Ein Mann hält eine Ausgabe der Zeitung "Strassenfeger" in den Händen (Quelle: dpa/Lino Marcel Mirgeler)
Video: rbb|24 | 18.06.2018 | Bild: dpa

Träger hat Berliner Sozialsenatorin informiert - Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" wird eingestellt

Ein paar Euro verdienen, ohne betteln zu müssen: Seit mehr als 20 Jahren verkaufen Obdachlose in Berlin die Zeitung "Strassenfeger". Doch die Redaktion soll dicht gemacht werden. Der Träger hat bereits die Sozialverwaltung informiert.

Die Berliner Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" wird eingestellt. Das bestätigte eine Sprecherin von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) rbb|24 am Montag auf Nachfrage: "Wir bedauern das sehr." Seit 24 Jahren erscheint die Zeitung - wann die letzte Ausgabe herauskommen soll, ist bisher nicht bekannt.

Der herausgebende Verein mob äußerte sich bislang noch nicht offiziell zur Auflösung. Seit einigen Tagen war in verschiedenen Medien der Stadt allerdings bereits über das bevorstehende Ende der Zeitung spekuliert worden. Die genauen Gründe sind ebenfalls noch nicht bekannt. Am Montagabend wollte der Verein auf einer Mitgliederversammlung das Ende offiziell beschließen.

Einzige deutsche Stadt mit mehr als einer Straßenzeitung

In Berlin gibt es derzeit drei Zeitungen, die von Obdachlosen meist in S- und U-Bahnen zum Verkauf angeboten werden. Neben dem "Strassenfeger" auch die "Motz", die beide einen Schwerpunkte bei Themen wie Armut, Wohnungsnot und anderen sozialen Problemen setzen. Zudem wurde zeitweise das Kunst-und-Kultur-Magazin "Streem" auf Berliner Straßen verkauft. In keiner anderen deutschen Stadt wird mehr als eine Straßenzeitung ausgegeben.

Aktuell erscheint der "Strassenfeger" alle drei Wochen in einer Auflage von 12.000 Stück. Von den 1,50 Euro Verkaufspreis darf der Verkäufer 90 Cent behalten. Im Moment leben rund 300 Menschen in Berlin davon.

Sendung: Abendschau, 18.06.2018, 19.30 Uhr

In der Redaktion des "Strassenfeger"

Kommentarfunktion am Dienstag, 19.06.2018, um 15.30 Uhr geschlossen. Zu diesem Thema gibt es einen aktuelleren Beitrag. 

28 Kommentare

  1. 28.

    America ist erklärtes Vorbild und der Sozialstaat doch abgemeldet. Dann gehören Obdachlose zum Straßenbild eben mitdazu. Für mich Heuchlerei hoch 10 die Diskussion solange alles Linke und Soziale doch Deutschlands Unglück sein soll. Ihr habt den Haufen bestellt. Nun beschwert euch nicht das es auch nach Haufen schmeckt.

  2. 27.

    Willi Wacker, im Prinzip haben Sie vielleicht Recht, es geht aber hier um das Gefühl für diese Menschen, nicht einfach nur zu betteln. Natürlich nehmen die auch gern eine Spende, ohne eine weitere Zeitung loszuwerden. Es ist aber für diese Menschen leichter und würdevoller, als Zeitungsverkäufer um eine Spende zu bitten, denn nur als "Schnorrer".

  3. 26.

    Sie haben durchaus recht mit dem was sie über Fr. Merkel nicht mögen und Afd-Anhänger sagen.

    Ich kenne aber ihre anderen Kommentare, die lassen mir eine Einschätzung zu. Dann werfen sie mir vor ich würde sie verunglimpfen und unterstellen mir im gleichen Atemzug "Armut und Obdachlosigkeit interessiert Sie scheinbar nicht, da haben Sie etwas mit Frau Dr. Merkel gemein." Abgesehen davon dass das völliger Nonsens ist wollen sie mich damit verunglimpfen. Ein wenig widersprüchlich oder?

    Anstand und Fairness besitze ich durchaus und setze beides auch ein, zumindest wenn man mir diese auch entgegenbringt.

    Die Person Merkel ist mir völlig gleichgültig, bis auf ein paar erhebliche Widersprüche in ihrer Vita. Die Politik die Fr. Merkel betreibt ist mit Sicherheit nicht meine, die ihrer Partei noch weniger. Ich wähle keine Politiker, ich wähle Parteiprogramme.

  4. 25.

    Das war eine gute Möglichkeit den wirklich Bedürftigen eine Verdienstmöglichkeit zu geben. Leider wurde der "Strassenfeger" von organisierten Bettelern als Tarninstrument zu lange missbraucht. Ein Riesenärgernis.

  5. 24.

    Auch mir ist nicht entgangen, worauf Sie es eigentlich abgezielt haben in Ihrem Kommentar. Ihnen fällt erst jetzt auf was sich insbesonders in Berlin abspielt? Zuerst mal was über die Obdachlosen schreiben und dann rüberzuschwenken mit Wink auf die Osteuropäer, welche Sie gleich ausklammern. Dann zum eigentlichen Thema kommen. Wie Sie hier aus dem Artikel entnehmen können geht es um die Obdachlosenzeitschrift und nicht um Frau Merkel.

  6. 23.

    Die VerkäuferInnen des "Straßenfeger" in Berlin vermitteln mir nicht den Eindruck, Sozialhilfe erzwingen zu können und zu wollen. Ihren Vorschlag des widerrechtlichen Einquartierens als letztes Mittel im Überlebenskampf, halte ich weder für gesetzeskonform noch für praktikabel. Wenn auch die Einkommen aus dem Zeitungsverkauf sehr gering sind, halte ich persönlich die Straßenzeitung in mehrfacher Hinsicht für bedeutungsvoll, stellt diese u.a. die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft dar. Soviel Toleranz und Menschlichkeit bin ich selbst als Schwerbehinderter gern bereit aufzubringen.

  7. 22.

    Wenn Sie bei einer Suchmaschine Ihrer Wahl die Begriffe 'Straßenfeger' und 'Auflage' eingeben, so erhalten Sie eine Antwort auf Ihre Frage. Geht ganz einfach. Von der von Ihnen vorgeschlagenen Auflagenzahl träumt so manche große Berliner Zeitung!

    Schade um den Straßenfeger.
    Wir sollten allmählich mal die Lokalität "raus!" bzw. "weg!" definieren. Wo sollen denn nach den Meinungen einiger rbb-Kommentatoren diverser Threads all diese Menschen hin, welche deren Sinne und elitäres Dasein beleidigen?
    Obdachlose, Ausländer, Muslime, LGBT, Links- und Rechtsradikale, Drogenabhängige, Kranke, Alte, Arbeitslose, ... das gibt ein ganz schönes Gedränge in den zukünftigen diversen Ankerzentren.
    Obdachlose sind ein wichtiger Spiegel und ja, auch ein Teil der Gesellschaft. Jede/r kann sich auf ganz kurzem Wege individuell dafür einsetzen, dass es diesen Menschen besser geht - auch erstmal ganz ohne Politik.

  8. 21.

    Sie fokussieren sich auf den letzten Teil meines Kommentares und verunglimpfen mich. Ich hatte nur kritisiert - wenn dies schon rechts sein soll ... Besitzen Sie Anstand/Fairness? Armut und Obdachlosigkeit interessiert Sie scheinbar nicht, da haben Sie etwas mit Frau Dr. Merkel gemein. Ja ich mag die Dame nicht, nur deshalb muss ich nicht ein AfD-Anhänger sein.

  9. 20.

    Meine Großmutter pflegte zu sagen:"
    Wer satt ist kann gut über Hunger reden. " Ich merke gerade einmal wieder, dass sie Recht hatte.

  10. 19.

    Für alle, die sich zu früh gefreut haben: es gibt jetzt eine neue Zeitung für die Bahn-Verkäufer.

  11. 18.

    wenn wir ehrlich sind, aber bei diesem thema hapert es daran aus den verschiedensten gruenden, dann wissen wir, dass rein rechtlich kein anderes land derart hervorragende vorsorge gegen obdachlosigkeit trifft. fuer die buerger, die schon hier leben, muss dazu erwaehnt werden. aber, wiederum aus verschiedensten gruenden, ist dieses juristische auffangnetz dennoch lueckenhaft. wer nicht moechte, dass gebettelt wird, muss sich eben um diese menschen kuemmern oder aber oeffentlich erklaeren, dass er das nicht will. hier sind ja schon entsprechende kommentare zu lesen von menschen, die diese menschen eben nicht um sich haben wollen, ganz simpel.
    und ebenso simpel ist, wer es wichtiger findet, dass wohnen zur ware wird, dass staatlich sanktionierte ausbeutung, drangsalierung und armut als "fordern und foerdern" getarnt wird, wer oeffentliche immobilien verscherbelt, wer nach zwei jahren immer noch nicht das schlupfloch "share deals" schliessen kann, der bekommt eben sowas.

  12. 17.

    Worin sehen sie denn eine "devote Haltung der Medien/rbb zu Merkel."? Was immer das sein soll.

    Oder soll das nur eine mehr oder weniger geistreiche Variante von "Staatsfunk", also "Lügenpresse" sein?

  13. 16.

    Berlin ist eben arm, aber nicht unbedingt sexy. Nur ein Aspekt: Es ist reine Schönfärberei, dass die Zeitungsverkäufer Geld verdienen - nicht betteln. Kein Verkäufer vergisst, darauf hinzuweisen, dass auch eine Spende willkommen ist. Schließlich kann man von einer Handvoll verkaufter Zeitungen nicht leben.

  14. 14.

    @rbb Auflage wohl eher 120 Tausend - oder? Wie könnten sonst 300 Verkäufer davon leben? 120.000 x 0,9 = 108.000 EUR geteil durch 300 macht rein rechnerisch 360 Euro pro Verkäufer. Nicht viel, aber mit Spenden und Geschenken reichte es wahrscheinlich zum Überleben. Weiterhin allen Mitstreitern und Verkäufern viel Erfolg mit ggf. anderen Unternehmungen. Danke für die Zeitung, die mir so manche U-Bahnfahrten "verkürzt" hat.

  15. 13.

    Komme gerade aus dem Rheinland/Düsseldorf zurück, dort hat 'fifty fifty' die Obdachlosenzeitung von Düsseldorf, ja Düsseldorf und Obdachlose gewaltige Probleme. Die Armen nehmen immer mehr zu, nur sie finden kein Gehör, keinen Leser. In Düsseldorf und in Köln wurde mir klar wieviel Deutsche auf der Straße 'liegen', aber auch in Berlin, abgesehen von Osteuropäern. Wahlspruch Merkel: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Da fällt mir auch ein: Prima Leben und Sparen. PLUS ist weg - Merkel ist noch da. Was mich zutieft ärgert, ist die devote Haltung der Medien/rbb zu Merkel. Warum?

  16. 12.

    Wenn man wirklich nichts mehr hat, also nichts zu verlieren, kann man erzwingen das man entweder Sozialhilfe oder Knast bekommt (letzteres für das Erzwingen der Sozialhilfe).

    Also: Beim Sozialamt/Jobcenter arbeiten auch Menschen, deren Vor- und Zuname steht an der Tür oder im Bescheid. Für 6€ gibt es beim Einwohnermeldeamt deren Privatanschrift. Auf diese Tatsache - und das man bei Weigerung Leistungen auszuzahlen sich selbst mit unmittelbarem Zwang dort einquartieren und den Kühlschrank plündern wird, spätestens beim Amtsleiter ist der auch regelmäßig gut gefüllt und ausreichend Platz zu erwarten - würde ich bestehen und im Zweifel auch durchsetzen. Dann ist eine warme Unterkunft und Mahlzeiten sicher.

    Probleme wie geschildert haben die Menschen, die noch etwas haben. Denen man etwas nehmen kann. Denen empfehle ich nach dem Muster zu verfahren: "der Staat - also diese Gesellschaft, sind ja eine Demokratie - schuldet mir nichts, also umgekehrt auch nicht". Steuervermeidung!!!

  17. 11.

    Ihre Worte: Niemand braucht hier zu betteln, denn es gibt für jeden Hilfsbedürftigen ... sagen mir, dass Sie noch nie einen Leistungsantrag beim Jobcenter oder einer anderen Grundsicherungsbehörde gestellt haben, denn die Realität sieht beängstigent brutal und schändlich aus. Mein Vorschlag, besuchen Sie öffentliche Sitzungen im Sozialgericht Berlin und lauschen Sie dem, was und wie dort verhandelt wird. Untätigkeitsklagen und Verzögerungsrügen beispielsweise, haben eine sehr hilfreiche Bedeutung!

  18. 10.

    Die Verkäufer, bei denen ich regelmäßig den Straßenfeger erworben habe, waren niemals aufdringlich! Sie kamen nie auf einen zu à la "Haste mal ne Mark?", sondern standen ruhig auf ihrem Platz an der Kreuzung oder vorm Supermarkt und lächelten einen an. Meistens habe ich ihnen noch was zu essen in die Hand gedrückt. Dass die Zeitung eingestellt werden soll ist mehr als schade. Da hängt viel dran. Es ist abartig zu erleben, wie asozial hier stellenweise kommentiert wird.

  19. 9.

    Genau, Herr Ober, alle weg die schwatzen und musizieren, dann alle die riechen, und alle die irgendwie komisch aussehen, und dann sitzen sie alter Griesgram endlich so allein da wie sie das offenbar wollen. Viel Spaß dabei!

Das könnte Sie auch interessieren

Ausgang der U-Bahn Rathaus Neukoelln in Berlin
imago/Emmanuele Contini

Organisiertes Verbrechen - Ein Besuch bei Neuköllns arabischen Clans

Es war eine der spektakulärsten Aktionen der Polizei gegen das organisierte Verbrechen: 77 Immobilien eines berüchtigten arabischen Clans wurden beschlagnahmt, wegen des Verdachts auf Geldwäsche. In Neukölln kennt man die Familie R. gut. Von Thomas Rautenberg