Archivbild: Eine Kiefer brennt in einem Waldgebiet im Landkreis Teltow-Fläming (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: rbb | 24.08.2018 | Jenny Barke | Bild: dpa/Pleul

Hintergrund - Warum brennt es so oft in Brandenburg?

In diesem Jahr hat es in Brandenburg bereits 400 Waldbrände gegeben. Im Jahr 2017 waren es mit rund 140 Waldbränden auch schon mehr als in jedem anderen Bundesland. Antworten, woran das liegen könnte, finden Sie in unserem FAQ.

Wie ist das Waldbrandrisiko in Deutschland verteilt?

Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre gab es in Deutschland fast 700 Waldbrände pro Jahr. Am häufigsten sind die Regionen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, die Lüneburger Heide sowie Teile von Sachsen und Sachsen-Anhalt betroffen.

Im Jahr 2017 lag Brandenburg mit knapp 140 Bränden deutlich an der Spitze. In Hessen gab es 58 Waldbrände und in Bayern 44. In ganz Deutschland kam es im vergangenen Jahr zu 424 Waldbränden. Wie dramatisch die Lage in diesem Jahr ist, zeigt eine aktuelle Zahl: Allein in Brandenburg wurden bis Mitte August 405 Feuer in Wäldern gezählt.

Warum ist Brandenburg so häufig betroffen?

Nirgends in Deutschland gibt es laut Potsdamer Forstministerium so viele Kiefern wie in Brandenburg - auf rund 70 Prozent der Waldfläche des Bundeslandes stehen die Nadelbäume. Schon im 18. Jahrhundert war der Holzbedarf groß, weshalb die im Mittelalter noch vorherrschenden Eichen und Buchen durch die genügsamen und schnell wachsenden Kiefern ersetzt wurden. Das setzte auch die DDR fort. Diese Monokulturen auf oft sandigem Boden sind stärker waldbrandgefährdet als Laub- und Mischwälder. Zudem trocknet der aus Kiefernnadeln bestehende Boden schnell aus und kann ebenfalls brennen. Zusätzlich ist die durchschnittliche  Regenmenge in Brandenburg deutlich geringer als etwa in Bayern.

Was macht Brandenburg gegen Waldbrände?

In Brandenburg gibt es flächendeckend ein Früherkennungssystem mit dem Namen "Fire Watch". Dazu wurden 108 Sensoren auf Türmen installiert, die jeweils bis zu 70.000 Hektar überwachen können. In sechs Waldbrandzentren werden die übertragenen Bilder ausgewertet. Damit sollen Waldbrände so früh wie möglich erkannt werden, damit sie noch bekämpft werden können, bevor sie große Flächen betreffen. Außerdem legen Waldbesitzer Löschwasserteiche und "Waldbrandwundstreifen" an, die von leicht brennbarem Bodenbelag frei gehalten werden.

Sind die Maßnahmen ausreichend?

Experten gehen davon aus, dass als Folge des Klimawandels Dürren und Hitzeperioden zunehmen - wie auch Stürme und andere extreme Wetterlagen. Daran muss der deutsche Wald noch stärker angepasst werden, zumal er als Folge des Wetters auch von Schädlingen stärker bedroht wird. Notwendig sind laut Bundesumweltministerium "klimatolerante Mischwälder aus überwiegend heimischen Baumarten" - dafür gibt es auch Fördertöpfe. Die FDP-Fraktion im Bundestag fordert, dass eine europäische Löschflugzeug-Flotte eingerichtet wird.

Die Umweltorganisation Nabu wies angesichts der Brände in Brandenburg erneut auf den Einfluss durch menschliche Forstwirtschaft hin. "Es brennen vor allem die Nadelwaldmonokulturen, in naturnahen Laubwäldern gibt es so gut wie keine Waldbrände", erklärte Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Verbands, am Freitag. Es handle sich um "ein hausgemachtes Problem". Naturnahe Wälder müssten gefördert werden.

Was kann der Einzelne tun?

Die Verhaltensregeln sind klar, einige nennt etwa die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände: bei hoher Waldbrandgefahr kein offenes Feuer, Rauchverbot im Wald und keine brennenden Zigaretten aus Autos werfen. Nicht auf Waldflächen parken oder Waldwege befahren, denn durch die heißen Katalysatoren kann sich trockenes Unterholz leicht entzünden. Keinen Müll und keine Glasflaschen im Wald zurücklassen, denn Scherben können ein Feuer entzünden.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Sie haben vollkommen recht bzgl. „Brandbekämpfung aus der Luft“ (siehe auch mein Beitrag 2). Bei einem großen Waldbrand, wo auch schon die Baumkronen in Flammen stehen, helfen die 1500 Liter Behälter nur sehr wenig. Aber für den normalen kleineren Waldbrand sind die schon eine gute Hilfe, wenn sie schnell vor Ort sind.

    Deswegen ist es ja auch wichtig, dass bei Einsatzbereitschaft und bei Bedingungen für die großen Hubschrauber mit 5000 Liter nachgebessert wird. Da die in der Anschaffung recht teuer sind, kommen die in der Regel von der Bundeswehr.

    Beim Brand in der Lüneburger Heide 1975 kamen auch französische Löschflugzeuge (mit etwa 6000 Liter) zum Einsatz.

    Sehr gut wie Sie das beschrieben haben mit der Brandschneise. Solange es nur ein Bodenbrand ist, helfen auch die kleinen Brandschneisen. Sobald ein Kronenfeuer auftritt, sind diese jedoch schnell vom Feuer übersprungen.

  2. 12.

    1975war ich als Zugführerdes Räumzuges einer Panzerpioniereinheit der Bundeswehr beim großen Waldbrand in Niedersachsen eingesetzt. Wir haben mit unseren Räumpanzern Brandschneisen geschoben,um die Ausbritung des Feuers zu verhindern. Ab etwa 80 m Breite waren Schneisen wirksam. Wenn ein Kiefern- oder Fichtenbestand im Vollbrand steht, fliegen Baumspitzen so groß wie Weihnachtsbäume bis zu 100 m weit und müsen dann einzeln abgelöscht werden.
    Was die Feuerbekämpfung aus der Luft angeht halte ich nach meinen damaligen Beobachtungen die 1500 liter Behälter
    für nicht brauchbar. Teilweise kam das Wasser nicht einmal am Boden an. Es müssten so große Wassermengen eingestzt werden, dass der Boden auf 50 cm durchtränkt wird, sonst besteht die Gefahr, dass das Feuer erneut aufflammt.

    Allen eingesetzten Brandbekämpfernwünsche ich Viel Glück! Bleibt gesund! .....und Danke!

  3. 11.

    Der nächste große Regen wird alle Überlegungen bzgl. Verbesserungen bei Brandbekämpfung aus der Luft hinfort spülen. So wie es schon zu oft war.

    Es sollte harte Richtlinien geben, ab wann die Brandbekämpfung aus der Luft angefordert werden muss. Damit diese Vermeidung aus Kostengründen endlich aufhört und es wenig Spielraum gibt. Es darf (in bestimmten Konstellationen) keine „Bienchen“ dafür geben, wenn man auf Brandbekämpfung aus der Luft verzichtet und es versucht erst mal ohne in den Griff zu bekommen.

    Wir bräuchten eigentlich einen bundesweiten Klimawandel-Fonds, aus dem *ausgewählte nachhaltige* Projekte gefordert werden.

    Dazu gehört das Anlegen von großen Löschteichen mit über 3 Meter Tiefe für die großen 5000 Liter Behälter der Löschhubschrauber.

    Auch die sparsame Tröpfchenbewässerung zu fördern wäre sinnvoll und die Forschung dazu (siehe „bzfe Tröpfchenbewässerung für Getreide?“).

  4. 10.

    Vor allem muss man jetzt hinschauen wie die abgebrannten Gebiete aufgeforstet werden! Wenn da wieder nur Nadelbäume wachsen, kommt das Problem irgendwann zurück. Das ist jetzt eine Gelegenheit es besser zu machen und da muss nötigenfalls die Politik eingreifen, dass nicht wieder nur Profitinteressen eine Rolle spielen.

  5. 9.

    Mit der Brandbekämpfung aus der Luft war es in Schweden zum Beispiel wie folgt:

    siehe „tagesspiegel Die Waldbrände kommen Schweden teuer zu stehen“

    Zitat: Nach den Bränden 2014 hatte die Regierung entschieden, immerhin zwei Löschflugzeuge zu kaufen. Diesen Plan verwarf sie aber, um Geld zu sparen. Ein Gutachten stellte nach den Feuern 2014 fest, es habe sich um keine Naturkatastrophe gehandelt. Vielmehr seien Aktivitäten der staatlichen Institutionen schlecht organisiert gewesen, ...“

    Da wird offenbar auch die Brandbekämpfung aus der Luft bekämpft und man lässt sich Ausreden einfallen und „Experten fürs Sparen“ äußerten sich. Die Feuerwehrleute dürfen es dann ausbaden.

    Brandbekämpfung aus der Luft ist kein Luxusgut, sondern erfüllt einen sehr wichtigen Zweck bei Waldbränden. Und die muss schnell vor Ort sein und nicht erst nach vielen Stunden wenn schon über 100 Hektar brennt und die Feuerwalze rollt (siehe „pnn Feuersturm wie ein Schnellzug“).

  6. 8.

    Ich habe mir das schon sehr genau überlegt. Wir helfen jetzt schon bei großen Waldbränden in anderen Ländern. Wir schicken Einsatzkräfte und sogar mehrere Hubschrauber. Und das obwohl wir selbst teilweise eine Mangel daran haben.

    siehe „zeit Waldbrand-Bekämpfung: Deutsche Feuerwehr hilft in Schweden“

    Zitat: „Inzwischen helfen auch deutsche Feuerwehrleute aus … … Seit mehreren Tagen sind auch fünf deutsche Hubschrauber und ihre Besatzungen im Einsatz in Skandinavien. Weil die Schweden keine eigenen Löschflugzeuge haben ...“

    Eine europäische Löschflugzeug-Flotte würde vor allem in Ländern herumfliegen, die bei der Brandbekämpfung am Boden sparen. Wir würden deren Defizite subventionieren.

    Wir machen es umgekehrt. Bei der Brandbekämpfung am Boden und baulichen Maßnahmen sind wir gut, aber sparen sehr bei der Brandbekämpfung aus der Luft.

    Helfen können wir auch mit zwei eigenen Löschflugzeugen, sofern wir überhaupt welche anschaffen.

  7. 7.

    Jetzt überlegen Sie doch erstmal, bevor Sie alles ablehnen. Was sind die Vorteile einer europäischen Löschflugzeug-Flotte? Die Unterhaltskosten können geteilt werden, trotzdem können die den ganzen Sommer in ganz Europa im Einsatz sein. Der Sinn dieser DInger ist ja, dass der Brand gelöscht wird. Wenn der Brand gelöscht ist, kann das Flugzeug sofort an den nächsten Brandherd.

    Wenn es in Polen brennt, kann der Brand auch bei uns ankommen. Nur ein Narr würde nicht auch dem eigenen Nachbarn das Feuer bekämpfen helfen. Denn der Brand kann auch auf das eigene Haus überschlagen. Ausserdem hilft der Nachbar dann auch bei dem eigenen Brand.

    Trotzdem sollte der Bund auch eine eigene Löschflugzeug-Flotte haben. Klar. Aber noch viel wichtiger ist es doch, die normalen Feuerwehren am Boden finanziell und materiell ordentlich auszustatten und auf Waldbrände besser vorzubereiten. Immerhin setzen die ihr Leben aufs Spiel.

  8. 6.

    Na gut, aber auch das ist ein Argument, denn einheimische Holzproduktion ist ja nichts Verkehrtes und allemal besser, als der Import von Tropenhölzern.

  9. 5.

    Ergänzung zu meinem Beitrag „Robin Berlin Freitag, 24.08.2018 | 16:35 Uhr“

    Nicht das jemand meinen Beitrag falsch versteht, ich setze eher auf Hubschrauber. Die sind flexibler einsetzbar und können mit Suchscheinwerfer und Wärmebildkamera auch bei Nacht löschen. Außerdem kann man für die leichter künstliche Gewässer anlegen (mindesten drei Meter tiefen großen Löschteich), um Löschwasser sicher zu stellen. Im Sommer und vor allem bei Dürre haben die Flüsse oft zu wenige Wasserstand. Die Elbe hatte teilweise nur 80 cm oder weniger.

    Nachteil beim Hubschrauber ist, dass er Luft nach unten schaufelt.

    Es ging nur darum aufzuzeigen, dass zwei Löschflugzeuge in Deutschland auf Bundesebene nicht ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Der Schwielowsee ist 5 km lang und 9 Meter tief und wäre vom Waldbrand Nähe Treuenbrietzen etwa 30 km entfernt. Die Canadair CL-415 hat eine Reisegeschwindigkeit von 287 km/h.

    Und Brandenburg ist statistisch gesehen das Waldbrandland.

  10. 4.

    Kiefern wachsen auf sandigem Boden so gut, dass sie wirtschaftlich genutzt werden können. Es wachsen genauso Birken, Buchen und viele weitere Laubbäume, nur eben nicht in einer Geschwindigkeit, die einem Förster durch Holzproduktion finanziell etwas bringen würde. Die halbe Sächs. Schweiz ist Sand, aber bereits wenige dm Humus lässt alles Mögliche wachsen.

  11. 3.

    Zitat: „Die FDP-Fraktion im Bundestag fordert, dass eine europäische Löschflugzeug-Flotte eingerichtet wird.“

    Keine Symbolpolitik für die Utopie der „Vereinigten Staaten von Europa“, um die Versäumnisse anderer Länder bei der Brandbekämpfung am Boden zu kompensieren! Diese EU-Flotte fliegt doch im Sommer überall herum, bloß nicht in Deutschland! Und DE ist dann wieder Zahlmeister und hat nichts davon!

    *Wenn überhaupt*, dann sollten auf *Bundesebene* zwei Löschflugzeuge CL-415 angeschafft werden.

    Das Löschflugzeug CL-415 benötigt, um auf dem Wasser zu starten, 814 Meter (siehe „wiki Canadair CL-415“). Um auf einem Gewässer (See oder Fluss) aufzutanken, werden 400 Meter benötigt (12 Sekunden).

    siehe „faz Löschflugzeuge Die Feuerwehr kommt vom Himmel“
    Zitat: „400 Meter Strecke reichen, um diese zu füllen.“

    Das Löschflugzeug in Aktion siehe „Bombardier CL-415 Super Scooper Picking up Water“

    Jedes Gewässer mit 2 Meter Tiefe und 3 km Länge sollte dicke ausreichen.

  12. 2.

    Zitat: „Sind die Maßnahmen ausreichend?“

    Brandbekämpfung aus der Luft ist absolut unzureichend!

    siehe „wdr Waldbrände Feuerwehr beklagt Bürokratie“
    Zitat: „Bevor ein Hubschrauber der Bundeswehr tatsächlich am Brandort eintreffe, müsste die Anfrage erst vier Behörden und Ministerien passieren, ...“

    siehe „tagesspiegel Deutschland hat kein einziges Löschflugzeug“
    Zitat: „Und von den rund 40 größeren Hubschraubern der Bundeswehr ist meist rund die Hälfte im Einsatz und die andere Hälfte ist entweder kaputt oder bei Wartungsarbeiten“

    Von den Bundesländern kann erwartet werden, dass sie Mehrzweckhubschrauber (Außenlast z.B. 1500 Liter) in Vollausstattung anschaffen. Selbst das kleine Land Thüringen hat das jetzt geschafft.

    Die Bundeswehr sollte mehrere mittlere Transporthubschrauber (Außenlast z.B. 5000 Liter) bereithalten und schnell vor Ort bringen können bei hoher Waldbrandstufe.

    Löschteiche groß und mindestens 3 Meter tief für große Behälter der Hubschrauber.

  13. 1.

    Also über die Situation im 18.Jhd. weiß ich nichts, aber mir sagte mal ein Förster, daß auf den sandigen Böden Brandenburgs kaum etwas Anderes wächst als Kiefer.

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