Leute kommen aus dem Ausgang des S-Bahns Hermannstraße heraus
Audio: rdaioBerlin 88,8 | 18.08.2018 | Ricardo Westphal | Bild: imago/Steinach

Qualitätsoffensive der S-Bahn - Mit Musik gegen ungebetene Bahnhofsgäste

Die Deutsche Bahn will den S-Bahnhof Hermannstraße mit Musik beschallen. Damit sollen Trinker und andere ungebetene Gäste vertrieben werden. Mit der Musikauswahl macht sie sich aber womöglich auch bei anderen Fahrgästen unbeliebt.

Herumlungernde Personen, alkoholisierte Pöbler, düstere Gestalten: Damit soll zumindest am Bahnhof Hermannstraße Schluss sein. Die Deutsche Bahn will mit Musikbeschallung ungebetene Gäste vom Bahnhof vertreiben, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Und dabei will die Deutsche Bahn auf eine besondere Form von Musikgenre setzen: atonale Musik. Also Musik, die nicht nach dem Dur-Moll-System funktioniert und wenig harmonisch daherkommt.

So klingt atonale Musik:

Im September soll mit einem Testdurchlauf begonnen werden, sagt Friedemann Keßler, Berlins oberster Bahnhofsmanager, der Berliner Morgenpost.

Der Test ist ein Teil der Qualitätsoffensive, mit der die Berliner S-Bahn pünktlicher, kundenfreundlicher und attraktiver werden will. Attraktivere Bahnhöfe sind dabei ein Punkt, der auf der Qualitätsagenda steht. 17 von ihnen – darunter der Bahnhof Hermannstraße – sollen gereinigt und renoviert werden. Insgesamt wird die Aufhübschung 5,3 Millionen Euro kosten.

Fahrgastverband ist skeptisch

Der Berliner Fahrgastverband  Igeb sieht das Experiment dennoch kritisch. „Gerade in einer Stadt, die an vielen Stellen laut ist, sollte genau überlegt werden, ob noch eine zusätzliche Lärmquelle geschaffen wird“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke gegenüber der Berliner Morgenpost.

Die Berliner Verkehrsbetriebe hatten vor acht Jahren Ähnliches probiert: am U-Bahnhof Adenauerplatz spielte die BVG klassische Musik. Zwei Monate hielt der Versuch, dann schaltete das Unternehmen die Musik ab. Händler am Bahnhof und auch alle anderen Fahrgäste waren genervt von der Beschallung, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz gegenüber der Berliner Morgenpost.

Ob die S-Bahn ein ähnliches Schicksal ereilt, wird sich im Herbst zeigen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Sissy Fuß] vom 18.08.2018 um 14:47
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

20 Kommentare

  1. 20.

    Geht mir ebenso. Bewegungsfrei die Treppenstufen stressfrei nehmend ohne angerempelt zu werden und dabei selbst bestimmen wie schnell ich gehe. Bewegung schadet dem Körper nicht.

  2. 19.

    Das fängt doch schon bei der Unlust zum Treppensteigen an. Um "fit" zu bleiben, werden dann messbare Runden im Fitness-Studio gedreht.

    Wenn ich aus der S-Bahn steige, suche ich, wo immer es geht, die feste Treppe auf. Einfach, weil ich nach einer etwas längeren Fahrt im Sitzen oder Stehen das Bedürfnis dazu habe, mich zu bewegen. Soweit ich mal erster an der Tür bin und sozusagen die "Vorlage" liefere für die mir dann faktisch Folgenden, habe ich schon böse Blicke geerntet, weil die dann Folgenden glaubten, die Rolltreppe wäre defekt. Was natürlich nicht stimmt(e).

    Wie kann man eine Möglichkeit ausschlagen, wenn doch ihre zwangsweise Benutzung das faktische gesellschaftliche Gebot ist?

  3. 18.

    "Herumlungernde Personen, alkoholisierte Pöbler, düstere Gestalten: Damit soll zumindest am Bahnhof Hermannstraße Schluss sein. Die Deutsche Bahn will mit Musikbeschallung ungebetene Gäste vom Bahnhof vertreiben, wie die Berliner Morgenpost berichtet."
    Ganz Furchtbar Genial. Damit werden sich Alle Probleme Praktisch in Luft Auflösen.
    MAN Sollte Atonale Musik über die Ganze Stadt verbreiten. Praktisch einer Grossen Musik Glocke.
    Und Endlich wird Alles Gut.
    Verfasst IN A-ton-aler Schreibweise.

  4. 17.

    Diese Idee setzt natürlich mal wieder total am Problem an.

  5. 16.

    Das ist ja nicht wirklich neu. Aber wenn der Wahnsinn eine Heimat hat, dann hier in Berlin. Kann schon sein, dass die Passanten dann noch gereizter reagieren, eine echte "Qualitätsoffensive", herzlichen Glückwunsch. Immer wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr werden, kommt die S-Bahn mit abstrusen Ideen daher. Problembahnhöfe schließen und die Züge durchfahren lassen wird wohl als Nächstes kommen.

  6. 15.

    Aber Vanessa, dafür ist doch der Anteil der Raucher an den Fahrgästen viel zu hoch. Ihr Vorschlag würde also in Arbeit ausarten. Es ist doch viel einfacher, von den Nichtrauchern "ein bisschen Toleranz" zu fordern. Umgekehrt wäre es ja auch unlogisch, denn Nichtraucher produzieren ja keinen Gestank, der Raucher stören könnte. Zumindest keinen, der so ekelhaft bestialisch ist wie der von Zigarettenqualm. Also Vanessa, seien sie doch "ein bisschen tolerant". (Übersetzung: kritisieren sie gefälligst die Egoisten nicht.)Dann kommen wir alle gut miteinander aus.

  7. 14.

    Wie wärs denn mit schwerer Klassik,ne Oper z.B....da wäre das Fluchtpotential sicher ....keine Sorge...Klassikfans werden sich eine Oper sicher nicht auf einem Bahnhof anhören...

  8. 13.

    Mein Gott, habn se sich wieder mal ne neue Absurdität einfallen lassen , ...was für ein unglaublicher Irrsinn. Und wenn meine Frau mal wieder, frühmorgens aufm Bahnhof dumm von der Seite angequatscht wird, dann geht se schnell zur Notrufsäule drückt den Knopf und schon wird die atonale Musik etwas lauter eingestellt, damit der Besoffski ganz von allein verschwindet.

  9. 12.

    Verstehe nicht was man da testen will. Wie wäre es einfach mal bei den Kollegen in Hamburg zu fragen. Dort wird das bestimmt schon seit 10 Jahren am Hauptbahnhof praktiziert.

  10. 11.

    Offenbar soll die Qualität nicht gesteigert, sondern gesenkt werden. Hat sich das dieselbe Person ausgedacht, die im Rahmen derselben "Qualitätsoffensive" auch Züge ohne Halt durch Bahnhöfe fahren lassen wollte?

  11. 10.

    Toll. Aufzüge. Aufzüge für noch mehr Leute, die einfach zu faul sind Treppen zu steigen. Aufzügge sind für Eltern mit Kinderwagen, ältere und gehbedinderte Menschen gedacht. Gerade noch für Radfahrer.
    Wenn ich immer einen Fahrstuhl sehe, in dem nur junge und gesunde Leute stehen und groß kieken, wenn eine Mutter mit Kinderwagen nicht mehr hinein kommt, stellen sich mir die Nackenhaare auf.
    Leute! Hört aus so dermaßen faul und bequem zu sein!

  12. 9.

    Wenn das Adorno wüsste ...

  13. 8.

    So sehr mich Musik im öffentlichen Raum auch nervt – die Vorstellung, dass eine Schar von Kunstinteressierten sich am Bahnhof Hermannstraße versammelt, um andächtig moderner Musik zu lauschen, hat was. :-)

    Sie schätzen allerdings die musikalischen Interessen des durchschnittlichen Hipsters völlig falsch ein. Der steht eher auf Elektropop. Sie haben ja nicht mal gemerkt, dass die Hipsterwelle schon lange vorbei ist. Und die Mieten werden wohl kaum von Hipster-WGs hochgetrieben …

  14. 7.

    Gibt es gar kein Entrinnen mehr? Im Wartezimmer, im Supermarkt, im Restaurant – überall wird man beschallt. Und das nennt sich dann „Qualitätsoffensive“? Es ist mir übrigens herzlich egal, ob mit Hitparadenmusik, die durch saudumme Jingles von Müller-Milch unterbrochen wird, oder durch experimentelle Musik. Vielleicht ist letztere sogar weniger aufdringlich. Ist aber auch egal. Es neeeervt unendlich!

  15. 6.

    Solche Musik zieht nur weitere Hipster und andere neu Berliner an, dadurch werden die Mieten ins Unermessliche steigen...

  16. 5.

    Immer wieder neue komische Ideen.
    Es hilft nur eines: Motiviertes Personal vor Ort das endlich die gesamte Hausordnung konsequent durchsetzt. Seit Jahrzehnten wird die Durchsetzung der Hausordnung bei U- und S-Bahnen unterlassen. Wer will bettelt, pöbelt und wirft Müll invlusive Kippen ungestraft auf den Boden und in die Gleise. Auch der vermeintlich brave ordentliche Bürger. Berlin ist und bleibt die Hochburg der rücksichtslosen Egoisten.

  17. 4.

    Ich bin begeistert und werde sicher etwas länger dort verweilen. Vielleicht wird die station dann zum treffpunkt von neue-musik-fans? Würde das ambiente bestimmt aufwerten!

  18. 3.

    Ja, wunderbar, und wenn mal wider einer der zahlreichen Ausfälle oder Verzögerungen im Betriebsablauf stattfinden, werden die ohnehin schon gestressten Fahrgäste, die warten müssen, auch noch zusätzlich gestresst. Der einzige Weg, die Bahnhöfe sauberer und sicherer zu bekommen, ist Personal vor Ort.

  19. 2.

    Warum wird die seit Jahrzehnten bestehende Hausordnung nicht endlich mit dem normalsten Instrument der Welt durchgesetzt? Mit freundlichem und zugleich konsequent auftretendem Personal. Vielleicht wissen es gut bezahlte leitende Angestellte bei der BVG gar nicht: Seit 2007 ist auch das Rauchen auf Bahnhöfen verboten. Nicht nur der Rauch belästigt, auch die vielen Kippen sind eklig. Dazu kommen die beschriebenen Personen und penetrante Bettler. Warum wird die Hausordnung nicht durchgesetzt?

  20. 1.

    Damit locken sie nur obdachlose Kunsthistoriker an.

Das könnte Sie auch interessieren