Eine Ecstasy-Pille liegt auf einer Hand (Quelle: dpa/Henning Kaiser)
Audio: radioBerlin 88,8 | 01.11.2018 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Henning Kaiser

Drug-Checking - Vorbereitungen für Drogentest-Projekt laufen in Berlin an

Nach jahrelangen Überlegungen will Berlin Testmöglichkeiten für Drogen wie Ecstasy-Pillen schaffen. Ein Modellprojekt zum sogenannten Drug-Checking starte am Donnerstag, teilte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, das allerdings vorerst noch keine Substanzen testet.

Wie ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit dem rbb am Donnerstag sagte, werde zunächst die rechtliche Situation geprüft. Deshalb stünden auch die genauen Abläufe des Projekts noch nicht fest. Klar sei aber, dass die Substanzen von den Testern nicht auf dem Drogenmarkt gekauft werden, da der Handel mit Betäubungsmitteln strafbar ist.

Drug-Checking bedeutet, dass Konsumenten bei einer offiziellen Stelle etwa Pillen vom Schwarzmarkt chemisch auf die Inhaltsstoffe und Dosierung der Drogen untersuchen
lassen können.

Es geht laut der Senatsverwaltung für Gesundheit dabei darum, möglichst genaue und umfassende Informationen über die Inhaltsstoffe und deren Dosierungen zu erhalten und die Ergebnisse publik zu machen so dass unter Umständen die Konsumenten über mögliche Gefahren gewarnt werden können.

Berlin benötigt Ausnahmegenehmigung

Für das Projekt stehen 30.000 Euro in diesem und 120.000 Euro im kommenden Jahr bereit. Den Zuschlag haben laut Angaben der Senatsverwaltung Organisationen der Berliner Drogen- und Suchthilfe erhalten. Zunächst sollen diese ein Gutachten zur rechtlichen Machbarkeit des Angebots einholen. Wegen der Rechtslage in Deutschland benötigt Berlin für das Testangebot eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte.

Selbst im Falle eines Erfolges ist allerdings noch völlig offen, wann und wie Drogen in Berlin getestet werden könnten. So sieht der Antrag der Träger weitere Schritte vor: Unter anderem sollen Personal eingestellt sowie Ausstattungs- und Laborressourcen geschaffen werden. Geplant ist eine Internetseite, auf der Ergebnisse veröffentlicht werden sollen. Aufgabe der Träger ist es demnach auch, das Projekt bekannt zu machen und Beratungssprechstunden anzubieten.

FDP kritisiert Drug-Checking

Die rot-rot-grüne Landesregierung hatte im Koalitionsvertrag angekündigt, Maßnahmen zur
"Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum" stärken zu wollen. Drug-Checking wurde dabei als ein Baustein genannt.

Befürworter versprechen sich vom Drug-Checking neben öffentlichen Warnungen zum Beispiel vor gefährlichen Pillen auch einen besseren Zugang zu Konsumenten, um sie über Risiken aufklären zu können. Manche hoffen zudem, dass die Hersteller wegen der Kontrollen stärker auf sichere Produkte achten.

Die Berliner FDP ist der Ansicht, dass Drug-Checking den Handel und die Verbreitung von Drogen nicht verhindert. Vielmehr kümmere sich der Senat zu wenig um Suchtmittelprävention und Aufklärung, teilte der gesundheitspolitische Sprecher Florian Kluckert mit. "Es werden Unsummen von Geldern für Rechtsgutachten und Machbarkeitsstudien zur Cannabisfreigabe verschleudert, statt die Mittel für eine vernünftige Drogenprävention und Suchtmittelbekämpfung einzusetzen."

Drug-Checking bereits in mehreren Ländern

In anderen Ländern wie der Schweiz gibt es Drug-Checking schon seit Jahren. Dort geht beispielsweise ein Team aus Labortechnikern und Sozialarbeitern in Clubs und untersucht vor Ort die Drogen. Ein Test dauert etwa 20 Minuten. In dieser Zeit werden strukturierte Beratungsgespräche mit den Konsumenten geführt. Außerdem wird online vor hoch dosierten Pillen gewarnt. Eine Befragung im Auftrag des Senats zeigte, dass Partygänger in Berlin verbreitet Drogen wie Cannabis, Amphetamine und Ecstasy nehmen.

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung in Berlin 168 Menschen durch illegale Rauschgifte gestorben. Die Mehrzahl der Drogentoten sind in Berlin Männer. Das Durchschnittsalter lag um die 40 Jahre. Am häufigsten wurde bei den Rauschgiftopfern Heroin nachgewiesen, aber auch Kokain, Amphetamine und andere Arzneimittel.

Sendung: Radioeins, 01.11.2018, 08:30 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Was für die chemischen Drugs gilt, soll auch für Cannabis gelten. Wenn schon denn schon. Zum Beispiel sollte Cannabisanbau vom Staat überwacht werden. In anderen Ländern geht das auch. Illegaler Verkauf würde eingestellt. Mit den Pillen könnte ebenso verfahren werden. Apothekenvergabe. Präventionsmaßnahmen sind aber grundsätzlich an erster Stelle zu stellen. Der erste Übeltäter ist auch schon ausgemacht: die Pharmaindustrie. Mehr muß ich wohl nicht anfügen.

  2. 1.

    Stimmt leider "Vielmehr kümmere sich der Senat zu wenig um Suchtmittelprävention und Aufklärung" Besonders bezüglich Tabak und Alkohol!!! Selbst in stadteigenen Betrieben wie der BVG werden Verbote des Konsums zum Nachteil anderer ÖPNV Nutzer*innen (insbesondere von Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Atemwegserkrankungen) nicht durchgesetzt. In den Bahnhöfen könnte auch ein Verbot des Verkaufs von Tabak un Alkohol helfen, die oft direkt neben Süßigkeiten angeboten werden. Prävention ist in noch viel mehr Bereichen des öffentlichen Lebens möglich. Gleichzeitig kann Drugchecking ein recht spät ansetzender Teil davon sein, wenn nicht nur Suchtkranke sondern eine breitere "angefixte" Öffentlichkeit erreicht wird; wie erfolgreich in der Schweiz.

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