Archiv - Vor dem ehemaligen Brenninkmeyer-Kaufhaus (1913 erbaut) am Oranienplatz am 09.08.2017 hängt kurz vor der Eröffnung als Luxus-Hotel ein Schild mit der Aufschrift "Früher haben wir noch Steine geworfen! Sozi36" (Bild: imago/Peter Meissner)
Audio: Inforadio | 13.07.2018 | Bild: imago/Peter Meissner

Ein Jahr nach der Eröffnung - Luxushotel Orania in Kreuzberg bereits zehnmal angegriffen

Mit so viel Gegenwind haben die Investoren vielleicht nicht gerechnet. Innerhalb von einem Jahr ist das neue Luxushotel am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg bereits zehnmal angegriffen worden. Täter wurden bisher nicht gefasst, ihre Herkunft scheint aber klar.

Das Luxushotel "Orania" in Berlin-Kreuzberg ist seit seiner Eröffnung vor etwa einem Jahr zehnmal beschädigt worden. Täter konnten bisher nicht gefasst werden, die Behörden vermuten sie jedoch im linksextremistischen Milieu.

Weil es noch zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz im Zusammenhang mit dem Hotel gab, wurden zwölf Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervorgeht.

Mehrfach zerstörten die Täter gezielt Fensterscheiben des Hotels am Oranienplatz. In anderen Fällen wurde die Fassade besprüht. Zum Teil beobachteten Wachleute, wie schwarz gekleideten Menschen nach der Tat flohen.

Der SPD-Politiker Schreiber kritisierte: "Hier zeigt der Linksextremismus sein hässliches Gesicht". Die bewusste Fokussierung auf Objekte und Personen und das Protestieren mit Gewalt und Straftaten, sei ein Wesensmerkmal davon. Der Rechtsstaat müse hier konsequent handeln.

Schadenshöhe bisher unbekannt

Auf einer linksradikalen Seite im Internet schrieb eine unbekannte Person im Oktober 2017: "Jetzt haben wir also in der Nacht zum 25. Oktober die superharten Panzerglasscheiben des Hotel Orania am Oranienplatz in Kreuzberg mit Hämmern zerstört." Der Besitzer, "ein Multimilliardär, der übrigens auch die G7 Staaten in seinem Schloss Elmau in Bayern hofierte, ist ein weiterer Totengräber Kreuzbergs.", hieß es in dem Post.

Die Höhe des Schadens stehe nicht fest, schrieb der Senat. Ermittlungen zu der Identität des Internetnutzers hätten keine Erkenntnisse gebracht.

Die Polizei in Kreuzberg und die Kriminalpolizei vom Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) - zuständig für politisch motivierte Delikte - stehe im Kontakt mit dem Geschäftsführer des Hotels, schrieb die Senatsinnenverwaltung. "Im Zuge dessen wurden Objektschutzmaßnahmen initiiert, auf die aus polizeitaktischen Gründen nicht weiter eingegangen werden kann."

Seit seiner Eröffnung vor knapp einem Jahr ist das Luxushotel Orania Berlin in Kreuzberg mehrmals beschädigt worden. (Quelle. dpa/rolf kremming)
Vor allem die Fensterscheiben gingen öfter zu Bruch | Bild: imago/Rolf Kremming

Hotel-Eröffnung löste große Diskussionen aus

Das Hotel ist ein Schwester-Unternehmen von Schloss Elmau in den bayerischen Alpen und bezeichnet sich selber als "einzigartiges Luxus Hotel" mit einem "herausragenden Restaurant für Gourmets & Kosmopoliten".

Ende August 2017 eröffnete es in einem jahrelang leerstehenden ehemaligen Kaufhaus direkt am Oranienplatz. Die Gegend gilt trotz steigender Preise als Hochburg der linken Szene. Die Eröffnung hatte Diskussionen über einen weiteren Wandel des Kiezes ausgelöst, der schon seit Jahren zunehmend Touristen anzieht.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ich bin Frankfurter aber ich war kürzlich mal wieder in Berlin, auch in Kreuzberg. Was früher vielleicht mal ein Szeneviertel war und heute in manchen Straßenzügen auch noch ist, hat sich zu einem Moloch gewandelt....Am S-Bahnhof haben mich erst mal ein paar Drogendealer begrüßt...überall liegt Müll rum, Obdachlose und Drogensüchtige liegen auf der Straße, es riecht nach Urin (soviel mal zur einzigartigen Zusammensetzung).....wie gesagt, das ist nicht überall so und es gibt sicher noch Straßenzüge mit dem Charme vom Kiez....aber dass mal jemand Geld und Aufwand investiert und ein jahrelang leerstehendes Gebäude (da hat niemand gewohnt!) aufwendig saniert und wieder zum Leben erweckt, sollte eigentlich begrüßt werden! Toleranz scheint bei den Linken durch Neid und Beschädigungswut ersetzt worden sein....Der Versuch von Großstädten, umgekippte Stadtviertel wieder zu einem lebenswerten Leben zu erwecken, sollte begrüßt statt bekämpft werden....

  2. 13.

    Dir ist wohl nicht klar, was Gentrifizierung bedeutet und welche Auswirkungen es auf eine Stadt und ihre einzigartige Zusammensetzung ihrer Bewohner hat.
    Sofern Du kein reicher Sack bist, der auf Immobilien spekuliert, für den zuerst das Kapital, dann der Mensch kommt, solltest Du sauer auf die Geldsäcke sein, die das Leben und Wohnen von Menschen aus der Arbeiterschicht in den populären Städten Deutschlands unmöglich macht.
    Ein Extrembeispiel für Gentrifizierung ist Venedig. Dort leben nur noch gut situierte Leute (meistens von außerhalb) in der City, während dort geborene Einheimische schon in zweiter, dritter Generation in der äußeren Peripherie wohnen.
    Nachdenken hilft und Gehirn gibt's gratis...

  3. 12.

    Zitat: "Genau! "Schöne" Gebäude erhalten ist ja auch viel wichtiger als Menschen die sich ihren gewachsenen Kiez nicht mehr leisten können."
    Wer behauptet denn das ?

  4. 11.

    Genau! "Schöne" Gebäude erhalten ist ja auch viel wichtiger als Menschen die sich ihren gewachsenen Kiez nicht mehr leisten können.

    Nennt man das eigentlich auch "Kollateralschäden"?

  5. 10.

    "Gentrifizierungskritik - oft nichts anderes als ins Urbane gewendete Heimattümelei und Besitzstandswahrung."

    Na DAS erklären sie mal den Leuten die in die Ghettos Heerstraße Nord oder in die trostlosen Plattenbauwüsten im Osten verdrängt werden.

    Oder der Rentnerin, die sich sich die Miete in SO36, Nordneukölln oder im Kollwitzkiez nicht mehr leisten kann, die dort aber 40-50 Jahre gelebt hat. Die dort ihre Kinder großgezogen hat, dort ihren Lebensmittelpunkt hatte.

  6. 9.

    Zitat: "Zuvor zeigte der extreme kapitalismus seine wiederwertigkeit. "

    Sie meinen bestimmt "wieder Wertigkeit". Durch die Hotelbetreiber hat das schöne Gebäude tatsächlich wieder Wertigkeit erlangt!

  7. 8.

    Weder ist das Orania-Hotel Verursachender einer Gentrifizierungstendenz in Friedrichshain-Kreuzberg, noch würde besagte Gentrifizierungstendenz ohne das Orania-Hotel zum Abebben kommen. Mithin ist das hinsichtlich der Existenz des Hotels "neutral". Keineswegs neutral ist das Hotel für den Oranienplatz und dessen Gestalt. Dieses wunderbare Jugendstilgebäude war jahrzehntelang ein schlichtes Bild des Jammers. Jeder Mensch, der sich darum bemüht, ist darum aller Ehren wert.

    Und es ist ein wirklich schöner Bau geworden, sensibel saniert, keineswegs großkotzig, wie so manches einschlägiges Etablissement in der Dresdner Straße, nahe des Kottbusser Tors.

  8. 6.

    Die armen Menschen, die vorher dort wohnten? Das ist so richtig schön Klischee. Seit 20 Jahren, die ich hier wohne hat dieses Eckhaus ein Schattendasein gefristet. Konnte man vor 10 Jahren noch Billard spielen, hat sich leider nie ein richtiges Konzept für das Haus gefunden. Jetzt hat endlich mal jemand den Mut etwas zu unternehmen und muss sich mit dieser miefigen Berliner Altlinken Gewaltszene rumschlagen, die auch noch glaubt, dem Kiez etwas Gutes zu tun. Ich weiß nicht was mich trauriger macht, der Leerstand die ganzen Jahre, oder diese Ignoranz und Gewalt, die scheinbar zum Kreuzberger Lokalkolorit gehört. Würde mich mal interessieren, wieviele dieser Gegner des Kapitals von anderer Leute Geld leben, oder ob sie schon mal etwas unternehmerisches auf die Beine gestellt haben (Flaschen sammeln gilt nicht!), kommt überhaupt einer aus Berlin? Sorry für die Polemik, aber ich bin echt sauer und zerstöre trotzdem nichts.

  9. 5.

    Zuvor zeigte der extreme kapitalismus seine wiederwertigkeit. Was ist denn aus den Menschen geworden die zuvor dort lebten. Ist es nicht verständlich dass wenn die alt Berliner immer weiter vertrieben werden, dass dieses zu Konflikten kommen kann? Die Touristen sind nicht nach Berlin gekommen weil Berlin eine besondere schöne Stadt war, die Touristen kamen wegen der Berliner Kultur der Arbeiterklasse die nach und nach verschwindet

  10. 4.

    Ah, da hat wohl jemand aus der Rigaer Straße ausnahmsweise nur in die Tasten gehauen...

    Falls Sie (und die rabiateren Gesinnungsgenossen, von denen im Artikel die Rede ist)sich für links halten, gebe ich mal zu bedenken, dass Ihre Rhetorik ein strukturelles Muster aufweist, das einige in diesem Forum bei den bösen Rechten verorten würden.

    Wer bei "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" immer nur auf Flüchtlinge und LGBTQ blickt, dem entgeht, dass sich die andere Seite auch ihre Hassobjekte konstruiert (Bonzen, Bullen, "Nazis" etc.)

    Und bevor die Investoren und Gentrifizierer die Kieze "überfremden", sollen sie also dahin gehen, woher sie gekommen sind? Gentrifizierungskritik - oft nichts anderes als ins Urbane gewendete Heimattümelei und Besitzstandswahrung. Nachdruck verleiht der Forderung ein Stein oder Brandsatz, und was dem einen die Flüchtlingsunterkunft, ist dem anderen das Luxushotel oder die Luxuswohnanlage.

  11. 3.

    Na hoffentlich hauen die Bonzen bald wieder ab nach Bayern.

  12. 2.

    Klar, bei zig Verstößen der gleichen Art wird in dieser Stadt ja auch gerne immer noch von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen

  13. 1.

    Interessante Sprachregelung. "Gegenwind" heißen jetzt kriminelle Anschläge.

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