Der Angeklagte neben seinem Anwalt (Quelle: rbb/Morling)
Video: rbb24 | 19.11.2018 | Bild: rbb/Morling

Dritter Prozess um tödliches Autorennen - Mutmaßliche Ku'damm-Raser schweigen vor Gericht

Ein Delikt, zwei Prozesse, aber bislang kein rechtsgültiges Urteil: Die beiden Angeklagten sollen mit Tempo 170 durch Berlin gerast sein und rote Ampeln missachtet haben. Ein Unbeteiligter kam zu Tode. Nun entscheidet eine dritte Kammer über die Ku'damm-Raser.

Nach dem illegalen Autorennen mit tödlicher Folge im Februar 2016 auf dem Berliner Kurfürstendamm sind am Montagmorgen zwei Männer erneut vor Gericht gekommen. Es ist der dritte Prozess um diesen Fall: Das erste Urteil hatte der Bundesgerichtshof kassiert, der zweite Prozess platzte im Sommer wegen möglicher Befangenheit der Richter. Gestritten wird nun vor Gericht um den genauen Tatvorwurf und die Höhe der Strafe.

Zum Prozessauftakt am Montag wurde am Landgericht die Anklage verlesen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem gemeinschaftlichen Mord aus. "Sie versuchten, das illegale Straßenrennen zu gewinnen und sich die damit verbundene und angestrebte Selbstbestätigung zu sichern", heißt es in der erneut verlesenen Anklage. Aus niedrigen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln hätten die beiden Raser gehandelt.

Mit bis zu 170 km/h über Ku'damm und Tauentzien

Die beiden Angeklagten waren nach der Fahrt festgenommen worden und sind seit Anfang März 2016 im Gefängnis. Sie sollen bei dem Rennen in der Nacht zum 1. Februar 2016 einen unbeteiligten 69-Jährigen totgefahren haben. Der ältere Angeklagte war mit seinem hochmotorisierten Auto in den Geländewagen des Opfers geprallt. Der Raser ist mehrfach wegen Verkehrsdelikten vorbestraft. Spontan sollen er und der jüngere Angeklagte an einer Ampel ein "Stechen" begonnen haben. Mit bis zu 170 km/h sollen die beiden Fahrer über den Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße gerast sein, bis einer der beiden Raser mit seinem Auto an einer Kreuzung mit einem Geländewagen zusammen stieß, der bei Grün anrollte. Der 69-jährige Fahrer des Geländewagens starb in seinem Fahrzeug.

Die 27 und 29 Jahre Angeklagten ließen über ihre Verteidiger erklären, sie würden sich nicht äußern. Am nächsten Montag (26.11.) soll nun weiterverhandelt werden.

BGH kassiert lebenslange Haftstrafe

Das Berliner Landgericht hatte im Februar 2017 deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall lebenslange Haftstrafen wegen Mordes verhängt. Der Bundesgerichtshof (BGH) kassierte aber das Urteil. Die Richter dort sahen den Tötungsvorsatz als nicht ausreichend belegt an.

So musste das Landgericht im August erneut verhandeln, doch wegen eines Befangenheitsantrages der Verteidigung gegen die drei Berufsrichter wurde der Prozess ausgesetzt. Der Fall ging an eine andere Strafkammer, so dass es zu der nun angesetzten erneuten Verhandlung kam. Für den jetzigen Prozess wurden zunächst 20 Termine festgelegt.

Verteidiger warfen Richtern Befangenheit vor

Bei der im Sommer ausgesprochenen Entscheidung, den Prozess auszusetzen und mit neuen Richtern erneut zu beginnen, hieß es zur Begründung: "Einzelne Formulierungen und Argumente" seien geeignet gewesen, um "Misstrauen in die Unparteilichkeit der Richter" zu wecken. So hatten die neuen Richter ihren Haftbeschluss für die Beschuldigten unter anderem damit begründet, dass auch der neue Prozess mit hoher Wahrscheinlichkeit ein vorsätzliches Tötungsdelikt ergeben werde. Dass sie sich dabei auf Erkenntnisse aus dem ersten Prozess stützten, war aus Sicht der Verteidiger eine Vorverurteilung.

Die Anklage ging im zweiten Prozess erneut davon aus, dass ein sogenannter bedingter Tötungsvorsatz vorlag, dass die beiden Raser das tödliche Risiko also erkannt, jedoch billigend in Kauf genommen haben. Die Verteidigung argumentiert dagegen, dass die beiden Beschuldigten nicht gewusst haben sollen, dass ihr Verhalten Menschenleben gefährde.

Sendung: Abendschau, 19.11.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Toska] vom 19.11.2018 um 09:17
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20 Kommentare

  1. 20.

    Der Vertrteitdiger meint als alen Ernstens , dass die Beiden nicht gewußt haben ,dass mitten in der Stadt ( 50km/h ) keiner zu Tode kommen kann, wenn sie eine Geschwindigkeit von über 160 km/h drauf haben ? Wo haben sie denn ihren Führerschein gemacht ? Was glauben die denn wie schnell sie zum stehen kommen wenn jemand auf die Straße läuft ? Wussten sie nicht ,dass man vor einer roten Ampel warten muss ? Das weiß jedes Kind ...
    Also ab in den Knast und dann nie mehr Auto fahren .

  2. 19.

    "Meine Einschätzung der Rechtsverdrehung teile ich mit dem BGH. " --- Ich würde das eher als Selbstüberschätzung bezeichnen. Zumal der BGH das Urteil ganz sicher nicht als Rechtsverdrehung bezeichnet hat. Die Begründung des BGH richtig zu interpretieren, ist allerdings für einen Nichtjuristen wohl etwas schwierig.

  3. 17.

    Wenn ich wieder einen Kommentar schreibe wie ich darüber denke wird er wieder nicht veröffentlich.
    Deswegen nur kurz und knapp: Lebenslang in den Knast mit Beiden.

  4. 16.

    ...oder es nicht bis zum letzten Absatz geschafft. Naja - kommt vor. Glauben Sie wirklich daß das Gericht im 3. Prozeß jetzt plötzlich den bedingten Tötungsvorsatz fallen lassen wird?

    Ich weiß ja nicht, wie Sie autofahren, aber Ihr Vergleich mit dem Überholen ist deshalb Unfug, weil das Überholen nicht automatisch Regelverstöße beinhalt. Solange sich alle an die Regeln halten, passiert auch nichts beim Überholen. Offenbar ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber die Jungs vom Ku'damm haben sich NICHT an die Regeln gehalten.

    Klar soweit?

  5. 15.

    @#13:
    Meine Einschätzung der Rechtsverdrehung teile ich mit dem BGH. Der BGH schaltet sich nicht aus Langeweile ein.

    Und mein Vergleich wird solange als "Äpfel mit Blumenkohl" bezeichnet, wie keiner zu Schaden kommt. Kommt jemand zu Schaden, werden es wieder alle besser wissen und sagen: "Ganz klarer Fall, der Fahrer hätte/müsste/könnte ... ".

  6. 14.

    Ich habe eine Revision erwartet, da die Frage der konkreten Tötungsabsicht schwer zu belegen ist, und wäre froh, wenn die Täter wenigstens eine zweistellige Haftstrafe bekommen und die vollständig absitzen müssen. Andere haben vorher für dasselbe Vergehen Bewährungsstrafen bekommen, junge Frau auf Fahrrad totgefahren usw., das muss man sich mal vorstellen.

  7. 13.

    ...fährt, muß klar sein, daß er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Tod anderer Menschen riskiert. Das ist nichts anderes als russisch Roulette - nur mit anderen Mitteln. Wer mittels russisch Roulette jemanden umbringt, begeht Totschlag. Da kann er sich auch nicht darauf berufen, daß er nicht gewußt hat, daß die Kugel im Lauf ist. Beim Rasen mit 170 in der Innenstadt liegt zusätzlich allerdings das MORDMERKMAL der Gemeingefährlichkeit vor (§211 (2) StGB).

    Die Einschätzung des Gerichts als "Rechtsverdrehung" zu bezeichnen, ist kühn. Der Hinweis auf Überholmanöver ist ein Vergleich von Äpfeln mit Blumenkohl.

  8. 12.

    Wenn ein Raser jemanden tot fährt und das als Mord bewertet wird, dann ist jeder Ansatz zu einem Überholmanöver wie versuchter Mord zu bewerten. Es gibt eine klare Definition für Mord und der Richter aus erster Instanz hat sie ganz klar nicht verstanden oder wollte sie nicht verstehen. Ein Fall von Rechtsverdrehung. Verschärft das Gesetz, wenn ihr härter bestrafen wollt, aber verdreht es nicht nach Lust und Laune.

  9. 11.

    Feige sind die Angeklagten auch noch. Erst den Kik suchen und dann nicht dafür gerade stehen.
    In dem Alter sollte man in der Lage sein sich über sein Tun und Handeln bewusst zu sein.
    Da kommt nur eine harte Strafe infrage.

  10. 10.

    Ich hoffe, dass das Verfahren bald zum Ende kommt und es bei dem Vorwurf Mord/Totschlag bleibt.

  11. 9.

    ..."dem fehlen sämtliche Latten am Zaun" . Und genau damit würden Sie dem Verteidiger zuliefern. Wer eine geistige Störung hat kann nicht normal behandelt werden. Also ich hoffe, der Richter erkennt eher das Gegenteil, damit die Anklage durchkommt.

  12. 8.

    Mich wundert immer wieder, dass selbst Unterbelichtete in Deutschland den Führerschein machen können? Wäre hier ein Fahrverbot aus ärztlicher Sicht angebraacht? Wer kein Unrecht erkennen kann, sollte besser zu Fuß gehen.

  13. 7.

    Wenn ich das lese muß ich mir wirklich an den Kopf fassen ....wer mit 170 kmh durch eine Stadt brettert und sich nicht bewusst ist , auch wenn er rote Ampen überfährt, Menschenleben zu gefährden, dem fehlen sämtliche Latten am Zaun!!!!!
    Sorry, ab in den Knast und nie wieder einen Führerschein!

  14. 6.

    Wie soll man nachweisen, dass diese (*) es nicht gewusst haben sollen. Der Rechtsstaat kommt hier an Grenzen und die Politik sollte gesetzlich klar regeln, was passiert, wenn gerast wird. Es ist ein Phänomen, welches erst jetzt zeigt, wie eigensinnig manch ein Mensch über sein Handeln befindet.

  15. 5.

    >>Die Verteidigung argumentiert dagegen, dass die beiden Beschuldigten nicht gewusst haben sollen, dass ihr Verhalten Menschenleben gefährde.<< ja, nee, klar.
    Ok, das ist Anwaltsprech. Aber dennoch: wer zu doof ist, solch ein Verhalten als Menschenleben gefährdend einzustufen, gehört nicht ans Steuer. An gar keines.
    Da hilft nur noch: Kindergarten wiederholen, was fast schon ungerecht wäre, da die meisten Kinder bereits wissen oder mindestens ahnen, dass die Raserei tötlich enden kann.
    Sehr gerne dürfen die Beiden ausgiebig darüber nachdenken, wie sie ihr Verhalten rückblickend einschätzen und wie sie sich dann in Zukunft verhalten möchten.

  16. 4.

    Ich finde das Urteil völlig gerecht. Das sie die Beteiligten nicht darüber im klaren waren das ihr Tun solch ein Ausmaß annehmen könnte lasse ich nicht gelten. Wenn man ein Autorennen auf einer belebten Strasse und überhaupt sich dazu hinreissen lässt so etwas zu machen kann es schon sein das völlig Unbeteiligte zu Schaden kommen. So etwas hat auf der Strasse nichts zu suchen.
    Die Angeklakten wollten einfache ihren " Kick" haben und haben jemand zu Tode gebracht. Hier ist eindeutig das Auto zur Waffe geworden. Hinterher rumjammern anstatt vorher den Verstand einzuschalten wenn denn einer vorhanden ist.

  17. 3.

    "Die Verteidigung argumentiert dagegen, dass die beiden Beschuldigten nicht gewusst haben sollen, dass ihr Verhalten Menschenleben gefährde.". Ich fass es nicht. Wie realitätsfern ist das denn? Dachten die nur an "Freude am Fahren"? Ohne dieses Wissen bekommt man m.E. keinen Führerschein. Wenn das Argument vor Gericht zieht, kann sich ja jeder Raser darauf beziehen. Entschuldigung, aber wenn sie nicht wussten, daß durch ihr Verhalten Menschenleben gefährtet waren, wissen sie wahrscheinlich auch nicht, daß ihre Partnerinnen beim ungeschützten Liebesakt schwanger werden können.

  18. 2.

    "Die beiden Angeklagten waren nach der Fahrt festgenommen worden und sind seit Anfang März 2016 im Gefängnis". DAS ist bisher das einzig Positive .... Immerhin seit 2,5 Jahre weg von Autos und Straße.

  19. 1.

    Die Taten liegen nun fast zwei Jahre zurück und es gibt noch kein Urteil. Schuld daran sind unter anderem die Spielchen der Rechtsanwälte mit ihren Befangenheitsanträgen. Hier geht es doch nicht um Gerechtigkeit sondern die Sache unnötig in die Länge zu ziehen. Und dafür werden die Anwälte, von wem auch immer, fürstlich bezahlt. Leider!!!!

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