Familie auf Parkbank mit Smartphone (Foto: rbb/Christoph Heymann)
Bild: rbb/Christoph Heymann

Smartphone-Reportage im rbb - Wenn das Handy zum Fluch wird

Das Smartphone ist wie eine dritte Hand: immer dabei. Es verändert unser Zusammenleben. Wie sehr, das erforschen Berliner Wissenschaftler. Christoph Heymann hat darüber eine Reportage gedreht – ausschließlich mit dem Smartphone.  

Hanna Krasnova ist Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Universität Potsdam. Einen großen Teil ihres Berufslebens verbringt sie am Smartphone. Ihre Mails beantwortet sie meist innerhalb weniger Minuten. Am Weizenbaum-Institut untersucht sie die Auswirkungen des täglichen Begleiters: "Darauf sind Apps, wie Facebook, Instagram und WhatsApp. Und soziale Medien sind Auslöser von Sucht. In dieser Diskussion spielt das Smartphone auch deshalb so eine große Rolle, weil alle Apps gleichzeitig verfügbar sind."

Wieviel Zeit verbringen wir mit dem Smartphone?

Sie hat die Smartphone-Nutzung von Studenten in ihren Vorlesungen statistisch erhoben. Das Ergebnis: Knapp 40 Minuten der 90-minütigen Vorlesungszeit verbringen Studierende im Durchschnitt nicht mit dem Inhalt, sondern am Smartphone. Ihnen ist dabei bewusst, dass sie so weniger vom Vortrag mitbekommen.

"Natürlich kann ich als Professorin etwas dagegen tun: Ich kann unterhaltsamer sein oder alles besser präsentieren. Dass Studenten in der Vorlesung so viel Zeit am Smartphone verbringen, macht mir schon Angst." Ein Verbot der Geräte will sie in ihren Veranstaltungen aber deshalb nicht verhängen.

Ihre Forschungsgruppe hat sich auch mit der Veränderung des Familienlebens beschäftigt. Sie waren auf Spielplätzen unterwegs und haben Eltern beobachtet: Viele Mütter und Väter widmen sich dem Smartphone und verlieren so ihre Kinder im Sandkasten oder an der Kletterbrücke aus den Augen. Dadurch steigt die Unfallgefahr. Aber die ständige Präsenz des Smartphones hat auch Auswirkungen auf das Zusammenleben – diese sind allerdings noch nicht genau erforscht.

Das Familienleben verändert sich durch die Geräte

Auch die fünfköpfige Familie Lacdao aus Berlin macht einschlägige Erfahrungen mit Tablets und Smartphone. Sie versucht, den Konsum mit der 20-Minuten-Regel einzugrenzen. Gerade für Mutter Beate sind die Geräte mit Touchscreen ein Problem: "Im Familienkontext ist dieses Tablet schon ein Fluch. Ich wünsche mir manchmal, dass es nicht da ist."

Die Familie mit drei Kindern hat ganz alltägliche Konflikte um das Gerät. Wer hat den Akku leer gespielt? Darf ich heute länger damit spielen? Wer hat heute schon seine 20 Minuten bekommen? Das Thema Tablet ist ständiger Gesprächsstoff und immer wieder Mittelpunkt. Diese Diskussion wollten die Eltern – zumindest zeitweise – beenden. Familie Lacdao hat deshalb vor Ostern für vier Wochen auf alle Medien verzichtet. Kein Tablet, kein Smartphone – und keine Diskussionen. Diese Zeit haben alle als sehr entspannend in Erinnerung. Trotzdem gehörte das Gerät schon danach wieder fest zum Alltag.  

Für Professorin Hanna Krasnova sind solche Grenzen und Lösungsideen trotzdem eine gute Idee: "Ich glaube, Kinder sind einfach anfälliger als Erwachsene. Sie haben noch nicht gelernt, mit den Geräten umzugehen und ihre Zeit einzuteilen. Wenn Eltern das Smartphone zu viel benutzen, kann es natürlich negative Folgen haben."

Sendung: Himmel und Erde, 15.09.2018, 17:25 Uhr

Beitrag von Christoph Heymann

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Nett Ihr kl.Beitrag. Smartphone ausschalten und rbb24 auf dem Notbook schauen. Auch eine Möglichkeit der Abwechselung. Bringt nur nicht viel. Kinder beklagen zu recht ihre Eltern, dass Sie zuviel Daddeln, anstatt sich um ihre Sprößlinge zu kümmern. Ach schon wieder eine Nachricht, muß ich rangehen. Die Werbung mit Till Schweiger habe ich schon in natura gesehen. Ein ca. 10 jähriger geht mit seiner Mutter über eine Kreuzung. Er, vollkommen vertieft in sein S.Phone.Auf der Mittelinsel stößt er sich heftig den Kopf an einem Laternenpfahl. Er war völlig verdattert und erst da nahm ihm die Mutter das Gerät weg.
    Wir müssen zwar jetzt mit den Dingern leben, doch niemand muß es tatsächlich auch mit ins Bett nehmen und überhaupt, sich davon abhängig zu machen. Arbeit und privates sollte getrennt bleiben, was auch viele schon nicht mehr können.

  2. 5.

    Smartphone ausschalten? Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das aber anders. Und“ Facebook „ ist so wichtig wie das Abwischen des Allerwertesten nach dem großen Geschäft. Da hilft nur die radikale Maßnahme um sich nicht selbst um den Verstand zu bringen: die Anschaffung eines stinknormalen Handys. Geht nämlich auch und spart unnützes ewigdreinschaun aufs Gerät.

  3. 4.

    Selbst schuld! Ich habe als Jugendlicher mit dem Rauchen angefangen und bin ein Süchtiger geworden. Das möchte ich mir ersparen und fange erst gar nicht mit diesem Scheiß Smartphone u.a. an! Mir tun die Leute manchmal richtig leid. Die psychische Abhängigkeit ist meistens größer als die physische.
    Den einzigen Vorteil bei einem Smartphone sehe ich nur, wenn man auf Reisen ist, aber selbst dann geht es auch ohne, wenn man nur will.

  4. 3.

    Keiner wird gezwungen, stets online zu sein :-)Smartphones kann man ausmachen. Man kann den Fernseher ausmachen. Man kann auf Alkohol und Zichten verzichten. Man kann Dacia fahren, namenlose Klamotten tragen. Kann man alles machen - und glücklich sein.

    Wer sich vom Smartphone/TV/Alkohol/Zigaretten seine Welt diktieren lässt, der ist auch anfällig für Dummschwätzer, die ihm die Marschrichtung vorgeben, wer sich nicht lossagen kann, wer nicht unabhängig sein kann, wer nicht gegen den Strom schwimmen kann, der hat ein immenses Problem, aber das heißt nicht Smartphone... das heißt Charakter oder Persönlichkeit.

    Ich mag die Till-Schweiger-Werbung mit Emmchen und ihrem Smartphone - wo ER gegen die Laterne prallt... man kann mit und ohne Smartphone reichlich blind sein :-)

    Also macht mal das Ding aus, lest rbb24 aufm Notebook, wenn der Fernseher aus ist, sprecht mit der Familie direkt, und passt beim nächsten Wählen auf, lasst euch nicht von FB und Co verschaukeln...

  5. 2.

    Einfach mal ausschalten und auf keine Nachrichten reagieren. Geht auch.
    Man muss auch nicht jeden "Scheiss" auf Facebook oder anderen Apps mitteilen.

  6. 1.

    Ich bin unendlich dankbar, dass diese Erscheinung ENDLICH wissenschaftlich untersucht und im öffentlichen Raum thematisiert wird! Es ist längst an der Zeit! Diese Smartphones machen Menschen im Alltag blind für ihre Umwelt, sie machen Menschen abhängig, sie sind wie Fernbedienungen, die ihre eigenen Nutzer unwissentlich steuern.
    Ich nehme immer häufiger Menschen aller Altersklassen war, die in ungesunder Weise versuchen, noch schneller zu tippen, noch ungeduldiger werden, noch fester auf die Tasten hauen... Ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Gerät eine ungesunde "Macht" über sie hat. Es ist kein Telefon mehr, mit dem man im BEDARFSFALL nach einer Info schaut. Für viele scheint d. Eingang einer Nachricht oder das Zocken in jeder freien Sekunde wie eine Droge zu wirken. Auch das permanente Filmen von "Events" lässt das Erleben in Echtzeit nicht mehr zu. Ein Feuerwerk wird gefilmt, aber nicht mehr in der Realität erlebt. Festhalten u. virtuell teilen, statt real erleben....

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