Polizisten führen einen verdächtigen Mann nach einer Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien in Berlin ab. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 11.09.2018 | Interview mit Benjamin Jendro (GdP) | Bild: dpa/Paul Zinken

Jendro: "Sehr gefährliche Situation" - GdP warnt vor Verharmlosung von Clan-Kriminalität

"Die Eskalation ist nicht erst am Sonntag passiert": GdP-Sprecher Benjamin Jendro sieht in den Schüssen auf Nidal R. am Tempelhofer Feld eine "deutliche Botschaft". Es sei schwierig für die Ermittler, in die Strukturen der Clan-Kriminalität einzudringen.

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, Benjamin Jendro, hat davor gewarnt, Clan-Kriminalität zu verharmlosen. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass es heftige Rivalitäten zwischen den Clans gebe, sagte er am Dienstag im rbb-Inforadio.

Auseinandersetzungen würden in Berlin immer häufiger auf offener Straße ausgetragen. Die jüngste Schießerei am Tempelhofer Feld, bei der der polizeibekannte Nidal R. getötet wurde, sei eine deutliche Botschaft gewesen, so Jendro weiter im rbb. "Die Eskalation ist nicht erst am Sonntag passiert." Man solle nicht so "naiv sein" zu glauben, dass es damit vorbei sei.

"Familien verraten sich auch untereinander nicht"

Jendro betonte, die Ermittler hätten einen guten Überblick über die Szene. Dennoch sei es schwierig, in die Strukturen einzudringen. Die Clans seien "kein starres Gebilde". Es gebe zwar Konkurrenz zwischen den Familien, aber auch immer wieder Verbindungen und Zusammenarbeit. "Die Familien verraten sich auch untereinander nicht." Hinzu kämen etwa in der Rapper-Szene "einzelne schillernde Figuren, die dann auch mal öffentlichkeitswirksam den Clan wechseln". 

Die Razzien und Beschlagnahmungen, mit denen die Polizei in jüngerer Zeit gegen Clan-Mitglieder vorgegangen war, bezeichnete Jendro als "wichtiges Zeichen" des Rechtsstaats "Was wir momentan in Berlin erleben, dass gerade die Clans denken, sie könnten tun, was sie wollen, ist eine Folge dessen, dass man jahrelang keinen starken Rechtsstaat gespürt hat."

Hikel: Druck auf kriminell Clans erhöhen

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Martin Hikel (SPD), will nach den tödlichen Schüssen auf den Intensivtäter Nidal R. den Druck auf kriminelle Teile von arabischen Großfamilien erhöhen. Nur so könne man verdeutlichen, dass sich der Weg in die Illegalität nicht lohne, sagte Hikel am Dienstag im rbb-Inforadio. Diese Brutalität in aller Öffentlichkeit sei durchaus etwas Neues, so Hikel. Er könne die Sorgen und Ängste mancher Bürger verstehen.

Grundsätzlich sei Neukölln aber gut aufgestellt. Seit Jahren betreibe man erfolgreich Präventionsarbeit gegen Kinder- und Jugendkriminalität. Auch die beteiligten Behörden seien gut vernetzt. Es gebe regelmäßig Schwerpunkteinsätze und auch eine Staatsanwaltschaft vor Ort: "Ich glaube, dass der Druck auf die kriminellen Teile ganz konsequent erhöht werden muss, nur so können wir den Schlüssel schaffen, dafür, dass sich der Weg der Illegalität eben nicht lohnt, sondern dass der Weg der Legalität tatsächlich der wird, der zum Erfolg führt."

Nidal R. war bereits als Jugendlicher kriminell

Der polizeibekannte Intensivtäter Nidal R. war am Sonntagabend in der Oderstraße am Rande des Tempelhofer Felds von mehreren Schüssen getroffen worden. Er starb wenig später im Benjamin-Franklin-Krankenhaus in Steglitz. R. wird dem kriminellen Clan-Milieu zugerechnet. Die Polizei teilte mit, der Mann sei im Libanon geboren, seine Staatsangehörigkeit sei ungeklärt.

Nidal R. soll bereits im Alter von zehn Jahren erste Straftaten verübt haben, war damals aber noch strafunmündig. Seit seinem 15. Lebensjahr stand er immer wieder vor Gericht - aus Jugendschutzgründen wurde unter dem Namen "Mahmoud" über ihn berichtet. Anklagen lauteten auf Körperverletzung, Raub, Bedrohung, Nötigung, Drogendelikten sowie Fahrens ohne Führerschein, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht.

Seine kriminelle Karriere war auch Auslöser für die Staatsanwaltschaft, eine Spezialabteilung für jugendliche Intensivtäter zu gründen.

Eine Abschiebung in den Libanon scheiterte 2004 wegen ungeklärter Staatsbürgerschaft. Der Mann verbrachte viele Jahre hinter Gittern. Zuletzt wurde er im Mai 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft wegen mehrerer Verkehrsdelikte verurteilt. Schon im November 2010 war auf den damals 28-Jährigen in Neukölln geschossen worden, kurz nach einer damaligen Haftentlassung. Er war damals nur leicht verletzt worden.

Berlins bekanntester Intensivtäter Nidal R. erschossen

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ich wohne mitten in Nord-Neukölln. Diese sagenumwobenem No-Go-Areas, in die man sich angeblich nicht reintrauen kann, zeigen Sie mir mal bitte. Wo wohnen Sie denn, dass Sie sich so gut in unserem Alltag hier auskennen?

  2. 13.

    Natürlich wurde jahrelang verharmlost seitens unfähiger Politiker , insbesondere Grün/Linker Sozialromantiker. Hat man auf die Zustände aufmerksam gemacht, würde natürlich gleich die Nazikeule geschwungen. Dazu kommt eine Justiz, deren Rechtsprechung man nicht als solche bezeichnen kann, eher im Gegenteil.

  3. 12.

    Hat die GdP wirklich vor der Verharmlosung der "Clan"-Kriminalität gewarnt? In einem vorherigen Artikel bei rbb24 stand, dass die Polizei den Clanbegriff nicht verwendet....wegen Stigmatisierungs-gefahr....;-)

  4. 11.

    Ja da gibt es kriminelle Banden, das wissen wir seit Jahren, und trotzdem wohnen da zehntausende Menschen und Familien mit Kindern, und wenn einer von einem "nicht-hingeh-Gebiet" phantasiert dann ist das einfach falsch und ich finde es auch beleidigend. Ich geh da jeden Tag hin und lass mir das nicht ausreden, von der Mafia nicht und von irgendwelchen anderen Spinnern auch nicht.

  5. 10.

    Sicher. Außer dass sie bei gewalthaltigen Demos stillhalten und selbst Brutalos mit Samthandschuhen anfassen muss (besonders wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass sie noch minderjährig sind).
    Und was nutzt die beste Polizei, wenn Justititia ein Füllhorn an Freigängen, Bewährungen, Haftverschonungen, -urlauben und vorzeitigen Entlassungen ausschüttet?
    Die Exekutive ist nicht nur unbewaffnet, sie ist praktisch nackt: Sie darf aufschreiben, vorübergehend festhalten, den Eltern übergeben und Präsenz zeigen. Sehr viel mehr nicht.

  6. 9.

    Wer kommt den in diesem Zusammenhang auf "Verharmlosung"? Einzig der Staat, der diesen kriminellen Auswucherungen tatenlos gegenüber stand, ist doch für die derzeitige Situation verantwortlich. Zusammenrottungen von arabischen Clans, Intensivtäter aus diesen Kreisen, Machtanspruch - alles das wurde doch aus politischer Korrektheit nicht wahrgenommen, noch bekämpft.
    Wie oft hat gerade der ehemalige Bezirksbürgermeister Buschkovskie darauf hingewiesen und wurde dafür von sein Parteigenossen und den Linksromantikern von den Grünen und der Linken abgekanzelt und als Rechtsradikaler verunglimpft.
    Wenn jetzt noch einer glaubt, dass die öffendliche Hinrichtung der Höhepunkt war, der wird eines Besseren belehrt werden. Die betroffene arabische Großfamilie wird es nicht auf sich beruhen lassen, dafür haben sie in einigen Bezirken die Oberhand.

  7. 8.

    Verharmlost wurde das immer seit zwanzig Jahren von politischer Seite !
    Wenn man als Bürger etwa von Nogo Areas sprach, wurde man ja gleich immer in die politische Ecke gedrängt.
    Die Polizei sagt das seit zwanzig Jahren im Gespräch mit LKA & BKA. Ich seh das Versagen ganz Klar bei der Politik. Und deshalb ist es nicht verkehrt, von Staatsversagen zu sprechen.

  8. 7.

    Die "unbewaffnete Exekutive" - das ist doch nun wirklich einer dümmsten Mythen der Gegenwart.
    Die Exekutive - Streitkräfte, Nachrichtendienste, Polizeien - verfügt über alle Mittel und Instrumente, die sie sich nur wünschen kann.

  9. 6.

    Das ist wirklich eine gefährliche Sache .Der Senat hat das viel zu lange geduldet.
    Jetzt müssen die Polizisten dafür herhalten.Meinen Dank an die Polizei.

  10. 5.

    Da in Deutschland Legislative und Judikative schon in Gewissensnöte gerieten, müssten sie Godzilla mit Papierkügelchen bewerfen, steht die Exekutive quasi unbewaffnet da.
    Wie soll sich die hiesige Justiz Respekt verschaffen, wenn man selbst mit Schwerverbrechern alles Mögliche tun darf, nur nicht, sie hart bestrafen?

  11. 4.

    Die GdP soll nicht davor warnen, sondern die kriminellen Strukturen zerschlagen. D. h. zum Beispiel die Immobilien, die Protzautos und Luxuxuhren sowie die Konten beschlagnahmen, denn die Gelder werden über Drogengeschäfte und Zwangsprostitution erwirtschaftet. Zudem jeden Zugang zum deutschen Sozialsystem sofort beenden. Wenn sie massiv bekämpft werden, gehen sie schon freiwillig!

  12. 3.

    (Mutmaßliche) Kriminelle zu kennen, ist eine Sache.
    Einen Grund für eine Festnahme zu finden, eine andere (zumal die Polizei sicher mehr an den Drahtziehern als an den Handlangern interessiert ist).
    Und sie zu bestrafen... das ist in Deutschland eine GANZ andere Sache...

  13. 2.

    Hallo Berliner Polizei und LKA! Aber Zugriff auf Facebook habt ihr? - Da seht ihr die geheimen "Strukturen" des Clans: Anhänger, Freunde, Sympathisanten, Zuträger, Kläffer und Brüllaffen, deutsche und arabische. Geht nur mal auf die Seite von Nidal …
    Nichts zu danken.

  14. 1.

    Hat das denn jemand "verharmlost"? Glaube ich nicht.

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