Ein Fahrradfahrer stoppt vor einem Fußgänger (Symbolbild, Quelle: Imago)
Bild: Imago

Urteil in Berlin - Radler nach Rangelei mit Fußgänger verurteilt

Nach einer Rangelei mit einem Fußgänger auf einem Gehweg in Berlin-Friedrichshain soll ein Radfahrer 2.700 Euro Strafe zahlen. Das Amtsgericht Tiergarten sprach den 47-Jährigen am Mittwoch der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig.

Der Angeklagte habe die Auseinandersetzung mit dem Passanten - einen Polizisten in Zivil - ausgelöst, begründete der Richter. Der 50-jährige Beamte hatte eine Platzwunde am linken Jochbein und Hautabschürfungen erlitten. Zehn Tage lang war sein Sehvermögen beeinträchtigt.

Der Angeklagte und der Beamte waren sich im April 2017 auf einem Gehweg begegnet. Der Radfahrer habe ihn touchiert, schilderte der Polizist im Prozess. Überrascht und instinktiv habe er dem Mann "Ey" hinterhergerufen. "Da machte er eine Vollbremsung, schmiss sein Rad hin und versetzte mir einen Faustschlag." Als er den Mann festhalten wollte, sei es zu einer Rangelei gekommen.

Angeklagter räumt ein, das Unfallopfer verletzt zu haben

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Aus seiner Sicht sei er absichtlich zu Fall gebracht worden, sagte er. Es könne allerdings sein, dass er den Fußgänger in einer Rangelei getroffen und auch verletzt habe.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr wegen gefährlicher Körperverletzung verlangt. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Die verhängte Strafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: radioBerlin 88,8, 12.09.2018, 14 Uhr

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34 Kommentare

  1. 34.

    @33: P.s.: Ich meine eine "rote" Kreuzung, die ein Radfahrer oder Fussgaenger unter den genannten Bedingungen ueberqueren kann.

  2. 33.

    @ 32, 25: Regeln sind kein Selbstzweck, sondern dienen dazu, das Miteinander zu vereinfachen. Grundregel fuer den Strassenverkehr - und sogar fuer's ganze Leben - sollte §1 StVO sein: Jeder Teilnehmer muss sich so verhalten, dass kein anderer unnoetig beeintraechtigt oder gar gefaehrdet wird. Das erfordert Empathie und Denken, und nicht maschinenhaftes Befolgen von Vorgaben. Wenn jemand z.B. ein Fahrrad langsam, d.h. knapp ueber Schritttempo, einen Gehweg entlangfaehrt, ist das okay, weil er kaum mehr Platz braucht als ein Fussgaenger. Genauso kann ein Radfahrer oder Fussgaenger eine Kreuzung ueberqueren, WENN er sich ueberzeugt hat, dass kein Querverkehr kommt. Mit einem Auto wuerde ich das nie tun: Denn ich weiss aus vielen Stunden am Steuer, dass ich in einem KFZ viel weniger von der Umgebung mitkriege als auf dem Rad oder zu Fuss. Ausserdem sind die Verletzungen, die mein KFZ anrichten kann, erheblich schlimmer als die Gefahr durch mein Rad. Also bitte Vernunft statt Dogmen!

  3. 32.

    Ein komisches Diskussions- und Sozialverhalten haben sie da. Wie endet den die ganze Sache zu 100% unangenehm für den Radfahrer? Hauen sie dem aufs Maul wenn er ihrer "Diskussion beendet" Anweisung nicht folgt?
    Ich hoffe sie legen genau so viel Engagement bei den zahlreich auf dem Gehweg parkenden Autos an den Tag. Polizei rufen, anzeigen! Ach, machen sie nicht? Zuviel Aufwand? Selber Autofahrer.........

  4. 31.

    Autos haben auf Bürgersteigen und Radwegen auch nichts zu suchen. Passiert aber immer öfter....
    Die Zahl der mitten auf dem Bürgersteig geparkten Autos nimmt rasant zu, stört ja auch keinen und wird nicht geahndet.
    Baustellen werden mittlerweile ohne notwendige Absicherung von Radfahrern oder Fussgängern angelegt, beide Parteien werden ohne Absicherung auf die Straße in den fließenden Autoverkehr gezwungen.
    Das Problem hier ist das Auto, das allen anderen soviel Platz wegnimmt. Deshalb kommt es zu einem Interessenskonflikt zwischen Fussgängern und Radfahrern. Die ganzen zugeparkten Straßen finde ich abartig und überflüssig. Weg mit den Autos und wir haben genug Platz für die anderen.
    Abgesehen davon finde ich das Verhalten des verurteilten Radfahrers auch nicht richtig, aber Verkehrstote produziert in dieser Stadt der Autoverkehr.....

  5. 30.

    Ihrer Logik nach müßte man dann ALLE Autofahrer verurteilen weil es ja immer wieder welche gibt die sich nicht an die jeweilige Höchstgeschwindigkeit halten ("rasen") oder permanent falsch parken und auch sonst Andere behindern, gefährden und nötigen.

    Sie haben ein wirklich absurdes Rechtsempfinden. Nicht weit von dem im Mittelalter entfernt.

  6. 29.

    Waren Sie dabei? Ich auch nicht. Aber wenn es sich so zugetragen hat wie der Zivilpolizist behauptet hat wird er es bestimmt nicht bei "EY!" belassen haben.

    Nennen Sie es Vermutung, Erfahrungswert oder einfach Menschenkenntnis, ich bin davon überzeugt dass der Zivilpolizist noch etwas gesagt haben muß damit der Radfahrer so ausrastet. Das ist keine (!) Entschuldigung für so ein Verhalten aber es würde es zumindest erklären.

  7. 28.

    "ich sehe es nicht ein" ist das eigentliche Problem, jeder Radler betrachtet sich nur selbst und nicht auch die vielen anderen die so denken und handeln.
    Wenn man nun wie ich an einer Straße wohnt die nicht die idealen Radfahrbedingungen hat und die Egomanen in Vielzahl daher kommen, ist das für die Anwohner und die Leute die den Fußweg einfach zum gehen benutzen wollen schon ein großes Problem. Z.B. ist ein Verlassen der Haustür ohne nach links und recht zu sehen, ob denn da nicht ein Radler kommt nicht mehr möglich, wenn man dem Radler der von vorne auf einem zufährt ausweicht, weil dieser keine Anstalten macht langsamer zu fahren und auf einen zuhält, darf man den Schulterblick nicht vergessen, denn es könnte auch einer von hinten ankommen. Das mag als Erwachsener noch gehen, aber es gibt auch Kinder, die nicht ständig daran denken, oder Ältere die nicht so schnell reagieren können. Dieses "aber ICH fahre doch vorsichtig auf dem Gehweg" Gequatsche kann ich nicht mehr ertragen!

  8. 27.

    Lächerlich hier Verkehrstote aufwiegen zu wollen. Es geht doch viel mehr darum, wieviel Platz der eine Verkehrsteilnehmer dem Anderen lässt. Ich z.B. möchte mich frei mit meinem Kind auf dem Bürgersteig bewegen können ohne ständig auf rücksichtslose Radfahrer zu achten, die aus welchem Grund auch immer auf dem Bürgersteig fahren (z.B. kein Licht am Rad und Angst auf der Straße umgefahren zu werden). Erst vor ein paar Wochen wurde ein dreijähriger der aus einem Restaurant heraus kam in Friedrichshain von einem Radfahrer schwer verletzt.

  9. 26.

    Sie haben in ihrer Hysterie irgendetwas verwechselt. Sie haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen und genau dafür werden sie, hoffentlich, bestraft. Es gibt nämlich nicht nur einige rücksichtslose Fahrradfahrer auf Bürgersteigen sondern sehr, sehr viele. Aber die haben da nichts zu suchen, jetzt verstanden?

  10. 25.

    Sie verstoßen also bewusst gegen die StvO und finden das auch in Ordnung. Wieso sollte ein Autofahrer um 03:00 h morgens denn an einer roten Ampel warten, wenn kein anderes Auto kommt? Darf sich dieser Autofahrer auch einfach über die StvO hinwegsetzen, weil ihm gerade danach ist? Darf ein Autofahrer mal eben kurz auf dem Gehweg parken, weil er ja nur mal einen Freund auf einen Kaffee besuchen will? Nein. Ende der Diskussion.
    Sie nehmen sich in ihrer kleinen Realitätsblase aus egoistischen Gründen Rechte heraus, die ihnen nicht zustehen. Ein Regelwerk funktioniert nur, wenn man sich an die Regeln hält. Und zwar vollumfänglich.

    Ich laufe generell in der Mitte des Gehwegs. Sollte ein Radfahrer versuchen an mir vorbeizufahren, haben wir anschließend eine korrektive und reflektierende Diskussion über sein Verhalten, die für die Radfahrer bisher in 100% der Fälle unangenehm geendet hat.

  11. 24.

    Das Urteil ist o.k., denn das gericht hat wohl die Schuld des Radfahrers festgestellt und absichtliche Gewalt im Straßenverkehr und auch außerhalb des Straßenverkehrs gehen überhaupt nicht. Dies ist aber auch ein extremer Einzelfall und keineswegs typisch für alle Radfahrer.

  12. 23.

    Die von einigen hier artikulierte Hysterie ist für mich völlig unverständlich: Weil es einmal in vielen Jahren einen Fahrradunfall mit totem Fußgänger gab, müssten alle Radfahrer wegen kleinster Vergehen hart bestraft werden. Weil es einige rücksichtslose Radfahrer auf Bürgersteigen gibt, müssten alle Fahrradfahrer auf Bürgersteigen strengstens bestraft werden. Was ist eigentlich mit den rücksichtslosen Fußgänger auf Radwegen? Sollten diese auch knallhart bestraft werden?

    Ich fahre auch oft auf dem Bürgersteig, aber rücksichtsvoll mit an das Fußgängeraufkommen angepasster Geschwindigkeit. Ich sehe es nicht ein, trotz leerem Bürgersteig mein Kreuz auf Kopfsteinpflaster kaputt zu machen oder trotz ausreichend breitem Bürgersteig einen riesigen Umweg zu machen oder mein Rad sinnfrei zu schieben, um ein paar hundert Meter gegen die Fahrtrichtug voran zu kommen.

    Ich bin bisher nur einmal mit einem anderen Radfahrer zusammen gestoßen. Wir hatten beide Schuld und uns geeinigt.

  13. 22.

    Zu lasches Urteil - wie gehabt

  14. 21.

    Ehrlicherweise muss zugestanden werden, dass es mindestens einen derartigen Fall gab. Ich weiß von einem in Zehlendorf, an der dortigen (Hauptkreuzung), als ein 70-jähriger Busfahrgast von einem 17-jährigen Radfahrer an einer Haltestelle umgefahren wurde, auf den Kopf fiel und an den Folgen dieses Zusammenstoßes starb. Wochenlang wurde nach dem rotem Fahrrad gefahndet, bis sich der Jugendliche selbst stellte, weil ihm die Sache zu heiß wurde. Ich denke mal, der hat die ganze Sache aufgrund seines Tempos garnicht mitbekommen.

    Das war vor ca. 3 oder 4 Jahren. Im Internet findet sich nur auf einem Umweg darüber etwas, Google listet das nicht, weil es offenbar nicht von Interesse ist und keine Rubrik darüber existiert.

    Ich schreibe dies, weil allein um der eigenen Glaubwürdigkeit willen Fehlverhalten von Radfahrenden benannt werden muss. Es ist aufgrund des Gefährts im Allgemein tausendmal weniger gravierend als das Fehlverhalten von Kfz-Fahrenden, doch es gibt es.

  15. 20.

    Vielleicht hilft Ihnen ja das Archiv der RBB weiter, denn es wurde hier, bei rbb24, auch thematisiert.
    Ich erinnere mich, dass die ältere Frau an der Bahnhaltestelle stand und von Einen Fahrradrowdie umgefahren wurde, unglücklich stürzte und, entweder vor Ort oder im Krankenhaus, an den erlittenen Verletzungen verstarb. Dieser Feigling aber verschwand mit seinem Fahrrad, ohne sich um die von ihm angefahren Frau zu kümmern.
    Darum ist es nur Gerecht, diesen Fahrradfahren, der wie ein Irrer über den Bürgersteig gejagt zu seien scheint, zu verurteilen - leider nicht zu einer Freiheitsstrafe

  16. 19.

    Gutes Urteil. Der Fahrradfahrer hat auch ein merkwürdiges Rechtsverständnis, dass er sich noch so als Opfer darstellt.

  17. 18.

    Vor der Grundschule ihres Sohnes stapeln sich vor allem die dicken SUVs der Eltern die ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren.

  18. 17.

    Das ist aber ihre, um es mal höflich auszudrücken, ihre ganz subjektive Empfindung. Welcher Radfahrer "rast" denn absichtlich in einen Fußgänger hinein? Ich rede nicht von Dummheit, Rücksichtslosigkeit ala "ich hatte es eilig" usw.

    Ich rede von Absicht.

    Alle die hier von "Ab jetzt immer solche Urteile damit Radfahrer endlich lernen, das Fußgänger kein Freiwild sind." und "So kennt man die Radfahrer wenn sie an den Fußgängern auf den Gehwegen vorbeirasen. " ..."endlich wird mal gegen agressive radfahrer vorgegangen. "Fahrradrowdie und Torrorradler." faseln sollten mal ihren, hoffentlich vorhanden, gesunden Menschenverstand einschalten.

    Stattdessen lese ich hier "Zusätzlich hätte das Rad für mindestens 3 Monate eingezogen werden müssen." und weiter auf dem Niveau. Ja! Und barfuß in's Bett!

    ...

    Wenn das sich so zugetragen hat wie das Gericht geurteilt hat, sind je nach Tagessatz, 2.700 € ein teurer aber gerechter "Denkzettel".

  19. 16.

    Oh doch - ich habe seit einiger Zeit angefangen, die vielen Radfahrer anzusprechen, die auf dem Gehweg fahren oder auf der falschen Radweg unterwegs sind. Mein Spruch: "Das ist ein Gehweg und kein Radweg!" erntet dumme Ausreden, "Halt's Maul", Beleidigungen, oder auch einfaches ignorieren. Auf dem Gehweg haben Erwachsenen zu schieben. Punkt. Auf einer kurze Strecke von 500 Meter, die ich jeden Tag zurücklege, sind es vier bis fünf solche Radfahrer, manchmal mehr.

  20. 15.

    Woher sollte der Radler wissen das es ein Polizist ist, wenn dieser in Zivil unterwegs war?
    Mal abgesehen davon das man nicht auf dem Gehweg radelt steht ja wohl Aussage gegen Aussage.

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