28.05.2018, Brandenburg, Petershagen: Ausgetrocknet und aufgerissen ist der Boden auf einem Teil eines Feld, das nicht Bestellt ist. Die anhaltende Trockenheit in fast allen Regionen von Brandenburg macht zunehmend den Landwirten zu schaffen (Quelle: dpa/Pleul)
Video: rbb Aktuell | 31.05.2018 | Carsten Kripphal | Bild: dpa/Pleul

Landwirte beklagen Trockenheit in Brandenburg - "Eines der schwierigsten Jahre seit der Wende"

Schon in den vergangenen beiden Jahren haben Brandenburgs Bauern Ernteeinbußen wegen des Wetters verzeichnet. Für 2018 sieht es durch die anhaltende Trockenheit wieder schlecht aus. Die Lage sei "beängstigend", so der Vizepräsident des Landesbauernverbands.

Der Brandenburger Landesbauernverband klagt über eines der schwierigsten Jahre seit der Wende.

Vizepräsident Heiko Terno sagte dem rbb am Montag, angesichts der ungewöhnlichen Hitze und Trockenheit im Land stehe es um die Futtergrundlage für das Milchvieh zum Teil beängstigend schlecht. "Vor hundert Jahren hätten jetzt alle Angst, den nächsten Winter nicht zu überstehen", so Terno. Das interessiere heute keinen mehr. "Da sind wir mit unseren Sorgen alleine. Aber wir werden das überstehen. […] Und auf ein besseres Jahr hoffen".

Die Landwirtschaft sei nun einmal vom Wetter abhängig. Und das treffe sie in diesem Jahr teilweise besonders hart, sagte Terno. "Es gab zwar einige Regionen, in denen es geregnet hat. Aber das war nur vereinzelt." Auch wenn die Landwirte alles ordnungsgemäß bestellten, hätte "das Wetter letztendlich immer das letzte Wort".

Im Mai hat es an einigen Orten überhaupt nicht geregnet

"In manchen Regionen Brandenburgs hat es Mai nicht geregnet, überhaupt nicht geregnet", hatte Tino Ernstling vom Landesbauernverband Ende Mai im rbb beklagt. Besonders betroffen sei der Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Dort rechneten Betriebe schon jetzt mit erheblichen Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen. Unter der Trockenheit litten besonders Raps, Weizen, Roggen und Gerste. Aber auch Grünland und Mais seien betroffen, hieß es.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Brandenburger Landwirte erhebliche Ernteausfälle zu verbuchen. Frost im April hatte für die kleinste Apfelernte seit 1991 gesorgt. Einige Ackerflächen standen später wegen der vielen Regenfälle unter Wasser, andere waren während einer Hitzeperiode vertrocknet. Auch das Jahr 2016 war schon unterdurchschnittlich ausgefallen für die Bauern.

Mit nur 95 Litern (Stand: 1.6.) pro Quadratmeter war Brandenburg bislang in diesem Jahr das trockenste aller Bundesländer (sonst: 132). In Berlin fielen 105 Liter pro Quadratmeter.  

2018 brannten schon viele Hektar Wald

Die Trockenheit macht auch den Brandenburger Wäldern zu schaffen, wo es immer wieder zu Bränden kommt. Seit Jahresbeginn brannten rund 40 Hektar Waldfläche. 108 Mal brach in diesem Jahr bisher ein Feuer aus, wie der Landesbetrieb Forst Brandenburg am Mittwoch mitteilte. Das waren mehr als doppelt so viele Brände wie im Vergleichszeitraum 2017.

Auch bei Regen verlieren die Wälder laut Umweltministerium übrigens nicht gleich ihre Entzündbarkeit. Seebesucher sollten daher darauf achten, ihre Autos auf ausgewiesenen Flächen zu parken, weil heiße Motoren auf dem ausgedörrten Boden leicht einen Brand auslösen könnten.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wenn man davon nicht betroffen ist, dann kann man sehr zynisch darüber urteilen! Brot, Milch und Fleisch kommt ja aus dem Supermarkt.

  2. 2.

    und in 4 Wochen streiten Experten und selbsternannte Fachleute wieder über den Jahrhundertregen und den vlel zu kalten Juni - Schuld ist lt Jäger(latein) dann der Wolf, die Landwirte fordern sofort Schadenersatz und Abschuss - oder wars der Jäger ?!

  3. 1.

    Vor ungefähr 10 Jahren habe ich im Rahmen einer Diskussion um den Klimawandel noch zu einem Freund gemeint, "Und was wenn auch hier das Wasser knapp wird?" Was der Freund nur mit einem "Ach!" bedachte und das Gesicht verzog.

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