Eine Hand hält am 04.07.2018 während einer Pressekonferenz der Evangelischen Kirche in Berlin einen digitalen Klingelbeutel. (Quelle: dpa/Thorsten Wittke/Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg)
Audio: Marie Wildermann | 08.07.2018 | Kulturradio | Bild: dpa/Thorsten Wittke/Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg

Evangelische Kirche testet digitalen Klingelbeutel - Wenn der Beutel nicht nur klingelt, sondern auch piept

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz modernisiert die Kollekte: In den digitalen Klingelbeutel kann man nun auch per Karte einzahlen. Die Spendenquittung gibt es gleich dazu. Von Marie Wildermann

Das Ganze sieht ein bisschen aus wie die Begegnung von Mittelalter und 21. Jahrhundert. Der traditionelle Kollektenbeutel mit dem handtellergroßen Ring als Öffnung und dem Griff zum Halten und Weiterreichen hat jetzt in der digitalen Variante zusätzlich ein Kartenlesegerät verpasst bekommen. Das ist im Griff integriert. Am Ende des Griffs befindet sich ein kleines Rädchen, mit dem man eine Zahl einstellen kann - die Summe die man spenden möchte. Die wird mit einem Knopfdruck bestätigt, der Kirchgänger legt seine Bankkarte aufs Display, fertig. Die persönliche PIN-Nummer ist nicht nötig.

Beim Spenden diskret mit Kleingeld knausern - das gibt es nicht mehr beim digitalen Klingelbeutel. Der akzeptiert nur Spenden ab einem Euro. Er verrät auch, wer wieviel gespendet hat. Ebenfalls neu: Es gibt eine Spenden-Obergrenze. Die liegt bei 25 Euro und hat damit zu tun, dass höhere Beträge ohne Eingabe der PIN riskant sind, falls die Karte verlorengeht. Aber Spenden mit PIN-Eingabe sei keine Option gewesen, sagt Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Bank und Partner dieses Projektes. "Wenn man jetzt bei Fünf- oder Zwei-Euro-Beträgen jeweils die PIN noch mit eingeben müsste, würde der Vorgang zu lange dauern. Dann würde der Klingelbeutel unattraktiv, die Leute würden ihn nicht anwenden."

Attraktiv soll das Spenden ja schließlich sein - schrieb doch schon der Apostel Paulus im ersten Brief an Timotheus über die Gemeinden: "Sie sollen Gutes tun und freigiebig sein und gerne mit anderen teilen“.

Modern und traditionell "in einem Klingelbeutel vereint"

Bischof Markus Dröge zeigt sich stolz. "Uns war wichtig, dass wir so traditionell wie möglich bleiben. Es soll weiter der Klingelbeutel durch die Reihen gehen, nur ist jetzt in dem Griff eben auch die Technik integriert", sagt er. "Aber man spaltet nicht die Gemeinde auf in die, die modern sind, und die, die traditionell sind, sondern man hat beides in einem Klingelbeutel vereint."

Der digitale Klingelbeutel ist eine Idee des Leiters der IT-Abteilung bei der Evangelischen Kirche in Berlin, Fabian Kraetschmer. "Hybridmodell bedeutet - und das ist der große Unterschied zu anderen Dingen, die jetzt schon probiert werden - dass Sie an einer Lösung, an einem Klingelbeutel sowohl Geld einwerfen als auch drahtlos mit der Karte bezahlen können."

Die einzelne digitale Transaktion soll die Spender keine Gebühr kosten. Im Gegenteil: Sie bekommen sogar etwas, nämlich eine Quittung. Die kann man dann bei der Steuererklärung geltend machen. Auch die Kirchengemeinden sparen: die Gebühren für Bareinzahlungen der analogen Kollekte.

Der Bischof gerät ins Schwärmen

Über die grundsätzlichen Kosten für die gesamte Dienstleistung müsse allerdings noch verhandelt werden, sagt Thomas Katzenmeyer. "Das ist jetzt unsere Aufgabenstellung im Zuge des Projektes: Wie organisieren wir mit der EKBO diese Zahlvorgänge? Je schlanker und je einfacher wir sie handeln können, umso kostengünstiger wird es sein."

Schlanke und einfache Zahlvorgänge - Bischof Dröge gerät ins Schwärmen: "Es ist ja ganz frisch, es ist gerade erst entwickelt und patentiert worden. Wir werden jetzt Gemeinden suchen, die bereit sind, so eine Probephase zu machen. Dann werden wir auf der Synode verhandeln, was wir jetzt tun müssen, um das weiter zu verbreiten. Da startet jetzt ein Prozess, der ganz spannend ist. Iich bin ganz sicher, dass der Klingelbeutel sich schnell verbreiten wird - denn die Frage kam ja von der Gemeindebasis: Sie sollte von der Synode wissen, wie das eigentlich in Zukunft sein soll."

Auch wenn es noch etwas dauern kann, bis das neue Modell zum Einsatz kommt: Für den traditionellen Klingelbeutel sind die Tage gezählt.

 

Beitrag von Marie Wildermann

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Es scheint tatsächlich Menschen zu geben, die denken die Kirche tue was selbstlos und uneigennützig.Kirche ist ein ,durch den Staat mit unendlich viel Geld gefördertes Geschäftmodell, weil der Staat sich seiner Aufgaben entledigt.Fragt doch mal die Mitarbeiter in denAltenheimen wie das MitTarivfertägen aussieht, mit Betriebsrat oder mit einer Gewerkschaft, da gibt es scheinbar einen Freibrief und nichts ist mit selbstlos. Das kann man unendlich fortführen..

  2. 4.

    Lieber Herr (?), liebe Frau (?) Müller,
    mich würde wirklich interessieren, was Sie unverschämt finden. Dass überhaupt gesammelt wird? Ich sehe das so: Durch Spenden und Geben (in der Kirche, außerhalb, für einen guten Zweck) trainieren wir das, was sonst verkümmert. Denn beim Geld sind wir doch alle - Hand aufs Herz - sehr engherzig. Wenn wir das bewusste und freiwillige Geben einüben, ist das nicht nur für die Empfangenden hilfreich, sondern für uns selbst. Es macht unser Herz und unsere Seele weit. Aber nur, wenn wir es freiwillig tun. Ein Sprichwort (das ursprünglich aus der Bibel stammt) sagt: Geben ist seliger als Nehmen. Das ist tatsächlich so. Probieren Sie es aus! Man bekommt unendlich viel zurück. Meistens in einem ganz anderen Bereich des Lebens.
    Liebe Grüße Marie Wildermann

  3. 3.

    Was soll das?jeder kann machen was er will.ich finde das unverschämt.

  4. 2.

    Wenn das soweit kommt wie in Schweden, daß man nur noch per Scheckkarte für die Kirche etwas spenden kann (der digitale Klingelbeutel ist doch schon der Vorbote), dann gebe ich sonntags überhaupt nichts mehr als Spende für die Kollekten. So einfach ist das!

  5. 1.

    Die reichsten Kirchen der Welt brauchen Geld! Wenn das Geld im Kasten klingt die Seele in den Himmel springt....wofür?

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