Archivbild: Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske ausgerüstet beseitigt ein Forstwirt Ambrosiapflanzen. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Inforadio | 09.08.2018 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/Pleul

Pilotprojekt gegen hochallergene Pflanze - Ambrosia liebt Adlershof - aber warum?

Im Berliner Südosten ist die Population der hochallergenen Ambrosia-Pflanze außer Kontrolle geraten. Der Senat will nun mit einem Pilotprojekt in Adlershof gegensteuern. Das gehe aber nicht ohne die Baufirmen, sagen Ambrosia-Experten. Von Thomas Rautenberg

Die letzten Stufen auf das Dach des Lise-Meitner-Hauses im Innovationspark Adlershof geht es über eine kleine Metallstiege. Oben auf dem Bitumendach flimmert die Sonne. Mit geübten Handgriffen öffnet Anna Schubert eine Pollenfalle, die die Forscher der Freien Universität hier oben aufgestellt haben.

Adlershof gilt als der Hotspot für die hochallergene Ambrosiapflanze - und auf deren Pollen hat es Anna Schubert abgesehen: "In der letzten Woche hatten wir bis zu acht Pollen pro Kubikmeter Luft", erklärt Anna Schubert. Der Grenzwert zur starken Belastung liege bei zehn.

Anna Schubert, Geologin an der Freien Universität, wechselt die Pollenfalle auf dem Lise-Meitner-Haus in Berlin-Adlershof (Foto: rbb/Thomas Rautenberg)
Geologin Anna Schubert | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Durch Erdverlagerungen verteilt

Obwohl der Grenzwert noch nicht erreicht war, sind die Wissenschaftler alarmiert. Die Ambrosia-Pollen können nämlich schon in kleinster Dosierung zu erheblichen allergischen Reaktionen führen.

Aber warum fühlt sich die Pflanze gerade rund um Adlershof zu Hause? Thomas Dümmel, Meteorologe an der Freien Universität und seit zehn Jahren Berlins Ambrosia-Experte, hat eine einfache Erklärung: "Die Ambrosia psilostachya, die mehrjährige, kommt hauptsächlich hier im Südosten der Stadt vor, weil hier die stärkste Bautätigkeit ist, seit zehn Jahren bereits."

Von dort aus würden sie durch Erdverlagerungen über ganz Berlin verteilt. "Es gibt bislang noch keine Methode, um diesen Ausbreitungsmechanismus zu stoppen", so Dümmel.

300.000 Euro und Koordinierungsstelle

In der Vergangenheit waren so genannte Ambrosia-Scouts, finanziert durch das Job-Center, unterwegs und haben gemeldete Ambrosia-Funde sofort vernichtet. Bei der einjährigen Pflanze hat das geholfen - sie kommt berlinweit kaum noch vor. Doch die Scouts gibt es nicht mehr, auf Dauer wollte sie keiner finanzieren.

Nun hat der Berliner Senat reagiert: 300.000 Euro und eine Koordinierungsstelle für zunächst zwei Jahre - für Thomas Dümmel ein möglicher Durchbruch im Kampf gegen das hochallergene Kraut. Mit dem Pilotprojekt erprobe der Senat erstmals in den vergangenen zehn Jahren, wie man der Plage Herr werden könne, so Dümmel.

Nutzt eine Hitzebehandlung

Wie groß die Plage ist, zeigt sich auf einer Wiese neben dem Lise-Meitner-Haus. Entlang eines Bauzauns steht die mehrjährige Ambrosia kurz vor der Blüte. Selbst Anna Schubert ist von der Menge überrascht. Vier Wochen lang seien alle Pflanzen entfernt worden. Doch: Die aktuelle Lage sei fast noch schlimmer als damals. "Die Pflanzen sind alle nachgewachsen, weil die Wurzeln in der Erde verblieben sind", erklärt Schubert.

Das Pilotprojekt für Adlershof soll klären, ob und welche Wege es gibt, der mehrjährigen Ambrosia beizukommen. Reicht vielleicht das Abdecken des Bodens mit wasser- und lichtdichten Folien oder nutzt eine Hitzebehandlung, um die Ambrosia-Wurzel abzutöten?

Bauindustrie muss mit ins Boot

In jedem Fall aber müsse die Bauindustrie mit ins Boot geholt werden, sagt Thomas Dümmel – um Methoden zu finden, wie die weitere Ausbreitung durch Erdtransporte verringert oder sogar vermieden werden kann. "Denn bevor die Ausbreitung nicht gestoppt ist, nützt jegliches Ausreißen oder Bekämpfen nichts - weil man immer wieder neue Flächen zustande bringt", erklärt Dümmel.

Auf zwei Jahre ist das Pilotprojekt zunächst angelegt. Und vielleicht ist das Problem mit den aggressiven Pollen der Ambrosia ja doch noch in den Griff zu kriegen, sagt Thomas Dümmel.

Beitrag von Thomas Rautenberg

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Unkraut-Ex??
    Auf Brachen bzw. Bauhalden muss ja nicht zwangsweise Ambrosia und Löwenzahn blühen. Warum geht man bei radikalen Problemen nicht radikal vor? Jeder shit-Kleingarten wird hierzulande mit so einem Zeug totgemacht - wo es außer Gänseblümchen und Giersch keine Probleme gibt.

    Aber bei echten Problempflanzen wird gekniffen. Warum?

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