Junge Polizisten sitzen bei der Ernennungsfeier (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 10.10.2018 | Anke Michel | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Massiver Personalmangel - Berliner Polizei schafft Mindestgröße für Bewerber ab

Bislang musste man als Frau 1,60 Meter groß sein oder als Mann 1,65 Meter, um in den Berliner Polizeivollzugsdienst zu kommen. Ab sofort jedoch spielt die Körpergröße der Bewerber keine Rolle mehr - Hintergrund ist der starke Personalmangel.  

Für Bewerber beim Berliner Polizeivollzugsdienst gilt ab sofort keine Mindestkörpergröße mehr. Diese Regelung werde "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt, teilte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch mit. Bislang galt in Berlin eine Mindestgröße von 1,60 Metern für Frauen und 1,65 Metern für Männer als Einstellungsvoraussetzung.

Hintergrund des Wegfalls der Mindestgröße ist der massive Personalmangel bei der Berliner Polizei. Anfang April war eine 1,54 Meter große Bewerberin für den Polizeidienst abgelehnt worden. Sie fand dann aber einen Ausbildungsplatz in Brandenburg, wo die Mindestgröße für Polizeibewerber ein Jahr zuvor gekippt war.

Gewerkschaft der Polizei begrüßt neue Regelung

"Reine Äußerlichkeiten dürften nicht zu einem Hindernisgrund für den Polizeiberuf werden", teilte Geisel jetzt mit. Bei der Personalgewinnung dürfe "es nicht auf ein paar fehlende Zentimeter ankommen. Innere Werte sind wichtiger als äußere Maße."

"Wir können es uns beim aktuellen Bedarf nicht leisten, talentierte Menschen nur aufgrund der Körperlänge abzulehnen", erklärte auch der GdP-Landesvorsitzende Norbert Cioma. Geisel habe mit seiner Entscheidung Weitsicht bewiesen.

Einstellungsverfahren soll angepasst werden

Allerdings müssten die Bewerber unabhängig von der Körpergröße den Anforderungen des Polizeivollzugsdienstes gewachsen sein, betonte Geisel. Seinen Angaben zufolge hat die Senatsinnenverwaltung die Berliner Polizei um Vorschläge gebeten, wie jetzt eine Prüfung der körperlichen Eignung von Bewerbern aussehen könnte. "Insbesondere müssen sie in der Lage sein sich gegen Angriffe zu verteidigen und unmittelbaren Zwang anzuwenden, um Widerständen zu begegnen oder Festnahmen durchzuführen", so der Senator.

Auch Tattoos sind erlaubt

Der Innensenator wies außerdem darauf hin, dass unauffällige Tätowierungen seit Ende 2017 kein Ausschlusskriterium mehr für Bewerber sind. Tattoos an Kopf, Händen und Hals - mit Ausnahme des Bereichs, der von der Dienstkleidung abgedeckt wird - und solche mit zweifelhaften Botschaften wie Gewaltverherrlichung sind allerdings unzulässig.

Sendung: Abendschau, 10.10.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 8.

    Hier wird mal wieder versucht, das Pferd von hinten aufzuzäumen.
    Ein weiterer -zum Scheitern verurteilter Versuch- den Personalmangel bei der Berliner Polizei zu bekämpfen.
    Bislang haben alle Maßnahmen (Herabsetzung der Anforderungen beim Einstellungstest/Sporttest, Verzicht auf deutsche Staatsbürgerschaft, Anwerben spanischer Arbeitsloser usw.) zu keinem Anstieg von (brauchbaren) Bewerbern geführt.
    Hilfreicher wäre es wohl, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu gehören Ausstattung, Arbeitsmaterial, Dienstzeiten, Arbeitsbelastung, Ansehen bei den Politikern, Beförderungschancen, Besoldung usw.
    Aber gut... kleiner Polizisten werden die Situation in Berlin sicherlich retten.

  2. 6.

    Und wann fällt die unsinnig niedrige Altersgrenze für Bewerber? Körperlich top fit, lebenserfahren und nicht auf den Kopf gefallen, aber per "Äußerlichkeit" Alter ausgegrenzt?

  3. 4.

    Jetzt kann jeder Zwerg Polizist werden, damit kriminelles Gesindel noch mehr Respekt hat.

  4. 3.

    Bravo. Was habe ich von Polizisten, 1,90 lang, aber leider so dumm wie lang? Dann doch lieber eine kleine, auch geistig wendige Frau oder ein kleinerer, vernünftiger Polizist. Nur brachiale Fähigkeiten aufgrund körperlicher Ausstattung oder "lange Kerls" ist ziemlich oldschool..

  5. 2.

    Stimmt, die Polizei hat kaum noch Befugnisse, daher brauchen sie auch kein respekteinflößendes Gardemaß.
    Das Gardemaß hatte ja auch mal einen Sinn. Die Kriminalität war damals aber auch gleich Null.

  6. 1.

    Wurde aber auch höchste Zeit. Veraltete Kriterien wegen ein paar Zentimeter gehören nun wirklich der Vergangenheit an. Ich rate mal, viele von den früher abgelehnten Bewerbungen waren Frauen? Dabei sind Sie genauso „taff“ wie ihre männlichen Kollegen.

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