Ausgang der U-Bahn Rathaus Neukoelln in Berlin
Bild: imago/Emmanuele Contini

Organisiertes Verbrechen - Ein Besuch bei Neuköllns arabischen Clans

Es war eine der spektakulärsten Aktionen der Polizei gegen das organisierte Verbrechen: 77 Immobilien eines berüchtigten arabischen Clans wurden beschlagnahmt, wegen des Verdachts auf Geldwäsche. In Neukölln kennt man die Familie R. gut. Von Thomas Rautenberg

Die Lessinghöhe in Neukölln ist einer der grünen Zipfel des Berliner Bezirks. Ein großer Park, verkehrsberuhigte Straßen mit einer vergleichsweise flachen Bebauung an den Rändern: Eigentlich gar nicht das richtig brummende Neukölln. Und dennoch will CDU-Bezirksstadtrat Falko Liecke gerade hier den Spaziergang durch das Neukölln der arabischen Clans beginnen. "Der Mittelweg ist der Brennpunkt, wo auch einschlägige Familien zu Hause sind."

Vor einem viergeschossigen Mehrfamilienhaus im Mittelweg, zwischen Karl-Marx-Platz und Hermannstraße, bleibt Liecke stehen. "Hier wohnt eine Familie, die derzeit stark in den Medien debattiert wird", sagt er.

15 bekannte Clans in Neukölln

Zehn bis 15 arabische Großfamilien sind laut Liecke in Neukölln einschlägig bekannt. Um einige Clans sei es inzwischen ruhiger geworden. Offenbar haben sie sich auf legale Geschäfte verlagert, wie Sicherheitsdienste oder den Autohandel. Die Großfamilie R. jedoch hält die Ermittler bis zum heutigen Tag in Atem. Insofern sei die Beschlagnahmung von 77 ihrer Immobilien endlich einmal konsequent gewesen, meint Liecke. "Ich denke, dass es entscheidend ist, mit einer klaren Konsequenz diesen Familien und den Straftätern gegenüber aufzutreten und nicht diese Wattebausch-Politik zu betreiben."

Die Liste der 77 beschlagnahmten Immobilien halten die Ermittler streng geheim. Fest steht aber wohl, dass auch ein Grundstück in Alt-Buckow drauf stehen wird. Dessen Verkauf vor einigen Jahren wirft bis heute viele Fragen auf, sagt Stadtrat Liecke. "Das ist ein gut 950 Quadratmeter großes Gelände, da steht eine alte Villa drauf. Und die hat ein junger Mann aus dieser Familie - damals 19 Jahre alt - für 200.000 Euro gekauft, von einer öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft."

Das SEK ist Dauergast

Niemand bei der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft habe damals offenbar wissen wollen, wo das Geld herkam. "Da fragt man sich schon, was hier in unserem Land los ist. dass so etwas nicht hinterfragt wird. Dass das einfach abgewickelt wird, ist für mich ein völliges Unding", so Liecke.

Ein paar Meter weiter steht ein kürzlich renoviertes Mietshaus. "Auch da wohnen Teile dieser Familie. Was ich gehört habe, ist, dass es Probleme mit dem Vermieter gibt", sagt der Bezirksstadtrat. Der ist es nämlich offenbar leid, dass immer wieder das Sondereinsatzkommando anrückt um die Türen aufzubrechen. Deshalb hat er den Mietvertrag gekündigt. Zum Monatsende soll die Wohnung geräumt werden.

Mit der S-Klasse zum Sozialamt

Nach dem Überraschungscoup der Staatsanwaltschaft fordert CDU-Stadtrat Liecke den Druck auf kriminelle Familien aufrechtzuerhalten. Polizei, Justiz, Jugendämter und Jobcenter müssten endlich die Lücken schließen die die Clans ganz bewusst für sich ausnutzen würden fordert er. "Wenn man sich vorstellt, dass das Gros der Mitglieder alle auf Hartz IV angewiesen ist: Das ist eine offene Flanke, die auch bei den Jobcentern besteht. Wenn eine dicke Mercedes S-Klasse vorfährt und am Ende der Hartz-IV-Antrag abgegeben wird, ist das ja absurd."

Wir sind am Ende der Thomasstraße angekommen. Früher stand hier der "Papa", ein Imbiss fest in der Hand der arabischen Großfamilie. Dann ist er abgebrannt. Heute ist nichts mehr von dem Imbiss zu sehen. Doch die Geschäfte des Clans gingen munter weiter.

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 15.

    ...ich fürchte, dass Sie damit leider vollkommen recht haben. Die AFD freut sich über solche und ähnliche Geschichten.

  2. 14.

    Gesetze fallen nicht vom Himmel, sondern sind von Menschen gemacht, um genau zu sein von Politikern und Verfassungsrichtern. Offenbar besteht jedoch kein großes Interesse daran, die Beweislastumkehr zum Gesetz zu machen, so dass Vermögen unbekannter Herkunft beschlagnahmt werden kann. Kriminelle - organisiert oder nicht - sowie Teroristen lachen sich deswegen doch schon lange schlapp über unseren Rechtsstaat und dessen mangelnde Handlungsfähigkeit, können sie hier doch ungestraft die Gewinne ihrer kriminellen Machenschaften waschen, verstecken und in legale Geschäfte investieren.
    Wenn die Beweislastumkehr wirklich ein scharfes Schwert ist, muß man sich zwangsläufig fragen, warum es nicht auch eingesetzt wird. Denn wenn die Antwort darauf ist, dass unser Rechtsstaat das nicht her gibt, muß man sich doch ernsthaft fragen, was dieser Rechtsstaat eigentlich wert ist. Dann ist er definitiv nicht im Sinne der Erfinder der Rechtsstaatlichkeit.

  3. 13.

    Abschottung in kriminellen Clans ist nicht "Genetik", genausowenig bei der ital. Mafia, sondern Sozialisierung und frühzeitige Delinquenzentwicklung im Mileu. Daher die in Berlin bekannten Intensivtäter.

  4. 12.

    Kann ihnen nur zustimmen. Solange die, vor Jahrzehnten für den deutschen wohlhabenden Steuerhinterzieher, eingebauten Schlupflöcher Gültigkeit haben, Selbstanzeige. .etc, und keine Klare Grenze bezüglich des hinterzogenen Betrages gezogen wird, ab dem nur noch mehrjährige Haftstrafen und horrende Geldstrafen verhängt werden,egal ob nachträglich selbst angezeigt und nachgezählt, oder nicht, so lange wird sich das Karussell munter weiter drehen. Und da die Hinterzieher zum Teil auch Parteinfinanzierer sind, dürfte die Hoffnung auf Änderung nicht all zu groß sein.

  5. 11.

    hmm..wenn man es mal so betrachtet ist auch der oft gescholtene " Aktionismus" als Antriebsfeder nicht zu unterschätzen. Trägt er denn dazu bei, daß wenigstens etwas geschieht.
    Wenn Erwartungsdruck seitens der Öffentlichkeit, pers.Eitelkeiten vollnommen ausfallen, ja dann erst befinden wir uns vollkommen im Stillstand und in einem gescheiterten Staat...

  6. 10.

    Sollte mich freuen, wenn ich mich irre, aber die Beschlagnahme-Aktion halte ich für puren Aktionismus. Da lachen die Clan-Chefs drüber. Ich bin sicher, dass die Anwalts-Maschinerie schon läuft, um all das wieder rückgängig zu machen. Es werden sich Richter finden, die entsprechende Urteile fällen. Ein paar der Clan-Mitglieder werden bei ihren Finanzämtern Selbstanzeigen abgeben, höhere Gewinne erklären, und schon sind die Gelder für die erworbenen Immobilien wieder legal. Und die beschlagnahmten Immobilien wieder im Besitz der Familie. Bevor diese mafiösen Clans ihre Strukturen auflösen, fließen Flüsse bergauf.

  7. 9.

    Dabei haben wir doch schon große Teile der organisierten Kriminalität fest in inländischen Händen, und das schon seit Jahrzehnten.

    Steuerbetrüger, z.B. Zumwinkel...Hoeneß...Deutsche Bank...to be continued...

    Was würden die wahrscheinlich über die arabischen Clans sagen? *pffft* Peanuts! ;-)

  8. 8.

    Sie ignorieren bei Ihren sicherlich gut gemeinten Einwänden leider die Tatsache, daß sich große Teile der organisierten Kriminalität fest in ausländischen Händen befinden, und das schon seit Jahrzehnten.

  9. 7.

    Sie wissen aber schon, dass die Staatsanwaltschaft die Herrin der Strafverfahren ist.
    Eine Polizei ohne Kontrolle gibt es in Deutschland nicht.

  10. 6.

    Die Clans gibt es seit dreißig Jahren in allen deutschen Großstädten, doch man hat sehr gerne weggeschaut. Nun scheint jemand der Politik und Justiz mal eine Watschn gegeben haben, dass sie sich endlich mal darum kümmern sollten. Aber vielleicht ist es schon zu spät. Und Informanten bei der Polizei, der Justiz und bei Politikern haben die allemal.

  11. 5.

    Es ist ein schön einfaches Weltbild, mit "arabischen Clans" oder "arabischen Großfamilien" immer wieder die Sprache so zu wählen, als ginge es um Abstammung, Biologie, wenn es um organisierte Kriminalität geht: das rechte Narrativ vom kriminellen Fremden wird so distanzlos reproduziert, auch vom rbb.
    Wer sich nachweislich welcher Verbrechen auch immer schuldig macht, muss dafür die, auch juristische, Verantwortung tragen, unabhängig von jedweder Abstammung oder Herkunft der eigenen Person oder Elterngeneration(en).

    Liecke ignoriert hier, dass die Konfiszierungen noch gar nicht rechtskräftig sind. Ergo fordert er mehr Aktionen, unabhängig von Rechtsprüfungen ein - ein interessantes Rechtsverständnis.
    Und: Geklüngel bei Immobilien o. z.B. Banken? Da war doch was mit CDU...

    Werden alle Bereiche des organisierten Verbrechens so unter die Lupe genommen oder nur dort, wo man aktionistisch "Erfolge" vorweisen will? Nicht kontrollierte Polizeiarbeit bedeutet Willkür.

  12. 4.

    Auch hier nochmal zum dreitausenunddrölfsten Mal und ganz exklusiv für sie zum Mitmeißeln:

    Staatenlose lassen sich nicht abschieben, wohin denn auch? Deutsche Staatsbürger ebensowenig.

  13. 2.

    Politversagen mit zugereisten Ausländern gab es auch schon vor 20 Jahren.

    Warum versucht man nicht, da, wo es geht, diese Figuren wieder aus Deutschland zu entfernen?

  14. 1.

    "Um einige Clans sei es inzwischen ruhiger geworden. Offenbar haben sie sich auf legale Geschäfte verlagert, wie Sicherheitsdienste oder den Autohandel." Schön. Und woher kam das Geld, um die legalen Geschäfte zum Laufen zu bringen? Begnügt sich der Staat damit oder kommt da auch noch was? Rechtstaatlichkeit ist ja was gutes - allerdings auch für Täter.

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