Vater und sohn machen ein Selfie (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 27.11.2018 | Markus Woller | Bild: PhotoAlto

Kinderbilder im Internet - Guck mal: Der kleine Oskar beim Schlafen, Spielen und im Urlaub

Von unserem achtjährigen Sohn Ben gibt es keine Bilder im Internet. Darauf achten wir Eltern. Und er selbst. Bei seinem Freund Oskar ist das anders: Die Freunde von Oskars Mutter können ihn und seine Schwestern sehen - in allen Lebenslagen. Von Sabine Krüger

"Das stellst Du aber nicht ins Internet!", ruft mein Sohn Ben* inzwischen bei jedem Foto, das ich von ihm mache. Und das, obwohl er genau weiß, dass wir - ich und sein Vater - kein einziges Foto je von ihm online stellen würden. Wenn ich dann versichere, dass ich - natürlich - keine Fotos von ihm ins Netz stellen werde und ihn frage, ob ich das Bild von ihm denn per Whatsapp an Oma schicken könne, wägt er oft ab: "Nein, dieses nicht, nimm das andere, wo ich Quatsch mache mit dem Lichtschwert". Mein Sohn ist acht Jahre alt und es ist ihm extrem wichtig, was mit seinen Bildern passiert.

Als Ben klein war, wurde er von Fremden fotografiert

Es handelt sich dabei aber nicht um einen angeborenen Reflex. Schon seitdem er klein ist, weiß er, dass er sich nicht einfach von Fremden fotografieren lassen soll. Denn das war in seinem Fall schon früh passiert - vermutlich durch seine auffälligen lockigen Haare. Damals haben wir als Eltern uns ganz schön aufgeregt, mit den entsprechenden Leuten geredet und darauf bestanden, dass Filme oder Bilder unseres Sohnes gelöscht werden. Ben haben wir damals ans Herz gelegt, dass er uns oder einem anderen Erwachsenen seines Vertrauens unbedingt Bescheid sagen soll, wenn er merkt, dass jemand Fotos von ihm macht.

Das führt jetzt unter Umständen für uns Eltern zu etwas absurden Situationen. Kürzlich fuhr unser Kind Skatebord auf einer Anlage. Natürlich war er dort nicht alleine unterwegs. Ich saß lesend am Rand, als er bestürzt ankam und auf eine Frau zeigte, ganz offenkundig eine andere Mutter. "Die Frau da hat mich gefilmt", beklagte sich Ben.

Die Frau, die ihrem Kind gerade zeigte, wie es die Rampe besser herunterfahren könnte, sah für mich eigentlich nicht aus, wie jemand, die Videos von fremden Kindern anfertigt. Wobei: Wie sieht so jemand eigentlich aus? Ich sagte meinem Sohn, sie habe vermutlich ihr eigenes Kind gefilmt und er sei nur "Beiwerk" im Hintergrund gewesen. Ben war sich aber sicher, dass nur er gefilmt worden war. Da sprach ich die Frau freundlich an und fragte sie. Sie war ganz überrascht und erstaunt - versicherte aber, nur ihr Kind gefilmt zu haben. Die Frau entschuldigte sich bei meinem Sohn, dass der Eindruck entstanden sei, sie hätte ihn im Fokus gehabt. Zu mir sagte sie: "Das finde ich ja gut, dass ihr Kind da so sensibel ist."

"Mein Kind" gehört sich selbst

Ich finde das prinzipiell auch gut. Denn meiner Meinung nach haben die Bilder von Kindern im Netz nichts zu suchen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Der eine ist der, dass ich finde, ein Kind sollte, wenn es dafür die nötige Reife besitzt, selbst entscheiden können, wie es im Internet dasteht. Der andere Grund ist, das Ben zwar "mein Kind" ist, sich aber schlussendlich aber selbst gehört. Das gilt in meinen Augen auch für seine Daten.

Doch natürlich sind wir als Eltern eines Kindes im Grundschulalter im Alltag oft diejenigen, die (beispielsweise vor einer Schulfahrt) dann durchaus über seinen Kopf hinweg entscheiden, ob er überhaupt fotografiert werden darf (ja, darf er) und ob die Bilder auf die Schulhomepage dürfen (ja, dürfen sie, aber bitte ohne Namensnennung). Wenn aber der Schulfotograf anfragt, ob er die Bilder selbst weiter nutzen darf, entscheiden wir uns dagegen - egal, was unser Sohn will. Denn so verlören wir ja tatsächlich die Kontrolle darüber, wo unser Kind mit seinem Konterfei auftaucht.

Oskar und seine Schwestern in allen Lebenslagen

Andere Eltern sehen das definitiv anders. Oft viel lockerer. Auf Facebook erfahre ich viel über Oskar*. Oskar war mit meinem Sohn im Kindergarten, danach haben sich ihre Wege getrennt. Oskar hat kürzlich mehrere Medaillen beim Judo gewonnen, spielt ziemlich süß mit seiner kleinen Schwester Lego und hat vor einem dreiviertel Jahr noch eine weitere kleine Schwester bekommen. Auch sie ist sehr niedlich und ebenfalls – so wie die beiden anderen Kinder - strohblond. Die Bilder können selbstverständlich nicht alle im Netz sehen, sondern nur die, die mit Oskars Mutter "befreundet" sind. "Und von denen auch nicht alle'", sagt Oskars Mutter Natalie mir auf Nachfrage. Von den etwa 400 Menschen, mit denen sie auf dieser Plattform verbunden sei, hätten viele auch nur den Status "Bekannte". Was sie verpassen: Oskar und seine Geschwister in vielen Lebenslagen. Halbnackig im Urlaub, verschlafen am Frühstückstisch, beim Geschenke auspacken am Geburtstag. Und so weiter.

Natalie, seine Mutter, findet, dass das kein Problem ist. Was sie bislang zwar ausblende, sagt sie, sei die Gefahr, dass es Sicherheitslücken geben und die Fotos der Kleinen doch in die Öffentlichkeit gelangen könnten. Aber sie stellt die Bilder ihrer Kinder trotzdem ein. Denn schließlich würde sie die Bilder auch jedem dieser Menschen persönlich zeigen. Noch, erzählt sie, wüssten die Kinder nicht, dass sie im Internet zu sehen sind. "Dafür sind sie zu klein".  

Am Dienstagvormittag hat das Deutsche Kinderhilfswerk in Berlin die Studie "Kinder. Bilder. Rechte. Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie" vorgestellt. Die Studie geht der Frage nach, wie es um die Kinderrechte, den Datenschutz, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das Recht auf Schutz der Privatsphäre und das Recht auf Mitbestimmung der Kinder bei der Nutzung (mobiler) Medien und sozialer Netzwerke zwischen Familienmitgliedern und außerhalb der Familie bestellt ist.

* Die Namen der Kinder und der Mutter von Oskar wurden von der Redaktion geändert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.11.2018, 16:10 Uhr

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Beitrag von Sabine Krüger

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Viele Sorgeberechtigten machen sich zu wenig Gedanken darüber, was Sie da treiben. Alles wird, muß heutzutage ab ins Internet gestellt, verbreitet werden. Ach ja, man nennt das ja Liken.

  2. 1.

    Quellen etc. sind doch hier in anderen Fällen auch verlinkt, es wundert mich daher, warum diesmal nicht - hier der Link zur Studie:
    https://www.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/6_Medienkompetenz/6.13._Studie_Kinder_Bilder_Rechte/DKHW_Schriftenreihe_4_KinderBilderRechte.pdf

    Persönlich sehe ich bei dem Thema keinen Grund, den Datenschutz und damit verfassungsgegebene Persönlichkeitsrechte nicht genauso streng zu schützen wie in anderen Kontexten. In einer medientechnologisch immer stärker geprägten Welt sollte (Weiter)Bildung von Medienkompetenz auch entsprechendes Gewicht haben. Letztendlich lässt sich sagen, dass mit der Gefährdung der Rechtsgütern eines Kindes entsprechend dessen Kindeswohl gefährdet wird. Kinder sind keine Objekte, diesen einfachen Grundsatz lassen manche Sorgeberechtigten allerdings vermissen.

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