Am Büro der Kirchgemeinde "Paroisse Catholique Francophone" in der Charlottenburger Schillerstraße. Dort wurde am späten Abend des 22.02.18 ein Toter entdeckt, die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Inforadio | 29.10.2018 | Ricardo Westphal | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Anklage wegen Totschlags - Priester getötet - Prozess gegen 27-Jährigen begonnen

Ein 27-Jähriger aus Kamerun steht seit Montag wegen des gewaltsamen Todes eines Priesters in Berlin-Charlottenburg vor dem Landgericht. Der Angeklagte soll das 54 Jahre alte Opfer in einem Büro der französischsprachigen katholischen Kirchengemeinde in Berlin mit Holzfiguren und einem Blumenkübel erschlagen haben. Zudem soll er mit einem Stockregenschirm auf sein Opfer eingestochen haben.  

Angeklagter sitzt in der Psychiatrie

Zeugen sollen kurz vor der Tat im Februar 2018 einen lauten Streit zwischen zwei Männern gehört und die Polizei alarmiert haben. Als die Beamten eintrafen, fanden sie den Toten. Einen Tag später sei der Angeklagte auf dem Dachboden eines Hauses im Stadtteil Reinickendorf festgenommen worden. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Der 27-Jährige ist seit seiner Festnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Gegenüber Zeugen soll er gestanden und erklärt haben, er stehe unter "Kontrolle von Geistern". Ein 37 Jahre alter Mitbewohner des Angeklagten sagte, sein Landsmann habe ihn in der Tatnacht durch lautes Beten geweckt. Der 27-Jährige habe erklärt, er sei "besessen, habe sich nicht unter Kontrolle und deshalb den Pfarrer getötet". Ein "satanischer Geist" sei von seinem kleinen Bruder, für den er Hilfe bei dem Geistlichen gesucht habe, auf ihn "übergegangen".  

Opfer engagierte sich auch als Seelsorger

Der 54-Jährige Pfarrer aus dem Kongo leitete seit 2009 die katholische französischsprachige Gemeinde in Berlin, Paroisse Catholique Francophone [externer Link]. Zudem engagierte er sich in der Seelsorge der Charlottenburger Kirchengemeinde Herz Jesu.

Die Paroisse Catholique Francophone wurde 1945 gegründet, zunächst als Gemeinde für die französischen Soldaten. Heute steht sie allen französischsprachigen Katholiken in Berlin offen und wird auch von Menschen aus Belgien, der Schweiz sowie aus frankophonen afrikanischen Ländern besucht. Die meisten Gemeindemitglieder seien nur für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland - wegen einer Arbeitsstelle, als Student oder Praktikant, teilt die Gemeinde nach der Tat im Februar mit. Die Gottesdienste in der St.Thomas-Kirche werden ausschließlich auf Französisch abgehalten.

Der Prozess wird am 31. Oktober fortgesetzt.


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1 Kommentar

  1. 1.

    Hoffentlich wird über in Inhalt und Ausgang der Gerichtsverhandlung publiziert.

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