Archivbild: Im Kaffee Bankrott wird der Strassenfeger produziert und man/frau kann sich eine Warme Mahlzeit abholen. (Quelle: imago/Eventpress Schulz)
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Video: rbb|24 | 19.06.2018 | Tom Garus | Bild: imago/Eventpress Schulz

Nach Aus für "Strassenfeger" - Obdachlosen-Treff "Kaffee Bankrott" wird auch dicht gemacht

Am Montag sickerte durch, dass der "Strassenfeger" eingestellt wird. Nun bestätigt der Träger die Nachricht offiziell und verkündet gleich den nächsten Tiefschlag: Auch ein Sozial-Café für Berliner Obdachlose wird geschlossen.

Der Berliner Verein mob e.V. wird seine Tätigkeiten zukünftig deutlich einschränken. Neben der Zeitung "Strassenfeger" wird auch der Obdachlosen-Treffpunkt "Kaffee Bankrott" geschlossen - vorläufig, wie es in einer Mitteilung des Vereins vom Dienstag heißt. "Dies war keine leichte Entscheidung für die Mitglieder und den Vorstand. Wir möchten die Vereinstätigkeiten zukünftig nach dem Motto Qualität statt Quantität weiterbetreiben", so Mara Fischer, Vereinsvorstand.

Nach Informationen von rbb|24 soll das Café schon Ende Juni geschlossen werden. Laut der Nachrichtenagentur dpa wird der Redaktionsbetrieb umgehend eingestellt.

Für die Einstellungen führt der Verein eine Reihe von Gründen auf. So fehlten personelle und finanzielle Ressourcen, um all seine Projekte am Laufen zu halten. Zudem sei die Vertriebsstruktur "desolat", der Absatz sei gesunken und es sei über mehrere Jahre nicht gelungen Verkäufer vor Übergriffen zu schützen. Die jetzt geplante temporäre Schließung der Projekte soll der Sanierung und Konsolidierung des Vereins dienen.

Redaktionsräume werden zur Notunterkunft

In den bisherigen Räumen des Cafés und der Redaktion des "Strassenfegers" soll nun eine Notquartier für Familien eingerichtet werden. Dafür sollen Mittel aus dem Integrierten Sozialprogramm beantragt werden.

Das Aus für beide Projekte sei am Montagabend beschlossen worden, heißt es weiter. Allerdings war die Sozialverwaltung unter Senatorin Elke Breitenbach (Die Linke) schon vor der Vereinssitzung über das Aus für die Straßenzeitung informiert, wie rbb|24 erfahren hatte.

Zeitung nach 24 Jahren eingestellt

Einige Verkäufer reagierten mit Enttäuschung auf das Ende der Zeitung. In der Obdachlosenunterkunft direkt neben den Vereinsräumen an der Storkower Straße in Prenzlauer Berg herrschte am Dienstagmorgen betrübte Stimmung.

Der "Strassenfeger" kostet im Verkauf 1,50 Euro, 90 Cent davon geht an die Verkäufer, bei denen es sich in vielen Fällen um Obdachlose und Hartz-IV-Empfänger handelt.

Wann die letzte Ausgabe der Zeitung erscheint, ist derzeit noch offen. Die erste erschien vor mehr als 24 Jahren im März 1994.

Sendung: RadioBERLIN 88,8, 19.06.2018, 11.10 Uhr

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Vorbeugen ist besser als heilen, oder meinen Sie, dass (überspitzt formuliert) ein Nervenzusammenbruch bei psychischen Erkrankungen die Grundlage zur Genesung sein sollte? Normalerweise, deckt man den Brunnnen ab, damit kein Kind hineinfällt, aber derartige bewährte Weisheiten sind offensichtlich nicht hauptstadttauglich.

  2. 10.

    Ach Paul, wo fangen wir da an?
    Nicht weil wir in einer Phase des Wohlstandes leben geht das Spendenaufkommen zurück, sonder trotzdem. Und das sollte zu denken geben. Außerdem war das nur als eine mögliche Ursache in Erwägung gezogen. Fragen Sie doch lieber mal, warum es immer mehr werden, die die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen - deren Leistungen ich mit keiner Silbe in Frage gestellt habe - in Anspruch nehmen. Die so oft gelobte Politik der offenen Grenzen hat doch nicht nur Vorteile. Die Kölner Tafel war die erste, die vor dem drohenden Kollaps gewarnt hat und die Notbremse zu ziehen versuchte. Nur dem Druck von Politik und Medien nachgebend nahm mann bestimmte Änderungen im System zurück. Berlin steht Köln da in nichts nach. Natürlich will es keiner aussprechen, aber machen Sie doch selber mal die Augen auf. Und der Griff in die Steuerkasse wäre auch falsch.
    Aber vielleicht muss ja erst alles zusammen brechen, damit auch der letzte merkt, dass es so nicht weiter gehen kann.

  3. 9.

    Ist es schon so schlimm mit dem Sozialstaat, das Familien in Obdachlosen Notunterkünfte ziehen müssen.

    Es gibt doch genügend Eigentumswohnungen ind leerstehende Häuser zum Enteignen.

    Berlin ist nur noch was für junge Menschen und Menschen Geld.

  4. 8.

    Eine seltsame Situation in der Bundeshauptstadt Berlin, wo die Steuer-Milliarden Deutschlands hin und hergeschoben werden, aber beispielweise die Bundesagentur für Arbeit keine fortlaufenden Beschäftigungsprojekte entwerfen und steuern kann, damit das "Kaffee Bankrott" und der "Strassenfeger" erhalten bleiben. Irgendwie fühle ich mich in meiner Heimatstadt unwohl, wenn Milliarden für das PPP-Projekt BER verschwendet werden, aber für bedürfte Menschen keine Teilhabe am Arbeitsleben möglich sein soll.

  5. 7.

    Hallo Paul ...
    Genau so isses ... "mir gehts gut" ... also mit hoch erhobener Nase dran vorbei ... "sowas kann mir ja nicht passieren".
    Ehrenamt ... "ackern für lau - und keine Unterstützung oder Anerkennung". Eher das Gegenteil ... Stress mit wenigen von "denen", den man helfen will. Irgendwann sind die Ressourcen aufgebraucht - und dann ist Stress angesagt. Kann man verstehen - aber nicht wirklich lange ertragen. Sowas "spricht sich rum". Da übe ich ein Ehrenamt doch lieber in einem Altenheim aus - da gibts zumindest nix auf die Fresse - eher 'n lecker "Omakuchen" - ganz platt gesagt.
    Der Staat und unser Land gibt viel Kohle für "Bullshit" aus - das kann (wird!) sich rächen.
    Eine Zeitung (fast nur) aus Spendenmitteln am Laufen zu halten ist bestimmt nicht einfach. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo die Verantwortlichen sich nach dem "warum noch" fragen.
    Womit wir wieder bei der "Bullshitkohle" des Staates und der Situation der "Ehrenamtlichen" sind.

  6. 6.

    Aha... weil wir also gerade in einer Wohlstandsphase leben, gibt es weniger Spenden und mehr Obdachlose. Ihre Argumentation ist schon sehr selektiv. Wie erklären Sie sich dann die fehlenden Ehrenamtlichen? Sind alle auf Arbeit und haben keine Zeit, wa? wie erklären Sie sich dann, dass Straßenzeitungen generell nicht reihenweise dicht machen, sondern in vielen Metropolen sehr gut laufen?

  7. 5.

    Das ist für die Betroffenen sicherlich schlimm und erschwert ihre Situation weiter.
    Schade finde ich, dass in den Diskussionen zum Thema Wohnungslosigkeit leider oft unsere rechtlichen Möglichkeiten unerwähnt bleiben. Interessant wäre an der Stelle bspw., warum wir in Deutschland (und insbesondere auch Berlin) so viele Obdachlose haben. Eigentlich haben wir ja ein sehr engmaschiges Sozialsystem, das effektiv vor Obdachlosigkeit schützen kann. Sind Obdachlose dann also zu schlecht informiert, um ihre Rechte (bspw. den Unterbringungsanspruch) wahrzunehmen? Verletzen unseren Behörden geltendes Recht (bspw. in dem sie den Anspruch widerrechtlich verwehren)? Spielen hier vielleicht geistige Krankheiten und Süchte mit rein, die die Betroffenen dazu bringen "freiwillig" auf der Straße zu leben (bspw durch ein sehr eigensinniges Freiheitsverständnis oder psychische Barrieren)?
    Die Info, dass Straßenfeger eingestellt und das Café geschlossen wird, ist allein leider nicht hilfreich

  8. 4.

    Na nun raten Sie mal...
    Entweder ist das Spendenaufkommen geringer, oder der Bedarf gestiegen. Beide Fälle werfen ein Licht auf das System, denn wir leben zur Zeit in eine "Wohlstandsphase". Das wird nicht immer so sein und deswegen ist das erst der Anfang.
    In Zusammenhängen denken, lieber Paul.

  9. 3.

    Wenn man die Schwächsten der Gesellschaft fallen lässt, werden sich schon bald die "richtigen Helfer" melden.

  10. 2.

    Was haben denn Café und Straßenzeitung mit dem Sozialsystem zu tun? Beides wurde durch Spenden finanziert und durch Ehrenamtliche betrieben - und beides ist anscheinend nicht ausreichend vorhanden.

  11. 1.

    Das Sozialsystem beginnt zu bröckeln...

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