Berlin, Deutschland - Kind drueckt den Knopf an einer Fussgaengerampel (Quelle: Imago)
Audio: Inforadio | 13.06.2018 | Interview mit Stefanie Spaniol | Bild: imago

Interview | Kinder auf Fahrrädern schützen - "Mit Kindern im Straßenverkehr Entscheidungen üben"

In Berlin gab es gleich zwei tödliche Verkehrsunfälle mit Kindern. Eltern machen sich Sorgen, dass ihren Kindern auf der Straße etwas passieren kann und fragen sich: Was kann ich tun, um das zu verhindern? Früh üben, rät Stefanie Spaniol von Berliner Polizei.

rbb: Frau Spaniol, was können Eltern tun, um den Blick der Kinder für mögliche Gefahren zu schärfen?

Das allerwichtigste ist, dass man so früh wie möglich anfängt, mit seinem Kind zu üben und nicht erst, wenn das Kind alleine Wege zurücklegt. Schon im Kindergartenalter sollten Eltern damit anfangen, Kinder im Verkehr Entscheidungen treffen zu lassen. Das heißt: an der Ampel das Kind erklären lassen, wo man hinschauen muss. Wo könnte die Gefahr herkommen? Wie kannst du dich verhalten? Also: Nicht immer das Kind im Straßenverkehr nur mitnehmen, sondern gefährliche Situationen erklären. So wird das Kind in der Entwicklung altersgemäß Stück für Stück auf den Straßenverkehr in dieser Stadt vorbereitet, der in Berlin sehr vielfältig ist.

In jedem Berliner Bezirk gibt es Jugendverkehrsschulen. Werden die gut angenommen, gehen genug Kinder dort hin?

Ja, die Jugendverkehrsschulen werden sehr gut angenommen, die Auslastung ist sehr gut. Viele Schulen veranstalten dort ihre Radfahrausbildung und ihre Radfahrprüfungen. Die Polizei Berlin unterstützt diese Ausbildungen regelmäßig. Die Kapazitäten der Jugendverkehrsschulen sind inzwischen an der oberen Grenze.

Wie gut kennen sich Berliner Kinder und Jugendliche z.B. bei Verkehrsschildern aus? Haben Sie da Erfahrungen?

Unsere speziell ausgebildeten Berater für Verkehrssicherheit und Verkehrsunfallprävention sind regelmäßig an den Schulen in den verschiedenen Klassenstufen unterwegs, deshalb haben wir einen guten Einblick. Im Unterricht geht es natürlich auch um Regeln im Straßenverkehr, um Vorfahrt und um Verkehrszeichen. Es geht auch darum, was muss ich speziell als Radfahrer beachten und wie muss ich ausgestattet sein. An diesen Themen sind wir dran. An dieser Stelle möchte ich aber auch sagen, dass dieses Thema auch ein Erziehungsauftrag ist. Wir von der Polizei und auch die Lehrer können im täglichen Leben nur mit Unterstützung der Eltern und dem täglichen Lernen ein Ergebnis erzielen, mit dem wir Kindern mehr Sicherheit geben können.

Ein tödlicher Unfall passierte an einer Straßenbahn, die in bestimmten Gegenden Berlins viel unterwegs sind. Ist das ein besonderes Risikogebiet?

Ich glaube nicht, dass man die Straßenbahn so hervorheben sollte.  Man muss beachten, dass die Straßenbahn groß und schwer ist. Sie kann nicht so reagieren wie ein Auto oder ein Fahrrad. Es gibt Flächen, da hat die Straßenbahn keine eigene Trasse, sondern die Schienen sind direkt mit der Fahrbahn verbunden. Da ist besondere Vorsicht geboten und man braucht auch das Wissen, dass die Straßenbahn einen sehr viel längeren Bremsweg hat.

Sendung: Inforadio, 13.06.2018, 16:45 Uhr. Das Interview führte Dietmar Ringel.

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