14.08.2018, Berlin: Die Angeklagten (2.v.r.) und (5.v.r.) sitzen in einem Gerichtssaal. Dort müssen sie sich erneut wegen des illegalem Autorennens mit tödlichem Ausgang auf dem Kurfürstendamm verantworten. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Video: rbbAKTUELL | 14.08.2018 | Bild: dpa/Paul Zinken

Neuverhandlung nach tödlichem Autorennen - Ku'damm-Raser schweigen in neuem Prozess

Im zweiten Prozess nach einem illegalen Autorennen auf dem Ku'damm mit einem Todesopfer haben beide Angeklagte die Aussage verweigert. Der Bundesgerichtshof hatte die Verurteilung wegen Mordes aufgehoben. Doch der Vorwurf Mord ist nicht vom Tisch.

Unter großem öffentlichem Interesse hat am Dienstag am Landgericht Berlin ein neuer Prozess gegen zwei Raser begonnen. Die heute 29 und 26 Jahre alten Angeklagten ließen am ersten Verhandlungstag über ihre Anwälte erklären, sie würden sich nicht äußern.

Den Männern wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Sie sollen vor rund zweieinhalb Jahren bei einem illegalen Autorennen auf dem Berliner Ku'damm einen unbeteiligten 69-Jährigen totgefahren haben. Die erste Verurteilung wegen Mordes hatte der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben, denn der bedingte Tötungsvorsatz sei nicht ausreichend belegt. Angeordnet wurden eine neue Beweisaufnahme und eine rechtliche Bewertung. Der Fall wird seit Dienstag also zum zweiten Mal verhandelt, jedoch von einer anderen Strafkammer.

Befangenheitsantrag der Verteidigung

Noch vor Feststellung der Personalien und Verlesung der Anklage startete der Prozess mit einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Peter Schuster. Der Verteidiger des 26-Jährigen, Rainer Elfferding, warf diesem vor, für ihn stehe bereits ein Mordurteil fest. Er warf Schuster eine unverhohlene Missbilligung der BGH-Entscheidung vor. Der Verteidiger bezog sich auf Begründungen Schusters in einem Beschluss, den jüngeren Angeklagten nicht aus der U-Haft zu entlassen.  

Über den Antrag muss eine andere Kammer des Landgerichts entscheiden. Richter Schuster setzte die Verhandlung trotz Widerspruchs des Verteidigers nach kurzer Unterbrechung fort.

Vorsätzlich den Tod in Kauf genommen?

Die beiden Angeklagten sollen im Februar 2016 mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde über den Ku'damm gerast sein. Dabei hatten sie mehr als zehn rote Ampeln überfahren. Das Rennen endete, als einer von ihnen den Geländewagen eines 69-jährigen Mannes rammte, der bei Grün über eine Kreuzung gefahren war. In einer spektakulären Entscheidung hatte das Landgericht lebenslange Freiheitsstrafen verhängt. Es war bundesweit das erste Mal, dass in einem Raser-Fall wegen Mordes verurteilt wurde. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später auf, weil es nach den vorliegenden Akten nicht erwiesen sei, dass beide vorsätzlich den Tod des unbeteiligten Autofahrers in Kauf genommen hätten.

Eine "gewisse Gewaltgewöhnung" habe stattgefunden

Juristen sprächen da von einem bedingten Tötungsvorsatz, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani im Vorfeld des Prozesses dem rbb. "Es geht im Kern darum, festzustellen, ob die Angeklagten das tödliche Risiko erkannt haben und es billigend in Kauf genommen haben. Das heißt, ob ihnen quasi egal gewesen ist, das andere Verkehrsteilnehmer durch ihr Verhalten möglicherweise zu Schaden oder zu Tode kommen."

Dass die beiden Beschuldigten nicht gewusst haben sollen, dass ihr Verhalten Menschenleben gefährde, entspricht dem Argument der Verteidiger, die mit der Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils durch den BGH einen Teilerfolg erreichten. Peter Zuriel, Verteidiger einer der beiden Angeklagten, sagte dem rbb-Inforadio: "Er hat ja nun so eine Fahrt nicht zum ersten Mal gemacht. Er hatte eine gewisse Übung in solchen Rennen. So zynisch das klingen mag."

ies sei jedoch nicht so gemeint, so Zuriel. Da die illegalen Autorennen für seinen Mandanten immer gut ausgegangenen seien, habe bei diesem eine "gewisse Gewaltgewöhnung" stattgefunden, die ihn glauben ließ, die Situation kontrollieren zu können. "Er war nicht angeschnallt, weil er eben davon ausging, dass alles gut geht."

Angklage lautet erneut auf Mord

Kann in der neuen Verhandlung der Vorsatz nicht nachgewiesen werden, kommt eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Betracht - der Strafrahmen reicht von Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft. Die Anklage lautet aber erneut auf Mord.

Der Fall war einer der Anstöße für ein neues Gesetz, das seit einem knappen Jahr jetzt auch die Teilnahme an illegalen Straßenrennen in schweren Fällen mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft. Bis Ende Oktober sind insgesamt 19 Verhandlungstage in dem Prozess angesetzt.

Sendung: Inforadio, 14.08.2018, 07.05 Uhr

Kommentar

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69 Kommentare

  1. 69.

    Nö, will ich nicht... Ist komplett egal warum, wieso und durch wen andere Menschen zu Schaden kommen... Und es sind - Überraschung - in der Mehrzahl Einheimische Verursacher...
    Es fällt halt nur auf, dass bei Taten die gerade unter Einfluss von Alk passieren, auch von der Allgemeinheit, gerne bagatellisiert werden. Ist ja auch verständlich... Wer fährt schon mit 170 durch geschlossene Ortschaften? (schafft mein Auto gar nicht ) Aber nach 4,5 Bier ans Steuer: DAS können wir doch alle... Und nehmen somit die Gefährdung unserer Mitmenschen in Kauf....

  2. 68.

    Ach darauf wollen Sie hinaus?! Ist also Rassismus? Weil die "guten Deutschen" dürfen im Suff andere umbringen, aber die "bösen Türken" werden bedauernswerter Weise zu geliebter Luft verknackt, weil sie ein bisschen schneller gefahren sind?
    Damit haben Sie sich selbst disqualifiziert. Die Nationalität ist nämlich völlig unwichtig bei der Betrachtung der Umstände und der Beurteilung der Schuldfähigkeit. Dass Betäubungsmittel die Schuldfähigkeit vermindern können, ist leider seit Jahrzehnten höchstrichterliche Rechtsprechung und missfällt mir auch. Bedanken Sie sich bei Politik und Justiz! Besoffene Türken profitieren im Übrigen genau so davon wie bekiffte Deutsche.

  3. 67.

    Ich wüßte gerne wie sie darauf kommen?

    Ich entschuldige weder die Tat, noch die Täter. Die Täter sind mit der vollen Härte des Gestzes zu bestrafen.

    Ich wiederhole mich:

    Was bin ich immer wieder froh dass Gerichte und unabhängige Richter Urteile sprechen und nicht der Mob auf der Straße.

  4. 66.

    Diese Leute waren nicht dumm, evt. ichbezogen...das waren eher Sadisten im Dienst eines verbrecherischen Regimes.

    Aber Danke für diesen sehr erhellenden Kommentar.

  5. 65.

    ...Heist es nicht gerne "Geschwindigkeitsrausch"? So ganz klar im Kopf sind, meiner Meinung nach, diese Geschwindigkeitsjunkies auch nicht. Oh, das wird dann auch strafmildernd gewertet? Rausch bleibt schließlich Rausch...
    Und was passiert mit den Zeitgenossen die fürs Rasen nicht mal ein Auto brauchen?
    Meiner Nachbarin wurde der Hund zu Klump gefahren (Labrador-Schweißhund-Mix)- von einem Radl Rambo auf einem Mega BMX Rad!

    ... Lt Versicherungsgutachter ( ist ja in diesem Fall Sachbeschädigung ) hätte bei diesem Tempo, zumindest ein Kleinkind erheblichen Schaden davontragen können. Somit ist auch jeder Radl Raser ein potentieller Mörder? Oder dann nur deswegen nicht, weil Radfahren ja eher "deutsch" ist, sowie das Fahren im Suff?

  6. 64.

    Würde ich ja gerne unterstützen. Leider besagt aber die dauernde Rechtsprechung, dass Betäubungsmittel aller Art als strafmildernd zu berücksichtigen sind, weil der Täter dann nicht mehr Herr seiner Sinne war und rein physisch/psychisch sein Handeln nicht mehr überblicken konnte (auf Deutsch gesagt in dem Moment ein wenig Gaga im Kopf war).

  7. 63.

    Das Problem ist ja meiner Ansicht nach eben, dass man es mit den paar PS nicht schafft, einen LKW mit 150 zu überholen, wenn man vorher dahinter festgeklemmt hat, weil ständig von hinten schnellere Fahrzeuge "angeschossen" kommen. Am Berg wird das Überholen dann noch mal ein wenig mehr zur Mutprobe. Gerade bei einem kleinen Benziner fehlt es dann deutlich am Drehmoment.
    Sie haben aber natürlich Recht mit der Aussage, dass das Problem an den großen Geschwindigkeitsunterschieden auf deutschen Autobahnen liegt, weil man gefühlt bei jedem Überholvorgang innerhalb von Sekunden einen Drängler an der Stoßstange kleben hat, der unbedingt seine 250 ausfahren will.

  8. 61.

    ....mal weiter gedacht
    wenn jemand der Rennen fährt zukünftig damit rechnen muss, dass man ihn als Mörder verurteilt, dann sollte man dies auch bei den zahlenmäßig weitaus häufiger vorkommenden Fahrten unter Alkoholeinfluss ansetzen.
    Also jeder der sich nach Alkoholgenuss ans Steuer setzt ist ein potentieller Mörder. Fände ich nur konsequent, weil auch hier mit dem Leben anderer Menschen gespielt wird. Aber Alkoholgenuss hat in Deutschland ja eine zu große Lobby - leider! Eine unter Alk und Drogeneinfluß tot gefahrene Rentnerin wurde mit einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten geahndet ( Vergleichsweise hohes Strafmaß!!!!!) "www.infranken.de/regional/hassberge/todesfahrt-fuehrt-ins-gefaengnis;art217,3077170"

    Wenn schon denn schon....

  9. 60.

    Gern gebe ich zu, dass die Kassler Berge mit einem stark untermotorisierten KFZ anstregend bis gefaehrlich sind: vor vielen Jahren musste ich mit einem 50-PS-Kleinbus ca 1,5 Tonnen hier entlang transportieren und blieb dabei wirklich fast stehen. Allerdings ist die Autobahn ueber die Kassler Berge lt wikipedia einst mit zu starken Steigungen angelegt worden. Aber ein 75-PS-PKW sollte das bei normaler Beladung, geloester Handbremse und ausreichender Kompression eigentlich schaffen, oder? Geschwitzt habe ich oft, wenn ich mit einem 50-PS-Fiesta als Pendler auf Autobahnen unterwegs war: Wenn ich mit 150 km/h einen LKW ueberholte, kamen oft und gern Boliden mit 200 km/h von hinten angeschossen. Das Problem ist also seltener eine echte Unter-Motorisierung, sondern vielmehr die Hochruestung, die durch sich aufschaukelnde Ueber-Motorosierung seit Jahrzehnten stattfindet.

  10. 59.

    Nun ja, bei meiner alten 75-PS-Gurke hab ich in den Kasseler Bergen das Pedal schon bis zum Bodenblech und vielleicht sogar noch ein bisschen weiter durchgetreten, trotzdem ist die Karre gefühlt fast stehen geblieben und die LKWs nahmen im Rückspiegel eine bedrohliche Größe an! A9 in Bayern das selbe. Leider konnte ich nicht immer schön Schwung holen, um schneller den Berg rauf zu kommen. Da sind ein paar PS mehr schon ein Gottesgeschenk. ;-)
    In Berlin braucht man die Mehr-PS freilich nicht, eigentlich genügen da Null PS, der große Gelbe fährt alle 10 Minuten und ich hab dann sogar einen Chauffeur! (IKEA liefert auch nach Hause, gilt also als Ausrede nicht.)

  11. 58.

    Wetter Herr Ich mein ja Nur .
    Bei Ihnen darf doch scheinbar jeder machen was er will . Für alles haben Sie eine Entschuldigung zur Hand .

  12. 57.

    @ 53: Machen Sie mal Ihren Namen zum Programm und pruefen Sie Ihre Aussage: Alles, was unter 100 PS hat, um ein Netto-Gewicht von 70 bis 500 kg zu transportieren, ist ein Verkehrshindernis, das man unbedingt ueberholen muss, um 4 Sekunden frueher an der naechsten Ampel zu stehen oder 6 Minuten frueher den naechsten Stau mitzugestalten? Echt jetzt?

  13. 56.

    Es ist beängstigend und verstörend, dass solche Leute, es werden ja bundesweit immer mehr, scheinbar keinen ausreichenden Lebensinhalt haben, dass sie in der Innenstadt "Rennen" fahren müssen. Was für traurige, armselige und verirrte Menschen sie sind. Was ist da bloß schief gelaufen? Wieso haben sie nicht den natürlichen Instinkt, dass das nicht geht? Warum schämen sie sich nicht angemessen?
    Warum fangen sie mit ihren Leben nichts Sinnvolles an?
    Diese Empathielosigkeit und soziale Retardierung, die gesellschaftlich in vielen Bereichen zu spüren ist, ist gruselig.
    Ich fühle mit den Hinterbliebenen. Sie tun mir von Herzen leid.

  14. 55.

    Genau das war auch meine Meinung, als ich davon las und fragte mich, was im Hirn dieser Juristen vor sich ging. Muss man beweisen, dass die jungen Gurken absichtlich den Tod einer Person in Kauf genommen haben, wenn die gegen jegliche Norm, auch juristische, komplett missachtet hatten? Kann ja wohl nur ABSICHT sein, oder gibit es da ein anderes Motiv?!!! Wohl kaum. Eine lächerliche Verteigiger Begründung: die Jungs hätten das schon mehrfach (ungestraft) gemacht. Dann müsste man ja auch mit dem (Verteidiger-)Argument durchkommen, wenn jemand xx Leute ermordet habe, ohne belangt zu werden, dann koenne man dem Rechtsbrecher keine kriminellen Absichten unterstellen. Abscheulich, dass oberste Richter nicht logisch denken koennen.

  15. 54.

    Kein Prozess mehr zurück in den Knast Schlüssel wegschmeißen und vergessen. Sowas hat in unsere Welt nichts zusuchen

  16. 53.

    Zitat: "Warum muss ein PKW ... 75 ... kW haben?" Damit er nicht als Wanderdüne den Verkehr blockiert und andere zum Überholen zwingt.

  17. 52.

    Solche verantwortungslosen Typen sollte man besser für den Rest ihres armseligen irdischen Daseins wegsperren und Steine klopfen lassen damit sie kein weiteres Unheil mehr auf Erden anrichten können. Dem Opfer gehört mein Mitgefühl. Einfach nur traurig!

  18. 51.

    Warum gibt es solche Autos? Warum muss ein PKW, der max 5 Personen und 3 Reisetaschen ueber glatten Asphalt transportieren kann, 75, 150, 300 ... kW haben? Waffen, die nicht gebaut werden, koennen nicht benutzt werden - nicht zum Angeben und erst recht nicht zum Toeten => Autobauer/ Tuner muessen als Komplizen angeklagt werden.

  19. 50.

    ich bin entsetzt über das BGH-Urteil. Wenn ich mit bis zu 170 km/h durch eine Großstadt rase, dabei keine Ampeln und Fußgängerübergänge beachte, kann ich also davon ausgehen, dass niemand zu Schaden kommt? Eine Frechheit, mir in dem Fall eine Tötungsabsicht zu unterstellen. Wenn es dann doch passiert, hat der Getöte einfach Pech gehabt. Das wollte ich nicht. Sorry, tut mir leid.
    Ein Traumata für die Angehörigen des Getöten. Wie so oft, scheint das Leid der Opfer keine Rolle zu spielen, sondern das "Recht", das in meinen Augen auch in diesem Fall "gebeugt" wurde.

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