250-Kilo-Bombe in Potsdam
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Video: rbb|24 | 10.10.2018 | Mark Albrecht | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Sprengmeister Schwitzke entschärft Blindgänger in Potsdam - "Ich habe den Zünder erstmal schön eingeölt"

Die Bombe ist entschärft, der Sperrkreis aufgehoben: Rund 3.000 Potsdamer können wieder zurück in ihre Wohnungen und auf ihre Arbeitsplätze. Zum dritten Mal in drei Monaten musste in der Potsdamer Innenstadt eine Weltkriegsbombe entschärft werden.

Sprengstoffexperten haben am Mittwoch in Potsdam eine 250 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Wie die Stadt am Mittag mitteilte, konnte Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die Fliegerbombe entschärfen. "Sie wurde offenbar am 14. April 1945 beim Nachtangriff auf Potsdam" von der britischen Luftwaffe abgeworfen, so Schwitzke. Die Bombe selbst sei ein amerikanisches Fabrikat. "Typ GP500 M43, Standardbezündung", fügte Schwitzke hinzu.

Die Entschärfung verließ relativ problemlos. "Ich habe mit meinem Assistenten zunächst den Zünder schön mit Kriechöl eingeölt", erklärte der erfahrene Sprengmeister nach getaner Arbeit. "Dann ging alles relativ schnell." Zwar habe "der Zünder zunächst nicht so gewollt wie wir wollten", Schwitzke plante schon einen komplizierten Ausbau. "Aber dann wackelte er doch." In knapp einer Stunde und zehn Minuten war alles vorbei, inklusive Sprenung des Zündelemente.  "Es ist alles wie am Schnürchen gelaufen", sagte Schwitzke.

Der Blindgänger war bei planmäßigen Erkundungsmaßnahmen etwa 1,20 Meter unter der Erdoberfläche auf dem Gelände eines ehemaligen Tramdepots entdeckt worden. Am Morgen war das betroffene Gebiet dann evakuiert worden. Etwa 3.000 Anwohner waren betroffen. Wie die Stadt Potsdam mitteilte, gab Einsatzleiterin Ilona Hönes den Sperrkreis um 10:48 Uhr frei. Mehrere Straßen rund um den Fundort in der Heinrich-Mann-Allee nahe dem Hauptbahnhof wurden gesperrt. 

Laut Stadtverwaltung waren vier Einsatztrupps gemeinsam mit der Polizei unterwegs und kontrollieren den Sperrkreis. Autofahrer wurden gebeten, den Bereich Heinrich-Mann-Allee und Friedrich-Engels-Straße weiträumig zu umfahren.

Eine adressgenaue Karte zum Sperrkreis kann auf den Seiten der Stadt Potsdam eingesehen werden. 300 Helfer waren im Einsatz, um Betroffene in Ersatzquartiere zu bringen.

Auch Regierung von Evakuierung betroffen

Die Mitarbeiter der Staatskanzlei und mehrerer Ministerien kamen in der Zeit nicht in ihre Büros. Die Bewohner von Pflegeheimen mussten die Einrichtungen verlassen. Auch Straßenbahn- und Buslinien waren betroffen: Während der Entschärfung fuhren zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und dem S-Bahnhof Babelsberg keine Züge.

Im betroffenen Stadtgebiet waren bereits am 3. August und am 13. September  Bomben entschärft worden. Bei der Sperrung im am 3. August dauerte die Sperrung bis 15 Uhr, weil die Sprengung mehrfach verschoben werden musste. Am 13. September hingegen konnten die Sperrungen schon zur Mittagszeit wieder aufgehoben werden.  

Sprengmeister Mike Schwitzke entschärft Brandenburg

In Potsdam wurden seit Oktober 1990 insgesamt 192 Bomben gefunden. Im gesamten Land fanden sich nach Angaben des Innenministeriums allein 2017 rund 240 Tonnen Kampfmittel im Boden - vor allem in Oranienburg, Potsdam und in der Oder-Neiße-Region.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.10.2018, 6:00 Uhr

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