Innenaufnahme in einem Schlachthof in Brandenburg (Quelle: Animal Rights Watch)
Video: Brandenburg Aktuell | 08.11.2018 | Friedrich Herkt | Bild: Animal Rights Watch

Vorwurf der Tierquälerei in Brandenburg - Rinder in Bio-Schlachthof offenbar nicht fachgerecht betäubt

Für Biofleisch zahlt mancher gern mehr, weil die Tiere artgerecht gehalten werden. Doch nun prangern Tierschützer unnötige Grausamkeiten auf einem öko-zertifizierten Schlachthof in Brandenburg an. Der Betreiber hat das Schlachten erst einmal eingestellt.

Im Schlachtbetrieb der Hakenberger Fleisch GmbH im Kreis Ostprignitz-Ruppin ist es offenbar zu schweren Verstößen gegen den Tierschutz gekommen. Das zeigen Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (ARIWA), die dem rbb exklusiv vorliegen.

Offenbar keine fachgerechte Betäubung

ARIWA wirft den Betreibern vor, dass auf dem Schlachthof Rinder geschlachtet wurden, die noch nicht fachgerecht betäubt waren. Auf den Aufnahmen, die an unterschiedlichen Tagen erstellt wurden, ist zu sehen, wie Beschäftigte des Unternehmens mehrfach erfolglos versuchen, Rinder mit einem Bolzenschussgerät zu betäuben. Die Rinder zeigten dennoch weiterhin Reaktionen. Offensichtlich wurde die Betäubung nicht fachmännisch durchgeführt. Außerdem bluten Tiere nicht schnell genug aus, weil die Mitarbeiter falsche Schnitte ansetzen.

Darüber hinaus zeigen die Bilder, wie die Rinder vor der Schlachtung von einem Arbeiter getreten und mit einem Stock geschlagen werden. Auch Elektroschocker zum Treiben seien vorschriftswidrig gegen den Kopf eingesetzt worden.

Geschäftsführer stellt Schlachtbetrieb vorläufig ein

Die für die Kontrollen zuständige Amtsveterinärin des Kreises, Simone Heiland, zeigte sich beim Anblick der Aufnahmen schockiert und kündigte eine umgehende strafrechtliche Prüfung gegen einzelne Mitarbeiter an.

Der Geschäftsführer der Hakenberger Fleisch GmbH, Jens Winter, bestätigte, dass die Aufnahmen Vorgänge in seinem Unternehmen abbilden. Gegenüber dem rbb bezeichnete er das Vorgehen seiner Beschäftigten als "nicht akzeptabel". Ein Mitarbeiter dürfe inzwischen den Hof nicht mehr betreten, ein anderer nicht mehr schlachten, so Winter. Der Schlachtbetrieb sei vorläufig eingestellt worden.

Im März durchsuchten LKA-Beamte den Betrieb wegen Korruptionsverdachts

Es ist nicht das erste Mal, dass der Betrieb in die Kritik gerät. Im März hatte die für Korruption zuständige Staatsanwaltschaft Neuruppin laut einem Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung durch LKA-Beamte eine Razzia in dem Betrieb durchführen lassen. Die Vorwürfe: Der Geschäftsführer Jens Winter soll den damals zuständigen Amtsveterinär regelmäßig zum Essen eingeladen und ihm in ein Darlehen in vierstelligen Höhe gewährt haben.

Der Geschäftsführer hatte die Vorwürfe der Korruption damals vehement zurück gewiesen.

Tierschützer fordern Schließung des Schlachthofes

Die Hakenberger Fleisch GmbH wirbt auf ihrer Website damit, dass sie Bio-zertifiziert sei. Man nehme die "Verantwortung für eine ruhige Entladung und eine stressarme Schlachtung" ernst und garantiere eine "fachgerechte Schlachtung". Das auf der Homepage verlinkte Kontrollzertifikat (Link als PDF) des Bio-Zertifizierers "Grünstempel" ist allerdings am 31.12.2017 abgelaufen.

Der Leiter der Kontrollstelle Torsten Jannsen sagte dem rbb dazu auf Nachfrage, dass es sich lediglich um ein Schmuck-Zertifikat handele. Die offizielle Bescheinigung für den Betrieb hat eine Gültigkeit bis zum 31.12.2018 (Link als PDF). Ob es bei Kontrollen durch Grünstempel in dem Betrieb Beanstandungen gab, wollte Jannsen nicht beantworten.  

ARIWA verlangt die Schließung des Schlachthofes. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz verurteilte die Praktiken. Sie fordert bundesweit Videoaufnahmen in Schlachtbetrieben, um Verstöße besser ahnden zu können.

Grüne fordern regelmäßige unangekündigte Kontrollen

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der Grünenfraktion im Brandenburger Landtag Benjamin Raschke teilte als Reaktion auf die rbb-Recherchen mit: "Bei den von Animal Rights Watch gemachten Aufnahmen handelt es sich um schreckliche Bilder von unhaltbaren Bedingungen in dem Schlachtbetrieb."

Zu klären sei jetzt, ob die zuständigen Behörden ihre Aufsichtspflichten hinreichend erfüllt haben. "Die Missstände verdeutlichen, dass grundsätzlich häufige und unangekündigte Kontrollen in den Schlachtbetrieben erforderlich sind."

Sendung: Inforadio, 08.11.2018

Kommentar

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102 Kommentare

  1. 102.

    Wie bitte? Wann begreift es endlich auch der Letzte, dass Vegetarismus f. Umwelt, Hungersnot, noch Grausamkeit an Tieren ABSOLUT KEINE Lösung darstellt! GANZ im Gegenteil, denn die Verbrechen an Tieren, Menschen (Hungern/Verhungern-> Nahrungsentzug-> Futtermittel f. Tiere) u. Umwelt (KATASTROPHAL für Klima [Co2/CH4], Regenwälder, Grundwässer) beginnen in der Säuglingsnahrungsindustrie (Milch/Milchprodukte-> ständige Vergewaltigung nichtmenschlicher Kinder [Kuh], Kindes-/Säuglingsraub- u. Mord [Kalb]) und enden finale in der Leichenteileindustrie (s. g. Fleisch)! Deren Auftraggeber: Vegetarier (und Omnivore)! KEINE Auftraggeber aller Verbrechen der Tierqualindustrien (Fleisch/Milch/Eier/Fisch, Leder/Pelz...), sind AUSSCHLIEßLICH Veganer!

    Stichwörter: "Cowspiracy", "Fleisch Milch Oxford", "Philip Wollen", "What The Health", "Earthlings", "Land of Hope and Glory - Earthlings ED", "Hope for All", "Dominion 2018", “Liebe Update 2015 (da insbesondere ab Min. 35) u. 2018 - Hagen Rether“

  2. 101.

    Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, würden alle Menschen vegetarisch leben.

    Wer immer unseren Planeten retten will, braucht nur mit dem Fleischessen aufzuhören. Das ist die allerwichtigste Maßnahme, die man dafür treffen kann. Es ist umwerfend, wenn man darüber nachdenkt: Der Vegetarismus stellt für so vieles eine sofortige Lösung dar: Umwelt, Hungersnot, Grausamkeit.

    Sir Paul McCartney

  3. 100.

    Der 100. Kommentar. Juhu. Und es kommen immer noch Infos, die einen weiterbringen. Die Definition des Gutmenschen. Danke dafür.

  4. 99.

    Vielen Dank für die ausführlichen und WICHTIGEN Informationen! :-)

    "Soll eine Kritik an ausgrenzenden Diskursen und Praktiken mundtot gemacht werden" So ist es!!!

    http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=49

    https://www.mittelbayerische.de/panorama-nachrichten/unwort-gutmensch-erinnert-an-ns-zeit-21934-art1328681.html

  5. 98.

    Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) hat sich 2011 mit dem Begriff "Gutmensch" auseinandergesetzt. Es widersprach der Behauptung, das Wort Gutmensch sei im nationalsozialistischen Sprachgebrauch verwendet worden. Das Fazit: "Mit der Kritik an `Gutmenschen` und ‚political correctness’ soll eine Kritik an ausgrenzenden Diskursen und Praktiken mundtot gemacht werden, in dem deren Verfechterinnen zu Feinden der Nation stilisiert werden. Der offenbar zur kritischen Selbstreflexion eingeführte Begriff des `Gutmenschen` kann heute allein als eine diffamierende Fremdzuschreibung durch die politische Rechte bezeichnet werden, der darauf abzielt, demokratische und emanzipative Bestrebungen abzuwerten und zu verspotten." https://www.diss-duisburg.de/2011/11/das-stigma-gutmensch/

  6. 97.

    Ich meine, Goethe hat dieses Wort "Gutmensch" geschaffen und erstmalig in seinen Balladen verwandt.
    Nietzsche begründete darauf eine Psychologische Abhandlung. Dann von den Nazis gebraucht.
    1968 tauchte der Begriff im studentischen Umfeld wieder auf und hielt sich, mehr oder weniger, bis heute.
    Den Begriff "Gutmensch" ausschließlich den Nazis zuzuschreiben, ist einfältig und den Verwender dieses Wortes als Nazi zu diffamieren geradezu dumm. Eher lässt das Verweise auf Ihre Gesinnung zu.
    Das ist ja Mal eine unbequeme Wahrheit.

  7. 96.

    Ein saftigen Steak steht bei mir immer vor einem nach Tapetenkleister schmeckenden Stück Tofu oder einer veganen "Wurst".
    Die Bilder sind nicht schön, aber morgen schon vergessen, wenn man ein Wurstbrot isst.
    Wer aber die Bilder nicht aus dem Kopf bekommt und plötzlich sein Gewissen entdeckt hat, kann ja die angerührte Sojapampe essen, die sich dann "Wurst" nennt.

  8. 95.

    Dann vorzugsweise ein Gutmensch, auch wenn Ihr perfides Gedankengut ausschließlich ein Ziel verfolgt: Verachtung, Verunglimpfung, Häme, Diffamierung... als ein Schlechtmensch! Somit kann Ihr intellektuell defizitäres Geschreibsel ohne Weiteres als ein Eigentor durchgehen! Info „gut“ steht i. d. R. für etwas Gutes, „schlecht“ für etwas Schlechtes... falls Sie den anfänglichen Worten nicht folgen konnten!

    Anmerkung! „Gutmensch“ wurde als Unwort von den Nazis aufgegriffen, auf deren widerwärtigst verbrecherische Gesinnungen und abermillionenfach begangenen barbarischen/bestialischen Taten und Verbrechen muss hier an dieser Stelle wohl nicht explizit eingegangen werden, da diese sicherlich bekannt sind (oder?)! 2015 wurde es, Ihnen offenbar sympathisch, zum „Unwort des Jahres“ gewählt, bereits 2011 errang es den 2. Platz! Daher ganz ganz GROSSE Gratulation, dass es solche Vokabel in Ihren Wortschatz geschafft haben! Beachtenswert!!!

  9. 94.

    „Wir* werden in Ewigkeiten nicht mehr gut machen können, was wir* den Tieren angetan haben.“ – Mark Twain

    *Omnivore und Vegetarier

  10. 93.

    Leider setzt bei jeden Job irgendwann die Routine ein und das Mitgefühl bleibt auf der Strecke. Ich bin froh dass solche Missstände aufgedeckt werden, leider ist das Problem Systemisch und kommt wahrscheinlich in jedem Schlachthof der Welt zeitweilig vor. Ich hoffe der Betreiber mein es ernst mit der Aufarbeitung.

    Ein Lösungsversuch:
    Man sollte das Schlachten mal systematisch neu denken, so dass das Leid der Tiere im höchst möglichen Maß vermieden werden kann. Schärfere Gesetzte, mehr Respekt vor den Tieren. Wir sind technologisch so weit fortgeschritten, die Lebensqualität unserer Tiere sollte sich auch (von A-Z)dem neuesten Stand der Forschung anpassen. Es darf keine Toleranz für Mitarbeiter geben, die ihren Job nicht richtig machen und die Tiere quälen. Die Tötung sollte modernisiert und penibel kontrolliert werden und muss zu 99,999% einwandfrei klappen. Es sollte auch Konsequenzen geben, wenn ein Schlachter mehr als einen Versuch zur Tötung des Tieres braucht.

  11. 92.

    Nachvollziehbar. Ich hätte mir halt nur einen Hinweis auf die aktuelle Emtwicklung gewünscht. Ein Update sozusagen, zumindest ein Link zu dem aktuellen Bericht.

  12. 90.

    Guten Tag,

    korrekt: Es gibt eine neue Meldung. Das heißt aber nicht, dass wir die urpsprüngliche Meldung löschen. Hierbei handelt es sich ja um die Grundrecherche zum Thema. Die neue Meldung bezieht sich auf die Konsequenzen aus dieser Recherche. So lässt es sich besser nachvollziehen, oder?

    Beste Grüße aus der Redaktion P.S.: Nicht der gesamte Betrieb wurde geschlossen, sondern dort darf vorerst nicht mehr geschlachtet werden.

  13. 89.

    Ich denke mal, die Bevölkerung teilt sich in zwei Gruppen:

    Die eine, für die ein Mittagessen "Gemüse + Kartoffeln/ Nudeln/ Reis + x" ist, (x können weitere Zutaten sein, gar nichts oder eben überschaubare Mengen Fleisch) ...

    ... die andere, die selbst noch das billigste Kotelett angesichts des täglichen überbordenden Fleischverzehrs für zu teuer hält. Da kann Mittagessen auf die Formel "Fleisch + Sättigungsbeilage" gebracht werden.

    Mithin geht die Frage nach Entwicklung und nach Auflösungschancen nahezu schon neurotischer eingefleischter Gewohnheiten. Vorausgesetzt, dass Veränderung wirklich gewollt wird, anstatt sich nur selber immerfort zu beweisen, auf der denkbar einzig richtigen Seite zu stehen.

  14. 88.

    Frage: Wenn diese Quälerei an der Tagesordnung gewesen sein sollte und diese Bilder im Juli entstanden sind, warum kommt man jetzt damit erst um die Ecke? Die Vorstellung, wievielen Tieren man das hätte ersparen können...

  15. 87.

    Die Lage scheint aussichtslos. Da Fleisch schon lange zum Wegwerfartikel geworden ist und viele Kinder bereits mehr als dreimal täglich in irgendeiner Form Fleischprodukte verzehren muss immer weiter Fleisch produziert werden. Da es aber in Schlachthöfen an geschultem Fachpersonal mangelt sind solche Bilder deutschlandweit alltäglich. Es ist mal interessant sich damit zu beschäftigen, wie viele Arbeiter in einem großen Schlachtbetrieb tatsächlich eine klassische Ausbildung durchlebt haben.Ja, genau die in den oberen Reihen. Betriebswirte und Rechtsanwälte. Viele werden aus den Ostländern früher Polen jetzt Rumänien herbeigefahren und haben bis dahin vielleicht Schweine mit einem Axtschlag erlegt .Die sollen dann in drei bis sieben Tagen einen Schnellkurs zur Tötung belegen und stehen nur kurze Zeit später in der Schlachtung. Das Thema Fleisch scheint aber so abstrakt zu sein, dass kaum wer dieses Video in Relation mit dem Steak heute Mittag auf dem Teller in Verbindung bringt. Scha

  16. 85.

    Hat sich dieser Beitrag nicht durch die Schließung des Betriebes überholt? Da gibt es doch schon eine neu Meldung.

  17. 84.

    Leider haben wir nicht mehr die Zeit, um die Täter dort abzuholen, wo sie sind, denn um den Planeten steht es mittlerweile bei 5nach12! Außerdem, erzählen Sie es mal den jährlich Abermilliarden Opfern: nichtmenschliche ~900.000.000 (Deutschland) / ~70.000.000.000 (weltweit) / ~2500.000.000.000 (aus Gewässern) | menschliche (hungernde): etwa 1 Milliarde / (verhungernde/verhungerte): ~20.000.000, die Täter sollte/müssten dort abgeholt werden, wo sie sind, während/wo sie ihre Taten (Verbrechen an Tier, Mensch und Umwelt) begehen!

    Wie fänden Sie Ihren Vorschlag, aus Sicht der Opfer/wären Sie Opfer, also während Sie vergewaltigt, gequält, gefoltert, ermordet und/oder hungern/verhungern würden??? Sicherlich nicht allzu gut und erstrebenswert, oder???

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