Jungaale werden am Schilfgürtel der Havel bei Potsdam ins Wasser gesetzt (Quelle: dpa/Settnik).
Audio: Antenne Brandenburg | 18.10.2018 | Bild: dpa/Bernd Settnik

Pilotprojekt in Brandenburg - 400.000 junge Aale in der Havel bei Potsdam ausgesetzt

Brandenburg will wieder mehr der vom Aussterben bedrohten Aale in märkischen Gewässern ansiedeln. Dazu wurden am Donnerstag in Potsdam, Werder und Umgebung rund 400.000 Jungaale in der Havel ausgesetzt. Im laufenden Jahr würden insgesamt rund 900.000 Euro in die Erhöhung der Aalbestände in Brandenburg investiert, teilte das Umweltministerium in Potsdam mit.

Fischer Mario Weber setzt Jungaale am Schilfgürtel der Havel bei Potsdam ins Wasser (Quelle: dpa/Settnik).
Fischer Mario Weber setzt in Potsdam Jungaale am Schilfgürtel der Havel ins Wasser. | Bild: dpa/Bernd Settnik

47 Millionen Jungaale seit 2006

Seit dem Start des EU-geförderten Pilotprojekts 2006 seien im Bundesland rund 47 Millionen Jungaale im Wert von zehn Millionen Euro in Flüssen im Einzugsgebiet der Elbe ausgesetzt worden, hieß es weiter. Die Gründe für den weltweit zu beobachtenden Rückgang der Bestände des Süßwasserfisches, der zum Laichen flussabwärts bis weit ins Meer wandert, seien bislang noch nicht erforscht.

Nach der Aktion in Potsdam wurden weitere Fische in der Umgebung von Werder ins Wasser gesetzt worden, sagte der Leiter des Pilotprojekts, Ronald Menzel, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gegen den Rückgang der Aalbestände müsse weiter kontinuierlich gehandelt werden, betonte Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Ziel sei, dass mindestens 40 Prozent der ausgesetzten Aale nach ihrem bis zu 15 Jahre währenden Leben im Binnenwasser die Rückwanderung in die Laichgebiete in der Sargassosee im Atlantik vor den Bahamas antreten und erfolgreich zur Reproduktion des europäischen Aalbestands beitragen.

Jungaale stammen aus Frankreich

Die am Donnerstag ausgesetzten Jungaale wurden den Angaben zufolge im April an den Küsten Frankreichs als noch durchsichtige sogenannte Glasaale gefangen und zum Anfüttern in eine Anlage im niedersächsischen Haren an der Ems gebracht. Die mit der Elbe und der Oder verbundenen Gewässer in Brandenburg sind bereits seit Millionen Jahren Teil des Lebensraums des stark gefährdeten Europäischen Aals. Schätzungen zufolge seien früher allein in der Elbe jährlich 30 Millionen winziger Jungaale stromaufwärts gewandert und hätten ihr "zukünftiges Zuhause" in den zahlreichen Binnengewässern gesucht, hieß es weiter.

Heute leben in den Binnengewässern Brandenburgs nach Schätzungen des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow zwischen 30 und 40 Millionen Aale aller Altersklassen, die nahezu alle aus Besatzmaßnahmen stammen, also vom Menschen wieder angesiedelt wurden. Zu den Gründen des starken Rückgangs der Aalbestände zählten unter anderem der Einbau von Stauanlagen in Flüssen, die den Aufstieg der Aale flussaufwärts zum Teil unmöglich machen, veränderte Temperaturen und Strömungen in den Ozeanen, die Zunahme der europäischen Kormoranpopulation sowie der massive Export von Glasaalen nach Asien.

Der Wissenschaftler Erik Fladung vom Potsdamer Institut für Binnenfischerei forderte neben den Besatzmaßnahmen mehr Fischtreppen. Diese könnten dem Aal wieder ein natürliches Einwandern ermöglichen. Um die Bestände zu stabilisieren, hält es Fladung aber für ein wichtiges kurzfristiges Mittel, Aale im Fluss auszusetzen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.10.2018, 7:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ein leider oberflächlicher Versuch der EInordnung, warum Aale denn nun eine bedrohte Tierart sind. Wir angeln sie! Ein Großteil der ausgesetzten Aale geht Anglern ins Netz. Die Quadratur des Kreises erkennt man auch daran, wer die Fische "aussetzt", im Übrigen in teils ökologisch toten Gewässern. Der Umfang des Fangs privater Angler beträgt in etwa die gesetzlichen Fangquoten in der Industriefischerei. Das ist ein Grund, warum Angeln mit Wilderei gleichgesetzt werden sollte und der Aal bedroht ist.

    Und, oh, die bösen Ausländer, die bösen Kormorane, das böse fliegende Spaghettimonster fressen uns die Aale weg. Falsch! WIR essen ihn vom Antlitz unserer umgebenden Natur. Der Aal wird noch immer als Speisefisch angepriesen. Und auch der rbb darf sich den Schuh der Selbsttäuschung anziehen. In einem unkritisch-distanzlosen Bericht über einen Berliner Fischmarkt, hatte auch der rbb die "Leckereien" u.a. aus Aal bestehend beschrieben.

    Wer Fische schützen will, isst keinen Fisch.

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