Ein Brandenburger Landwirt fährt mit seinem Traktor und angehängtem Grubber über ein trockenes Feld und wirbelt dabei viel Staub auf. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Abendschau | 07.07.2018 | Sabrina Wendling | Bild: dpa/Patrick Pleul

Waldbrände und Ernteausfälle - Die lange Trockenheit dörrt Berlin und Brandenburg aus

Seit Wochen regnet es in der Region kaum. Die Auswirkungen sind teilweise dramatisch: Landwirte fürchten um ihre Existenz, Wälder verbrennen und Straßenbäume welken dahin. Auch wenn es in den nächsten Tagen etwas regnet: Wirkliche Besserung ist nicht in Sicht.

Das rbb Fernsehen sendet am Montagabend (20.15 Uhr) ein rbb spezial: "Ausgedörrt - Gefährliche Trockenheit in Berlin und Brandenburg". 

Waldbrände, massive Ernteausfälle, dahinwelkende Straßenbäume – die extreme Dürre der vergangenen Monate in Berlin und Brandenburg hat deutlich sichtbare Auswirkungen auf die Natur. Teile Ostdeutschlands erleben derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren.

Und eine grundlegende Änderung ist nicht in Sicht: Zwar soll es am Dienstag und Mittwoch etwas Regen geben, wie die MeteoGroup am Sonntag auf Anfrage von rbb|24 mitteilte. Derzeit rechnen die Meteorologen mit fünf bis zehn Liter Regen pro Quadratmeter, Richtung Uckermark etwas mehr. Ein Landregen sei das jedoch nicht - der sei im Sommer ohnehin eher untypisch. Und ab Donnerstag soll es wieder trocken und warm werden.

Eine Menge ist einfach verdunstet

In Potsdam lag die Niederschlagsmenge nach den Daten des DWD im Mai bei nur einem Viertel des langjährigen Mittelwertes, im Juni bei etwa der Hälfte. In den letzten drei Wochen habe es in Brandenburg nur zwischen fünf und zehn Liter Niederschlag gegeben - teilweise sogar weniger, sagte Ulrike Maiwald vom Deutschen Wetterdienst dem rbb. Und davon sei eine ganze Menge verdunstet.

Wieder Brand in der Lieberoser Heide

Die Folgen des ausbleibenden Regerns: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten die Feuerwehren in Brandenburg bereits zu 200 Waldbränden ausrücken, im gesamten Jahr 2017 waren es 138 Feuer.

So brannte es am Sonntag erneut in der Lieberoser Heide. Rund 50 Hektar standen in Flamen, die Feuerwehr war mit 150 Kräften und 50 Wagen im Einsatz. Erst wenige Tagen zuvor waren in der Lieberoser Heide bis zu 400 Hektar Feld und Wald in Brand geraten, Die Löscharbeiten dort waren für die Feuerwehr schwierig, weil auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz noch Munition im Boden liegt.

Forstbehörden dürften Wälder sperren

Die Ursachen für die Brände können unterschiedlich sein. So könnten etwa heiß gelaufene Erntemaschinen oder alte Kriegsmunition die Felder in Brand setzen, erklärt Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter, Raimund Engel. Doch die häufigste Brandursache seien wegegeworfene Zigarettenstummel.

Die FDP-Fraktion im Bundestag drängt deshalb bereits darauf, Wälder teilweise zu sperren. "Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder eine im Wald abgestellte Glasflasche reichen schon aus, um große Waldflächen in Brand zu setzen", sagte der forstpolitische Sprecher der Fraktion, Karlheinz Busen, der "Passauer  Neuen Presse". Tatsächlich können in Brandenburg die Forstbehörden ab Waldbrandgefahrenstufe 4 den Wald für Besucher sperren, wenn dies zum Schutz des Walds oder seiner Besucher notwendig ist. Davon wird jedoch nur in Ausnahmefällen Gebrauch gemacht.

Ernteausfälle für viele Bauern kritisch

Die Getreidebauern in Brandenburg rechnen aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in diesem Jahr mit Einbußen von rund 30 Prozent. Wegen des schwierigen Wetters vor allem im Norden und Osten Deutschlands mit zu viel Hitze und zu wenig Regen gab es einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn, wie der Landesbauernverband erklärte. Die Körner seien nicht ausreichend gereift und viel zu klein. Teilweise sei die Ernte gar nicht eingeholt, sondern gleich gehäckselt worden, hieß es.

Auch die Obstbauern erwarten eine geringere Ernte. Sorgen machten vor allem Äpfel und Pflaumen in Anlagen, die nicht bewässert werden, hieß es vom Gartenbauverband. Zwar sei im vergangenen Jahr die Ernte unter anderem wegen zu wenig Sonne schlecht gewesen. Die hohen Preise hätten aber die Einbußen zum Teil ausgeglichen. In diesem Jahr seien auch die Preise niedrig. Das könne für viele Betriebe kritisch sein.

Die Brandenburger Landesregierung plant bislang keine finanziellen Hilfen für Bauern, die wegen der Trockenheit mit Ernte-Einbußen rechnen müssen. Das teilte ein Sprecher des Agrarministeriums am Freitag auf Anfrage des rbb mit. Erst nach dem Abschluss der Ernte könne das Land über Existenzhilfen für bedrohte Bauern entscheiden, hieß es weiter. Allerdings hoffe man auch auf Unterstützung vom Bund. Auch die Bundesregierung will erst nach den Ernteberichten im August über mögliche Hilfen entscheiden.

Straßenbäume und Parkanlagen leiden

In Berlin sorgt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) um die Straßenbäume. Der Boden sei total ausgetrocknet, das könne zu langfristigen Schäden in der Natur führen. Der BUND bittet deshalb die Berliner, Straßenbäume einmal pro Woche mit acht bis zehn Eimern Wasser zu gießen.  

Die Hitze bereitet auch Gärtnern in öffentlichen Parks viel Arbeit. "Unsere Gärtner wässern und wässern", heißt es zum Beispiel von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Alle anderen Arbeiten würden derzeit zurückgestellt.

Auch auf den Friedhöfen muss viel gewässert werden. Hier haben die Gärtner allerdings noch eine andere Sorge: Grablichter könnten ein Feuer entfachen. Deshalb sammeln etwa auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf die Mitarbeiter die Kerzen Tag für Tag ein.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Wir müssen Bäume und Pflanzen solange mit Wasser versorgen wie nötig.
    Ohne Bäume und Pflanzen ist die Menschheit nicht überlebensfähig.
    Die Natur nährt uns und versorgt uns mit Sauerstoff.

  2. 8.

    Auf jeder Zigarettenschachtel hat der Hinweis zu stehen, dass die Kippen niemals irgendwohin geworfen werden dürfen ! Imerhin besteht der Filter aus Kunststoffen ( Kunstfasern ). So etwas gehört in dafür vorgesehene Behälter oder in den eigenen Aschbecher. Unser Land verdreckt doch nur noch. Singapur sollte unser Vorbild sein.
    Wenn dann auf der Schachtel dann noch das Strafmaß / Kippe angegeben wäre hätte man eine gute Basis.

  3. 7.

    Man wird doch wohl das Wasser für den größeren "Gießeinsatz" an Straßenbäumen etc aus Kanälen und Seen entnehmen.Straßenbäume sind wertvolle Staubbinder und Sauerstoffproduzenten. Ein Ort ohne Grün ist wie leblos.

  4. 6.

    Mich treibt auf Grund der anhaltenden Trockenheit die Frage um, wie lange können wir es uns leisten, Bäume und andere Pflanzen zu wässern. Wie lange reicht das Wasser für uns Menschen?

  5. 4.

    @rbb: Wie oft wurden denn in diesem Jahr in Berlin und Brandenburg schon Strafen (in Höhe von 50.000€) verhängt?

  6. 3.

    Strafen bis zu 50.000 Euro? Nur werden sie anscheinend nie durchgesetzt. Die Behörden tragen hier die Schuld, dass Leute im Wald rauchen. Kontrollen scheint es nämlich überhaupt nicht zu geben. Und wenn doch jemand erwischt wird, muss er dann zahlen? Nö. Bestenfalls gibts eine Verwarnung. Und das ist lächerlich.

  7. 2.

    Warnschilder oder Wälder sperren bringt überhaupt nix. Das Ordnungsamt müsste da präsent sein und drakonische Strafen für jeden Raucher verhängen, der eine Zigarette im Mund hat.

  8. 1.

    Die Dummheit und Gleichgültigkeit der Leute ist niemals zu unterschätzen. Das einzige was da hilft, sind Kontrollen und Infostände an den Parkplätzen oder sonstigen Waldzugängen. Auch sind diese Waldbrand-Warnschilder einfach zu klein und unauffällig, dass Otto-Normal-Dummbrödel die bermerkt geschweige denn kapiert. Die müssen gross und neonfarbend sein. Wälder zu sperren finde ich auch eine sehr gute Idee.

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