Mann vor einem vergitterten Fenster (Quelle: dpa/Friso Gentsch)
Audio: radioBerlin 88,8 | 23.11.2018 | Ulf Morling | Bild: dpa/Friso Gentsch

Aussage verweigert - Zeuge im Prozess gegen Clan-Mitglied muss in Beugehaft

Schweigen, Erinnerungslücken, Aussageverweigerung: Im Prozess gegen ein Mitglied des Abou-Chaker-Clans hat das Amtsgericht Berlin Mühe, an Informationen zu kommen. Jetzt griff der Richter zu einem drastischen Mittel.

Im Prozess gegen ein Mitglied des Abou-Chaker-Clan hat ein Richter des Berliner Amtsgerichtes Beugehaft gegen einen Zeugen verhängt.

In dem Fall geht es um mutmaßliche Körperverletzung in einer Praxis für Physiotherapie in Spandau. Das Clanmitglied soll dort den Hausmeister zusammengeschlagen haben, weil der ihn angeblich nicht respektvoll gegrüßt habe. Viele der Zeugen, die in dem Prozess befragt wurden, gaben an, sich nicht mehr an den Tathergang zu erinnern. Das mutmaßliche Opfer der Prügelei sprach gegenüber der Polizei davon, Angst zu haben.

Als jetzt der Chef der Physiotherapie-Praxis die Aussage verweigerte, ordnete das Gericht Beugehaft an. Diese könne sich bis zu drei Monate hinziehen, sollte der Zeuge weiter schweigen, betonte der Richter am Freitag.

Abou-Chaker soll Hausmeister mit dem Tod gedroht haben

Vor Gericht steht der 42-Jährige Arafat Abou-Chaker. Mehrere Mitglieder seiner Großfamilie gelten als hochkriminell, er selbst erlangte durch seine jahrelange Freundschaft mit dem Rapper Bushido eine gewisse Prominenz. Im März hatte sich Bushido öffentlich von Abou-Chaker distanziert.

Bei dem jetzt angeklagten Vorfall im März 2018 hat der 42-Jährige laut Staatsanwaltschaft dem Hausmeister einen Kopfstoß versetzt und ihn dann mit Fingern in dessen Augen gestochen. Außerdem soll er dem Hausmeister gedroht haben ihn zu töten, sagte Gerichtssprecher Raphael Neef zum Prozessauftakt.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Bei der deutschen Justiz besteht dann noch die Möglichkeit, dass die Beugehaft des unbescholtenen Bürgers länger ist als die Haftstrafe des durch schlechte Kindheit, Migrationshintergrund und und und negativ beeinflussten Schwerverbrechers.

  2. 6.

    " Außerdem soll er dem Hausmeister gedroht haben ihn zu töten, "
    wer will es dem Zeugen da verdenken nicht auszusagen ? auf das Zeugenschutzprogramm verlässt sich wohl niemand

  3. 5.

    Wo bleibt das Zeugenschutzprogramm?
    Diese Clans sind eine Bedrohung der FDGO und gehören mit Terrorzellen gleichgestellt und entsprechend behandelt.

  4. 4.

    Komisch,wenn es um den größten Parkplatz geht,der immerhin mal Fugplatz werden soll,da geht sowat nich.
    Seltsamer Rechtsstaat.

  5. 3.

    Diese Clans tun und lassen was sie wollen, aber nur weil man nicht ohne wenn und aber gegen diese Verbrecher vorgeht.

  6. 2.

    Ist ja interessant, dass der Rechtsstaat jetzt gegen die Opfer und Zeugen vorgeht, die sich wg. der massiven Bedrohung durch die hier frei waltenden Clans einfach nicht frei äußern können, statt gegen die Clans selbst. Die müssten längst über ihre "Geschäfte" und fehlenden Vermögensherkunftsnachweis dingfest gemacht werden und sitzen. Man kann von keinem Zeugen verlangen, dass der sein Leben, seine Gesundheit oder seine Praxis riskiert, wenn Schwerkriminelle jahrzehntelang frei herumlaufen können.

  7. 1.

    Bedarfsamnesie in solch einem Fall kann nicht zur Gerechtigkeit führen und motiviert Straftäter.

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