Die Spree im Berliner Nikolaiviertel (Quelle: imago/Zöllner)
Video: Abendschau | 12.10.2018 | Nachricht | Bild: imago stock&people/Zöllner

XXL-Sommer 2018 - Wenn die Spree rückwärts fließt

Wegen der monatelangen Dürre ist die Schifffahrt auf anderen Flüssen wie der Oder längst eingestellt, Ende Oktober könnte auch auf der Spree der Verkehr ruhen. Könnte die Spree sogar trockenfallen? Und was ist mit dem Trinkwasser? Von Matthias Pohl

Über 20 Grad im Oktober - und weiter kein Regen in Sicht. Die anhaltende Trockenheit hat dazu geführt, dass bald auch die Schifffahrt auf der Spree eingestellt werden könnte. Seit Wochen wird Wasser aus den großen Talsperren in Brandenburg und Sachsen abgelassen, um den Wasserstand zu stabilisieren. Doch auch diese Reserven gehen zur Neige.

Über eine Sperrung entscheidet der Bund

"Ende Oktober ist der Punkt, wo wir sagen, wir haben kein weiteres Stauwasser mehr", sagte Derk Ehlert von der Berliner Umweltverwaltung am Freitag im Gespräch mit rbb|24. "Und dann wird's eng." Die Entscheidung, die Schiffe nicht mehr fahren zu lassen, könne das Land Berlin jedoch nicht fällen, da es sich um ein Bundesgewässer handele. Damit wäre das Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes am Zug.

Zur Zeit fließt die Spree extrem langsam, erläuterte Ehlert. Normal sind neun Kubikmeter pro Sekunde, momentan sind es zweieinhalb. Durch Wasserentnahmen und -eingaben an verschiedenen Stellen kommt es zu dem Phänomen, dass die Spree streckenweise rückwärts fließt. "Das ist jetzt noch nicht gefährdend, fällt aber zumindest auf." Die Konzentration der Schwebstoffe im Wasser erhöhe sich natürlich mit der Verringerung der Fließgeschwindigkeit - ökologisch gesehen sei das aber noch kein Problem. Ohnehin sei die Spree ein dümpelndes, langsam fließendes Gewässer, so Ehlert.

"Die Spree ist nicht selbstverständlich"

Der Wasserstand der Spree sei niedrig, aber nicht Besorgnis erregend, meint Ehlert. Dass die Spree gar trockenfallen könnte, sieht er nicht: "Wenn es weiterhin so trocken ist und wenn die Durchflussmenge für die Spree so gering ist, dass die Schleusen nicht mehr arbeiten können, sehen wir zu, dass wir das Wasser - soweit es möglich ist - halten." Heißt: Die Schiffahrt wird eingestellt und Wasserentnahmen - beispielsweise durch Berliner Unternehmen - werden reduziert oder untersagt. Brandenburg habe bereits eine Reduzierung der Wasserentnahme an die Bauern ausgesprochen, in Sachsen wird weniger Wasser für den Braunkohletagebau abgepumpt.

Und was ist mit dem Trinkwasser? "Die Trinkwasserversorgung ist nicht gefährdet, das ist ganz wichtig", betonte Ehlert. Trinkwasser werde fast ausschließlich aus den Flächen des Landes Berlin bezogen. Die Stadt profitiere dabei von ihrer topografischen Lage und der damit verbundenen günstigen Grundwassersituation. Zudem werde auch viel über die Klärwerke zurückgeleitet.

Der Senatsexperte gibt also erst einmal Entwarnung, gleichzeitig bereitet ihm das globale Klima Kopfzerbrechen: "Das Szenario mit dem Trockenfallen der Spree ist sicherlich weit hergeholt. Aber wir müssen uns alle klarmachen: Die Spree ist nicht selbstverständlich, wir müssen uns zwar keine Sorgen um das Trinkwasser machen, aber der Klimawandel ist tatsächlich bei uns angekommen."

Hydrologe: 1904 war weitaus schlimmer

Einen anderen Aspekt stellt der Hydrologe Christoph Hinz von der BTU Cottbus in den Vordergrund: Es habe immer wieder lange Trockenphasen gegeben, sagte Hinz im rbb-Inforadio: "Wenn Sie zum Beispiel das Niedrigwasser von 1904 googeln würden, dann sehen Sie, dass es noch schlimmer sein kann, als es jetzt schon ist." Damals kam man zu Fuß durch die Elbe. Hinz sieht eine natürliche Fluktuation des Wetters, die eben auch dazu führen kann, dass die Speicher der Flüsse an ihre Grenzen kommen.

Dass die Spree trockenfallen könnte, sieht auch der Wasserexperte aus Cottbus "in dieser Situation" nicht. Und wenn es gar nicht mehr regnet? "Dann müssen wir die Situation so nehmen, wie sie ist", meint Heinz. "Wir haben hervorragende Wasserbewirtschafter in Brandenburg, Sachsen und Berlin, die alle Maßnahmen treffen werden, dass die potenziellen Schäden so gering wie möglich gehalten werden."

Sendung: zibb, 12.10.2018, 18.30 Uhr

Beitrag von Matthias Pohl

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Sicherlich nicht, lieber riskieren die Stromgiganten den Supergau als auf auch nur einen Cent zu verzichten. Anders gesagt, denen wird es egal sein was aus der Bevölkerung wird.

  2. 12.

    Was mich mal interessieren würde, was passiert denn wenn die Kühltürme der E-Werke nicht mehr genügend Wasser erhalten ? Wird dann alles runtergefahren oder abgeschaltet ?

  3. 11.

    Richtig, den Magdeburger Pegel hatte ich ja bereits erwähnt. Unten habe ich noch die Quelle für den Rekord (2018 in Magdeburg) angegeben. Noch ein weiterer Beleg also, dass die Behauptung des interviewten Hydrologen (1904 sei "weitaus schlimmer" gewesen) einfach nur unwahr ist!

    Quelle: https://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/pegelstand-elbe-erreicht-in-magdeburg-niedrigrekord

  4. 10.

    Der bisherige niedrigste Wasserstand der Elbe war am Pegel Magdeburg-Strombrücke im Jahr 1934 bei 48 cm. Er wurde in diesem Jahr um 3 cm unterschritten.

  5. 9.

    JETZT sollte man die Chance nutzen und die Schadstoffbelastung in der Innenstadt OHNE den Schiffsverkehr zu messen... die scheinen ja einen Freischein zu besitzen...

  6. 8.

    Jawohl, 1904 war es Extremwetter und im Jahr 2018 auch. Aber die wetterbeinflussenden Randbedingungen haben sich weiltweit verändert. Beispielsweise sahen 1904 die Polkappen noch ganz anders aus als 2018! Es gibt aber noch weitere Veränderungen bei der Entstehung der Wetterereignisse. In der Gegenwart bestehen nachweislich höhere Wahrscheinlichkeiten für Extremwetter. So halten Trockenperioden länger durch und treten in in immer kürzeren Zeitabständen auf. Um das zu erkennen braucht es allerdings keines Wechsels der Uni, sondern einer besseren Beobachtungsgabe, weniger Arroganz und vor allem besserer Kentnisse zum Gesamtzusammenhang zwischen Wetter und Klima!

  7. 6.

    Australien und Südkalifornien lassen grüßen! Erst Steppe, dann Wüste! Östlich der Elbe noch schneller als in Flensburg oder Garmisch-patenkirchen! Vor allem noch schneller als wir uns in unseren kühnsten Träumen momentan vorstellen mögen!

  8. 5.

    Na dann fahren auch die Diesel Schiffe nicht mehr

  9. 4.

    Habe ich nicht behauptet. Fakt ist aber, dass diese Extreme durch den Klimawandel zunehmen und dass sich die Dürre mit dem Klimawandel erklären lässt. Der Nordpol wird viel schneller warm als der Rest der Nordhemisphäre. Das führt zu viel geringeren Temperaturunterschieden, sodass Hochdruckgebiete bevorzugt gebildet werden. Blockade-Situationen entstehen, wie sie praktisch seit Februar diesen Jahres anhalten - eine unfassbar lange Zeit! Der Jestream stockt zudem wegen der geringen Temperaturunterschiede. Hochs und Tiefs bleiben extrem lange auf Position.

    Zudem schmilzt Grönlandeis stärker. Das freigesetzte salzarme Schmelzwasser führt zur lokalen Abkühlung des Oberflächenwassers vor Grönland. Tiefdruckgebiete können sich da nicht mehr bilden.

    Genau das alles ist 2018 zu beobachten. Kann man alles nachlesen. Solange die Attribution Science den Anteil des Klimawandels an der aktuellen Dürre noch nicht beurteilt hat, ist das die schlüssigste Erklärung.

  10. 3.

    "Aktuell weiß überhaupt niemand, ob die aktuelle Rekorddürre "natürlich" ist oder ob der Klimawandel einen gehörigen Anteil daran trägt"

    Außer Dr. Motorrad natürlich.....

  11. 2.

    1904 soll schlimmer gewesen sein? Interviewter Hydrologe: "Wenn Sie zum Beispiel das Niedrigwasser von 1904 googeln würden, dann sehen Sie, dass es noch schlimmer sein kann, als es jetzt schon ist." - Tja, ich habe gegoogelt. 1904 lag der niedrigste Elbpegel (er spricht ja nur von der Elbe) bei Dresden knapp über 50 cm und in Barby bei knapp unter 100 cm.*

    Und 2018? Dresden: 55 cm** und Barby 26 cm*** (!)

    Die Behauptung des Hydrologen stimmt also so pauschal nicht! Das gilt übrigens auch für einige andere Pegel an der Elbe, z.B. Magdeburg! Vielleicht hätte der rbb die Aussage des Herrn Hinz mal prüfen sollen? Oder sich nicht mit "google" abspeisen lassen sollen, sondern konkrete Quellen fordern sollen? Ich finde: ja!

    Quellen (Kurzlinks):
    *tinyurl.com/yb8pjwj9
    **tinyurl.com/j527kzx
    ***tinyurl.com/y98m34kp

  12. 1.

    "Hinz sieht eine natürliche Fluktuation des Wetters" - Also ganz ehrlich: ein Hydrologe ist kein Klimatologe. Aktuell weiß überhaupt niemand, ob die aktuelle Rekorddürre "natürlich" ist oder ob der Klimawandel einen gehörigen Anteil daran trägt. Wie Herr Hinz dazu kommt, einfach mal von "natürlich" zu reden, ohne dass er dies überhaupt wissen kann, ist schon ein Ding. Einzig die sogenannte "Attribution Science", ein völlig neuer Bereich der Klimawissenschaft, könnte die Antwort dazu liefern. Nur wäre mir neu, dass die aktuelle Dürre mit dieser Methode bereits ausgewertet wurde.

    Die Zunahme von extremen Dürren jedenfalls wurde durch Klimaforscher vorhergesagt und auch die aktuelle Dürre passt dazu (Nordatlantik-Anomalie). Dass Herr Hinz sogar "gar kein Regen mehr" recht gleichgültig betrachtet, ist nochmal ein Sahnehäubchen. Die Wasserbewirtschafter können so hervorragend" sein wie sie wollen, wenn kein Wasser nachkommt (Regen), können sie auch nicht mit "nichts" wirtschaften.

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