Ein Obdachloser liegt bei Schneefall in einem Schlafsack in der Nacht in Berlin-Treptow.
Bild: imago stock&people

Mobile Klos und Sozialarbeiter fehlen - Einrichtung der Kältebahnhöfe für Obdachlose verzögert sich

Seit Wochen streiten BVG und Senat um die Einrichtung von U-Bahnhöfen als Nachtquartier für Obdachlose. Mehrere Anläufe scheiterten, nun sind die Bahnhöfe Moritzplatz und Lichtenberg im Gespräch. Doch die können noch nicht geöffnet werden - trotz Schneefalls.

Die Einrichtung von zwei Kältebahnhöfen für Obdachlose in Berlin verzögert sich. Das bestätigte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales auf Nachfrage von rbb|24. Demnach ist es bisher noch nicht gelungen, mobile Toiletten und Sozialarbeiter für die U-Bahnhöfe Lichtenberg und Moritzplatz zu organisieren.

Die beiden Standorte waren am Dienstag nach langem Streit von der BVG als Nachtquartiere für Obdachlose angeboten worden, die Öffnung der Bahnhöfe könne schon Mittwochnacht erfolgen - unter der Voraussetzung, dass der Senat bei der Versorgung und Betreuung der Menschen hilft, hieß es.

BVG fühlt sich im Stich gelassen

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran", sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales am Mittwochabend rbb|24. Allerdings sei noch unklar, wie schnell die nötige Infrastruktur an beiden Bahnhöfen geschaffen werden kann. Das Angebot der BVG sei "sehr kurzfristig" gemacht worden.

"Es war klar, dass am Ende wieder alles an uns hängen bleibt", hatte hingegen BVG-Sprecherin Petra Reetz am Dienstag erklärt. Zuvor war eine Zusammenarbeit zwischen Verkehrsberieben und Senat bei der Bereitstellung von Kältebahnhöfen gescheitert: Es seien einfach keinen geeigneten Standorte gefunden worden, hieß es vom Senat. "Der Senat hat keine Regelung gefunden", sagte dagegen BVG-Sprecherin Reetz. "Ich kann Ihnen ganz offen sagen, dass wir darüber enttäuscht sind." Zuvor hatte die BVG Schlafplätze in der Nähe der Gleise aus Sicherheitsgründen untersagt. Die Suche nach nicht genutzten Räumlichkeiten in den U-Bahnhöfen blieb dann zunächst erfolglos.

In Berlin fällt der erste Schnee

Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte dann aber am Dienstag den Druck auf das landeseigene Unternehmen erhöht. Der Landesbetrieb müsse seine soziale Verantwortung für die Stadt wahrnehmen, deswegen sollte das Unternehmen wieder Kältebahnhöfe für Obdachlose zur Verfügung stellen. "Wir sehen die BVG in der Pflicht", so Breitenbach.

Daraufhin bot die BVG zunächst einen nicht genutzten Fußgängertunnel im U-Bahnhof Alexanderplatz an - was aus Sicherheitsgründen aber verworfen wurde. Es folgte schließlich das Angebot für die U-Bahnhöfe Moritzplatz und Lichtenberg. Die muss nun der Senat prüfen. Wie schnell das geht, könnte die Senatsverwaltung für Soziales allerdings nicht sagen.

In Berlin fiel am Mittwochabend in einigen Stadtteilen derweil der erste Schnee, die Temperaturen in der Nacht zum Donnerstag sollen um zwei Grad liegen.

Sendung: radioBerlin 88,8, 21.11.2018, 10:30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 4.

    "Auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die Aufsichtsratsvorsitzende der BVG ist, betonte: "Wir brauchen ein vernünftiges Gesamthilfesystem, die U-Bahnhöfe können nicht als Kältehilfe des Landes gesehen werden, sondern nur als allerletzter Notbehelf. Hierfür muss die Sozialverwaltung die notwendigen Kapazitäten bereitstellen, wie Sicherheitspersonal, damit keiner zu Schaden kommt.""

    Stand im vorherigen Bericht des rbb

  2. 3.

    "Ihr Völker dieser Erde, schaut auf das Elend dieser Stadt!" - Bei Ernst Reuter gäbe so etwas nicht.

  3. 2.

    Für den Vorstand einer AöR (wie die BVG eine ist) spielt die Sichtweise einer Senatorin Breitenbach nun einmal keine Rolle, denn sie ist nicht weisungsbefugt dem Vorstand gegenüber; sie ist kein Mitglied der Gewährträgerversammlung des Landes Berlin. Hier würde ich von den verantwortlichen Senatoren Kollatz-Ahnen, Pop und Günther mal ein Beipflichten zu den BVG Vorständen erwarten, denn diese müssen auch im SInne der Gewährträgerversammlung alle Massnahmen ergreifen, dass keine Unfälle oder betriebsgefährdenden Aktivitäten in Betriebsgebäuden stattfinden. Das ist ja wohl lächerlich, was da auf Senatsebene passiert. Wo bleibt die politische Rückendeckung für die Vorstände der BVG? Dass diese auf vielen anderen Gebieten einen schlechten Job machen, steht auf einem anderen Blatt.

  4. 1.

    "Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte dann aber am Dienstag den Druck auf das landeseigene Unternehmen erhöht. Der Landesbetrieb müsse seine soziale Verantwortung für die Stadt wahrnehmen, deswegen sollte das Unternehmen wieder Kältebahnhöfe für Obdachlose zur Verfügung stellen. "Wir sehen die BVG in der Pflicht", so Breitenbach." Unglaublich wie die Sozialverwaltung die Verantwortung an ein Verkehrsunternehmen abwälzt. Demnächst soll die BVG noch geheizte Waggons hinstellen oder wie? Warum öffnet die Sozialverwaltung nicht nachts ihre Dienstgebäude?

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