Die Plakatkampagne "Freiwillige Rückkehr" des Innenministeriums. (Quelle: rbb/Friederike Steinberg/Clara Ehrmann)
Bild: rbb/Friederike Steinberg/Clara Ehrmann

"Returning from Germany" - Berliner Start-ups protestieren gegen Plakat-Kampagne

Auf Plakaten wirbt das Bundesinnenministerium derzeit in mehreren Sprachen für eine  "freiwillige Heimreise" - so ganz allgemein. Die Kampagne stößt vielen sauer auf. Berliner Start-ups haben jetzt eine Protestaktion angekündigt.

Die Berliner Start-up-Szene will mit einer breit angelegten Protestaktion gegen die Plakatkampagne "Return from Germany" vorgehen. Wie der Protestinitiator Yann Leretaille am Montag auf rbb|24-Nachfrage erklärte, soll dafür eine Gegenkampagne unter dem Titel "Berlin unite!" organisiert werden. "Wir fordern alle auf, sich zu beteiligen und für ein weltoffenes Berlin einzutreten", sagt der 29-Jährige, der ein Technologieunternehmen in Reinickendorf leitet.

Das Bundesinnenministerium fordert derzeit Geflüchtete ohne Bleibeperspektive über Plakate auf, in ihre Heimatländer zurückzukehren. "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" steht in großen Lettern auf den Plakaten, die an zahlreichen Werbeflächen im Stadtgebiet hängen. Begleitet wird die Botschaft von weiteren Informationen: "Freiwillige Rückkehr: Bis zum 31.12.2018 bis zu zwölf Monate zusätzlich Wohnkosten sichern." Dieser Text ist auf Deutsch, daneben aber auch auf Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Paschtu oder Farsi zu lesen. Außerdem schlängeln sich die Flaggen von Afghanistan, Russland, Ägypten, Indien, dem Libanon, der Türkei und einigen afrikanischen Ländern über die Plakatwände.

Start-up sucht Unterstützer

"Am Donnerstag haben mich vier Mitarbeiter gefragt, ob sie damit gemeint da sind und ob sie noch in Deutschland bleiben dürfen", sagt Leretaille. Er habe geantwortet, dass sie seiner Meinung nach wohl nicht gemeint seien, "aber so sicher war ich mir nicht". Bis heute wisse er nicht genau, wie er seinen Kollegen eigentlich die Absicht hinter dieser Kampagne erklären solle. In seinem Start-up beschäftige er 40 Mitarbeiter, davon besäßen 33 einen Migrationshintergrund.

"Von vielen werden die Plakate als ein Versuch aufgefasst, Ausländer von der deutschstämmigen Gesellschaft abzuspalten. Das passt nicht zu dem Berlin, für das wir stehen." Ginge es nach Leretaille, sollte Berlin ein europaweites Kreativzentrum sein, offen, ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt.

Aus diesem Grund will er jetzt Protest organisieren. In welcher Form, ist allerdings noch nicht klar. Er sei gerade sei dabei, Unterstützer für die Aktion mit ins Boot zu holen, sagt Leretaille.

Die Plakatkampagne Freiwillige Rückkehr des Innenministeriums. (Quelle: rbb/Steinberg)

"Ich finde das widerlich"

Bereits in den vergangenen Tagen war der Ärger auch anderer Berliner sichtbar geworden: Am U-Bahnhof Neukölln beispielsweise wurden auf einige der Plakate Farbbeutel geworfen, an andere "Refugees welcome!" geschrieben.

Auch Menschen, die gebürtig aus den genannten Ländern stammen, ärgern sich. Eine Passantin sagte dem rbb: "Ich finde das widerlich, fast wie ein Gewinnspiel: Geh' mal wieder nach Hause, kriegst noch 1.000 Euro Weihnachtsgeld drauf und dann auf Wiedersehen."

Die Wut der Menschen über die Aktion entlädt sich auch in den sozialen Medien. So schrieb ein Facebook-Nutzer: "Ist das neue Politik und neue Toleranz? Toll...". Und der linke Satiriker Shahak Shapira kommentierte ein Bild des Plakats schlicht und einfach: "Alter!"

Idee aus den 1970er Jahren

Die Dein-Land-Kampagne soll eigentlich nur Ausreisepflichtige ansprechen. Also Asylbewerber, deren Antrag abgelehnt wurde.

Unterstützung für Rückkehrer gibt es schon seit den 1970er Jahren. 2017 wurde zusätzlich die "Starthilfe Plus" eingeführt. Informieren kann man sich auf der Website der Kampagne "Returning from Germany" [externer Link] oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dort bekommen Rückkehrer kostenlose Beratung und maximal 1.200 Euro für den Start in ihrem Heimatland.

Seit dem 15. September und noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres legt das Bundesinnenministerium 1.000 Euro für die Miete im Heimatland drauf. Grund dafür sind wahrscheinlich die sinkenden Rückkehrer-Zahlen: Waren es im vergangenen Jahr noch rund 29.000, wurden bis Ende Oktober 2018 nur 14.100 rückkehrwillige Flüchtlinge gezählt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

18 Kommentare

  1. 17.

    Wen interessiert was andere wollen!? Ich will auch keine Steuern zahlen. Also zahle ich und manche fliegen...ganz einfach.

  2. 16.

    Wer möchte schon in ein Kriegsgebiet oder eine Diktatur zurückkehren? Das Geld sollte lieber in Sprachkurse und Integrationsprojekte gesteckt werden!

  3. 15.

    Mit dieser sehr öffentlichen Kampagne wird meiner Meinung nach leider ein falsches Signal gesetzt.
    Klar kann man den Menschen sagen: Ihr könnt jederzeit zurück und wir unterstützen euch. Aber wenn man das eigentlich nicht will (Stichwort unbesetzte Ausbildungsplätze, zurückgehende Bevölkerung) wirkt das auf deutsch gesagt 'doof'. Das ist so als wenn du deinen Mitarbeitern Jobangebote weiterleitest obwohl du sie eigentlich brauchst.

    Für mein Unternehmen war die Flüchtlingswelle jedenfalls ein Segen und ich sehe keine Alternative zu einem Deutschland als Einwanderungsland.

  4. 14.

    Wenn nach dem Ende der Krisen vor Ort keiner zurückkehren will, wer soll dann das Land wieder aufbauen? Deutschland kann nicht dauerhaft Menschen aller krisenregionen aufnehmen. Asyl ist immer zeitlich begrenzt.

  5. 12.

    Ich verstehe nicht was an "AusreisePFLICHT" nicht zu verstehen ist. Ich werde auch nicht vom Finanztamt höflich und mit finanziellem Anreiz gebeten meine Angaben zu entrichten. Gut der Vergleich mag hinken aber es geht um eine Pflicht.

  6. 11.

    Eine finanzielle Unterstützung für Rückkehrer wird bereits angeboten. Nur- wer verspätet ausreist, weil es sich nicht schneller organisieren lässt oder bereits ein Abschiebungsverfahren läuft und er um seine Existenz in Deutschland kämpft, der bekommt außer leeren Versprechungen nichts und steht im Herkunftsland ohne Mittel da.
    Das nennt sich dann Gerechtigkeit.

  7. 10.

    Ja also die Mieten in von Krieg, Dürre, Hitze und Krankheiten geplagten afrikanischen Dörfern müssen ja echt teuer sein. Oder in den Slumvierteln erst! Dass Deutschland sich so grosszügig erweist und extra dafür bezahlt Menschen in solchen traumhaften Umgebungen unterzubringen... fantastisch!

    Zerstörung der Lebensgrundlagen durch den von Industrienationen verursachten Klimawandel ist kein zum Asyl berechtigender "Fluchtgrund". Aber keine Angst!

    Deutschland bezahlt ein Jahr lang eine Stroh- oder Wellblechhütte, vielleicht sogar ein Zelt in einem UN-Flüchtlingslager... das ist so was von ehren- und heldenhaft mir kommen die Tränen.

    Wer die Geschichte kennt, weiss dass Europa und Amerika (auch heute noch) wahlweise Diktaturen oder bewaffnete Milizen in Afrika unterstützt, die für das Elend der Menschen dort verantworlich sind, nur um sich die Rohstoffe dort unter den Nagel zu reissen. Das gleiche Spiel wird im Nahen Osten gespielt. Tapfer!

  8. 9.

    Langweilig.

  9. 8.

    Man hat wohl die Bayerische Flagge auf dem Plakat vergessen.

  10. 7.

    Eine begrüßenswerte Aktion vom BMI! Ich wünsche ihr viel Erfolg!
    Anlass für Sachbeschädigungen und Schmierereien bietet sie ganz sicher nicht.

  11. 6.

    Achja...der kleene Yann. Warum baut er nicht in Hannover die Stadt auf die er gerne hätte? Warum nur kommt jeder Dorftr...el nach Berlin und will hier alles verändern. Bleibt doch bitte alle zu hause oder kehrt auf eurer Weide zurürck.

  12. 4.

    Ist doch einfach. Wer keine Perspektive in Deutschland sieht beziehungsweise auch keine zu erwarten hat, wird die Möglichkeit eröffnet das Land zu verlassen um in seine Heimat zurückzukehren. Finanziell ! Ist doch erstmal ein guter Ansatz. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass Mitarbeiter eines Start-Up-Unternehmens sich angesprochen fühlen, obwohl man doch schon bildungsmäßig schon das Gegenteil voraussetzen könnte. So nun mal los.

  13. 3.

    Ich war auch entsetzt als ich das Plakat neulich entdeckte. Und zwar darüber, dass für 12 Monate Geld für eine Wohnung im Heimatland übernommen wird.

  14. 2.

    Ich habe leider diese Plakate auch schon gesehen. Völlig daneben, diese "Aktion" des Innenministers! Es erinnert mich an den Slogan "Ausländer raus". Widerlich, sowas.

  15. 1.

    Gut gedacht-aber schlecht gemacht. Fragt sich nur, warum man Ausreisepflichtigen noch zusätzlich mit Geld animieren muss. Scheint offensichtlich genug davon da zu sein. Dann könnte man ja jetzt auch endlich damit beginnen, die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gehaltsmäßig an das Bundesniveau anzugleichen!

Das könnte Sie auch interessieren

16.09.2018, Berlin: Zwei junge Familien mit Kindern begegenen sich, als sie über eine Straße gehen. Bei der einen Familie schiebt die Mutter den Kinderwagen, bei der anderen der Vater, Foto: Wolfram Steinberg/dpa
dpa/Steinberg

Der Mikrozensus in der Kritik - Die falschen Alleinerziehenden

Wer sein Kind ohne fremde Hilfe erzieht, gilt laut Gesetz als alleinerziehend. Wie viele es davon in Berlin und Brandenburg gibt, lässt sich aber gar nicht so leicht sagen. Denn die Statistik hat Zählschwierigkeiten bei den Alleinerziehenden. Von Johanna Siegemund

Wasserturm (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
rbb/Marcus Behrendt

Adventskalender - 11. Tür: Am Wasser, und dann auch noch ganz oben

In Sachen Hochhäuser rangiert Berlin eher im gemütlichen Mittelfeld. Allerdings fing die Stadt schon in den 1870ern an, hoch zu bauen. Damals entstand auch der Wasserturm auf dem Prenzlauer Berg: 44 Meter hoch und damit ältestes Hochhaus der Stadt.