nie aufgehört.

Was ist das Geschäft dieser Clans: Drogen, Prostitution?

Inzwischen decken sie die ganze Palette der Kriminalität ab. An erster Stelle kommen die Drogen, dann die Prostitution. Es geht vor allem auch um Schutzgeld-Erpressung. Auch Gewalttaten - Raubüberfälle und ahnliches. Das große Geld kommt durch Drogen und Schutzgelder rein.

Nun bestätigt die Polizei, dass die bekannten Großfamilien aus Neukölln ihre Geschäfte schon längst nach Charlottenburg-Wilmersdorf verlagert haben, in die City West. Überrascht Sie das?

Nein. Seit Jahren merken wir, dass sie versuchen, das erbeutete Geld zu waschen. Sie haben auch bereits in Immobilien in Brandenburg investiert. Und das tun sie in Berlin nun auch ganz intensiv, und zwar zusätzlich zu den Geschäften in den üblichen Bereichen wie Gastronomie, also klassischen Bereichen, in denen man gestohlenes Geld wäscht. Und jetzt versuchen sie es in den anderen Vierteln Berlins. Das merkt man etwa daran, dass jetzt überall Shisha-Bars in guten Gegenden außerhalb Neuköllns und Kreuzbergs - den traditionellen Wohngebieten der Clans - entstehen. In diesen neuen Gegenden gibt es viel zu holen.

Es ist mittlerweile normal, dass sie in den Besitz von zwei großen Restaurants an einem Vorzeigeplatz wie dem Adenauerplatz gekommen sind. Und das geht so weiter. Früher haben sie das Geld in den Libanon geschickt und sich dort im Immobilienmarkt eine ganz hervorragende Position erkauft. Aber durch die Krisen sind die Geschäfte dort in den letzten Jahren zurückgegangen. Jetzt versuchen sie, das Geld in Berlin zu investieren und haben sich im Immobilienmarkt auch eine ganz gute Position erworben.

Die Clans haben ihre eigene Welt, ihre eigenen Werte und versuchen, den Staat rauszuhalten.

Warum hat die Polizei diesen Clans nicht schon in Neukölln das Handwerk legen können, so dass sie gar nicht erst nach Charlottenburg-Wilmersdorf weiterziehen können?

Das Geld wird legalisiert und über Strohmänner erworben. Wenn geklagt wird, sind die Clans von sehr guten Anwälten und Steuerberatern beraten. Das heißt: Alles ist formal legal, und daher ist der Zugriff des Staates auf solche Geschäfte ziemlich schwierig.

Aber wenn es dann zu einer Messerstecherei auf offener Straße kommt, fallen sie doch auf?

Ja natürlich. Aber alles, was dahinter steckt, aufzudecken, ist ein anderes Problem, denn es ist bekannt, dass die Clans zusammenhalten. Das heißt: Sie versuchen, den Staat aus ihren Konflikten herauszuhalten und halten dicht. Sie versuchen, die Probleme untereinander zu lösen, zum Beispiel durch Messerstechereien.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" haben Sie gesagt, diese Clans fühlen sich allmächtig und bedrohen unsere Rechtsordnung. Wie meinen Sie das?

Die Clans haben ihre eigene Welt, ihre eigenen Werte und versuchen, den Staat rauszuhalten. Ich habe meine Zweifel, dass man alles aufdeckt, was dahinter steckt. Die Messerstecherei – dabei ging es um zwei Gastwirte nebeneinander, die einen Konflikt haben – fällt in den Bereich üblicher Kriminalität. Aber wenn einer den Laden mit zehn Personen angreift, heißt das organisierte Kriminalität, also Clan-Kriminalität. Das heißt, die Chancen, dass man die Hintergründe richtig erfasst, sind meiner Einschätzung nach ganz gering.

Sie haben auch gesagt: Ein völlig falsch verstandenes Toleranzverständnis seitens der Justiz habe diese Entwicklung beflügelt. Wie meinen Sie das?

Die Clans versuchen ständig, die Prozesse außer Kraft zu setzen, indem sie die Zeugen bedrohen, dass diese nicht aussagen oder dass sie schon gemachte Aussagen zurücknehmen, so dass der Richter oder die Staatsanwaltschaft den Prozess nicht weiterverfolgen können. Parallel dazu zahlen sie sich untereinander Entschädigungen und haben eine Parallel-Justiz. Insoweit wird der Rechtsstaat ausgehebelt.

Ralph Ghadban, ehemaliger Sozialarbeiter, Gründer der "Libanon-Hilfe"
Bild: rbb Inforadio/Wolf Siebert

Was können Polizei und Justiz tun?

Bis jetzt hat der Staat nicht viel erreichen können. Das liegt auch daran, dass der Staat aus ideologischen Gründen die Problematik nicht richtig erfasst, also Clans als solche auch verfolgt und registriert. Es ist verboten, hier bei Straftaten die Ethnie zu erwähnen. Der Staat erlaubt somit nicht, dass man die Sache gründlich behandelt. Es gibt Ausnahmen - zum Beispiel in anderen Bundesländern wie Niedersachsen -, wo man diese Hemmungen aufgehoben hat. Aber in Berlin noch nicht.

Hoffen Sie, dass sich das ändert?

In Berlin, mit dieser Multi-Kulti Regierung, die wir haben - SPD, Grüne und Linke -, glaube ich nicht daran.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Dahl, Inforadio

Kommentar

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26 Kommentare

  1. 26.

    wir wundern uns darüber? Wenn ich als Deutsche mit 60 Jahren arbeitslos werde, werde ich so von der Argentur für Arbeit dransaliert, dass man es kaum aussprechen kann. Bevor ich Geld bekomme muss ich mich nackig machen.
    Arbeitsmässig kann ich natürlich im letzten Loch für den niedrigsten Lohn arbeiten. Und dass nach fast 50jähriger Berufstätigkeit und Großziehen von Kindern.
    Wie ist denn so etwas möglich? Wie kann so eine Brut heranwachsen? Unter unser aller Augen?
    Die Flüchtlinge von gestern oder heute sind die Clans von heute oder der Zukunft.
    Wo führen uns diese Politiker hin?
    Deutschland wird arm werden, ganz arm, denn diese Menschen arbeiten nicht die saugen uns aus.

  2. 25.

    Haben "Ihre" Grünen und "Ihre" Linken zusammen mit der von Ihnen verachten "sPD" denn ein Interesse daran? Wieviele Stellen hat unser aktueller Senat neu geschaffen? Zeit war ja nun genug, Rausreden ist nicht mehr.
    Das Austrocknen solcher Clans rein mittels Steuerprüfungen ist zudem etwas blauäugig. Das ist ein wichtiger Teil, aber längst nicht alles. Fragen Sie mal in Italien nach. Da war schon etwas mehr Einsatz nötig, um die Mafia-Größen zu Fall zu bringen. Dazu brauchen Ermittlungsbehörden auch weitgehende Rechte. Sonst wird das nichts.

  3. 22.

    Auch in Spandau sind sie schon seit 4 Jahren.
    Durch Strohfrau Eigentumswohnung gekauft, Inzwischen 6 Kinder.
    Drangsaliert und bedroht die Mitbewohner auf übelste Art und Weise, um an noch mehr Wohnungen im Haus zu kommen.
    Die Polizei ist informiert.

  4. 21.

    Volle Zustimmung.
    Wer gewissenlosen Berufskriminellen nicht energisch entgegentritt ermuntert sie in ihrem Vorgehen.

  5. 19.

    Wer 30 oder 40 Jahre Steuern und Sozialabgaben gezahlt hat und dann Sozialleistungen beantragt und eine Schenkung von 250 Euro eines Verwandten nicht angibt bekommt ein juristisches Verfahren angehängt.
    Wer Sonntagmorgen auf menschenleerer Autobahn schneller als erlaubt fährt und eine Buße nicht bezahlen will der wird Jahre lang verfolgt.
    Und diese Berufsverbrecher können sich immer weiter ausbreiten.
    Das fördert dass Misstrauen in den Rechtsstaat und politische Radikalisierung.
    Diese winzige Minderheit von skrupellosen Schwerverbrechern muss endlich wirksam bekämpft werden.
    Eine gemeinsame Ermittlungsgruppe von Kriminalpolizei, Steuerfahndung und Staatanwaltschaft muss durchgreifen.
    Das wäre im Interesse des Rechtsstaates und Sozialstaates.
    Vor allem auch im Interesse der vielen gesetzestreuen Ausländer die hier Steuern und Sozialabgaben zahlen.

  6. 18.

    Ich entnehme diesem Artikel:
    Innensenatoren und Polizeipräsidenten haben seit 30 Jahren ungenügend diese organisierte Kriminalität bekämpft.
    Wer Drogen erwirbt unterstützt sehr wahrscheinlich diese Berufskriminellen.
    Jetzt muss endlich gehandelt werden. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft müssen zusammen diese Schwerstkriminellen bekämpfen. Die Politik muss ihnen die Mittel in die Hand geben.

  7. 17.

    "Bis jetzt hat der Staat nicht viel erreichen können. Das liegt auch daran, dass der Staat aus ideologischen Gründen die Problematik nicht richtig erfasst, also Clans als solche auch verfolgt und registriert. Es ist verboten, hier bei Straftaten die Ethnie zu erwähnen. "

    Und so hieß dann auch in einer in einer unabhängigen wichtigen Berliner Tageszeitung kürzlich über den Vorfall am Adenauerplatz: "Wahrscheinlich 'ne Frauengeschichte ..."

  8. 16.

    Das Staatsversagen offenbart sich an diesen Clans ganz offensichtlich.

    Aus der Politik gibt es scheinbar kein Interesse, an diesen Zuständen etwas zu ändern, da die Clans so mächtig sind.

    Gibt es dieses Problem auch in Bayern und falls nicht, warum nicht?

    Bieten rot/grüne Bundesländer die optimalen Rahmenbedingungen und falls ja, welches Motiv steckt dahinter?

  9. 15.

    Endlich wird mir klar, warum "Familienzusammenfuehrungen" von den konsensdemokratischen Entscheidungstraegern als "richtig und wichtig" erachtet werden...

  10. 14.

    Nice try.

    Den Sumpf der kriminellen Clans trocknet man am nachhaltigsten aus wenn man ihnen den Geldhahn abdreht.

    Ich glaube kaum dass "ihre" AfD ein Interesse daran hat die Finanzbehörden besser auszustatten. Das könnte nämlich zu Bumerang werden wenn sich diese Behörden die äußerst undurchsichtige Finanzierung dieser "Partei" genauer ansieht.

    Was wären denn ihre Vorschläge, also ihre Ideen für ein "harten rechtsstaatlichen Durchgreifen"?

  11. 13.

    Es müssten ein Paar Heilige Kühe geschlachtet werden wie etwa das Einfrieren/Beschlagnahmen von Vermögen wenn nicht klar nachgewiesen ist, dass es aus legalen Quellen finanziert oder erworben wurde. Ausserdem müssen Betriebsstätten stillgelegt und versiegelt werden dürfen, wenn allein schon der Verdacht besteht,, dass die Betriebsstätte Teil des Imperiums der Clans ist, insbesondere wenn der Verdacht besteht, dass es personelle oder fianzielle Verbindungen zu den Clans gibt. Weiterhin sollte für Haftbefehle ausreichen, wenn allein der begründete Verdacht besteht, dass die Person für einen Clan arbeitet oder selbst Mitglied des Clans ist. Ausserdem muss es eine Zuständigkeit für die Bundesanwaltschaft bei OK geben. Weiterhin muss die Bundesanwaltschaft das SEK, Landespolizei, Bundespolizei und bei Bedarf auch die Bundeswehr einsetzen dürfen. Dann wird es was. Aber da die Verantwortungsträger alle ein Haufen Schönwetter-Menschen sind (ich bin selbst so einer) wird daraus nichts werden.

  12. 12.

    Wenn die AfD es besser machen würde, wäre das doch gut. Dazu müsste sie aber erst mal an der Regierung sein. Noch besser wäre freilich, wenn es die CDU oder am besten die SPD besser machen würde. Kurz gesagt, mir ist es egal, wer da was macht, Hauptsache, es passiert endlich mal was. Bei den Grünen und der Linken hab ich nicht das Gefühl, dass die die Lage überhaupt erkannt haben. Die CDU schon, bei der SPD bin ich mir noch nicht sicher. Dabei könnte die mit einem harten rechtsstaatlichen Durchgreifen richtig punkten. Ich für meinen Teil bin stinksauer, dass die Zustände mit diesen Clans in den letzten Jahren extrem zugenommen haben, jeder weiß es, niemanden interessiert es und diese Typen lachen uns alle aus, kassieren den Sozialstaat ab und betreiben nebenher ihre lukrativen Geschäfte. Mir ist egal, wer mal wann die Ursachen gelegt haben soll, es muss jetzt gehandelt werden.

  13. 11.

    Sehr gut auf dem Punkt getroffen. Anscheinend kennen nur wir“ Westberliner“ die wahren Hintergründe. Aus der Ferne läßt sich aber auch leichter pöbeln,hetzen und herumreiten auf unsere „jetzige Berliner Regierung“. Mir wird ganz übel, wenn ich nur daran denke diese AfD würde es besser machen.

  14. 10.

    Das sind die Idioten, die Ehre vorgeben und nichts davon im Herzen haben.
    Das sind die Idioten, die sich als muslimisch geben, den Koran nur als. Lippenbekenntnis kennen, aber eben jenen mit Füßen treten und ganz weltlich auftreten.
    Clans sind die Idioten, denen der Staat egal ist, denen die Regeln des Koran egal sind, denen Menschenleben egal sind.
    Es sind Idioten, die hinter Gitter, ausgewiesen und abgeschoben gehören, denn in deren eigentlichen Heimat würden sie mit aller Härte des Landesgesetzes, der Scharia bestraft, während sie hier unbehelligt tun und lassen können, was sie wollen.

  15. 9.

    " Das liegt auch daran, dass der Staat aus ideologischen Gründen die Problematik nicht richtig erfasst, [ oder nicht erfassen will ] Es gibt Ausnahmen - ... "
    ob CDU geführte Regierungen oder RRG , es wird sich aus ideologischer Verbohrtheit nichts ändern " Es ist verboten, hier bei Straftaten die Ethnie zu erwähnen. " warum ?? die Täterbeschreibung ist bei der Fahndung äußerst hilfreich- war schon immer so - aber heute wird nicht selten ein " Mann " gesucht

  16. 8.

    An einem Punkt irrt der "Islam-Experte". Seit wann haben wir die Probleme mit den kriminellen Araberclans? Warum konnten sich die Clans so ausbreiten?

    Mindestens seit den 80ern. Seitdem wurde nichts effektives unternommen, das ging ja teilweise soweit dass sich die Polizei in bestimmte Gebiete nicht mehr getraut hat (Rollbergviertel). Wo war da der Aufschrei?

    Innensenator war da ein Herr Lummer, der hat sich aber lieber um Hausbesetzer gekümmert oder hat sich medienwirksam, wie sein Parteikollege Hr. Henkel, präsentiert. Ja genau der Lummer, also genau die AfD Linie die manche uns als Lösung anbieten wollen. So ein Quatsch. Weiter...

    Kewenig, noch so ein Hardliner. Pätzold, Heckelmann und wieder ein Hardliner, Schönbohm, Werthebach, Körting und wieder ein "Law and Order" Innensenator, Henkel...

    Aber mit klein/klein gegen kriminelle Clans kann man sich nicht profilieren und gewinnt keine Wahlen.

  17. 7.

    Kurz und nicht nur richtig. Wir hatten in den letzten 40 Jahren auch CDU geführte Regierungen- was war da anders?

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