Collage: Der ins Koma gefallene Jogger und der gefundene Schlüssel, der durch einen Hinweis zur Identität des Mannes führte (Quelle: dpa/Bethge/Polizei Berlin)
Video: rbb Aktuell | 12.07.2018 | Studiogast Polizeisprecher Thomas Neuendorf | Bild: dpa/Bethge/Polizei Berlin

Seit vier Monaten im Koma - Polizei klärt Identität von unbekanntem Jogger

Die Berliner Polizei hat den unbekannten Jogger identifiziert, der seit vier Monaten im Koma liegt. Es handelt sich demnach um einen 74-jährigen Mann. Der entscheidende Hinweis kam von einem Bürger, der die Schlüssel des Joggers wiedererkannte.

Der im Koma liegende Jogger aus Berlin-Wilmersdorf ist identifiziert. Es handelt sich um einen 74-jährigen alleinlebenden deutschen Mann mit iranischen Wurzeln, wie die Polizei am Donnerstagnachmittag mitteilte. Demnach lebt er in der Brandenburgischen Straße in Berlin-Wilmersdorf. Der Mann sei aufgrund eines Hinweises zu den beiden Schlüsseln identifiziert worden, die er bei sich trug.  

Niemand meldete 74-Jährigen als vermisst

Der Jogger war am 13. März nach einem Sturz im Volkspark Wilmersdorf ins Krankenhaus gekommen und konnte vier Monate lang nicht identifiziert werden. Bei dem Sturz war er mit seinem Kopf auf einen Stein aufgeschlagen. Er war schon bewusstlos, als ihn Passanten fanden und den Rettungswagen riefen. Seitdem liegt der Mann auf der Intensivstation der Charité. Nach seinem Unfall hatte ihn trotz mehrerer Aufrufe der Polizei niemand als vermisst gemeldet.

Am Dienstag hatte die Polizei eine großangelegte Aktion gestartet. Zehn Teams von Polizeischülern waren stundenlang mit Kopien seines Schlüssels unterwegs. Dabei wurde ausprobiert, ob ein Schlüssel des Mannes zu Türen von Häusern in der Umgebung des Volksparks Wilmersorf passt. Diese Suche war aber am Mittwoch nicht fortgesetzt worden. Das Wohnhaus habe jedoch nicht in dem Umkreis gelegen. Die Polizei hatte parallel Fotos des Schlüssels veröffentlicht.

Mann erkannte Schlüssel wieder

"Wir freuen uns riesig, dass es jetzt geklappt hat", sagte die Polizeisprecherin. Der Hinweis sei von einem Bürger gekommen, der die Schlüssel wiedererkannt habe. Die Polizei hatte Fotos davon im Internet veröffentlicht. Das Wohnhaus habe jedoch nicht in dem Umkreis gelegen, den die Polizeischüler abgesucht hatten. Angehörige des Mannes seien nach wie nicht bekannt, hieß es.

Sendung: Inforadio, 12.07.2018, 14.30 Uhr  

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Das sehe ich genauso, Sie haben das schön formuliert. Berlin hin oder her, es ist schlichtweg Menschlichkeit, auch in einer Großstadt auf seine Mitmenschen zu achten, ihnen wenn nötig zu helfen, sie freundlich zu grüßen oder mal ein Gespräch zu führen, wenn beiden danach ist. So lernt man sich kennen, so entsteht ein Gefühl von Heimat, so fühlt man sich als Mensch wertvoll und so entstehen vielleicht sogar Freundschaften. Ich möchte nicht in der absoluten Anonymität leben, in der die Menschen stumpfsinnig und desinteressiert aneinander vorbeilaufen, und das auch noch als einen "Vorteil der Großstadt" anpreisen.

  2. 14.

    Einer der Vorteile einer Großstadt ist nun mal eben die Anonymität. Wem das nicht gefällt kann gerne in eine Nachbarschaft ziehen, in der das anders gehandhabt wird.
    In unserem Haus grüßt man sich im Treppenhaus und das war's. Das ist die sog. Berliner Nachbarschaft und das ist auch gut so. Wir sind im Haus 8 Mietparteien und 2 davon habe ich noch nie gesehen. So what... In anderen Häusern wechseln die Mieter/Untermieter einfach zu häufig, als das es Sinn machen würde sich ein Gesicht zu merken.

    Wer es anders möchte, kann ja gerne versuchen zu seinen Nachbarn Kontakt aufzunehmen. Dann soll er/sie aber bitte auch nicht enttäuscht oder bockig sein, wenn andere das eben nicht wollen.


  3. 13.

    Da muss ich Ihnen widersprechen - hier geht es nicht darum, sich gegenseitig zu "beaufsichtigen" als Nachbarn. Sondern darum, mit offenen Augen für die Mitmenschen durchs Leben zu gehen. Man muss sich dabei nicht gegenseitig auf den Keks gehen. Wenn man hin und wieder mal ein "halbes Auge" auf den Nachbarn wirft - merkt man vielleicht, ob etwas nicht stimmt.
    Die Hausgemeinschaften in der DDR hatten auch was Gutes: man half sich gegenseitig und es war ein Stück gelebte Solidarität - in dieser Gesellschaft ist sie inzwischen abgeschafft und wurde durch Ignoranz ersetzt. Deswegen ist dieser Fall auch kein Einzelfall - leider.
    Wird Sie jemand vermissen, wenn Ihnen etwas zustößt und Sie vielleicht hilflos in der Wohnung oder anderswo sind? Abgesehen von Ihrem Arbeitgeber?
    Ich persönlich bin froh, dass ich die besten Nachbarn habe, die ich mir wünschen kann. Wir sind seit Jahren gut befreundet und helfen uns gegenseitig. Und - nein - wir kontrollieren uns nicht gegenseitig!

  4. 12.

    So werden Sie nach Wochen, Monaten, vielleicht sogar erst nach Jahren in Ihrer Wohnung gefunden.
    Egal, vielleicht stellt ja dann Einer in Ihren sozialen netzen fest, dass Sie schon lange nicht geantwortet haben.
    Das sind wahrlich traurige Aussichten. Dann mal lieber ein Gespräch unter Nachbaren, auch im Hausflur an den Briefkästen.
    Sicher endet das dann nicht damit, dass man gegenseitig in der "Wohnung herumgeschnüffelt".
    Und: sicher wissen Anbieter, Verkaufsportele u.a. wo Sie Ihre Daten hinterlassen, mehr, als der Nachbar.

  5. 11.

    Für Sie erschreckend, für mich angenehm und beruhigend: Auch ich habe über das Grüßen im Treppenhaus keinen Kontakt zu den elf anderen Parteien, die in "meinem" Mietshaus wohnen, in dem ich seit über zwanzig Jahre lebe. Und ich lege auch keinen Wert darauf, daß in meinem Leben oder gar in meiner Wohnung herumgeschnüffelt wird. Wer das anders mag, kann ja seine Nachbarn entsprechend behelligen. Oder vielleicht findet er noch eine sozialistische Hausgemeinschaft, wo stets der eine oder andere aus bestimmten Gründen sehr daran interessiert war, was die Nachbarn so machen. Oder denken.

    Das Recht auf Privatsphäre wird ohnehin immer stärker verletzt, nicht nur seitens des Staates, obwohl es zu den grundlegenden Rechten einer freiheitlichen Demokratie gehört. Nicht umsonst gewährt ihnen kaum eine Diktatur den Luxus des In-Ruhe-gelassen-Werdens.

  6. 10.

    Bedauerlicherweise ist das kein Einzelfall hier in dieser Stadt. Doch denke ich trifft solch Verhalten nicht nur auf Berlin zu. Umso schöner finde ich’s, wenn Nachbarn sich gegenseitig unterstützen ohne dabei störend zu wirken. Katzenpflege, Pflanzen gießen u.v.a. Doch darf man dabei nicht vergessen, viele Personen möchten auch kein engeren Kontakt zum Nachbarn.

  7. 9.

    Eigentlich erschreckend, wie weit das Desinteresse an seinen Nachbaren hier in Berlin schon fortgeschritten ist. Keiner der Bewohner dieses ehrenwerten Hauses, wollte mitbekommen haben, das ein Bewohner schon seit vier Monaten verschwunden ist, keiner erkannte ihn auf den Aufrufen der Polizei.

  8. 8.

    Hallo P. Wagner,

    der Unbekannte hat natürlich einen Namen. Nur für uns ist er unbekannt. Grüße Steffen Barsch

  9. 6.

    Hä, habe ich hier etwas nicht verstanden? Wieso jetzt Wechsel aller Zylinder im Haus? Ich gehe davon aus, es handelt sich am einen speziell angefertigten Schlüssel, wovon es nicht viele gibt.

  10. 4.

    "Der Jogger war am 13. März nach einem Sturz im Volkspark Wilmersdorf ins Krankenhaus gekommen und konnte fast fünf Monate lang nicht identifiziert werden."

    Vier Monate, oder?

  11. 3.

    Gratuliere für die gelungene Suche, und jetzt viel Spaß beim Wechsel aller Zylinder im Haus... paar Leute werden richtig fluchen

  12. 2.

    Das ist eine schöne Nachricht. Vielleicht lassen sich ja nun Angehörige ausmachen. Meine Hoffnung ist, das dieser Mann jetzt nicht in Vergessenheit gerät, so wie es oft passiert. Die Medien werden schon bald Ihr Interesse verlieren und dann?

  13. 1.

    Eine gute Nachricht. Der Unbekannte bekommt einen Namen mit seiner Identitätsfeststellung.

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