Rehkitze im Getreidefeld (Quelle: imago/blickwinkel
Audio: Antenne Brandenburg | 24.07.2018 | Claudia Stern | Bild: imago/blickwinkel

Erfindung in der Landwirtschaft - Warnsystem rettet Rehkitze vor Mähdrescher-Tod

Tragischer Tod: Rehkitze und andere Tiere, die im Getreidefeld liegen, werden häufig vom Mähdrescher getötet. Ein Brandenburgischer Landwirt nutzt jetzt eine Erfindung, mit der der Tod einiger Tiere verhindert wird. Von Claudia Stern

Wenn Gregor Mordhorst seinen Traktor anwirft, knattert nicht nur der Motor, es ertönt auch ein quietschendes, flimmerndes Geräusch. Für den Menschen kaum aus dem Lärm des Mähwerks herauszufiltern, ist es für das Wild ganz offensichtlich unerträglich.

"Ansonsten gehen sie raus, bleiben stehen, gucken erstmal, 'was ist hier los?', aber die sind sofort weg. Es ist schon deutlich zu merken, dass irgendwas in den Ohren wehtut", sagt der Landwirt.

"Letztes Jahr 15, dieses Jahr drei tote Rehkitze"

Der Betrieb, in dem Gregor arbeitet, ist einer von zwei Landwirtschaftsbetrieben, die die sogenannte Jungwild-Warnsirene getestet haben. Mit Erfolg, findet er: "Letztes Jahr haben wir ohne dieses Gerät gearbeitet, und da starben deutlich mehr Rehkitze. Letztes Jahr leider 15, dieses Jahr drei."

Entdeckt hat das Gerät der Jäger Klaus Mordhorst. Er geht davon aus, dass in der ersten Testphase mindestens 50 Prozent weniger Kitze getötet wurden. Nun will er auch andere Landwirte und Jäger von der neuen Technik überzeugen.

System schützt auch Feldhasen, Fasane und andere Bodenbrüter

"Die Jagd ausüben bedeutet für uns nicht nur, Wild totzuschießen, sondern auch den Wildarten zu helfen, die es aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft besonders schwer haben", sagt er. "Und da zählt der gesamte Bereich des Lebensraumes Feld dazu."

Neben den Rehkitzen schützt die Warnsirene auch Feldhasen, Fasane und andere Bodenbrüter. Ganz verhindern kann sie allein den Mähdrescher-Tod von Jungwild aber nicht.

"Die Einschränkung des Geräts besteht darin, dass sich der Fluchtreflex bei allen Jungwildarten erst ab einem bestimmten Alter herausbildet", erklärt Klaus. "Bei Rehkitzen liegt das so ungefähr um den sechsten Tag. Vorher drücken sie sich, wie wir sagen, anstatt zu flüchten. Und das ist eben die Einschränkung."

Trotzdem: Für Klaus Mordhorst hat sich das Gerät bewährt. Denn jedes gerettete Kitz zählt.
 

Beitrag von Claudia Stern

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

7 Kommentare

  1. 7.

    Das System sollte gesetzlich verpflichtend sein!

  2. 6.

    Baumloser Wald? Hmm. Sind Sie vom Fach - kennen Sie sich mit landwirtschaftlicher Großtechnik aus? Die Ernte verläuft mittlerweile so breitflächig und schnell, dass man Schwierigkeiten hat, das Getreide hinterher in vollem Umfang zügig abzufahren. Diese Tempomahd nun als angeblich notwendiges Korrektiv zu einem angenommen Wildtierüberschuss gutzuheissen klingt für meine Ohren sehr befremdlich. Sollen sich doch bitte alle freuen, dass es durch die Warnsirenen für kleines Geld zu weniger grausamen Verlusten kommt, und das ganz ohne Einbussen der Wirtschaftlichkeit.

  3. 5.

    @4: Zu den Kreisen, in denen diese Erfindung Euphorie erzeugt, zählen auch Jäger und Bauern. Die Tierleichen versauen nämlich die Silage, wie man folgendem etwas ausführlicheren Artikel entnehmen kann:
    https://www.mittelbayerische.de/region/cham-nachrichten/hase-und-rehkitz-sollen-leben-20909-art1521821.html
    Darin steht ebenfalls, dass die Verluste bei unterschiedlichsten, auch seltenen und gefährdeten Arten, durch immer schnellere und größere Maschinen stetig zunehmen. Und ich habe bei den dort zitierten Personen nicht den Eindruck, dass es sich um Naivlinge handelt.
    Hätten Sie einen Grund, vom BUND gelieferten Zahlen zu misstrauen? Der BUND hat eine durchaus differenzierte Position zur Jagd: https://www.bund.net/naturschutz/jagd/
    Es gibt also durchaus noch Wege zwischen qualvoll zerfetzten Jungtieren und "baumlosem Wald" (hübsches Paradoxon übrigens.)

  4. 4.

    Nun habe ich mal eine Frage und möchte damit nicht die Euphorie stören, die diese Nachricht in einigen Kreisen hervorruft: Seit Jahrzehnten kommt es - sagen wir mal - zu Unfällen bei der Mahd. Das war natürlich und auch führte das zur Reduzierung des Rotwildes, als Gefahr für den Baumbestand. Was feiern wir nun? Mehr Wild, oder den Rindenfrass an besagten Bäumen, die dann absterben. Und, wie steht es mit der Population? Der Jäger angefeindet, der Wolf vertrieben; gewöhnen wir uns an eine baumlosen Wald, mit einer Unmenge von Rotwild und Wildschweinen?
    Gibt es gesicherte Zahlen über die bei der Mahd getöteten Tiere, oder verlassen wir uns an die vom BUND u.a. gelieferten Zahlen?

  5. 3.

    Schoene Sache - aber mich wundert, dass solche Techniken nicht schon laengst verpflichtend und flaechendeckend im Einsatz sind. Marder- und Wuehlmausvergraemer fuer Auto und Garten gibt es seit Ewigkeiten fuer kleines Geld im Handel. Das Problem der gemaehten Jungtiere ist seit Jahrzehnten bekannt, und wem es als nicht gravierend erscheint, der kann bei ausreichend starken Nerven ja mal im www nach Bildern von vom Maehdrescher erfassten Kitzen suchen.
    Weitere Opfer des Schnell- und Billig-Wahns, wo die Schrippe unter 10 Cent kosten soll.
    Solche Warn- oder Anzeigeeinrichtungen muessen SOFORT gesetzlich vorgeschrieben werden. Wenn alle das machen muessen, kann auch keiner jammern, dass er gegen ueber anderen in wirtschaftlichen Nachteil geraet.

  6. 2.

    Na das ist aber mal eine gute Nachricht!

  7. 1.


    Das finde ich großartig und hoffe sehr, dass sich viele Landwirte und Jäger überzeugen lassen und die Technik auch anwenden. Toi, toi, toi! Wie es im Beitrag so schön heißt: „Jedes gerettete Tier zählt.“
    Auf Usedom wird für eine Wärmebildkamera gesammelt und gehofft, so die Tiere vor dem Mähdrescher-Tod retten zu können. Auch eine Möglichkeit… Einfach mal reinschauen:
    https://www.99funken.de/drohne-mit-waermebildkamera-fuer-unsere-aktion-rehkitzrettung

Das könnte Sie auch interessieren