Polizisten nehmen am Kottbusser Tor einen mutmaßlichen Fahrraddieb fest.
Video: rbb|24 | 28.09.2018 | Bild: twitter.com/matthimon

Berliner Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein - Internet-Video zeigt Gewalt bei Festnahme am Kottbusser Tor

Ein mutmaßlicher Fahrraddieb wird in Berlin-Kreuzberg festgenommen. In einem Clip ist zu sehen, wie Polizisten ihn fixieren, schlagen und treten. Die Polizei hat nun ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen ihre Kollegen eingeleitet.

Im Internet kursierende Videos bringen die Berliner Polizei in Bedrängnis. Darauf ist zu sehen, wie Polizisten am U-Bahnhof Kottbusser Tor einen Mann auf dem Boden fixieren und ihn schlagen. Der Clip zeigt auch, wie ein weiterer Polizist herbeieilt und mehrfach auf den Mann eintritt. Umstehende werfen Flaschen und andere Gegenstände auf die Polizisten.

Die Videos stammen von einer offenbar eskalierten Festnahme am Donnerstagnachmittag. Die Polizei teilte am Freitag auf Twitter mit, sie habe inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet. "Ob sich die Ermittlungen gegen einen oder mehrere Kollegen richten, kann man jetzt noch nicht sagen", sagte Pressesprecher Carsten Müller auf Nachfrage von rbb|24.

Polizei räumt gewaltsames Vorgehen ein

Am Freitagmorgen hatte die Berliner Polizei zunächst eine neutrale Pressemeldung zu dem Vorfall am Kottbusser Tor verbreitet. Darin hieß es, dass der Mann - ein mutmaßlicher Fahrraddieb - sich während seiner Festnahme heftig gewehrt habe. Kurz darauf seien die Beamten aus einer Gruppe heraus mit Steinen, Blumentöpfen, Aschenbechern und Glasflaschen beworfen worden. Vier Männer im Alter von 16 bis 36 Jahren seien vorübergehend festgenommen worden. Drei Beamte seien verletzt worden und mussten in Kliniken ambulant behandelt werden.

Am Mittag räumte die Polizei auf Twitter ein, die Kollegen hätten "gewaltsam eingreifen" müssen. In einer Stellungnahme zur ursprünglichen Pressemitteilung bestätigte die Polizei schließlich, das Video zeige, "wie ein hinzukommender Polizeibeamter einen am Boden liegenden Festgenommenen mehrfach tritt". Gleichzeitig verweist die Polizei darauf, dass auch eine "rechtmäßige Anwendung von unmittelbarem Zwang immer gewalttätig" erscheine und dass die Echtheit des Videos noch nicht bestätigt sei.

Zum Vorfall geäußert hat sich am Nachmittag auch die Gewerkschaft der Berliner Polizei. In einer über Twitter verbreiteten Pressemitteilung heißt es: "Wir brauchen nicht lange darum herumreden, dass uns die Bilder nicht gefallen." Allerdings könne man die Maßnahmen der Polizisten nicht allein anhand der Videosequenzen bewerten. Polizisten müssten bei Festnahmen immer wieder "im gesetzlichen Rahmen" Gewalt anwenden. Sollte ein Kollege diesen Rahmen überstiegen haben, müsse dieses Fehlverhalten aber auch Konsequenzen haben.

Widersprüchliche Aussagen zum Ablauf des Vorfalls

Im Detail teilte die Polizei zum Ablauf des Einsatzes mit, dass es bei der Festnahme des 22-Jährigen in Berlin-Kreuzberg zu "gewaltsamen Widerständen" gekommen sei. Nach der Aufnahme der Personalien des Mannes hätten die Polizisten ihre Fahrt fortsetzen wollen, der Mann sei aber zurückgekommen. Er habe gegen die Tür des Streifenwagens getreten, diese aufgerissen und "die Konfrontation" gesucht. Es habe dann Stein- und Flaschenwürfe gegen die Polizisten aus seiner umstehenden Gruppe gegeben, mehrere Kollegen seien hierbei verletzt worden. Erst durch herbeigerufene Verstärkung habe sich die Lage beruhigt.

Eines der Videos, die auf Twitter zu sehen sind und das rbb|24 in einer längeren Version von mehr als vier Minuten Länge vorliegt, zeigt, wie Polizisten mit einem Mann ringen. Erst sieht man einen Polizisten mit ihm kämpfen, dann mehrere Polizisten auf den am Boden liegenden Mann einschlagen, ihn treten und gewaltsam fixieren. Umstehende, die sich laut über "Polizeigewalt" beschweren, werfen Flaschen und Gegenstände in Richtung der mit dem Verdächtigen ringenden Beamten. Sie werden von weiteren Polizisten mit Reizgasflaschen ferngehalten.

Zeugin: "Keine Ahnung, warum sie so überreagiert haben"

Julia A. aus Neukölln, die zufällig vor Ort war und das Video mit ihrem Handy aufgenommen hat, sagte, mit jeder Verstärkungseinheit der Polizei, die am Ort des Geschehens eingetroffen sei, sei die Situation weiter eskaliert. "Schockierend", sei der Vorfall gewesen, berichtete die 34-Jährige weiter. "Ich habe keine Ahnung, warum die so überreagiert haben." Sie berichtete auch, dass die Umstehenden keine zusammengehörige Gruppe gewesen seien, sondern sich zufällig vor Ort befunden hätten. Einige hätten Gegenstände und Flaschen geworfen, andere hätten immer wieder darauf hingewiesen, dass der Mann auf dem Boden gerade misshandelt würde. Die Flaschenwerfer seien zudem von Anwohnern und Restaurantbesitzern daran gehindert worden, das weiterhin zu tun.

Beide Versionen des Videos zeigen den Einsatz nicht von Anfang an, sondern setzen ein, als der Verdächtige bereits am Boden liegt. Die Polizei schrieb auf Twitter, die Videos zeigten "lediglich einen Ausschnitt der Geschehnisse zu einem Zeitpunkt, an dem unsere Kolleg. bereits angegriffen worden waren".

Das Video in der längeren Version veröffentlichen wir auf Bitte der Urheberin nicht, auch um Persönlichkeitsrechte zu wahren.

Sendung: Inforadio, 28.09.2018, 15:20 Uhr

Kommentar

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155 Kommentare

  1. 155.

    Wenn die Argumente ausgehen, werden Sie u. Ihresgleichen persönlich! Es geht auch ganz ohne Vor-, u. Zuname.
    Sechs Monate vor Wahlen dürfen Parteien und Wählergruppen nach dem Bundesmeldegesetz Daten von Wahlberechtigten erfragen und für den Wahlkampf nutzen. Einwohnermeldeämter müssen Namen und Anschriften von möglichen Wählern aus den Melderegistern herausgeben. Daten sind nur für Wahlwerbung, aber Missbrauch ist möglich! Eine effektive Kontrolle findet dazu nicht statt. Mir wird Angst u. Bange entsprechende Daten in den Händen linksextremistischer Wählergruppierungen u. Parteien zu wissen. Polizisten sollten unbedingt einer Datenweitergabe widersprechen!!!

  2. 154.

    Paule, Oderberg, Freitag, 26.10.2018 | 10:52 Uhr:
    "Für Sie müsste das Meldeportal doch sehr gelegen kommen."

    Wie kommen Sie zu dieser Unterstellung?

    Nach Ihrer Unterstellung und anderen Aussagen hier zu urteilen, scheinen Sie nur wenig Menschenkenntnis und ein einfach gestricktes Weltbild, dafür aber umso mehr Vorurteile gepaart mit gefährlichem Halbwissen (z.B. zu EMA-Auskünften) zu haben.

  3. 153.

    Oh, ich muss ein paar Schreibfehler berichtigen:

    Paule, 26.10.2018 | 10:52 Uhr:
    "Ein Meldeportal für Polizisten wurde neu eingerichtet."

    Das Meldeportal wurde nicht von der Polizei eingerichtet. Falls es rechtswidrig ist, so wird dagegen vorgegeangen werden. Anderenfalls wird es wohl rechtmäßig sein.

    Paule:
    "In was für einem Land leben wir denn, wo alle Polizisten als potentielle Täter gelten?"

    Wer sagt, dass "alle Polizisten als potentielle Täter gelten"?

    Paule:
    "... Denunzieren von Polizisten ..."

    Was verstehen Sie darunter? Ist die Anzeige von Straftaten von Polizisten für Sie unzulässige "Denunziation"? Sollen Straftaten von Polizisten nicht angezeigt werden?

    Jeder darf bei Verdacht auf Straftaten Anzeige erstatten. Wer anderer Meinung ist, hat ein Problem mit dem Rechtsstaat.

  4. 152.

    Sie schreiben gern schön unklar völlig unbestimmt im Passiv ("man"). Wen meinen Sie mit "man"? Schreiben Sie doch endlich mal, WEM sie was vorwerfen! "Man" gibt es nicht. Wir sind alle unterschiedliche Individuen! Ich habe den Eindruck, dass Sie nur von sich selber schreiben und mit "man" immer nur sich selber meinen. Dann schreiben Sie aber bitte auch "ich".

  5. 151.

    Paule, 26.10.2018 | 10:52 Uhr:
    "Ein Meldeportal für Polizisten wurde neu eingerichtet."

    Das Meldeportal wurde nicht von der Polizei eingerichtet. Falls es rechtswidrig ist, so wird dagegen vorgegeangen werden. Anderenfalls wird es wohl rechtmäßig sein.

    Paule:
    "In was für einem Land leben wir denn, wo alle Polizisten als potentielle Täter gelten?"

    Wer sagt, dass "alle Polizisten als potentielle Täter gelten".

    Paule:
    "... Denunzieren von Polizisten ..."

    Was verstehen Sie darunter? Ist die Anzeige von Straftaten von Polizisten für Sie unzulässige "Denunzition"? Sollen Straftaten von Polizisten nicht angezeigt werden?

    Jeder darf bei Verdacht auf Straftaten Anzeige erstatten. Wer anderer Meinung ist, hat ein Problem mit dem Rechtsstaat.

    P.S.
    Sie schreiben gern schön unklar völlig unbestimmt im Passiv ("man"). Schreiben Sie doch endlich mal, WEM sie was vorwerfen"! "Man" gibt es nicht. Wir sind alle unterschiedliche Individuen!

  6. 150.

    Paule, Oderberg, Freitag, 26.10.2018 | 10:52 Uhr:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 19.10.2018 um 03:57
    "Hier wurde kein Polizist "zu einer Nummer degradiert". ..........
    Aber ja doch, ..."

    NEIN! Argumente von Paule: KEINE!

    Das bloße Tragen von Nummern ist doch keine "Degradierung zu einer Nummer"!

    Wir haben alle Nummern, beim Finanzamt, bei der Sozialversicherung etc. pp. und sind deshalb noch lange nicht "zu einer Nummer degradiert".

    Es gilt das Vermummungsverbot. Dass sich die Polizei vermummen darf ist ein (notwendiges) Privileg. Bei Inanspruchnahme dieses Privilegs muss sie aber auf andere Art eine Identifizierung und Strafverfolgung ermöglichen. Wer keine Nummer will, kann auch seinen Namen tragen.

    Wenn Sie eine bessere Idee haben, wie eine Identifizierung für eine eventuelle Strafverfolgung möglich ist, dann lassen Sie uns daran teilhaben! Nicht nur Rummeckern, sondern besser Machen!

  7. 149.

    Nachtrag: Der einfachste Schutz für Polizisten ist, nicht den Namen, sondern die Nummer an die Jacke zu heften. Über die Nummer kann nur Staatsanwaltschaft und Polizei Polizisten identifizieren.

  8. 148.

    Paule, Oderberg, Freitag, 26.10.2018 | 10:18 Uhr:
    "Mein Vertrauen ist nicht GRENZENLOS, aber weitaus höher als Ihres."

    Dann ist Ihr Vertrauen eben fast grenzenlos, jedenfalls so hoch, dass eine Strafverfolgung gegen strafbare Handlungen von Polizisten in Schutzausrüstung wegen fehlender Möglichkeit der eindeutigen Identifizierung praktisch unmöglich ist. Dies eröffnet einen rechtsfreien Raum, der bei Ausnutzung das Vertrauen in die Polizei gefährdet.

  9. 147.

    Paule, Oderberg, Freitag, 26.10.2018 | 10:13 Uhr:
    "Selbstverständlich reichen Vor- u. Zuname aus, um für einen kleinen Obolus vom Meldeamt die Adresse zu erfahren."

    NEIN, Sie mit Ihrem Unwissen prahlender Kommentator!

    "Vorraussetzungen
    - Angaben über die gesuchte Person
    -- Familienname, Vorname, Geburtsdatum und/oder auch die letzte Ihnen bekannte Anschrift in Berlin müssen eine eindeutige Identifizierung der angefragten Person zulassen."
    (https://service.berlin.de/dienstleistung/120732)

  10. 146.

    "Hier wurde kein Polizist "zu einer Nummer degradiert". ..........

    Aber ja doch, und die Verächtlichmachung geht noch einen Schritt weiter. Ein Meldeportal für Polizisten wurde neu eingerichtet. Damit werden Polizisten verunsichert, Respekt geht verloren. In was für einem Land leben wir denn, wo alle Polizisten als potentielle Täter gelten? Mit Denunzieren von Polizisten öffnet sich für Kriminelle eine exzellente Hilfe ihrer weiteren Vorhaben. Für Linksextremisten ist das die Erfüllung schlechthin, sich sodann mit Kamera bewaffnet Jagd auf Polizisten zu machen. Auf viele neue Internet Videos könnten sich polizeikritische User freuen, ihren Interpretationen freien Lauf lassen. Und die Regierenden schauen tatenlos zu. Als junger Mensch würde ich unter solchen Umständen nie den Polizeiberuf wählen. Ist es das, soll die Polizei abgeschafft werden o. will man Hampelmänner, die den Rechtsstaat schützen sollen. Für Sie müsste das Meldeportal doch sehr gelegen kommen.

  11. 145.

    "Ich habe im Allgemeinen Vertrauen in Polizei und Rettungskräfte. Ich habe nie das Gegeteil geschrieben. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich aber kein blindes, grenzenloses Vertrauen, da ich weiß, dass auch Polizisten manchmal rechtswidrig handeln oder gar Straftaten verüben. ".......

    Mein Vertrauen ist nicht GRENZENLOS, aber weitaus höher als Ihres.

  12. 144.

    "Außerdem brauchen Sie für eine EMA-Auskunft neben Vor- und Nachname noch mindestens eine aktuelle oder alte Meldeadresse oder das Geburtsdatum. Das dürfte kaum zu ermitteln sein, wenn" ............

    Selbstverständlich reichen Vor- u. Zuname aus, um für einen kleinen Obolus vom Meldeamt die Adresse zu erfahren.
    Polizisten, Vollzugsbeamte, Rettungssanitäter sind gut beraten Auskunftssperren, besser noch erweiterte Auskunftssperren zu beantragen.

  13. 143.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 15:39 Uhr:
    "Weil an den Schulen Ideologievermittlung wichtiger ist, als Mathe u. Deutsch."

    Welche "Ideologievermittlung"???

    Wie soll bloße Mathe- u. Deutsch-Vermittlung einen angeblichen "rasanten Werteverfall" entgegenwirken?
    Gesellschaftliche Erziehung in der Schule ist doch da viel eher erfolgversprechend. Ein humanistischer Analphabet ist mir lieber als ein perfekt Deutsch schreibender Schläger. Noch besser sind natürlich Kinder, die beides können: Mathe & Deutsch und humanistisch sein.

  14. 142.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 15:39 Uhr:
    "... ein rasanter Werteverfall ... an den Schulen Ideologievermittlung wichtiger ist, als Mathe u. Deutsch ... Eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft ..."

    Ich vermag dieser rein subjektiven, apokalyptischen Schwarzmalerei nicht zu folgen.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 15:39 Uhr:
    "Die Polizei muss wieder ernst genommen werden. Das erreicht man nur, wenn man ihnen entsprechende Mittel in der Hand gibt."

    Unfug! Vertrauen gewinnt die Polizei nur mit guter Arbeit und einer Fehlerkultur, die die eigenen Fehler konsequent aufarbeitet und aus ihnen lernt.

    Immer dann, wenn versucht wird eigene Fehler zu vertuschen und zu verharmlosen, schwindet Vertrauen. Und es ist leider viel schwieriger Vertrauen aufzubauen als zu verlieren. Dies gilt für alle Politikbereiche, auch für die Polizei.

  15. 141.

    PauleOderbergDonnerstag, 18.10.2018 | 15:39 Uhr
    "Antwort auf [Immanuel] vom 14.10.2018 um 01:51

    "Soweit Polizisten in der Öffentlichkeit rechtswidrig Gewalt ausüben, sind sie leider selber an dem daraus folgenden Respektverlust schuld."...........

    Nicht Polizisten sind schuld. Es sind Politiker, die Polizisten zur "Nummer" degradierten, die ihnen den Rücken nicht freihalten."

    Hier wurde kein Polizist "zu einer Nummer degradiert".

    Hier haben aber Polizisten vermutlich rechtswidrig und strafbar gehandelt. Falls dies nicht rechtsstaatlich aufgeklärt wird, so sind die dafür Verantwortlichen für den daraus resultierenden Vertrauensverlust verantwortlich. Kein Politiker darf der Polizei den Rücken für strafbare Handlunge freihalten!

  16. 140.

    Paule, 18.10.2018 | 15:16 Uhr:
    Tatsächlich schrieb ich von "ihren Zuschauern". Merken Sie was? Richtig, die Gänsefüßchen, weil es natürlich nicht ihre Zuschauer sein können. Damit wollte ich auf die von Ihnen verharmlosenden- , aus meiner Sicht falsch gewählten Worte aufmerksam machen."

    Zuschauer ist nicht falsch, weil die Umstehenden zugeschaut haben. Es ist weder verharmlosend noch dramatisierend.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 15:16 Uhr:
    "Richtig wäre, Wurfgeschosse benutzende Gaffer."

    Nein! Denn dies steht nicht fest, sondern ist lediglich eine Behauptung der Polizei. Deswegen schreibt der RBB hier auch im Konjunktiv. Ich erinnere an den Fall, als die Polizei in Twitter behauptet hatte, dass bei einer Räumung eine Türklinke unter elektrische Spannung gesetzt gewesen sei. Dies war dann aber falsch, OBWOHL die Polizei dies in Twitter schrieb!

    Solche Schwierigkeiten im verstehen von Texten habe ich Ihnen gar nicht zugetraut. Sie enttäuschen mich.

  17. 139.

    Sie dürfen Texte nicht aus dem Kontext reißen. Der Kontext war hier, dass Erdogan sich über satirische, aber sachliche Kritiktik in extra3 beschwert hatte, weil er offenbar der Meinung ist, dass auch sachliche Kritik an ihm strafbar zu sein hat. Und Böhmermann wollte Erdogan aufklären, dass die extra3-Kritik in Deutschland keinesfalls verboten ist, während die Titulierung als "Ziegenficker" aber verboten wäre. Das Satirische an dem Beitrag von Böhmermann war nun, dass er die Schmähkritik, die nach Böhmermanns Aussagen in Deutschland verboten ist, bis ins Absurde völlig überzeichnet hat, denn Niemand - auch kein Kritiker - würde Erdogan als "Ziegenficker" bezeichnen.

    Wir sind uns also alle mit Böhmermann einig, dass es nicht erlaubt ist, Erdogan als "Ziegenficker" etc. zu bezeichnen.

    Ich verkehre - genausowenig wie sie - in diesen sprachlichen Welten.

    Das macht aber Ihren Beitrag als Satire nicht verständlicher. Ich vermag da keinerlei satirischen Kern zu erkennen.

  18. 138.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 14:52 Uhr:
    "Dagegen meinen Kritiker, Böhmermanns Erdogan-Gedicht ist eine Abfolge primitivster Obszönitäten für schlichte Gemüter.Andere sagen Straßenjargon."

    Das bestreitet Niemand. Darum geht es aber auch gar nicht. Sie ignorieren völlig den Kontext.

    Böhmermann hat nicht - sinngemäß - gesagt: "Erdogan ist ein Zigenficker!". Das wäre eine strafbare Beleidigung.

    Böhmermann hat - sinngemäß - gesagt: "Man darf nicht sagen: 'Erdogan ist ein Ziegenficker!' Das wäre eine strafbare Beleidigung bzw. Schmähkritik." Und damit hat Böhmermann völlig recht.

    Das Gedicht wurde sogar im Bundestag von einem Abgeordneten zitiert mit der Anmerkung, dass man soetwas nicht sagen darf. Genau daselbe sagt aber auch Böhmermann.

  19. 137.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 14:52 Uhr:
    "In einem anderen Thread schrieben Sie: "Böhmermann hat ausführlich dargelegt, wo die Grenzen der Kunstfreiheit sind und was man nicht sagen darf!" u. "Böhmermann hat nicht beleidigt!""

    Ich bin überrascht, dass Sie hier diesbezüglich recherchiert haben. Sie scheinen sich professionell mit den Kommentaren hier auf diesen Seiten zu befassen. Aber ich stehe zu meinen Aussagen.

  20. 136.

    Paule, Oderberg, Donnerstag, 18.10.2018 | 13:46 Uhr:
    "Lesen Sie überhaupt den Artikel, oder sehen nur das, was Sie sehen wollen, ein stark verkürztes Video. Wenn Sie nämlich den Artikel gelesen hätten, würden Sie nicht so schräg diskutieren. Dort steht eindeutig, lt. Polizei auf Twitter(DAS IST ENTSCHEIDEND), zeigt das Video lediglich einen Ausschnitt der Geschehnisse zu einem Zeitpunkt, an dem die Kollegen bereits angegriffen wurden. Damit werden die von Ihnen verwendeten o.g. Aussagen ad absurdum geführt."

    Nein, es ist nicht entscheidend, was die Polizei in Twitter schreibt, sondern was tatsächlich geschehen ist und von einem unabhängigen Gericht festgestellt werden wird. Deshalb sind die disbezüglichen Textstellen in der RBB-Meldung auch im Konjunktiv formuliert. Und aus demselben Grund habe ich den neutralen Begriff Zuscheuer verwendet, der auch deswegen richtig ist, weil die umstehenden Personen zugeschaut haben.

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