Überwachungskamera: Drei vermummte Männer kommen am S-Bhf Hackescher Markt die Treppe rauf, sie sollen die Goldmünze aus dem Bodemuseum entwendet haben. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Hintergrund - Wer ist die Clan-Familie R.?

In den Achtziger Jahren kamen sie bettelarm nach Berlin - inzwischen besitzen Mitglieder der arabischen Großfamilie R. laut Ermittlern Immobilien im Wert von mehreren Millionen Euro. Was weiß man über den polizeibekannten Clan?

Mit der Erfolgs-Serie "4 Blocks" sind kriminelle arabische Clans in der Pop-Kultur angekommen. In dem Gangster-Epos geht es um einen Neuköllner Clan mit libanesischen Wurzeln, dessen Oberhaupt Toni Hamadi eine Immobilie kaufen möchte. Auf diesem Weg will er das mit Schutzgelderpressung und Drogenhandel erbeutete Geld reinwaschen.

Die Realität ist offenbar noch viel drastischer als in "4 Blocks" - deren Drehbuchautoren jahrelang im Milieu, und vor allem auf der Sonnenallee recherchierten. Denn die in Neukölln ansässige arabische Großfamilie R. soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sogar 77 Immobilien und ein Pachtgelände mit Einnahmen aus Straftaten finanziert haben. Mit einem spektakulären Schlag haben Ermittler des LKA diese Immobilien nun beschlagnahmt - um dem Clan das Vermögen abzuschöpfen.

Wer ist diese Familie R.? Und wie gelang es den Mitgliedern, derart reich zu werden?

Rund 500 Mitglieder der Familie R. sollen in Berlin leben

Nach Recherchen der "Zeit", die der Familie R. kürzlich ein langes Dossier widmete (Abruf kostenpflichtig), kamen die ersten Mitglieder der Familie Mitte der Achtziger Jahre nach Berlin. Sie gehören der Volksgruppe der Mhallamia an. Aus der Türkei wurden sie vertrieben, im Libanon lebten sie als Staatenlose am untersten Rand der Gesellschaft. Vor dem Bürgerkrieg im Libanon flohen mehrere Geschwister nach Berlin.

Eine Arbeitserlaubnis erhielten die im Libanon geborenen R.s nicht, denn sie bekamen kein politisches Asyl, wurden nur geduldet. Einige schlugen sich mit Schwarzarbeit durch, die meisten lebten von Sozialleistungen – und andere begannen, kriminell zu werden.

Inzwischen sollen in Berlin schätzungsweise 500 Mitglieder der Familie R. leben – es könnten auch mehr sein. Es existieren mehrere Schreibweisen des Nachnamens. Unklar ist laut "Zeit" auch, wieviel Prozent der Mitglieder kriminell sind. Die Schätzungen der Ermittler schwanken zwischen zehn und 50 Prozent.

Neun minderjährige Clanmitglieder gelten als Intensivtäter

In der Neuköllner Jugendgerichtshilfe kennt jeder die Familie R. "Allein ein Oberhaupt, das in Alt-Buckow in einer Villa wohnt, hat zwölf Kinder, und die meisten von ihnen sind uns als Straftäter bekannt", sagt ein Sprecher des Neuköllner Bezirksamts für Jugend und Gesundheit. Laut "Zeit" gelten neun minderjährige Angehörige des Clans als Intensivtäter. Aktenkundig sind Auto-Diebstähle, Wohnungseinbrüche am helllichten Tage und Raubzüge durch Möbelhäuser oder Küchenstudios. Für letzteres wurden die Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Ermittler verdächtigen Mitglieder des Clans zudem, spektakuläre Straftaten begangen zu haben: So sollen Clanangehörige die 100 Kilo schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum geraubt haben. Bereits verurteilt wurde der Clanangehöriger Toufic R. wegen eines Überfall auf eine Mariendorfer Sparkasse im Jahr 2014, bei dem fast zehn Millionen Euro erbeutet wurden. Die Beute aus beiden Fällen ist bis heute verschwunden.

Zudem verdächtigt die Staatsanwaltschaft ein damals 20-jähriges Clanmitglied, im vergangenen Jahr einen Mann im Süden Berlins mit einem Baseballschläger totgeprügelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es um Schulden ging. Der Tatverdächtige muss sich derzeit vor dem Landgericht Berlin wegen des Vorwurfs des heimtückischen Mordes verantworten.

Die Strafverfolgungsbehörden vernetzen sich inzwischen besser als früher

Die Strafverfolgungsbehörden haben lange sehr milde auf den Clan reagiert und verhängten wegen der einzelnen Delikte nur geringe Strafen. Es entstand das Bild eines zaghaften Staates. Zudem wurden Polizisten, die gegen Clan-Mitglieder ermittelten, persönlich bedroht - beispielsweise durch Botschaften auf den Windschutzscheiben ihrer Autos.

Inzwischen greift die Justiz härter durch. So führen Ermittler häufiger Razzien durch, Staatsanwälte bündeln die Straftaten, bevor sie sie zur Anklage bringen. Im März vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Jusuf R. wegen schweren Bandendiebstahls zu acht Jahren Haft.  

Auch Jugendamt, Polizei und Staatsanwaltschaft tauschen sich zu dem Thema viel intensiver aus. Im vergangenen Jahr gründete das Bezirksamt Neukölln die AG Jugendkriminalität. Das Ziel laut dem Bezirksamt-Sprecher: "Wir wollen den Clans das Wasser abgraben, indem wir den Jugendlichen Perspektiven jenseits der Kriminalität eröffnen." Zwei Sozialarbeiterinnen wurden eingestellt, sie führen Gespräche mit den "kleineren Brüdern", die noch keine Intensivtäter sind. Sie sollen in Ausbildungsplätze vermittelt werden, stellenweise gelinge das auch. 77 Jugendliche werden derzeit in dem Programm betreut, nicht alle von ihnen gehören allerdings kriminellen Großfamilien an.

Neuköllns Stadtradt fordert berlinweites Clankonzept

Immer wieder werden jugendliche Clanmitglieder auch in eine Jugendhilfeeinrichtung nach Brandenburg geschickt, um dort Sozialarbeit zu verrichten. Trotzdem verhehlt das  Jugendamt nicht: Einige von ihnen werden trotz der Bemühungen um Resozialisierung immer wieder straffällig.

Laut Stadtrat Falko Liecke (CDU) könne der nun erfolgte Großeinsatz gegen die Familie R. nun ein Signal an die Kinder sein: "Sie sehen jetzt zum ersten Mal, dass der Staat sich wehrt. Sie müssen das als ganz neue Erfahrung und als großen Schock wahrnehmen. Wir müssen das nutzen und auf allen Ebenen nachsetzen."

Neukölln sei jedoch bislang der einzige Bezirk, der ein Handlungskonzept gegen Kinder- und Jugendkriminalität entwickelt und umgesetzt hat. Liecke fordert deshalb den Senat auf, ein berlinweites Clankonzept vorzulegen, um strukturierter gegen kriminelle Großfamilien vorzugehen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

25 Kommentare

  1. 25.

    Na ja,unser Land ist ein Gangsterparadies,wirklich nicht nur für Nichtdeutsche Kriminelle.Die mit den weissen Kragen bitte nicht vergessen.Die vor denen alle den Hut ziehen.

  2. 24.

    Ich finde nicht, dass das Strafmaß so weit runtergesetzt werden sollte, schließlich sind das immer noch Kinder. Aber bei einer Familie, die in einer Villa lebt und mehrere straffällige Kinder hat, wir wohl nicht die materielle Armut oder die schlechte Umgebung daran schuld sein, sondern die Famile. Das Jugendamt die Kinder in seine Obhut nehmen, da die Eltern nicht in der Lage sind ihre Kindern auf eine Leben in dieser Gesellschaft vorzubereiten.
    Des weiteren sollten Einschüchterungen und Erpressungen, die von angegörigen der organisierten Kriminalität verübt werden mit mindestens 2 oder 3 Jahren Haft bestraft werden. Es ist eine ganz andere Qualität, wenn man von solchen Strukturen bedroht wird und vollkommen inakzeptabel das Zeugen, Staatsanwälte, Richter und Polizisten bedroht werden.

  3. 23.

    4 Blocks4live.yeahyeahyeah

  4. 22.

    Endlich wird Kante gezeigt. Warum bloß, hat das so lange gedauert?

  5. 21.

    Ich würde es mal mit lesen und nachdenken probieren bevor sie lospoltern.

    "Gegen die jugendlichen Intensivtäter kann man nur vorgehen, wenn die Strafmündigkeit endlich von 14 auf 10 Jahre herabgesetzt wird und die Gesetze dahin gehend verschärft werden, daß diese Jugendlichen nach Strafverbüßung in das Herkunftsland abgeschoben werden. "

    Darauf habe ich mit "Klar, Knast ist genau die richtige Lösung. Dort werden sie dann genau den richtigen Weg einschlagen." Der Kommentator wollte also MINDERJÄHRIGE in den Knast verfrachten damit sie dort ihr "Handwerk" von der Pike auf lernen können?

    Ich habe in Moabit gewohnt, reicht ihnen das? Man kann sogar in Dahlem wohnen und trotzdem nicht der rechten Hetzhysterie erliegen.

  6. 20.

    Deutsche Staatsbürger schieben wir in den deutschen Knast. Ist doch ganz einfach..
    Was wären denn ihre Vorschläge? Schon mal in Neukölln oder Kreuzberg gewohnt? So richtig nah dran am Geschehen? Glaube wohl nicht.

  7. 19.

    Sicher, das Arbeitsverbot ist die Ursache für die Entwicklung zum Kriminellen. Darum gibt es ja auch keine kriminellen deutschen Staatsbürger. Achso, nee, sorry. Bei denen ist ja die schwere Kindheit schuld.

  8. 18.

    Die jugendlichen Intensivtäter werden ziemlich konsequent nach Strafverbüßung in ihr Herkunftsland abgeschoben. Da sind sie dann auch direkt, sobald man die Tür aufmacht. Wie alle anderen deutschen Straftäter auch...
    Sich nicht mit den Konsequenzen von Parallelgesellschaften auseinanderzusetzen ist zwar auf den ersten Blick einfach, den Zustand später zu ändern leider nicht. Wenn Menschen seit 30 Jahren nicht arbeiten dürfen, finden sie andere Wege. Und wenn da auch seit 30 Jahren vermittelt wurde, dass man auch noch besser lebt als die arbeitende Bevölkerung macht es die Sache auch nicht einfacher.

  9. 17.
    Antwort auf [REIMANN] vom 20.07.2018 um 14:09

    Können sie uns ihren reichlich wirren Kommentar mal bitte erklären?

    Diese Familien leben seit den 80ern hier. Also welche Senate meinen sie? Stobbe, Weizsäcker oder Diepgen?

    Und zum dreitausendunddrölfsten Mal: Wohin wollen sie Staatenlose oder deutsche Staatsbürger hin abschieben?

  10. 16.

    Klar, Knast ist genau die richtige Lösung. Dort werden sie dann genau den richtigen Weg einschlagen. Und wohin wollen sie deutsche Staatsbürger, noch dazu minderjährig, abschieben?

  11. 15.

    Nein, 2 sind definitiv zu wenig. Aber hier fordern ja bereits Leute Minderjährige schon mit 10 in den Knast zu schicken. Das Geld kann man sparen und dafür Sozialarbeiter einstellen. Das dürfte nicht nur billiger sein.

  12. 14.

    >>Vermutlich haben die schon die Erfahrung gemacht, daß man den Staat auch aushebeln kann. Ich denke, deren Anwälte stehen schon in den Startlöchern.<<

    Die waren da schon etwas schneller. Man sorgt ja bekanntlich vor.

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/arabische-kriminelle-in-deutschland-das-regeln-wir-unter-uns-14979.html

  13. 13.

    ... und das geht mit 2 (in Worten zwei) neuen SozialarbeiterINNEN, die in deren Kultur sicher sofort akzeptiert werden.

  14. 12.

    Tja, das hat man nun davon, dass man jahrelang "sehr milde auf den Clan reagiert". Der Zug ist abgefahren. Wie soll man Leute und vor allem Kinder, die jahrelang ein kriminelles Leben ohne großartige Strafen vorgelebt bekommen resozialisieren? Und wer zahlt den Kram wieder?
    Man hätte schon viel fürher härter durchgreifen sollen. Was biringt es die Immobilien zu beschlagnahmen? Die haben ihre Verbindungen und ihr Vorgehen und in kürzester Zeit haben sie wieder zig Immobilien. Das eingenommene Geld der vergangenen Jahre liegt doch schon längst irgendwo im Libanon auf Konten.
    Ich habe nicht allgemein etwas gegen unserer Willkommenskultur schutzsuchender. Aber wenn das missbraucht wird, müsste man die Gastfreundschaft eben aussetzen. Macht jeder bei sich zu Hause doch genau so. Oder würde mich Fr. Merkel weiter in ihrer Wohnung als Gast lassen, wenn ich all ihre Teller und Tassen mit Absicht auf den Boden werfe? ich glaube nicht.

  15. 11.

    Gegen die jugendlichen Intensivtäter kann man nur vorgehen, wenn die Strafmündigkeit endlich von 14 auf 10 Jahre herabgesetzt wird und die Gesetze dahin gehend verschärft werden, daß diese Jugendlichen nach Strafverbüßung in das Herkunftsland abgeschoben werden. Dazu bedarf es dann auch Abkommen mit den Herkunftsländern, daß diese dann nicht auf der Straße landen, sondern im Herkunftsland in geschlossene Heime gebracht werden.

    Nur diese Maßnahmen dürften auf lange Sicht diese jugendlichen Gewalttäter zur Besinnung bringen, daß sich Straftaten nicht lohnen.

  16. 10.

    Kleiner Hinweis:
    Der Begriff „Familie“ oder „Großfamilie“ ist irreführend. So wie schottische Campbells oder Macdonalds nicht blutsverwandt sein müssen, ist es auch hier. Man sollte durchgängig von „Clans“ sprechen, erst recht bei Mhallami, denn die haben sich erst bei der Aufnahme im Libanon Nachnamen zugelegt. Daraus kann man nicht auf (Bliuts-)Verwandtschaft schließen.

    Ansonsten möchte eine Aussage dieses Beitrags hervorheben: Deutschland erntet mit diesen kriminellen Großstadtmilieus die Früchte der Arbeitsverbote für viele Gruppen von Migranten. Sicher, das entschuldigt wenig. Aber es erklärt Vieles.

  17. 9.

    Familie geht denen über alles, der "Clan" ist seit Jahrzehnten und mehreren Generationen gewachsen und da sollen Sozialarbeiter junge Familienangehörige aus dieser festgefügten Struktur lösen....???
    Wie naiv ist das denn?? In 20 Jahren haben die 4000 Familienangehörige...

  18. 8.

    Da gebe ich Ihnen recht. Diesen Clan kann man nur durch die konsequente Anwendung des Paragraphen 73, der seit letztem Sommer in Kraft ist, bekämpfen. Irgendwann verlieren seine Mitglieder hoffentlich den Spaß und ziehen ihre Konsequenzen.

  19. 6.

    Was ein Wahnsinn, diese politische Naivität. Auch wenn ich diese Aktion gutfinde, wer glaubt denn wirklich, dass das etwas bringt? Die Immobilien werden die auf jeden Fall zurückerhalten.
    Der Zug ist längst abgefahren...

Das könnte Sie auch interessieren