Satire-Verein lädt in Stall zur Nudelmesse - "Fliegendes Spaghettimonster" auf templin.de als Kirche geführt

Di 07.08.18 | 16:13 Uhr | Von Ula Brunner
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Screenshot des Internetsauftritts von Templin und die Vorstellung der Ortskirchen (Quelle: Screenshot Templin.de)
Bild: Screenshot Templin.de

Für kurze Zeit hatte die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters dem Anschein nach ihr Ziel erreicht: Auf der offiziellen Website der Stadt Templin wurde sie unter der Rubrik "Kirchen" geführt. Bis Dienstagvormittag. Von Ula Brunner

Gute zwei Wochen lang schien die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters endlich ihr Ziel erreicht zu haben - zumindest auf der Website der Stadt Templin. Seit dem 27. Juli 2018 konnte man dort unter dem Menüpunkt "Kirchen" neben der Maria-Magdalenen-, der Herz-Jesu-Kirche und der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde auch die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters entdecken.

"Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. wird ab sofort auf der offiziellen Website der Stadt Templin unter 'Kirchen' geführt, neben evangelischer, katholischer und baptistischer Kirche", ließ Rüdiger Weida, Gründer und Vorsitzender des satirischen Vereins, am Dienstagvormittag verlautbaren. Doch kurz darauf verschwand der Link sang- und klanglos wieder von der Templiner Kirchenseite.

Urteil werde vorweggenommen

Es habe, so Ernst Volkhardt, Geschäftsführer der verantwortlichen Tourismus-Marketing Templin GmbH, am Dienstag rbb|24, in den vergangenen Wochen "Rückmeldungen" seitens Presse, Bürgern und der Stadt Templin gegeben. Hauptkritikpunkt: Die Platzierung unter "Kirchen" sei parteilich. Ein Urteil, das vom Gericht noch nicht beschlossen worden sei, werde damit vorweggenommen.

Ein Gebäude mit dem Logo der Kirche des Spaghettimonster (Quelle: Kirche des Spaghettimonster)
Nudeln und Bier in der Kirche in Rüdiger Weidas umgebautem Stall Bild: Kirche des Spaghettimonster

Für alle, die die uckermärkische Kleinstadtposse nicht mitverfolgt haben: Dahinter steckt der hartnäckige Kampf einer antiklerikalen, satirischen Vereinigung um die Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft. Seit 2014 lädt die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters regelmäßig freitags zur Messe im umgebauten Stall von Nudelchef Rüdiger Weida im nahegelegenen Schulzenfelde. Dort verzehren die "Pastafaris", wie sich die Anhänger nennen, gemeinsam Nudeln und Bier.

Auf die Nudelmessen hatten die Pastafaris an den dafür aufgestellten Kirchen-Masten an den Ortseingängen der Stadt Templin hingewiesen. Dies hatte das Land Brandenburg in allen Instanzen unter Berufung auf die fehlenden Rechte einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft verboten. Mittlerweile hat der Verein seinen Fall dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt. Bis ein endgültiges Urteil gefallen ist, hat Detlef Tabbert (Linke), Bürgermeister von Templin, die Schilder an den amtlichen Masten für die Städtepartnerschaften zugelassen.

Touristen haben sich mit dem Hinweisschild der Nudelmesse fotografiert (Quelle: Kirche des Spaghettimonster)
Russische Touristen vor dem umstrittenen Schild der PastafarisBild: Kirche des Spaghettimonster

Spaghettimonster sind Touristenattraktion

Erwartungsgemäß hat die skurrile Gemengelage das Städtchen Templin öffentlichkeitswirksam in die Schlagzeilen geholt – auch im Ausland. "Das hat Templin weltweit in die Presse gebracht", sagt Marketing-Chef Ernst Volkhardt. "Die meisten Besucher von uns sind Touristen", bestätigt Rüdiger Weida rbb|24.

Man habe immer wieder Anfragen von Gästen über die "Spaghettimonster-Kirche" erhalten, so Volkhardt weiter. "Wir wollten eigentlich nur die Besucher Templins über die Sehenswürdigkeiten informieren. Wir hatten uns gar nichts dabei gedacht, als wir den Verein so platzierten." Ein wenig überrascht war er wohl schon über die kritischen "Rückmeldungen", will aber auch nicht gänzlich auf die Online-Werbung verzichten: Seit Dienstagmittag findet sich der Verweis auf die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters unter den neutralen Menüpunkten: "Sehenswertes" und "Vereine".

Weltanschauliche Neutralität

Rüdiger Weida gibt sich derweil gelassen: "Ich bin natürlich enttäuscht, kann Herrn Volkhardt aber auch verstehen." Grundsätzlich halte er jedoch die Entscheidung der Stadt für falsch: Seien auf der Stadtseite mit "Kirchen" die Gebäude gemeint, würden auch die Pastafaris dahin gehören, da auch sie ein Kirchgebäude hätten. Seien jedoch die Religionsgemeinschaften gemeint, hätten diese auf der Website der Stadt nichts zu suchen, denn "die ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet."

Doch ihn beschäftigt vor allem, ob das Bundesverfassungsgericht die Klage annimmt - ansonsten will er auch vor den Europäischen Gerichtshof ziehen: "Es geht uns darum, die Diskriminierung Ungläubiger zu beenden." 

Beitrag von Ula Brunner

10 Kommentare

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  1. 10.

    Schön, dass es für Sie noch einen Unterschied zwischen serviler Götzenanbetung und der AfD gibt.

  2. 9.

    Wahrscheinlich genau deshalb so genau unterschieden. Aus Spass wurde Ernst und Enrst lernt grad laufen.

  3. 8.

    Das hat nichts damit zu tun, ob es genehm ist oder nicht. Wenn man permanent in verschwollenen Argumentationen unsinn verbreutet, wird dieser außerhalb ihrer Informationsblase halt nicht als alternative Wahrheit ernst genommen.

    In allen öffentlich zugänglichen Kommetaren hat sich Detlef Tabbert positiv oder neutral zur Thematik geäußert. Da er nicht der CDU angehört sondern der Linken ist das ein zu erwartendes Verhalten. Sicher können Sie aber ein zwei Sätze bieten, die aus dem Zusammenhang gerissen das Gegenteil "belegen".

  4. 7.

    Ich bin sehr enttäuscht über die Verschiebung einer Kirche unter "Verein". Auch die Buddhisten sind in Deutschland eine nicht voll anerkannte Religion und Ihr Tempel würde wohl erwähnt werden. Ich bin tiefgläubiger Pastafari und hatte ein "Erweckungserlebnis". Als satirische Vereinigung kann ich die Kirche des fl. Sp.monsters nicht sehen, sondern ich glaube tatsächlich an deren Inhalte. Wer wagt es, gegen meine Religion vorzugehen. Ich unterstelle, dass evt. andere Religionsgründer es eigentlich satirisch meinten, jedoch im Laufe der Geschichte verfälscht wurden. Daher würde ich ein nochmaliges Überdenken der Netzdarstellung durch die Templiner Verwaltung befürworten. Ramen

  5. 6.

    Nein, in diesem Forum kann man das nicht "anders sehen". Ich hatte den Bürgermeister von Templin zur Preisverleihung zitiert, aber das war auch nicht genehm.

  6. 5.

    Religion mal anders, gut so.

  7. 4.

    Das die Ehrenbürgerschaft nicht "unselig" ist. Gerne dürfen Sie das als offensichtlicher AfD-Sympatisant in Ihrer alternativen Realität anders sehen. Im normalen leben sind die Leistung von Frau Merkel nunmal dieser Ehre allemal Wert.

    Vielleicht sollten Sie mal erklären, wo überhaupt eine Gemeinsamkeit besteht?

  8. 3.

    Wo ist der Unterschied zwischen der Spagettimonsterkirche und dieser unseligen Ehrenbürgerschaft?

  9. 2.

    Warum sollte die Ehrenbürgerschaft der Bundeskanzler Angela Merkel in Templin den umstritten gewesen sein? Sie verbrachte eben dort Ihre Schulzeit. Auch wenn Sie wahrscheinlich darauf anspielen, dass einige politische Entscheidungen nicht Ihren persönlich Wünschen entsprochen haben, ist die erbrachte Lebensleistung diese Ehre wert.

  10. 1.

    Warum so ein Gezänk um die Kirche des Fliegenden  Spaghettimonsters Deutschland e.V. gemacht wird, erschließt sich mir nicht.
    War die Reaktion auf die Ehrenbürgerschaft der Bundeskanzler Angela Merkel in Templin auch so heftig unstrittig?

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