Umgekippte Flasche (Quelle: dpa/Sülzner)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.11.2018 | DAK-Sprecher Stefan Poetig | Bild: dpa/Sülzner

Jahreszahlen für Berlin und Brandenburg - Hunderte Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus

Trinken bis zur Alkoholvergiftung: In Brandenburg sind im vergangenen Jahr 435 Jungen und Mädchen aus diesem Grund ins Krankenhaus eingeliefert worden. Damit ist diese Zahl erneut gestiegen. In Berlin gab es hingegen weniger Fälle. 

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sich wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandeln lassen mussten, ist im vergangenen Jahr in Brandenburg leicht gestiegen. In Berlin hingegen sank die Zahl, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Bezug auf Daten der Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg berichtet.

80 Komapatienten unter 15 Jahre alt

In Brandenburg wurden demnach im vergangenen Jahr 435 Brandenburger Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert - zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits im Jahr zuvor war die Zahl angestiegen.

80 der jungen Komatrinker und -trinkerinnen waren zwischen zehn und 15 Jahren alt und damit in einem Alter, in dem sie Alkohol noch gar nicht kaufen dürften. Im Jahr zuvor gab es in dieser Altersklasse nur 66 Fälle. Laut der Statistik waren insgesamt 222 Mädchen unter den Rauschtrinkern, also etwas mehr als die Hälfte.

236 Fälle in Berlin

In Berlin lag die Zahl der erfassten Jugendlichen zwischen zehn und 20 Jahren, die auch ihren Wohnsitz in der Hauptstadt hatten, bei 236. 34 Kinder und Jugendliche waren unter 15 Jahren alt - darunter 21 Mädchen.

Während Berliner Mädchen in der Altersgruppe unter 15 also noch in der Mehrzahl sind, kehrt sich das Geschlechterverhältnis unter den Eingelieferten mit zunehmendem Alter um. Ab 15 Jahren überwiegt der Jungs-Anteil bei den Rauschtrinkern.

"Jede Alkoholvergiftung eines Kindes oder Jugendlichen ist eine zu viel", erklärte Volker Röttsches von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Berlin. Insgesamt sei die Entwicklung bei jugendlichen Komasäufern in der Hauptstadt aber seit mehreren Jahren rückläufig - in der Altersgruppe der Unter-20-Jährigen betrage der Rückgang im Vergleich zu 2016 rund neun Prozent.

Noch nicht in der Statistik für 2017 enthalten sind allerdings etwaige Fälle von Kindern und Jugendlichen, die in anderen Bundesländern über die Stränge schlugen, zum Beispiel auf Klassenfahrten. Diese Zahlen lägen noch nicht vor, sagte Stefan Poetig, Pressesprecher der DEK. Im Jahr 2016 wurden bundesweit insgesamt 503 Kinder und Jugendliche aus Brandenburg mit Alkoholvergiftung gezählt (davon 427 Fälle in Brandenburg selbst). 300 Kinder aus Berlin wurden bundesweit registriert (258 in Berlin).

Forderung nach mehr Kontrollen

Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der brandenburgischen Landesstelle für Suchthilfe, forderte, die Einhaltung des Jugendschutzes regelmäßig zu überprüfen. "Wir wissen, dass auch Minderjährigen trotz entsprechender Jugendschutzmaßnahmen an Tankstellen und in Kiosken Alkohol ausgehändigt wird", kritisierte Hardeling. Zudem vermittelten positive Werbebotschaften ein falsches Bild vom Alkoholkonsum.

Ein durch die Polizei publik gewordener Fall vom Sommer 2017 zeigte, dass wohl auch Verstöße beim Alkoholverkauf Komasaufen ermöglichen: Nachdem eine 13-Jährige beim Wodka-Trinken nahe dem Alexanderplatz bewusstlos geworden war, gaben ihre zwei gleichaltrigen Freundinnen an, sie hätten die Flasche in einem Spätkauf unter Angabe ihres wahren Alters gekauft. Die beiden Mädchen konnten sich laut Polizei selbst kaum mehr auf den Beinen halten, ihre nicht mehr ansprechbare Freundin kam auf eine Intensivstation. Gegen den Spätkauf sollte ermittelt werden.

Sendung: Radioeins, 19.11.2018, 07.30 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    wäre schon mal ein Anfang, wenn die Läden, die das Zeug an Minderjährige verkaufen, die Lizenz zum Verkauf von Alkoholika entzogen werden würde.

  2. 5.

    @Eisenbahner (Nr. 3): Mit meiner Frage wollte ich indirekt darauf hinweisen oder einen Denkanstoß darüber liefern, dass durch die - gesellschaftlich etablierte - Droge Alkohol mehr Menschen umkommen, als durch Cannabis. Deshalb ärgert es mich umso mehr, wenn um das Thema "Cannabis-Freigabe" so ein riesiger Bohei geacht wird. Ich selbst konsumiere Alkohol höchst selten und Cannabis gar nicht. Aber diese Themen ziehen sich nunmal durch die Medien und dadurch beschäftigt man sich damit. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es mit sogenannten "Kiffern" im Allgemeinen weniger Probleme gibt, als mit Betrunkenen. Ein Beispiel nur: Wochenende in Berlin - Jugend, Suff und Schlägereien.

  3. 4.

    Wollte ich auch grad sagen. ;) Ich hab solche Teenies sogar im Bekanntenkreis, die haben sich selbst einliefern lassen, und kenne allein schon 4 insgesamt. Da muss mittlerweile eine ganze Menge zusammenkommen.

  4. 2.

    Gute Frage. Doch gehe ich noch einen Schritt weiter, wieviele Crack Süchtige gibt es bereits in Brandenburg? Soll ja gerade in den östl. grenznahen Regionen sehr verbreitet sein.

  5. 1.

    Wie sehen oder sähen denn die Zahlen zu Cannabis-Opfern aus?

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