Roter amerikanischen Sumpfkrebs krabbelt in Berlin durch den Tiergarten (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa-Zentralbild

38.000 Exemplare gefangen - Rote Sumpfkrebse erobern Berlins Gewässer

Die Roten Amerikanischen Sumpfkrebse haben sich in Berlins Gewässern kräftig vermehrt: Knapp vierzigtausend Sumpfkrebse wurden hier gefangen, so die aktuelle Bilanz. Bei den Probefischungen sind auch in den Berliner Flüssen einige Exemplare aufgetaucht.

Rote Amerikanische Sumpfkrebse haben sich in Berlin noch breiter gemacht als bislang angenommen. 38.000 Exemplare hat ein Fischer in den vergangenen Monaten allein aus Gewässern in zwei Parks gezogen, sagte Derk Ehlert von der Berliner Umweltverwaltung. Darüber hinaus zeigten Probefischungen, dass die essbaren Tiere auch in der Stadtspree und der Unterhavel vorkommen.

Im Vergleich zum massenhaften Auftreten im Tiergarten und im Britzer Garten handele es sich aber in den Flussläufen bislang nur um "Einzelfunde", sagte Ehlert. Vermutlich kämen sie auch in der Panke vor, erwiesen sei das aber noch nicht.

Da die invasiven Sumpfkrebse flache, stehende Gewässer als Lebensraum bevorzugten, nimmt Ehlert an, dass sie die Flüsse eher zum Wandern nutzten.  Naturschützer hatten bereits nach einer ersten Fangaktion im Sommer 2017 mit einer unerwartet großen Ausbeute von 4.000 Stück im
Tiergarten vor einer Ausbreitung der Vielfraße in andere Gewässer gewarnt.
Gefordert wurde ein Monitoring weiterer Seen, Teiche und Flüsse, da die Krustentiere auch im Tiergarten und im Britzer Garten lange unbemerkt geblieben waren. Ehlert geht davon aus, dass sich in Berlin mehrere Populationen gebildet haben.

Aus dem Park frisch auf den Tisch

Im Mai hatte ein Fischer eine Erlaubnis zum Fang und zur Vermarktung der Park-Krebse an Handel und Gastronomie erhalten. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass die Tiere nicht schadstoffbelastet und bedenkenlos gegessen werden können. Sie werden nun als regionale Delikatesse verkauft - als "Berlin Lobster" (Berliner Hummer) zum Beispiel. Die ersten großen Fänge von 2017 waren noch vernichtet worden.

Fischer sollen Ausbreitung eindämmen

Offiziell geht die Fangsaison laut Umweltverwaltung noch bis Ende November, es gingen aber bereits kaum mehr Tiere in die Reusen. Nächstes Jahr sollen Fischer weiter die Ausbreitung in den Parkseen eindämmen. Ehlert zufolge sei ein Interessenbekundungsverfahren geplant, also eine Art Erhebung des kommerziellen Interesses für den Fang und die Vermarktung der Tiere. In diesem Jahr waren die Fangmengen gleichmäßig verteilt: rund 19.000 Stück im Tiergarten und 19.000 im Britzer Garten. An Spree und Unterhavel dürften ohnehin bereits Berufsfischer die Sumpfkrebse herausholen, sagte Ehlert.

Krebse haben kaum Fressfeinde

Beheimatet sind die Sumpfkrebse (Procambarus clarkii oder auch Louisiana-Flusskrebs) eigentlich im Süden der Vereinigten Staaten und Nordmexiko. Die Exoten in der Berliner Natur sind vermutlich Nachkommen von Artgenossen, die in Aquarien gehalten und ausgesetzt wurden. Die Krebse haben kaum Fressfeinde und können sich schnell vermehren. Sie werden als Gefahr für heimische Arten und Ökosysteme gesehen, die Ausbreitung in der EU soll deshalb eingedämmt werden.

Sendung: Inforadio, 25.11.2018., 11:00 Uhr  

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    " Berliner Sumpfkrebse kommen auf den Teller " dann kämen die alten Zeiten der Oderbruchkrebse zurück ? seiner zeit ( 17-18 Jht ) war das dort eine regelrechte Plage und durfte dem zu atzenden Gesinde nur 3x wöchentlich angeboten werden.

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