ARCHIV - Check-in im Terminal C des Flughafens Berlin-Tegel bei Easy Jet (Foto: imago/Peter Sandbiller)
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Video: Abendschau | 11.10.2018 | Norbert Siegmund | Studiogespräch mit Engelbert Lütke Daldrup | Bild: imago/Peter Sandbiller

Langes Warten aufs Einchecken oder Gepäck - Flughafenchef sieht sich bei vielen Problemen in Tegel machtlos

In Tegel müssen Fluggäste oft lange warten: ob aufs Einchecken oder ihr Gepäck. Der Berliner Airport ist an der Kapazitätsgrenze. Flughafen-Chef Lütke Daldrup sagte im rbb, der Flughafen dringe zwar auf Verbesserungen, durchsetzen könne er die aber nicht.

Der Flughafen Berlin-Tegel arbeitet seit Jahren an der Kapazitätsgrenze. Mindestens bis 2020 muss er noch durchhalten – vorausgesetzt der neue Hauptstadtflughafen BER geht dann an den Start. Tegel zeigt allerdings bereits jetzt deutliche Erschöpfungssymptome: Passagiere müssen sehr häufig sehr lange warten, ob auf das Einchecken, auf dem Rollfeld oder auf ihre Koffer. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Beschwerden zu dem Flughafen gegeben. 

Es fehlen Mitarbeiter – und die, die da sind, sind überarbeitet und unterbezahlt. Die Flugzeugabfertiger sind bei den Dienstleisterfirmen Wisag und Aeroground angestellt, die ihre Aufträge von den Fluggesellschaften bekommen. Gespart wird hier, so heißt es, an Bezahlung und am Personal.

Dringen auf fairen Preis

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup erklärte dazu am Donnerstagabend in der rbb-Abendschau, die Flughafengesellschaft habe auf die Arbeitsbedingungen der Abfertiger keinen direkten Einfluss. "Wir als Flughafen sind nur derjenige, der versucht, den Prozess auf unseren Flächen zu koordinieren." Es habe kürzlich einen Runden Tisch zum Thema gegeben, " weil es in der Tat in den letzten Monaten schlechter gelaufen ist, als wir uns das alle wünschen". Es gehe im Kern darum, "ob die Mitarbeiter einen fairen Lohn bekommen, ob wir genügend Mitarbeiter auf den Flächen haben".

Die Flughafengesellschaft dringe darauf, "dass die Gesellschaften einen fairen Preis für die Abfertigung zahlen", so Lütke Daldrup. Sie könne das aber nicht erzwingen. "Wir können nur sagen: Wenn ihr zufriedene Kunden haben wollt, müsst ihr euch darum kümmern", sagte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg.

So könne die Flughafengesellschaft etwa nicht in die Tarifhoheit eingreifen, betonte Lütke Daldrup angesichts der Situation der Gepäckverlader. Hier sind die Löhne um 30 Prozent gesunken, der Verdienst liegt jetzt um die 1.500 Euro brutto. Es liefen dazu derzeit Tarifgespräche zwischen den Bodenverkehrsdienstleistern und den Fluggesellschaften.

Londoner Modell als Vorbild

"Es ist ein Problem, wenn die Airlines immer billigere Tickets verkaufen wollen und versuchen, die Preise in bestimmten Bereichen nach unten zu bewegen. Das wird auf den Knochen derjenigen ausgetragen, die am Ende die harte Arbeit tun müssen, vor allen Dingen im Gepäckbereich."

Die Flughafengesellschaft dringe darauf, "dass wir zu besser funktionierenden Prozessen kommen", so Lütke Daldrup. So müssten etwa die Fluggesellschaften bessere Flugpläne ausarbeiten.

Er favorisiere ein Modell, das in London praktiziert werde. Dort werde Pünktlichkeit honoriert und 90 Prozent der Prämien landeten bei den Mitarbeitern. Doch durchsetzen könne er diese Idee nicht.

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    " Nach einer DLR-Studie sind Kreuzfahrtschiffe die Übeltäter " das mag ja so sein, aber ein Blick auf Gesamteuropa bei Flightradar zeigt, daß täglich weit über 1500 Flugzeuge dort der Luft sind, bei globaler Ansicht wir einem schwindelig

    @ DetlefBerlinFreitag, 12.10.2018 | 18:49 Uhr : geht nicht wegen Arbeitsplätzen - kein innerdeutscher Flugverkehr= Verlust von ??? Arbeitsplätzen? ,,also polit. nicht durchsetzbar.... aber ein paar Hundertmeter Straßensperrung sollen Abhilfe schaffen

  2. 5.

    Ich kann dem nur zustimmen.
    Innerdeutsch sollte man sofort den Flugbetrieb einstellen, die Bahn tut es auch!
    Weniger Flüge bedeutet weniger Flughäfen werden benötigt und die Luft wird sauberer

  3. 4.

    Ich stimme Ihnen zu - jeder einzelne Flug müsste mindestens 1.000,00 Euro kosten. Ich selbst war geschäftlich sehr viel auf Reisen - habe aber immer die DB genutzt, da es mir innerdeutsch einfach zu utopisch war den Flug zu nutzen. Ich finde es unhaltbar, dass man zum shoppen oder für einen achso tollen sportiven Kurztrip mal eben für zwei Tage in andere Länder für billiges Geld fliegen kann - das muss ein Ende haben.

  4. 3.

    Nach einer DLR-Studie sind Kreuzfahrtschiffe die Übeltäter #1.

    Bei den Plastiktüten allerdings bin ich geneigt zuzustimmen, da die Emissionen bei der Produktion alternativer Trageutensilien gern unter den Tisch gekehrt werden, ich meine gelesen zu haben dass man eine Papiertüte mindestens 50 mal verwenden muss bevor sie sich positiv auswirkt. Das gleiche gilt auch für die Herstellung von Lithiumbatterien für Elektroautos.

  5. 2.

    Man möchte reisen, und das möglichst billig. Und wundert sich dann, wenn man dafür lausigen Service bekommt?

    Es gibt keine umweltschädlichere Art des Reisens als das Fliegen. Trotzdem explodieren die Fluggastzahlen, und zwar weltweit. Obwohl doch angeblich alle so umweltbewußt sind. Aber dafür sparen wir jetzt ja Plastiktüten ein und bekommen Dieselfahrverbote auf diesem zweihundert Meter langen Straßenabschnitt und jenem vierhundert Meter langen. Na denn.

  6. 1.

    Wenns mit Flughafen-Chef ohnehin schlecht läuft, dann braucht man mMn auch keinen.

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