Die Musikparade "Zug der Liebe" zieht am 25.08.2018 durch Berlin (Quelle: imago/Christian-Ditsch.de)
Audio: Inforadio | 25.08.2018 | Nachrichten 18:00 Uhr | Bild: imago/Christian-Ditsch.de

Bilanz der letzten Musikparade - Polizisten beim "Zug der Liebe" mit Pyrotechnik beworfen

Der "Zug der Liebe" sollte eine Tanzparade werden und eine Demo für mehr Toleranz - einige Teilnehmer hatten das aber offenbar nicht verstanden: Betrunkene attackierten am Samstag Einsatzkräfte, Flaschen flogen gegen Häuser.

Rund um den sogenannten "Zug der Liebe" durch Berlin hat die Polizei nach eigenen Angaben 48 Strafermittlungsverfahren eingeleitet. Elf Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden, hieß es am Sonntag. Drei Polizisten wurden bei dem Einsatz am Samstag verletzt.

Mehr als zehntausend Menschen waren am Samstag beim sogenannten "Zug der Liebe" durch Berlin mitgelaufen. Die Musikparade startete am Samstagmittag am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park, zog dann durch die Schlesische und die Köpenicker Straße, überquerte die Spree und führte auf der Frankfurter Allee zurück nach Osten bis nach Lichtenberg. Rund 400 Beamte begleiteten die Demonstration.

Die Teilnehmer wollten bei dem Umzug laut Ankündigung auch ein Zeichen für "Toleranz, Nächstenliebe und bürgerliches Engagement" setzen, indem sich auf den 15 Musiktrucks ebenso viele Initiativen präsentieren.

Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beschossen

Einige Teilnehmer setzten jedoch deutlich andere Zeichen: Die Polizei musste mehrfach Leute von Baugerüsten scheuchen, auf die diese geklettert waren. In der Andreasstraße nahmen Einsatzkräfte einen 24-Jährigen fest, der eine 20-Jährige sexuell belästigt haben soll. Zu Fällen von sexueller Belästigung kam es demnach auch in der Frankfurter Allee, wo am Samstagabend eine Abschlusskundgebung stattfand. In der Frankfurter Allee Ecke Schulze-Boysen-Straße kam es zu einer Attacke, bei dem ein Mann mit einem Messer am Oberschenkel verletzt wurde; er kam in eine Klinik.

Wie die Polizei mitteilte, wurden während der Kundgebung auch Rettungs- sowie Einsatzkräfte attackiert. "Während der Abschlusskundgebung wurden Polizisten vereinzelt mit Flaschen beworfen und Pyrotechnik gegen Wohnhäuser geschossen."

Ermittelt wird nun unter anderem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung. Die Polizei bilanzierte am Sonntag, grundsätzlich sei der Umzug aber "überwiegend störungsfrei" verlaufen.

25.08.2018, Berlin: Ein Teilnehmer tanzt bei der Musikdemo "Zug der Liebe" im Treptower Park (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Schwierige Finanzierung, hoher Aufwand

Der "Zug der Liebe" hatte in diesem Jahr zum vierten - und letzten Mal stattgefunden. Zunehmende Schwierigkeiten bei der Finanzierung sowie der hohe Aufwand, mit dem die Organisatoren konfrontiert werden, seien die Gründe für das Aus, teilten die Veranstalter vor zwei Wochen mit.

"Wir haben nicht genügend Geld und Zeit, um uns neben unseren Jobs weiter um die Organisation zu kümmern" , sagte Organisator Jens Schwan gegenüber dpa. In diesem Jahr habe man versucht, den Rave mit Spenden zu finanzieren. Es seien jedoch nur 9.000 Euro von benötigten 100.000 Euro im Vorfeld zusammengekommen. Jetzt müsste jeder Besucher etwa fünf Euro spenden, um die Kosten für die Musikwagen zu decken.

Ein festes Motto wie im vergangenen Jahr, als es um Meinungs- und Pressefreiheit ging, gab es in diesem Jahr nicht. Nach der Veranstaltung waren Parties im Polygon Club und Kili Kulturhaus geplant. Am Sonntag sollte es dort auch Workshops und Open-Airs geben, hieß es.

Sendung: Abendschau, 25.08.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ich fand es wieder einmal super! Die Musik vom LKW zuhören und mal abschalten zu können Tat sehr gut. Und dafür bin ich Jens und sein Team dankbar

  2. 7.

    Geht’s noch? Sie bezichtigen also alle Teilnehmer der CSD Demo ( Regenbogenfahne ) als Drogenkonsomenten oder zumindest als Drogendemo? Irgendwas bringen Sie mit Ihrer Hasstriade völlig durcheinander. Trägt Mann Scheuklappen, sieht Mann bedeutend weniger.

  3. 6.

    War schön,auch dass die Straßen frei von Autos waren.

  4. 4.

    Egal was als sogenannte "politische Demo" von Ravern, Regenbogenfahnenträgern und angeblichen Liebesfanatikern genannt wird, es handelt sich stets nur um ein sinnloses Drogenfestival, welches vor allem ganz viel Steuergeld kostet! Schickt sie einfach alle nur noch auf den Flugplatz Tempelhof oder Schönefeld zum austoben!

  5. 3.

    Alles umsonst haben wollen, fünf Euro hätte jeder Teilnehmer zur Finanzierung spenden müssen.
    Ansonsten viel Dreck, damit man sich mal wieder so richtig schön austoben kann.
    Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

  6. 1.

    Welch Grauen ergreift mich bei diesem Getöse, das Liebe erwecken soll.

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